Unsere Entdeckungen & Interessantes

Inhaltsverzeichnis:

18. Aufsatz (01.08.2019) vor dynastische Zeit um 5500 – 3100 v. Chr.

17. Aufsatz (01.08.2019) Thinitenzeit (1. – 2. Dyn.) um 3100 – 2685 v. Chr.

Aufgeführt wird von der Buchseite 124 bis 128. Im gleiche Stil folgen im Buch, über die Thinitenzeit, die Seiten 129 bis 137

16. Aufsatz (01.08.2019) Altes Reich (3. – 6 Dyn.) um 2685 – 2180 v. Chr.

Aufgeführt wird von der Buchseite 138 bis 196. Im gleiche Stil folgen im Buch, über die Pyramiden des alten Reiches, die Seiten 197 bis 255

15. Aufsatz (01.08.2019) 1. Zwischenzeit (7. – 11. Dyn.) um 2180 – 2060 v. Chr.

14. Aufsatz (01.08.2019) Mittleres Reich (11. – 12 Dy.) um 2060 – 1785 v. Chr.

13. Aufsatz (01.08.2019) 2. Zwischenzeit (13. – 17 Dyn.) um 1785 – 1551 v. Chr.

12. Aufsatz (24.07.2019) Schrift im alten Ägypten

11. Aufsatz (22.07.2019) Säulen und Pfeiler

10. Aufsatz (13.06.2019) Ostseite Cheops-Pyramide: Modell des Gang- und Korridorsystems der Cheops-Pyramide

9. Aufsatz (26.05.2019 Reise-Mitteilung an die Mitglieder des Vereins, Ulm-Aachener Hobby-Ägyptologen :

8. Aufsatz (29.4.2019) Echnaton, Nofretete und Tutanchaton (Tutanchamun)

7. Aufsatz (07.04.2019) Opfer-riten an den Pyramiden (Abu Roasch)

6. Aufsatz (06.04.2019) Entdeckung einer Pharaonen-Mumie in Kanada

5. Aufsatz (05.04.2019) Pyramide Pepi I.: Liegt das Südgrab in der Süd-Ostecke? (Sakkara Süd)

4. Aufsatz (05.04.2019) Eine Rampe zum Gisa-Plateau

3. Aufsatz  (15.03.2019) Geheime Kammern und Gänge in den ägyptischen Pyramiden

2. Aufsatz  (10.03.2019) Einsturzursache im Vorraum der Sahure-Pyramide (Abu Gurob)

1. Aufsatz  (16.02.2019) Pyramide an der Ostseite der Cheops-Pyramide entdeckt (Gisa)                  

0. Zeittafel ägyptischer Geschichte —————————————————————————————————————————————————————————————

18. Aufsatz (01.08.2019) vor dynastische Zeit um 5500 – 3100 v. Chr.

Vorgeschichte und vor dynastische Zeit (5500-3100 v. Chr.)
Kontakte der ägyptischen Hochkultur mit den benachbarten Hochkulturen Vorderasiens brachten weitere Kenntnisse und technische Anstöße mit sich, die die kulturelle Entwicklung seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. entscheidend beeinflussten. So wurden Töpferscheiben, Kupfer und Korn eingeführt, und bereits in der Frühphase der vordynastischen Zeit wurde der Gesteinsbohrer entwickelt, mit dessen Hilfe selbst kleine Halbedelstein durchbohrt werden konnten. Diese ägyptischen Perlen scheinen ein begehrter Exportartikel gewesen zu sein. Man fand sie sogar in irischen Großsteingräbern aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. Handelsbeziehungen bestanden vorwiegend zu Asien und den Mittelmeerinseln. Die reichen Gersten- und Weizenernten ermöglichen bald eine planvolle Vorratshaltung (Unterägypten). Früchte und zahlreiche Gemüsesorten ergänzten die tägliche Nahrung. Nachdem eine Lösung für das wohl größte und lebenswichtige Problem – die Bekämpfung des Hungers – gefunden worden war, entstanden durch Spezialisierung einige neue Berufe. Während die Oberägypter noch als Jäger und Sammler lebten, entwickelte sich in Unterägypten eine Bauerngesellschaft (siehe Kaptiel 2.3, Ernährung). Die Produkte der Weber, Töpfer, Korbflechter, Gerber, Färber, Schnitzer sowie der Hersteller von Werkzeugen und Waffen wurden von den Ägyptern in Naturalien entlohnt. Dieses änderte sich auch im Laufe der 3000-jährigen Geschichte nicht, da Geld unbekannt war. Romet, „Menschen“, so bezeichneten sich die Ägypter. Ihr Land nannten sie Kemi, „schwarze Erde“ und „Pharao“ war ursprünglich der Name des Königpalastes. Wenn man vom Pharao, wörtlich „dem großen Haus“, sprach anstatt den Herrscher beim Namen zu nennen, so umschrieb man damit die höchste Institution, vergleichbar der heutigen Verwendung von „Heiliger Stuhl, „Weißes Haus“ oder „Kreml“. Im 5. Jahrtausend v. Chr. entstand im heutigen Oberägypten die Tasa-Kultur der nomadischen Hirtenvölker. Aus dieser Epoche stammen auch die ersten Schminkpaletten. Sie waren meist aus Schiefer gefertigt und wurden zum Zerreiben der grünen Augenschminke aus Malachit oder Kupferspat benutzt. Man vermutet, dass nordafrikanische Stammeshäuptlinge die Vorgänger der ersten Könige (Oberägypten) waren, deren Macht auf ihren magischen Fähigkeiten als Medizinmänner und Herren der alljährlichen Nilüberschwemmung beruhte. Ihre Herkunft leiteten sie von einem heiligen Tier ab, das sie zugleich als Ahnherrn und Schutzgeist verehrten. Horus, der Himmelsfalke, war einer dieser uralten Tiergötter und schon in archaischer Zeit das Stammeszeichen von Oberägypten. Gleichzeitig entstand im heutigen Unterägypten die Merimde-Kultur. Das Verbreitungsgebiet lag am nördlichen Rand der Oase Faijum und am Rand des Nildeltas. Die Jäger und Ackerbauern dieser Epoche wohnten in ovalen Hütten aus Lehm und Rohrgeflecht am Rande des heutigen Fruchtlandes, welches in damaliger Zeit aus Sumpf und Urwald bestand und unbewohnbar war. Sie errichteten bereits Kornspeicher und hielten Haustiere, schnitten Weizen und Gerste mit Feuerstein-Sicheln und bestatteten ihre Toten in Hügelgräbern, sogenannten Tumulusgräbern. Direkter Vorläufer der ägyptischen Hochkultur war die Neqade-Kultur (4500-3000 v. Chr.), deren Hauptverbreitungsgebiet nahe der heutigen Stadt Abydos lag. Sie bereitete sich zunächst weiter nach Süden bis Nubien aus. Später erstreckte sich ihr Einfluss im Norden bis Memphis und reichte schließlich bis zum Niltal. Für Werkzeuge und Waffen wurde Kupfer anstelle von Feuerstein verwendet; auch Gold und Silber wurden bereits verarbeitet. In Hierakonpolis, der Falkenstadt, fand man eine Grabanlage mit ersten Wandmalereien auf einer aus Lehmziegeln errichteten Mauer. Das Hauptthema der darstellenden Kunst dieser Zeit waren die verschiedenen Schiffstypen mit Standarten, woraus sich die wachsende Bedeutung des Handelsverkehrs auf dem Wasserweg (Nil) ersehen lässt. Die älteste Darstellung eines Segelbootes stammt von einem ägyptischen Vasenbild aus der Zeit um ca. 3200 v. Chr.

