Selbst erlebte Terror Anschläge in Ägypten

In einem Zeitraum von 40 Jahren, in dem wir mindesten einmal im Jahr durch Ägypten – Sudan – Israel oder Jordanien gereist sind, ist uns der Terror oft hautnah begegnet. Es ist sehr wichtig, dass man in einem Reiseführer auch über die Gefahren und Unangenehmes berichtet, was auf einer Exkursion geschehen kann. Wir möchten hiermit nicht nur die heile Welt in einem Bildband aufzeigen.

Luxor

• Nach einer zweiwöchigen Besichtigung aller Sehenswürdigkeiten in Luxor ging es mit einer Fähre zum Westufer und mit einer Trekking-tour durch die Wüste zur 350 km westlich von Luxor entfernten Oase Kharga. Heute gibt es eine Brücke über den Nil und eine geteerte Straße führt zur Oase Kharga. Es war am 17.11.1997, auf einer Geburtstagsfeier geschah es, dass der Reiseführer hereinstürmte und berichtete, dass Terroristen im Hatschepsut-Tempel über 100 Menschen erschossen haben. Wir haben vor 10 Tagen den Hatschepsut-Tempel von morgens bis abends besichtigt und fotografisch dokumentiert. Diese Geburtstagsfeier werden wir nie vergessen. Als wir am anderen Tag vor Ort in Luxor ankamen, war der Hatschepsut-Tempel natürlich menschenleer und wir erfuhren, dass 62 Personen erschossen wurden.

Kairo

• Es war ein Jahr später nach dem schweren Anschlag im Hatschepsut-Tempel. Wir fuhren an einem Sonntag von Hotel am Nil, auf der Umgehungsstraße von Kairo zum Flugplatz. Auf der Höhe der Zitadelle stockte der vierspurige Verkehr auf beiden Seiten. Nach einer Stunde ging es weiter und wir fuhren langsam an einem Polizeiauto vorbei an dem die Scheiben und das Blaulicht zerstört waren. Auf der anderen Straßenseite stand ein Militärfahrzeug, an dem ebenso die Scheiben zerstört waren. Rechts von der Straße befand sich eine hohe antike Stadtmauer. Vor dieser Mauer standen zwei im Kreis angeordnete Menschenmengen. Unser Führer sprach mit einem Polizisten und bemerkte, er wird das Geschehen erst in einem Monat in der Zeitung lesen, wir würden das bereits morgen in der Zeitung lesen. Er hatte recht, am andern Tag stand in der Zeitung, dass die 8 Terroristen die den Anschlag im Hatschepsut-Tempel verübt haben, hingerichtet worden sind. Die Verwandtschaft hatte die hingerichteten abgeholt für die Beerdigung in ihrer Heimatstadt Minia (Mittelägypten). Zwei der Verwandten haben mit schwarzen Stirnbändern von der Mauer auf das Polizeiauto und Militärauto geschossen. Die Polizei hatte zurückgeschossen und beide verletzt, die dann von der Stadtmauer heruntergefallen sind. Beide noch lebenden Terroristen sind dann von der Menschenmenge gelyncht worden.

• Weil ein Polizist in der Oase Faijum erschossen wurde, musste man sich an der Rezeption des Hotels für eine Besichtigung der Oase Faijum anmelden. Am anderen Tag kam der Begleitschutz, der bei der Besichtigung bis abends bei einem blieb. Wir wohnten im Mena House direkt an den Pyramiden. Den Direktor kannten wir gut und die Fragte an ihn war, ob es eine andere Möglichkeit gibt, ohne Kontrollposten die Oase Faijum zu besichtigen. Er vermittelte einen Taxifahrer, der sich gut auskannte. So fuhren wir mehrmals über Schleichwege an der Kontrollstelle vorbei, zur Oase Faijum. Aber in der Oase Faijum wurden wir an jeder Straßenkreuzung kontrolliert und so verbrachten wir, was wir vermeiden wollten, den halben Tag an Kontrollposten.