Ägyptisches Museum Kairo: Rechts, Schminkpalette, Tasa-Kultur (4300-4000 v. Chr.)

Ägyptisches Museum Kairo: Links, Grabbeigabe, Neqade II. Periode (3500-3200 v. Chr.). Rechts, Grabbeigabe, Schwarzrand-Keramik. Naqade I. (4000-3500 v. Chr.)

17. Aufsatz (01.08.2019) Thinitenzeit (1. – 2. Dyn.) um 3100 – 2685 v. Chr.

Die ersten Paletten waren Städte-Paletten, Machtbezeugungen von Oberägypten von den Stadteroberungen in Unterägypten.

Die alljährliche Nil-schwemme begünstigte die Kulturentwicklung und es bildeten sich einzelne Gaue, wobei jeder Gau sein eigenes Schutzsymbol, seine Standarte, zum Beispiel Falke, Stier, Krokodil oder Lotos, besaß. Zwischen den Gauen gab es häufig Streitigkeiten und Kämpfe, wobei zwischen jenen des Südens und jenen des Nordens eine dauernde Rivalität bestand, die sich in der ägyptischen Bezeichnung für das Land „Die beiden Länder“, also Ober- und Unterägypten, widerspiegelt. Die Vereinigung des Landes bestätigt ein in Hierakonpolis gefundenes Dokument, die Palette des Königs Narmer, die vom Sieg über Unterägypten berichtet (nur bis zur heutigen Stadt Sakkara und ohne den Sinai und das Nildelta). Wenn auch nach der Vereinigung die Gegensätze der beiden Länder noch andauerten und die Kämpfe noch bis zum Ende der Thinitenzeit anhielten, so war das oberägyptische Königtum doch immer siegreich. Anderseits ist, und dies war das Wesentliche und Entscheidende dieser Vereinigung, nie angestrebt worden, das unterlegende Unterägypten zu unterjochen (wie es die Römer machten) oder gar zu vernichten. Gerade dieses Verhalten ist darin symbolisiert, dass der König die ober- und unterägyptische Krone trägt, wie auf der Narmer Palette dargestellt ist. Der König wurde als Herrscher von göttlichen Gnaden betrachtet, als Gott, der alle Schutzgeister der Gaue des Nordens und Südens in seiner Person vereinigt. Der Herrscher mit dem Titel Horus war auch derjenige, der den Lebensmittelvorräten (im Bereich des Königspalastes) aller vorstand; ein Großteil der Ernte wurde dem Königspalast übergeben, dem Großen Haus, „pir-o“, aus dem sich der Begriff Pharao entwickelte. Erster Herrscher des geeinigten Ägyptens (einige Gaue) war nach Manetho der Pharao „Menes“, der teilweise mit Narmer identifiziert wird. Die Geschichte Ägyptens wurde von Manetho in 30 Dynastien oder königliche Familien und 330 Pharaonen unterteilt. Sie beginnt mit der Einigung der beiden Reiche und schließt 332 v. Chr. ab, als Alexander der Große Ägypten eroberte. Schon die Ägypter der Frühzeit glaubten an ein Weiterleben nach dem Tode, in dem sie lediglich eine Unterbrechung der physischen Existenz des Menschen sahen. Seine Persönlichkeit war unvergänglich und im Grab musste ihr Fortbestand gesichert werden. Der Verstorbene brauchte die Dinge, die ihm im Leben unerlässlich waren, insbesondere Nahrung, ganz gleich ob tatsächlich Spesen mitgegeben wurden oder dies in Form von Darstellungen erfolgte. Seine körperliche Gestalt musste als Mumie oder Standbild bewahrt bleiben. Der Körper lag auf der linken Seite und blickte in den schönen Westen, wo die untergehende Sonne im Totenreich eintrat. Noch nach Jahrtausenden erinnerte man sich dieses Glaubens bei der Darbringung des Speiseopfers am Grabe des Verstorbenen, denn nach der schriftlichen Überlieferung sprach dort der Sohn am Grabe seines Vater: „Erhebe dich von Deiner linken Seite und setze dich auf deine rechte Seite!“ Krüge mit Nahrung, Frauen- und Männerfiguren aus Ton oder Elfenbein, sind Grabbeigaben, die den Verstorbenen das Leben im Jenseits erleichtern sollten. Später wurden Uschepti(der Antwortende)-Statuen als Arbeiter der Grabausstattung beigefügt.