• Auf einer Nilinsel von Kairo, El-Gesire, wohnten wir in einem Turm ähnlichem Hotel mit zahlreichen  Stockwerken. Frühmorgens hörten wir draußen einen dumpfen Knall. Vom Balkon sahen wir unten Rauch auf der Straße. Wir, halbwegs angezogen, hasteten sofort nur mit der Kamera in der Hand, 15 Stockwerke durchs Treppenhaus, bis nach unten. Wir wussten sofort, wenn es brennt, ist man im Gebäude rettungslos verloren. Nach vorne durften wir nicht hinaus und mussten wie alle Gäste, draußen im Park warten. Wir durften das Hotel erst am anderen Tag wieder verlassen. Die Nacht haben wir auf der Liege am Swimmingpool geschlafen, aus Angst vor einem Feuer. Seitdem werden Hotelzimmer nur in der 1. Etage oder ein Bungalow der im Garten steht, gebucht.

• Nach einer zweiwöchigen Trekking-tour im Sinai fuhren wir in Richtung Hotel durch Kairo und der Verkehr stockte. Ein Polizist erklärte uns, dass ein Motorrad am Präsidentschaftspalast vorbeigefahren ist, und die Person, die hinten saß, mit einer Schnellfeuerwaffe auf den Palast geschossen hat und die Scheiben zerstörte. Das zerstörte Gebäude vorne ist nicht der Präsidentschaftspalast, der liegt dahinter in einem großen Park. Wir haben in einem Punkt ein schlechtes Gewissen. Wenn Anschläge waren oder im vorderen Orient ein Krieg ausgebrochen war, sind wir eine Woche später nach Kairo geflogen. So auch bei einem schweren Anschlag auf einem Bus vorm ägyptischen Museum. So erhielten wir zwar Dias im Museum und an den Pyramiden, wo keine Personen zu sehen sind, aber beim Anschauen der Dias, denkt man oft an das Leid, was Terroristen verursachen.

• In den 70 er Jahren waren wir im Mena House, direkt an den Pyramiden, einquartiert. Ein herrliches Hotel, wobei man beim Frühstück direkt ein Blick auf die imposanten Pyramiden hat. Gegenüber dem Hotel, auf der anderen Straßenseite lag eine Polizeistation. In dieser Station war die Hilfspolizei stationiert, deren Aufgabe war, das Pyramiden Gelände und die umliegenden Hotels zu sichern. Die Wachleute hatten schwarze Uniformen an und ein Mitleid erweckendes Aussehen. Ihre Uniformen hatten oft Löcher oder waren notdürftig geflickt und die Schuhe hatten meistens keine Schnürsenkel. Wir saßen beim Frühstück, als wir aus Richtung der Polizeistation Schüsse hörten. Wir durften das Hotel nicht verlassen und erfuhren, dass die Hilfspolizisten eine Revolte für mehr Gehalt durchführten. Im nächsten Jahr hatten die Hilfspolizisten schneeweiße Uniformen (die sie heute noch tragen) und hatten auch Schnürsenkel an den Schuhen. Ferner hat sich auch das Gehalt verbessert, wie uns ein Polizist berichtete.

• Wir saßen beim Abendessen in dem indischen Restaurant, dass eines von mehreren integrierten Restaurants im Hotel Mena House ist. Am Nachbartisch saß ein Ehepaar, welches sich in Deutsch unterhielt. Sofort entstand eine Konversation und wir erfuhren, dass es die Honorarkonsul-in der BRD aus Alexandria mit ihrem Mann waren. Die sehr guten Restaurants in Alexandria waren uns bekannt. Deshalb unsere Frage warum 200 km fahren für einen Restaurant-besuch? Die ehrliche Antwort, weil in Alexandria eine Typhusepidemie ausgebrochen ist. Die Behörden sprechen von einem Anschlag der Terroristen, aber jeder weiß, dass es an dem maroden Wassernetz liegt.