Oase Faijum/Saila: Die unterhalb der Pyramide von Saila in Fels gehauenen Sarkophage sind einmalig in Ägypten. Ägyptisches Museum Kairo: Uschebtis von Tutanchamun (18. Dyn.)

Narmers Nachfolger Aha (der Kämpfer) wählte den Raum von Memphis als Zentrum seines Reiches. In diese Zeit datiert auch das älteste Grab aus der Nekropole von Sakkara-Nord. Auf den ersten Blick merkwürdig mag es erscheinen, dass die Pharaonen dieser frühen Zeit im Süden des Landes bei Abydos ein zweites Grab, auch Kenotaph oder Südgrab genannt, errichten. Sicherlich hängt dies jedoch mit der Vorstellung zusammen, Herrscher über Ober- und Unterägypten auch im Jenseits sein zu wollen. Somit musste ein Palast/Haus sowohl im Süden als auch im Norden errichtet werden. Mit der Reichseinigung gingen die Pharaonen dazu über, ihre Grabanlagen zu monumentalisieren. Aus den anfänglichen ovalen oder runden Erdgräbern wurden jetzt rechteckige Anlagen, die Dimensionen von Großbauten annahmen. In der 1. und 2. Dynastie ist die Vorstufe der Entwicklung von Pyramiden und Pyramidenbezirken in den aus Lehmziegeln erbauten königlichen Grabanlagen der Thinitenzeit zu suchen. Das Grundbaumaterial der ägyptischen Architektur waren Lehmziegel, die aus dem Schlamm des Nils gewonnen und an der Sonne getrocknet wurden. In den Felsenboden wurde ein Grabschacht getrieben, der in einer Grabkammer mündete. Über diesen Schacht wurde aus Lehmziegeln ein Oberbau mit schräg geböschten Wänden gemauert. Aus der Ferne wirkt das Bauwerk wie eine flache Bank, die die Ägypter „Mastaba“ nennen und nach den auch derartigen Grabanlagen benannt werden. Die Außenmauern früher Mastabas in Sakkara-Nord weisen eine von Mesopotamien beeinflusste Gliederung der Nischen auf. In der dortigen Stadt Uruk weist der um 4000 v. Chr. und damit bereits 1000 Jahre früher als die Mastabas in Sakkara-Nord errichtete Tempel „D“ die gleiche Nischengliederung auf. Woher dieses bei beiden Bauten identische Bauelement rührt, ist bis heute noch ungeklärt. Man weiß nur, dass den Kulturen Ägyptens und Vorderasien reger Handel stattfand. So wurden etwa in den Gräbern Siegelzylinder gefunden, die unzweifelhaft mesopotamischer Herkunft sind. Was auch immer die Nilkultur von den Kulturen an Euphrat und Tigris übernommen haben mag, sie erblühte doch früh zu einer eigentümlichen und ausschließlich bodenbeständigen Kultur, zu einer der reichsten, mächtigsten und zugleich anmutigsten der Geschichte, und dies über einen Zeitraum von 3000 Jahren.

Sakkara-Nord: Horus Aha (1. Dyn., 3080 v. Chr.) (Grab 3357)
Ungeklärt ist bis heute die Frage, wo die Bestattung der Pharaonen der Thinitenzeit erfolgte; ob in Sakkara-Nord oder Abydos, errichteten doch einige Pharaonen in beiden Nekropolen Gräber. Die Größe der Gräber sowie der Bau von Opfertempeln und Bootsbestattungen sprechen für Sakkara-Nord, wo wahrscheinlich der größte Teil der Königsgräber zu vermuten ist, wobei in Abydos sich zum größten Teil die Südgräber befinden. Das Grab des Horus Aha, das nachweislich älteste Grab dieser Art in Sakkara-Nord, ist ein mächtiges, rechteckiges Bauwerk mit einer Länge von 42 m, einer Breite von 16 m und einer Höhe von ursprünglich ca. 3-5 m. Die vier Außenwände sind mit Nischen untergliedert, deren Mitte jeweils mit rötlicher Farbe bemalt war, die das aus Holz gefertigte Türblatt des Palasttores andeuten sollte. Der walzenförmige Vorsprung oberhalb des Türblattes stellt die aufgerollte Matte dar, die bei Bedarf als Sperre gegen die Tageshitze und eindringenden Fliegen diente. Solche Türen, sogenannte Scheintüren, werden in der 3000-jährigen Baugeschichte der Totenkult-Bauwerke für die Pharaonen, Angehörigen und Beamten unverändert übernommen. Sie dienten dem Toten als Ein- und Ausgang.
Versorgung und Ausrüstung für das Jenseits befanden sich in den vier Magazinräumen neben dem Grabschacht. Die anderen Schächte waren unbenutzt und mit Sand aufgefüllt. Unter den reichen Funden befanden sich neben Keramiken, Steingefäßen und Kupferwerkzeugen auch Tonmodelle von Rhinozeroshörnern, deren Bedeutung und Zweck bis heute nicht geklärt ist.

Sakkara-Nord: Mastaba Horus Aha (Grab 3357), direkt am Fruchtland gelegen.