• Heliopolis ist ein großer Stadtteil am Rande von Kairo mit hohen Wohnblocks, bis zu 7 Etagen. Mittendrin ist eine Freifläche auf der die Reste einer in der Antike bedeutenden Kultstätte (Heliopolis) lagen. Nur ein gewaltiger Obelisk von Sesostris I. bezeugt ihre damalige Pracht und Größe. Heliopolis war dem Sonnengott Re geweiht und in der Stadt waren zahlreiche Obelisken aufgestellt. Bereits seit der Antike wurden die Obelisken usurpiert und weltweit verschleppt. Heute stehen noch 11 Obelisken aus Heliopolis auf den Plätzen von Rom. Nach der Besichtigung von Heliopolis fuhren wir durch die staubigen Straßen zum Hotel. Die Straßendecke bestand nur aus festgefahrener Erde mit einem staubigen Oberbelag. Durch den ständig wehenden Wind war die Luft getrübt, wie bei einem Sandsturm. Vorsichtig fuhren wir, bedingt durch die getrübte Sicht, durch die Straßen als wir ein dumpfes Stampfen hörten. Der Fahrer wusste sofort Bescheid und fuhr an den Straßenrand und dann sahen wir eine gespenstige Szene. Aus dem Sand-nebel kamen ca. 100 Bereitschaftspolizisten in 5 er Reihen, im Laufschritt auf uns zu. Ihre klobigen Stiefel erzeugten auf dem Lehmboden den bedrohlichen Ton. Ebenso war ihr schwarzes Aussehen mit Bein-Protektoren, Schutzwesten, Helm, Schutzschild und einen Schlagstock in der Hand schon ein beängstige Demonstration der Macht. Nach den Anschlägen sollte es eine Einschüchterung der Einwohner bezwecken. 20 Jahre später stellte sich heraus, dass die Einschüchterung nicht ewig andauern kann. Der Präsident Mubarak wurde von der Bevölkerung durch eine Revolution abgesetzt.

Schnellzug, Luxor-Kairo

• Der Zug fährt Nonstop in 12 Stunden von Luxor nach Kairo. Unsere Gruppe fuhr abends um 20.00 Uhr in Luxor ab und nach dem Abendessen ging es zum Schlafabteil. Als wir in unserem Abteil ankamen, schrien Vereinsmitglieder, kommt euch das mal anschauen. Wir sahen in deren Abteil ein Loch in der Außen-scheibe. Der herbeigerufene Schaffner meinte, das sind die Verrückten aus Minia, die schießen öfters auf den Zug. Es kamen auch die Terroristen, die den Hatschepsut-Anschlag gemacht haben, aus Minia. Minia ist eine große Stadt, die in der Mitte zwischen Luxor und Kairo liegt. Ferner meint er, wenn er an Minia vorbeifährt setzt er sich immer auf die Toilette, da ist es am sichersten. Wir waren kreidebleich und sprachlos. Er ging dann lachend den Gang runter und nahm wieder seinen Dienst auf, als sei nichts passiert.

Sinai

• Durch die zahlreichen Trekkingtouren durch den Sinai haben wir den Grund erfahren, warum der Sinai heute noch die gefährlichste Region in Ägypten ist. Aber die größte Erkenntnis kam uns durch einen Lehrer, den wir nach dem Schulunterricht mit unserem Wagen zu seinem Heimatdorf mitnahmen. Bei einem Tee erzählte er uns einige Tatsachen, die ein Tourist nie zu hören bekommt. Es sind rein wirtschaftliche Gründe. So leben die Clans in verschiedenen Tälern. Einige Clans haben nur einen Esel und bei anderen Clans fährt jeder mit einem Geländewagen durch den Sinai. Bei diesen Clans erfolgten auch die Übernachtungen der Touristen. Dann hieß es, der hat ein Onkel im Ministerium oder der Clanchef ist der Polizeichef und dann noch, wer Geld zur Bestechung hat, bekommt eine Genehmigung.

Sinai: Seitental mit der Siedlung des Lehrers

In den 80 er Jahren waren wir in Scharm esch-Schech und hörte von einem Anschlag auf einen Bus mit Israelis, wobei 8 Israelis starben. Bei jedem Anschlag hieß es, bei Deutschen geschieht das nicht. Es dauerte noch kein Jahrzehnt, da spielte die Nation keine Rolle mehr. Wir kampierten am Ras Mohammed, an der Spitze der Sinai Halbinsel. In 20 km Entfernung lag die Touristenstadt Scharm esch-Schech. Wir waren gerade beim Tauchen, als wir aus Richtung Scharm esch-Schech einen großen Knall hörten. Bei diesem Anschlag sind auch Deutsche gestorben.

• Nuweiba ist ein kleines Dorf auf dem Sinai am Golf von Akaba zwischen Scharm esch-Schech und Taba an der Grenze von Israel gelegen. Bevor es weiter geht, machen wir immer in einem kleinen Hotel einen Tag Badeurlaub. Als wir  am Hotel ankamen, war der Besitzer dabei einen Schutthaufen zu entfernen. Terroristen hatten eine Woche davor die Vorderfront seiner Lobby gesprengt. Die Zimmer waren intakt und wir haben eine Nacht im Hotel übernachtet. Normalerweise fahren wir mit dem Tragflügelboot von hier aus nach Akaba in Jordanien. Durch diesen Anschlag war das Tragflügelboot gesperrt. Aus diesem Grund mussten wir mit dem Auto auf dem Landweg über Israel nach Jordanien fahren. Von Nuweiba ging es Richtung Israel zum ägyptischen Ort Taba. Taba ist ein Grenzort, der an der israelischen Grenze liegt. Auf der anderen Seite liegt die israelische Stadt Eilat. Hier fällt das Gebirge direkt in den Golf von Akaba. Der Streifen zwischen den Bergen und dem Wasser sind nur 500 m. Am Strand steht ein großer ägyptischer Hotelkomplex. Hier kommen die Israelis zum Badeurlaub. Als wir ankamen, sagte man uns, dass auf dieses Hotel vor einer Woche auch ein Anschlag verübt wurde. Die Scheiben der Vorderfront fehlten und die außen angebrachte Nottreppe war eingestürzt. Hier erfuhren wir, dass der Sohn vom Hotelbesitzer, wo wir immer übernachten, diesen Anschlag mit Freunden verübt hatte und auch für den Anschlag auf das Hotel seines Vaters verantwortlich war.

Jordanien

Über Eilat, Akaba und durch das Wadi Rum ging es weiter nach Petra. Von dort ging es über Damaskus nach Hause. Wenn die Mitreisenden uns auf Terroranschläge ansprachen, haben wir immer beruhigt gesagt, in Jordanien ist noch nie ein Anschlag verübt worden. Wir waren ein halbes Jahr zu Hause und in den Sehenswürdigkeiten, die wir besichtigt haben, sind Anschläge verübt worden. Ebenso auf die beiden Luxushotels, in denen wir immer übernachten, ist ein Anschlag verübt worden.

Petra: Das Kloster genannt, weil hier Mönche gelebt haben

Nil-Delta

• Durch die zahlreichen Terroranschläge mussten bei Touren durch das Nil-Delta, diese angemeldet werden und man bekam einen Begleitschutz. Es wurde ein Polizeiauto mit 2 Polizisten und zivilen Personenschützern bereitgestellt. Die zivile Person hatte einen dunklen Anzug an und unter dem Jackett sahen wir eine UZI (kleine israelische Maschinenpistole). Die zivile Person stieg in unseren Kleinbus ein und saß vorne neben dem Fahrer. Von Kairo ging die Fahrt in Richtung Tanis, der ersten Besichtigungsstätte. Auf den Landstraßen standen überall Hinweisschilder, die besagten, dass die Touristen 120 km/h fahren dürfen und die Einheimischen nur max. 80 km/h. Kurz vor Tanis überholte uns ein rasanter Fahrer mit über 120 km/h. Das vor uns fahrende Polizeiauto schaltete das Blaulicht und die Sirene an und verfolgte den Raser. Kurze Zeit später sahen wir beide Autos am Straßenrand stehen. Beim Vorbeifahren sahen wir den Raser auf dem Boden liegen und ein Polizist kniete auf seinem Brustkorb. Auf die Frage, was mit dieser Person geschieht, meinte unser Begleiter, den wird die Familie 1 bis 2 Wochen nicht mehr sehen. Je nachdem wie er sich benimmt, hat er mehr oder weniger blaue Flecken am Körper.