Sakkara-Nord: Mastaba Horus Adjib (Grab 3038) mit einem Sarkophag aus späterer Zeit

Sakkara-Nord: Horus Qaa (1. Dyn., 2915 v. Chr.) (Grab 3505)
Der Mastaba-Bezirk des letzten Pharao der 1. Dynastie, „Qaa“, ist eine Vorstufe der Pyramidenbezirke, die Grab und Kultstätte einschließen. Der zum ersten Mal an eine Mastaba angefügte Totentempel enthielt hölzerne Statuen, von denen noch Reste erhalten sind. Außerdem grenzten ein Schlachthof sowie mehrere Magazine an die Mastaba. Eine weitere Neuerung ist die Konzipierung der unterirdischen Grabkammer, in die vom Außenbereich aus nördlicher Richtung ein abgeknickter Gang führt. An beiden Seiten des Ganges lag je ein Magazin. Die Westseite weist eine einfache Nischengliederung auf. Auf allen vier Seiten waren Nischen und Vorsprünge mit bunten Mattenmustern ausgemalt. Die vertieft liegenden Flächen aller Nischen wurden mit rötlicher Farbe bemalt und stellen wie bei den Vorgängern Holztüren dar. Auch hier bewachten Stierköpfe die Eingänge.

Sakkara-Nord: Horus Hetepsechemui (2. Dyn., 2890 v. Chr.)
Mit Beginn der 2. Dynastie änderte sich in Sakkara-Nord die Gestaltung des Königsgrabes wesentlich. Bisher sind die Grabanlagen des Pharao Hetepsechemui und das daneben liegende Grab des Pharao Nindtjer bekannt. Erhalten sind allerdings nur die im Felsen liegenden Räume, die sich über eine Gesamtlänge von mehr als 1000 m erstrecken. Teile der oberirdischen Bauten wurden nicht gefunden. Die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Zugangstreppe führt in eine Tiefe von 8 m und mündet in einem Gang, der mit dicken Steinplatten überdeckt und durch vier Fallsteine blockiert war. Durch den Gang gelangt man zu einer Reihe schmaler, in den Felsen gehauener Kammern. Unmittelbar hinter dem vierten Fallstein ist der Gang nur noch halb so hoch und führt zu einer Grabwohnung, die ebenfalls in den Felsen gehauen wurde und aus schmalen Kammern und einer Sargkammer besteht. Ein Teil der Kammer ließ Pharao Unas (5. Dyn.) mit seiner Pyramide überbauen.

Horus Hetepsechemui: Links, das Bild zeigt den Gang mit eingestürzter Decke und versandeter Eingangstreppe vor dem ersten Fallstein in südlicher Richtung. Dahinter der Opfertempel des Unas und rechts die Unas-Pyramide. Links, Das Bild zeigt den Gang mit eingestürzter Decke und versandeter Eingangstreppe in nördlicher Richtung, im Hintergrund der Opfertempel des Unas und im Hintergrund die Djoser-Pyramide.

Aufgeführt ist von der Buchseite 124 bis 128. Im gleiche Stil folgen im Buch, über die Thinitenzeit, noch die Seiten 129 bis 137

16. Aufsatz (01.08.2019) Altes Reich (3. – 6 Dyn.) um 2685 – 2180 v. Chr.

Altes Reich (3. Dyn. 2685-2613 v. Chr.)

Der Übergang von der Thinitenzeit zum Alten Reich war durch kurze innenpolitische Unruhen gekennzeichnet. Danach erlebte Ägypten 500 Jahre lang eine innen- und außenpolitische Konsolidierung und Ruhe. Die Zeit der großen Pyramidenbauer sowie des zentral gelenkten Staatswesens setzte unter Pharao Nebka ein. Doch erst sein Nachfolger Djoser, wahrscheinlich Nebkas Sohn, wird als der eigentliche Begründer der 3. Dynastie und des Alten Reiches gefeiert. Unter ihm hat das Königtum endgültig den Schritt zum zentral verwalteten Einheitsstaat getan, an dessen Spitze nicht mehr ein patriarchalischer König, sondern ein göttlicher Herrscher stand, der das Symbol der Einheit und Sohn des Re, des unvergänglichen Sonnengottes, war. Die Macht des Pharao war irdisch und kosmisch zugleich. Er war das Bindeglied zwischen Erde und Himmel, der Garant, dass sich die Schöpfung immer wieder erneuert. In der Vorstellung der Menschen bedeutet dies, dass die Sonne jeden Morgen aus dem Totenreich zurückkehrt und die Nilschwemme alljährlich zur bestimmten Zeit wieder einsetzt. Unter Djoser entstand die erste Pyramide, die Stufenpyramide von Sakkara-Nord. Sie ist eines der größten Bauwunder und gilt als ältestes aus Stein erbautes Monument in der Geschichte der Menschheit. Ein arabischen Sprichwort sagt zutreffend: „Die ganze Welt fürchtet die Zeit, aber die Zeit fürchtet die Pyramiden.“[3] Als Erfinder dieser Steinbaukunst gilt der Baumeister, Arzt und Weise „Imhotep“, der das Alte Reich und die nachfolgenden Reiche prägte. Mit seinen Werken, der Weiterentwicklung der Hieroglyphenschrift und des Kalenders, dem Kunstkanon, den Weisheitslehren und dem durchorganisierten Staat wurde Imhotep noch 3000 Jahre später von den Griechen und Römern als Gott verehrt. Sein Grab, von Strabon (um 25 v. Chr.) als schönstes Grabmal der damaligen Welt beschrieben, konnte bisher noch nicht gefunden werden. Über die politischen Ereignisse dieser Zeit sowie über die Nachfolge Djosers ist kaum etwas überliefert. Nachfolger, vielleicht ein Sohn Djosers, war Sechemchet, der den Thron von Memphis bestieg. Aus seiner kurzen, nur sieben Jahre dauernden Regierungszeit ist nur wenig bekannt. Sein großer Grabkomplex (550 x 190 m) wurde unweit südlich der Djoser-Pyramide angelegt und blieb unvollendet. Felsreliefs im Sinai belegen eine seiner Expeditionen, mit denen die Kupfer- und Türkisvorkommen des Sinai gesichert werden sollten. Das Relief im Sinai zeigt Sechemet, der als erster Pharao den Sinai eroberte, wie er mit unter- und oberägyptischer Krone die Feinde erschlägt. Nach dem frühen Tod Sechemchets wurde wahrscheinlich Chaba sein Nachfolger. Seine Regierungszeit war noch kürzer als die des Sechemchet. Sein Pyramidenbezirk wurde in Saujet el-Arjan, gelegen zwischen Abusir und Gisa, errichtet. Die Nachfolger des Pharao Chaba waren Neferka und Huni. Mit ihnen endet die 3. Dynastie. Von beiden Pharaonen ist sehr wenig bekannt. Von Neferka weiß man lediglich, dass er als erster Pharao seinen Namen in eine Kartusche schreiben und eine unfertige Pyramide in der Nähe der Chaba-Pyramide errichten ließ. Die Kenntnisse über die Anzahl der Herrscher der 3. Dynastie und deren Regierungsdauer sind sehr gering; die genannten fünf Herrscher und deren Reihenfolge werden im Turiner Königspapyrus aufgeführt. Andere Quellen nennen folgende Daten: Manetho zählt in der 3. Dynastie acht Herrscher auf und in der Königsliste von Abydos werden sechs Pharaonen genannt.