• Die nicht so schönen Aktionen, die wir bei dieser Tour gesehen haben, werden durch eine der schönsten Begebenheit mit einem kleinen Mädchen wie weggeblasen. Als Geschenk für die Kinder in Ägypten werden zu Hause immer zahlreiche bunte Kulis eingekauft. Jeder Tour Begleiter sagt, man darf den Kindern kein Geld geben. Sie sollen nicht dazu verleitet werden, dass durch Betteln das Geld einfacher zu verdienen ist. Ein Tag nach der Besichtigung in Tanis haben wir, in 50 km entfernt, bei Einheimischen übernachtet. Wie in jeder ägyptischen Familie waren zahlreiche Kinder vertreten. Wir wollten die Kinder fotografieren und haben die Genehmigung bei den Eltern eingeholt. Ein kleines Mädchen stand schüchtern abseits und nur durch mehrmaliges Winken kam sie vorsichtig näher. Sie hielt ihre rechte Hand hinter ihrem Rücken. Nach dem Fotografieren gaben wir ihr einen bunten Kuli, den sie mit der linken Hand in Empfang nahm. Danach schnellte die rechte Hand nach vorne und zeigte uns den gleichen Kuli. Über ihr Gesicht ging ein herzhaftes Lachen und wir sind bis  heute noch traurig, dass wir dieses Lachen nicht fotografiert habe. Wir haben am Vortag in Tanis die gleichen Kulis an die Wächter verteilt und ein Wächter muss ihn dann abends ihr geschenkt haben, den sie dann am Tag überall mitnahm und wahrscheinlich noch abends mit ins Bett.

Tanis: Bild links: Das Eingangstor wurde vom Pharao Scheschonk III erbaut. Bild rechts: Obelisk von Ramses II.

Tanis: Bild links, das einzige Pharaonengrab, das vor der Entdeckung noch nicht geöffnet wurde. Bild rechts: Das junge Mädchen hat die rechte Hand mit dem bereits vorhandenen Kuli auf dem Rücken

Geschichte Tanis (San el-Hagar)

In der Nähe von Tanis liegt die antike Ramessiden Stadt Auaris, bei dem Dorf Kantir. Als in der 20. Dyn. (um1000 v. Chr.) die Ramessiden Herrschaft zu Ende ging, gründeten die Priesterkönige eine neue Dynastie, die sogenannten libyschen Dynastien. Die hamitischen Libyer kamen aus Nordafrika und gründeten die Stadt Tanis. Innerhalb einer gewaltigen Umfassungsmauer lagen der Tempelbezirk und die Nekropole der Pharaonen. Die Schätze aus diesen Königsgräbern stellen, neben den Funden von Tutanchamun, die bedeutendste Goldsammlung des Kairoer Museums dar. Die spektakulärsten Funde sind einige Goldmasken und der Goldsarkophag von Pharao Psusennes I., sowie ein Sarkophag aus Silber. Es ist das einzige Pharaonengrab, das vor der Entdeckung noch nicht geöffnet wurde. Im Grab von Pharao Tutanchamun drangen vor der Entdeckung bereits Grabräuber ein, die jedoch gefasst wurden. Danach wurde das Grab neu versiegelt und erst wieder von Howard Carter 1922 geöffnet. Die Goldfunde in Tanis sind mit den Goldschätzen von Tutanchamun durchaus vergleichbar. Heute erfahren erst Besucher des Kairoer Museums von diesen spektakulären Funden. Dies liegt daran, dass Pierre Montet die Entdeckung (1939-40) während des Zweiten Weltkriegs gemacht hat. Im Grabkomplex des Psusennes I. wurden noch andere Personen bestattet. In mehreren Nebenkammern wurde seine Gemahlin Mut-Nedjemet, sein Sohn Amenemope, 2 Generäle und in der Vorkammer der unbekannte Hekacheperre-Scheschonk bestattet.

Tanis | Bild links: Grabkammer Scheschonk III. ca. 825 v. Chr. (22. Dyn.). Bild rechts: Goldmaske Psusennes I. ca. 1049 v. Chr. (21. Dyn.)

• Auf der Weiterfahrt über die antike Stadt Bubastis nach Alexandria, wurden wir an einem Kontrollposten überprüft. Zu den normalen Soldaten gesellte sich ein hoher Offizier, der uns erklärte, dass in der nahe liegenden Stadt Sagasig ein Anschlag stattgefunden hat. Er stieg in unseren Wagen ein, um eine Umgehung um die Stadt zu zeigen. Wir fuhren über Feldwege und kleine Dörfer, bis er uns in einem kleinen Dorf mitteilte, dass sein Bruder hier wohnt und ob er ihm Guten Tag sagen darf. Wir besuchten natürlich den Bruder, der einen kleinen Laden im Dorf besaß. Als er uns sah, kam er sofort mit Getränken aus seinem Laden und es wurden natürlich einige Getränke gekauft. Der Offizier begleitete uns noch bis zum nächsten Kontrollposten und fuhr dann wieder zurück. An einen Anschlag haben wir nicht geglaubt, denn er wollte seinem Bruder nur Kunden zuführen.
• Wie die Nerven der Polizisten blank lagen, wurde verdeutlicht, als wir wieder in einer langen Autoschlange an einer Straßensperre standen. An den stehenden Autos fuhr ein LKW in rasanter Fahrt vorbei, der vor uns von Polizisten gestoppt wurde. Die Polizisten standen vor dem geöffneten Führerhaus und sprachen mit dem Fahrer. Nach einer kurzen Zeit sprang ein Polizist ins Führerhaus und wir sahen, wie der Polizist auf den Fahrer mit den Fäusten einschlug und ihn aus dem Fahrerhaus zerrte. Nach einem kurzen Handgemenge wurde der LKW-Fahrer zur Polizeiwache abgeführt.

Geschichte Bubastis (Tell Basta)

Bubastis liegt in der Nähe der Stadt Sagsig und lag in der 22. Dyn. auf einer Insel. Der große Tempel war der heiteren Katzengöttin Bastet geweiht. Nach dem Geschichtsschreiber Herodot kamen zum jährlichen Opferfest 700.000 Menschen. Seine Haupt-Denkmäler sind in den Museen verstreut und vor Ort sind nur noch Bruchstücke von Statuen, Säulen, Reliefs und Mauerwerk vorhanden.

Bubastis: Ausgräber bei der Arbeit

Geschichte Alexandria

332 v. Chr. gründete Alexander der Große die Stadt. In Alexandria trafen sich die geistigen Größen wie der Mathematiker Euklid, die Ärzte Erasistratus und Herophilus, der Philosoph Phalereus sowie der Maler Antiphilus. Rasch wurde die Stadt Hauptsitz der griechischen Gelehrsamkeit und die berühmte Bibliothek wurde errichtet. Die Künstler und Gelehrten wohnten in der Bibliothek. Die künstlerischen Einflüsse auf die Malerei, Klein- und Mosaikkunst gingen von hier ins gesamte Römische Reich. Zum ersten Mal wurde hier das Alte Testament ins Griechische übersetzt. Als Octavian 30 v. Chr. in Alexandria einzog und Kleopatra und Antonius sich das Leben nahmen, war Ägypten eine römische Provinz.