Djoser-Pyramide, Sakkara-Nord (3. Dyn., 2667 v. Chr.)

Nach kaum nennenswerten Vorläufern aus Lehmziegeln mit einem geringen Anteil an gehauenen Steinquadern wurde das gewaltige Grabmal mit einer Höhe von 60 m komplett aus kleinen, geschichteten Steinen errichtet. Die Pyramide und die heute noch gut erhaltenen zugehörigen Bauten zeigen, dass die ersten Steinmetze mit einer Sorgfalt und Präzision gearbeitet haben, wie sie bei den später errichteten Bauwerke kaum mehr erreicht wurde. Als Platz für seinen Grabbau wählte Djoser einen Bereich mitten auf dem Felsrücken von Sakkara-Nord, südlich der alten Königsgräber der 1. und 2. Dynastie. Der gesamte Pyramidenbezirk ist von einer 550 m langen, 300 m breiten und ursprünglich 10,5 m hohen Umfassungsmauer umgeben. Die feine Nischengliederung dieser Mauer übernahm der Baumeister Imhotep von den Gräbern aus der 1. und 2. Dynastie; allerdings wurde diese statt Lehmziegeln in Kalkstein ausgeführt. Außer dem Eingang an der Südostecke weist die Mauer noch 14 gleichmäßig verteilte Scheintüren auf. Die Stufenpyramide wurde ursprünglich als Mastaba begonnen, so wie sie die Vorgänger bereits errichtet hatten. Es wurden jedoch keine Lehmziegel, sondern erstmalig behauene Steinblöcke verwendet. Von dem Dach der Mastaba führt ein Schacht erst durch das Mauerwerk und dann 28 m in den Felsen hinein zur Grabkammer.

Djoser-Pyramide: Stufenpyramide des Djoser, Blick aus südlicher Richtung, im rechten unteren Bereich der Pyramide sieht man die Bauphasen der Mastaba und jene zwei der Pyramide, vorne links das Uräus-Fries des Kronenhauses

An der nördlichen Pyramidenseite liegt der stark zerstörte Opfertempel. Die von diesem aus zugänglichen unterirdischen, bis zu 28 m tiefen Grabräume sind ein wahres Labyrinth von Gängen, Kammern und Schächten. In einigen Räumen waren die Wände in Nachahmung von Schilfmatten mit kleinen blaugrün glasierten Tonplatten bedeckt, in anderen die Scheintüren mit feinsten Reliefarbeiten überzogen. Über 40.000 Steingefäße fand man in den Grabräumen. In den später entstandenen Königslisten erscheint anstelle des Namens Djoser regelmäßig der Name Neterichet. Dieser Name steht auch mehrmals im Inneren des Djoser-Grabes und im Südgrab, so dass angenommen wird, dass es sich Djoser und Neterichet um ein und dieselbe Person handelt. Verwunderlich ist allerdings, dass der Name in keinem zeitgenössischen Dokument auftaucht, sondern erst im Neuen Reich, also 1000 Jahre später.

Djoser-Pyramide: Reste des Opfertempels an der Nordseite und des daneben liegenden Grabeingangs

Von der Ostseite der Mastaba trieb man elf Grabschächte bis in einer Tiefe von 32 m hinab, die unterirdisch untereinander, jedoch nicht mit den Grabräumen Djosers verbunden sind. Sie dienten der Königfamilie als Bestattungsräume. Hier fanden Archäologen zwei Alabaster-Sarkophage mit einer unbekannten Kindermumie.
Die Schachteingänge wurden bei der späteren Pyramidenerweiterung überbaut. Zahlreiche Gebäude im Pyramidenbezirk stellten eine Nachbildung des königlichen Hofes in Memphis dar, mit dem Unterschied, dass es sich hier um mit einem Eingang und einem kleinen Vorraum versehene Scheinbauten handelte, die statt aus Lehmziegeln aus Natursteinblöcken errichtet waren. So waren ein Verwaltungsgebäude für Ober- und Unterägypten und außerdem Gebäude für Wirtschaft- und Lagerzwecke entstanden. Der größte Gebäudekomplex wurde von der Heb-Set-Anlage eingenommen. Das Heb-Sed-Fest war ein rituelles Jubiläumsfest des Pharao zur Erneuerung seiner Macht. Angrenzend an den Opfertempel fand man zum ersten Mal das sogenannte „Serdab“, auch Statuenraum genannt. In seinem Inneren befindet sich die berühmte Sitzfigur des Königs Djoser, durch die dieser durch zwei Gucklöcher herausschauen konnte. Die völlig abgeschlossene Kammer wurde schräg an die unterste Stufe der Pyramide angebaut. Diese in der ägyptischen Baugeschichte einzigartige Schräglage des Serdabs wird als die Verbindung zum nördlichen Himmelsfirmament gedeutet.