Alexandria: Fort Kait Bey – hier stand wahrscheinlich in der Antike der berühmte Leuchtturm

Abu Simbel

Die größte und gefährlichste Trekkingtour wurde von uns in den 90er Jahren durchgeführt. Sie ging von Alexandria nach Abu Simbel, aber nicht den normalen Weg am Nil vorbei, sondern durch die Libysche Wüste und parallel zum Nil, Richtung Sudan. Dann an der Sudan Grenze vorbei nach Abu Simbel. Ein Jahr vorher wurden die benötigten Genehmigungen eingereicht. Unser langjähriger Fahrer Esmatt wurde über die bevorstehende Tour informiert. Die Tour startete in Alexandria und führte am Mittelmeer vorbei über El-Alamein nach Marsa Matruh. Von hier ging es in südlicher Richtung über die Oasen Siwa, Baharija, Farafra, Dachla, Charga und Baris zum 22. Breitengrad. Der 22. Breitengrad ist die Grenze zwischen Ägypten und dem Sudan. Die Straßen bis hier waren noch gut befahrbar. Von hier ging es, im Abstand von 50 km, zum 22. Breitengrad in östlicher Richtung durch die Wüste nach Abu Simbel. Der Felsentempel von Abu Simbel liegt 50 km vom 22. Breitengrad entfernt. Wir fuhren 250 km querfeldein durch die Wüste, in der zahlreiche Sanddünen zu überwinden waren. Bei einigen Sanddünen war die Abwärtsfahrt so steil, dass wir aus Sicherheitsgründen aussteigen mussten. So passierte es bei einer Sanddüne, wo unser Fahrer Esmatt mit dem Wagen die Düne runterrutschte und beim Querstellen des Wagens umkippte. Sofort haben wir sämtliches Gepäck und alle Sitze aus dem Wagen entfernt und ihn mit vereinten Kräften wieder auf die Räder gestellt. Hier bemerkten wir, dass Esmatt hinkte und sich verletzt hatte. Er war der Meinung, dass es nur eine Verstauchung war. Später in Assuan stellte sich heraus, dass der Fuß gebrochen war. Wie gefährlich diese Situation war, erfuhren wir ebenso erst später in Assuan. In dieser Region funktioniert kein Handy und wir wären rettungslos verloren gewesen, wenn der Wagen nicht wieder fahrbar gemacht werden konnte. Seitdem werden bei jeder Trekking-tour immer zwei Geländewagen mitgenommen. Nach kurzer Fahrzeit bemerkte Esmatt, dass er mit der Verletzung nicht die Kupplung treten konnte. So waren wir gezwungen die Wüstenfahrt als Fahrer, das übernahm Helmut, anstatt als Beifahrer, fortzusetzen. Wir sind dann auch sicher auf die geteerte Straße, die von Assuan nach Abu Simbel führt, gestoßen. Weiterfahren durften wir nicht, weil es verboten ist, dass Touristen am Steuer sitzen. Wir warteten am Straßenrand auf Hilfe und haben uns gewundert, warum kein Fahrzeug vorbeikommt. Normalerweise sind es zahlreiche Busse und Taxis, die hin und her pendeln. Was wir nicht wussten, Ägypten und der Sudan standen kurz vor einem Krieg. Der Sudan hatte mitgeteilt, dass er den Nil für den Bau des neuen Merowe Staudamms umleiten muss. Ägypten drohte den Damm noch vor seiner Fertigstellung mit Raketen zu zerstören. Die gleiche Antwort kam aus dem Sudan. Sie wollten den Assuan-Staudamm zerstören. Daraufhin wurde die Straße von Assuan nach Abu Simbel für Touristen gesperrt und diese gelangten nur noch mit dem Flugzeug nach Abu Simbel. An der Grenze stationierten die Ägypter zahlreiche Flugabwehrraketen. Die Dämmerung trat bereits ein, als wir beschlossen die Fahrt fortzusetzen. Kurz vor Abu Simbel trafen wir auf einen Militärposten. Die waren so verdutzt, weil es von Assuan mehrere Absperrungen gab und es für Zivilisten unmöglich war durchzukommen. Sofort wurden wir als Spione verhaftet und in eine nahe gelegene Kaserne gebracht. Das Verhör dauerte bis zum frühen Morgen mit zahlreichen geführten Telefonaten des Offiziers der uns verhörte. Danach fuhr ein Militärfahrzeug uns zu unserem gebuchten Hotel Nefertari, direkt neben dem Felsentempel von Ramses II. Das Fahrzeug wurde beschlagnahmt und wir durften nur die Reisetasche mitnehmen. Das Schöne am Hotel Nefertari, nach dem Frühstück war man in 5 Minuten zu Fuß im Felsentempel. An dieser Situation war das schlimmste, dass man uns die Kameras beschlagnahmt hatte, die wir später ohne Film wieder bekamen. Nach 4 Tagen holte uns ein Militärfahrer ab und fuhr uns in die Militärkaserne. Der Kommandeur teilte uns mit, dass wir mit einer Sondergenehmigung die Straße nach Assuan benutzen dürfen. Inzwischen war der Bruder von Esmatt mit dem Flugzeug von Kairo eingetroffen, der uns dann nach Assuan brachte. In Assuan angekommen, ging es sofort ins Krankenhaus, wo der Fuß von Esmatt in Gips eingebettet wurde. So fuhren wir nach Kairo zurück und kamen mit einer Woche Verspätung dort an. Wir haben noch eine Woche Besichtigungstouren in und um Kairo durchgeführt und statt Esmatt, hat uns sein Bruder zu den Sehenswürdigkeiten gefahren. Beim Abholen am letzten Tag saß Essmatt mit im Wagen und lud uns zu einem Fest ein. Es war ein großes Familienfest und wir waren verlegen, weil wir kein Geschenk dabei hatten. Auf  meine Frage wer feiert was, antwortete er: „Es ist ein Dank für alles, was ihr für mich getan habt“. Nach kurzen Erklärungen begriffen wir  die Situation. Normalerweise hätte nach solch einem Geschehen in Abu Simbel, Esmatt die Fahrerlaubnis abgeben müssen. Damit hätte er seine Lebensexistenz verloren. Nur durch unsere Genehmigung und ein Schreiben vom Ministerium, dass die Behörde vor Ort uns behilflich sein sollte, verhinderte dies. Zum Dank bekamen wir von ihm eine sehr uralte Trommel geschenkt.