Djoser-Pyramide: Das schräg nach Norden ausgerichtete Serdab mit der Djoser Statue

Die Pharaonen der 1. und 2. Dynastie errichteten ihre Südgräber in Abydos. Djoser ließ erstmalig ein solches Grab an der Südmauer seines
Djoser-Pyramide: Das schräg nach Norden ausgerichtete Serdab mit der Djoser Statue Djoser-Pyramide: Das Südhaus mit Cheker-Fries erbauen. Dieses hat die Form einer Mastaba, ist jedoch, wie auch andere Gebäude des Grabkomplexes, einmalig mit einem gewölbten Dach versehen. Vom Dach führt ein im Querschnitt von 7,5 x 7,5 m Schacht der 28 m in die Tiefe geht. An der Sohle befindet sich eine aus Rosengranit errichtete Grabkammer. Die Wände der Gänge sind mit Kacheln verkleidet.

Djoser-Pyramide: Südgrab mit Grabschacht, das gewölbte Dach ist einzigartig in der ägyptischen Baugeschichte. Rechts, die Wandkacheln im Gang zur Grabkammer (Südgrab)

Südgang zum Grabschacht (Pyramide)
1993 wurde der Eingang zu einem der merkwürdigsten und geheimnisvollsten Gänge unterhalb der Djoser-Pyramide freigelegt. Mit der Genehmigung der Behörde durften wir 1998 den Gang vermessen und eine Bauaufnahme vornehmen. Der Gang verbindet den Südhof mit dem Djoser-Grabschacht in einer Tiefe von 4,8 m und ist durchschnittlich 2,9 m breit und 1,85 m hoch. Der in den Fels geschlagene Gang mündet mit einigen Richtungsänderungen an der Südwestecke in den Djoser-Grabschacht. Die ungenaue Bearbeitung des Ganges und die langen Meißelspuren lassen die Vermutung zu, dass der Gang nicht im Alten Reich, sondern erst im Mittleren Reich oder gar erst im Neuen Reich geschaffen wurde. Dass der Gang von Grabräubern angelegt wurde, kann wohl ausgeschlossen werden, da er für diesen Zweck viel zu groß und aufwendig angelegt ist; auch die eckige Form des Ganges spricht gegen diese Vermuten, sind doch von Grabräubern angelegte Gänge üblicherweise rund. Ferner ist anzunehmen, dass bei der Erstellung des Südganges die außermittige Anordnung des Grabschachtes bekannt war. So wurde der Eingang des Südgangs auf der Mitte der Pyramidenachse angelegt, genauso wie auch der zweite Eingang auf der Nordseite. Wie aus der Zeichnung ersichtlich, erfolgte im hinteren Teil des Ganges eine größere Richtungskorrektur, so dass dieser noch an der äußeren Ecke in den Grabschacht mündete. Bis heute bleibt die Frage offen, welchen Sinn und Zweck dieser Gang hatte. Ist er ein Kultgang, oder sollte hier eine weitere Bestattung erfolgen? Weiterhin ergeben sich Fragen im Zusammenhang mit den im Gang angeordneten Säulen und Pfeilern. Drei Pfeilern und 20 Säulen, welche mit Steinwerkzeugen grob bearbeitet wurden, sind ungefähr in der Gangmitte und mit unterschiedlichen Abständen aufgestellt. Bis auf einige Ausnahmen besitzen sie einen quadratischen Abakus und ein Fundament gleicher Form. Bei den meisten Stützen besteht der Schaft aus mehreren Teilen. Der Spalt zwischen Decke und Abakus ist mit Kalkmörtel ausgefüllt, wobei eingeschlagene Holzkeile für die nötige Stabilität sorgen. Eine Erklärung wäre, dass die Stützen errichtet wurden, nachdem man in der Felsendecke die noch heute sichtbaren Risse bemerkte, welche durch das Gewicht der oberhalb liegenden Steinmassen der Pyramide verursacht wurden. Im hinteren Gangbereich in der Nähe des Grabschachtes stehen zwei Säulen, an denen man zwei geformte Becken im oberen Bereich der Säulen anbrachte. Die mit Fett und Öl gefüllten Becken enthielten einen Docht, der als Lichtquelle diente. Nach unserem Wissen ist die Anbringung einer Lichtquelle mittels eines öl-gefüllten Beckens an einem Säulenschaft (aus einem Stück) einmalig in der ägyptischen Baugeschichte. Eine weitere Entdeckung machten wir im Gang an einer der vorderen Säulen im Eingangsbereich. Hier enthält ein gerippter Säulenschaft eine Kartusche, deren Pharaonen-Name leider nicht mehr lesbar ist.

Djoser-Pyramide: Links, Eingang des Südzuganges unter der Pyramide. Rechts, Blick in den Südgang in Richtung Ausgang (Süden)

Djoser-Pyramide: Links, Grabschacht mit Abdeckblöcken und noch zum Teil erhaltenen Balken der Schachabdeckung. Rechts, aus einem Stück grob behauende Säule mit Becken für eine Lichtquelle

Djoser-Pyramide: Links, gerippte Säule mit Kartusche. Rechts, Grabschacht, schön zu sehen, der vermauerte Schacht mit dem Gang zur Grabkammer.

Gräber westlich der Djoser-Pyramide

Mastaba des Ptahhotep
Die Doppelmastaba gehört dem Verwalter der Güter (Schatzhaus des Pharao) Achethotep und seinem Sohn Ptahhotep. In dem Teil der Mastaba, die für seinen Sohn angelegt ist, kommen die farblichen Reliefdarstellungen besser zur Geltung und deshalb ist die Mastaba nach ihm benannt. Die Entstehung dieser Mastaba wird an das Ende der 5. Dynastie datiert. Berühmt wird sein Sohn durch die Lehren des Ptahhotep, die auf einem Papyrus im British Museum in London gezeigt werden. Die Darstellungen in einer Mastaba sind immer mit der Vorstellung verbunden, was der jeweilige Verstorbene im Jenseits besitzen möchte. So sind sämtliche Güter, Privilegien und die Freizeitgestaltung aufgezeigt. Zwei Darstellungen dürfen in keinem Grab fehlen: die Auflistung der Güter und de Grabinhaber am Speisetisch. In diesem Fall sitzt der Sohn unter dem Stuhl. Der Speisetisch ist mit halbierten Fladenbrote beladen und unter dem Tisch ist alles aufgelistet, war dieser noch mitnehmen möchte. Um sicher zu gehen, dass es für die Ewigkeit reicht, ist über den Gütern die Hieroglyphe Tausend angebracht. Eine besondere Geste des Künstlers, der diese Kunstwerke geschaffen hat: Er hat sich namentlich verewigt.

Mastaba des Ti
Diese Mastaba ist eine der umfangreichsten und schönsten Mastaba aus der 5. Dynastie. Ti war Großgrundbesitzer und hoher Beamte am Hof des Pharao. In der Mastaba findet sich so gut wie alles, was man ins Jenseits mitnehmen konnte, um dort ein gleich gutes Leben wie im Diesseits zu haben. Zudem weist das Grab weitere Besonderheiten aus. So wurde links im Pfeilereingang ein Serdab errichtet, von dort konnte der Grabbesitzer einen Sehschlitz beobachten, wer das Grab betrat. Im darauffolgenden Pfeilerhof befindet sich ein Eingang im Boden, der bis zur Grabkammer mit dem Sarkophag führt. Der Opferraum besitzt zwei Scheintüren, wobei sich dahinter nur eine Grabkammer mit einem Sarkophag befindet. Hinter der linken Wand des Opferraums befinden sich Sehschlitze
, aus denen die Statue des Ti aus einem Serdab herausschaut

Mastaba des Ti: Links, Ti Statue im Serdab. Rechts, Pfeilerhof, Eingang zur Grabkammer

Sarapeum, Apis-Stiernekropole
Unterirdisch sind riesengroße Stollensysteme aus dem Felsen geschlagen, an denen rechts und links große Felsenkammern angelegt wurden. In diesen Kammern stehen große Steinsarkophagen, in denen die heiligen Tiere bestattet wurden. Die Tierverehrung geht bis in die thinitische Zeit zurück, wobei diese Katakomben erst im Neuen Reich angelegt wurden.

Sarapeum: Links, Stollensystem. Rechts, Grabkammer mit Granit-Sarkophag der Allseitig mit Hieroglyphen beschriftet ist.

Sechemchet-Pyramide, Sakkara-Nord (3. Dyn., 2648 v. Chr.)

Die Pyramide des Sechemchet, dem Nachfolger Djosers, liegt südwestlich der Djoser-Pyramide und wurde 1951 entdeckt. Die unvollendete Pyramide mit einem quadratischen Grundriss von 120 m und einer Höhe von 7 m, die direkt als Stufenpyramide geplant wurde, lässt in der Anlage der unterirdischen Räume eine deutliche Vereinfachung gegenüber der Djoser-Pyramide erkennen. Auf den Mittelschacht zur Grabkammer hat man verzichtet, stattdessen führt ein 80 m langer Stollen von Norden durch den Felsen in die Grabkammer. Von diesem abwärts führenden Stollen zweigt eine Galerie mit 132 Räumen ab, die die Pyramide U-förmig umschließen. Bei der Freilegung der Schächte entdeckte man in einer Grube einen kleinen Schatz, bestehend aus goldenen Armringe, einer muschelförmigen, goldenen Dose und einer Fülle von Alabastervasen und Tonkrügen mit dem Namen des Pharao Sechemchet.
In der 32 m tief unter der Erde gelegenen Sargkammer wurde ein ungeöffneter, honiggelber Alabaster-Sarkophag gefunden, der jedoch leer
war. Auf dem Sarkophag war eine Blumengirlande niedergelegt und dort lag es noch so wie am Bestattungstag.
An der Südseite der Pyramide wurde eine Mastaba freigelegt, die als Südgrab gedeutet wird. Die Grabkammer wurde jedoch von Grabräubern geplündert, die dazu von Westen einen Gang gegraben hatten. Wo dieser Schutt gefüllte Gang beginnt, ist bis heute ungeklärt, da dieser noch nicht freigelegt wurde. In der schlichten Grabkammer fand man einen hölzernen Sarg mit der Mumie eines zweijährigen Knaben, das eine Schädelverletzung aufwies. Ob es sich dabei um ein Königskind handelt oder es sich um eine spätere Beisetzung handelt, ist nicht bekannt, da der Sarg unbeschriftet war.

Chaba-Pyramide, Saujet el-Arjan (3. Dyn., 2648 v. Chr.)

Diese Pyramide wurde 10 km nördlich von Sakkara in Saujet el-Arjan errichtet. Der Oberbau wurde als typischer Pyramidenaufbau (Stufenpyramide) der 3. Dynastie begonnen und ist unvollendet. Die Pyramide hat eine Basislänge von 84 m und sollte fünfstufig und ca. 50 m hoch werden. Das Grabkammersystem entspricht dem System der Grabanlage des Pharao Sechemchet. Die Magazingalerie hat jedoch nur 32 Räume; sie befinden sich nur auf der der Pyramide zugewandten Seite.
An der Nordseite liegt die sogenannte Mastaba T 500, in der Steingefäße und Keramik aus der 3. Dynastie mit dem Horusnamen des Königs Chaba gefunden wurden. Daher wird er als Bauherr dieser Pyramidenanlage
angesehen.

Chaba-Pyramide: Links, Nordostecke. Rechts, Ostseite mit Kultnische

Chaba-Pyramide: Links, Nordseite mit Schichtung der Steine. Rechts Nordseite, versandeter Eingang

Chaba-Pyramide: Nordseite, Grabräuber haben vergeblich den Pyramideneingang gesucht

Snofru-Pyramide, Maidum (4. Dyn., 2613 v. Chr.)