Meroe Staudamm im Sudan

2009 waren wir im Sudan und fuhren in Richtung Merowe, um das Pyramiden Gebiet zu besichtigen. In Merowe wurden wir von der Polizei gestoppt und mussten am Straßenrand anhalten. Neben der Straße war ein großer Flugplatz, auf dem eine schneeweiße Boeing 737 landete. Mein Begleiter berichtete, dass es die Maschine des Präsidenten ist. Der sudanesische Präsident fuhr zur Einweihung des Merowe Staudamms und kam an uns vorbeigefahren. Die Bevölkerung und wir winkten dem Präsidenten zu, obwohl die UNO 1 Million Dollar Kopfgeld auf seine Ergreifung ausgesetzt hatte. So lernten wir indirekt die Ursache für unsere Verhaftung in Abu Simbel kennen. Es war der neue Staudamm im Sudan.

Genehmigung für die Besichtigung der Dahschur-Pyramiden

In der Wüste, südlich bei der Stadt Sakkara, liegen die Dahschur-Pyramiden. Diese konnten in früherer Zeit nicht besichtigen werden, weil es militärisches Sperrgebiet war. Wir hatten eine Sondergenehmigung vom Kulturminister unterschrieben, die uns erlaubte diese Pyramiden zu besichtigen. Am Eingang zum Sperrgebiet war ein Militärposten, der uns trotz Genehmigung nicht hereinlassen wollte. Wir ließen nicht locker und nach einem Anruf kam der Kommandant des Sperrgebietes. Er las das Schreiben und wir zeigten auf die Unterschrift des Ministers. Er lachte herzhaft und meinte in Kairo bestimmt der Minister, aber hier bestimme ich. Im selben Atemzug lud er uns zu einem Tee ein. Wir fuhren mit seinem Jeep in Richtung Militärcamp und bogen davor in Richtung der Dahschur-Pyramiden ab und wir konnten die Pyramiden besichtigen.

Dahschur: Snofru, zweite  Pyramide – die sogenannte Knick-Pyramide“

Dahschur: Snofru, dritte  Pyramide – die sogenannte Rote-Pyramide“ . Rechts im Hintergrund die Knick-Pyramide. Links im Hintergrund, Amenemhet III. Pyramide