Die Nekropole, benannt nach dem in der Nähe liegendem Dorf Maidum, mit ihren über 100 Mastabas und Schachtgräber, in deren Mittelpunkt die imposante Snofru-Pyramide 66 m turmartig herausragt, erstreckt sich auf einer Fläche von rund 6 km. Als Neuordner des Staates und des Kultes, als Erbauer der geometrisch echten Pyramide und als Gründer der 4. Dynastie ist Snofru in die Geschichte eingegangen. Bei dem heutigen Dorf Maidum erbaute er seine erste Pyramide. Zwei freigelegte Transportrampen für die Außenverkleidung zeigen, wie die Gesteinsblöcke transportiert wurden.
Kein Pharao errichtete je mehr als zwei Pyramiden, und außer diesem ließ nur noch Pharao Amenemhet III. (Mittleres Reich) eine zweite Pyramide errichten. Möglich wäre allerdings, dass sein Vorgänger Huni den Pyramidenbau begonnen hatte und Snofru das Bauwerk vollenden wollte und dann den Bau abbrach. Heute noch sieht man an der Grabkammer, dass sie unvollendet ist. Die Pyramide, die als Stufenpyramide begonnen wurde und deren Stufen mindestens einmal erweitert wurden, ist wegen der schlechten Verankerung der Stufen abgerutscht. Ein Teil des Schuttes ist heute weggeräumt und lässt die herrliche Kalksteinverkleidung im unteren Bereich erkennen. Ferner erkennt man, dass die unteren Blöcke geglättet sind und somit kann man behaupten, dass die Pyramide selbst fertiggestellt wurde. Die Umgestaltung zur echten Pyramide erfolgte wesentlich später, wobei die achtstufige Pyramide mit Tura-Kalkstein aufgefüllt und dann von oben herab geglättet wurde. Wie bei fast allen Pyramiden befindet sich der Eingang auch bei dieser auf der Nordseite. In 15 m Höhe beginnt ein 58 m langer Korridor, der schräg bis in den Felsenuntergrund der Pyramide führt. Ein kurzer, waagerechter Gang führt zu einem Schacht, der nach oben in die dar überliegende Grabkammer führt. Deren Sohle liegt im Felsenuntergrund und wurde erstmals mit einem Kraggewölbe überspannt. Einen Sarkophag fand man nicht. Im aufsteigenden Schacht und in der Grabkammer sind heute noch eingespannte Zedernholzbalken zu sehen. Diese werden als Beweis dafür angesehen, dass hier keine Königsbestattung stattfand; in diesem Fall wären die Balken entfernt worden. Verschlusssteine wurden ebenfalls nicht gefunden. An der Ostseite wurde aus dem Pyramidenschutt eine gut erhaltene Opferkapelle mit Altar und zwei unbeschrifteten Stelen freigelegt. An den Kapellenwänden wird in Besucherinschriften aus der 18. Dynastie Snofru verehrt. Die Pyramide war von einer 2 m hohen Umfassungsmauer umgeben. An der Südseite stand eine kleine Pyramide, das sogenannte Südgrab, das hier erstmalig als Pyramide errichtet wurde.

Snofru-Pyramide: Links, Nordseite mit Eingang. Rechts, Herabführender Schacht zur Grabkammer

Snofru-Pyramide: Links, waagerechter Gang, Schacht nach oben zur Grabkammer. Rechts, Opfertempel mit Stelen auf der Ostseite.

Snofru-Pyramide: Links, Grabkammer mit Kraggewölbe. Rechts im Bild der Schachteingang. Oben noch eingebaut, der Holzbalken als Transporthilfe. Rechts, die Vertiefung für den Sarkophag in der Grabkammer.

Mastabas, Snofru-Pyramide
Die zur Pyramide gehörende Pyramidenstadt wurde in den Abusir-Papyri der 5. Dynastie mehrfach erwähnt, der Taltempel wurde bis heute noch nicht gefunden. Die Erforschung der Nekropole von Maidum beschränkt sich bislang auf die Arbeiten von Flinders Petrie (1892-1912). Der Pyramidenkomplex und die Nekropole bedürfen weiterer Untersuchungen, um vielleicht einige der vielen bisher ungeklärten Fragen beantworten zu können. Das um die Pyramide gelegene Gräberfeld wurde bis in die Spätzeit benutzt. Die jedoch teils unfertigen und unbenutzten Gräber sind in der Mehrzahl von unbekannten Bauherren errichtet worden. Die wohl berühmtesten Mastabas liegen auf der nördlichen Pyramidenseite (Nr. 1-17 nach Petrie). Darunter befinden sich die Doppelmastabas des Nefermaat und seiner Ehefrau Atet sowie des Rahotep mit seiner Ehefrau Nofret. Bei den mit Statuen, Inschriften und Darstellungen aus der Snofru-Zeit ausgestattet Mastabas handelt es sich um die wohl schönsten Kunstwerke jener Zeit.

Mastaba 17, unbekannter Erbauer
Die Mastaba 17 liegt direkt an der Nordostecke der Umfassungsmauer der Pyramide. Größe und Ausführung lassen die Vermutung zu, dass der Inhaber ein Mitglied der königlichen Familie war. Der bis heute unbekannte Erbauer ist wahrscheinlich ein Prinz des Königshauses Snofru oder eine früh verstorbene Königin.
Der Grundbaustoff dieser sehr großen Mastaba besteht aus Lehmziegeln, wobei die Verkleidungsblöcke aus Tura-Kalkstein bestehen wie auch die komplette Grabkammer, der anführende Gang und die Verriegelungsblöcke. Zahlreiche Zwischenräume sind mit Tura-Kalksteinschutt ausgefüllt, wahrscheinlich bei der Steinbearbeitung entstandenes Abfallprodukt. In einer Tiefe von 8 m liegt, eingelassen ins Erdreich, die wohl eigenwilligste und schönste Grabkammer des Alten Reiches. Der heutige Zugang ist auf der Südseite, wo Flinders Petrie einen abwärts führenden Gang zur Grabkammer ins Felsgestein meißeln ließ. Die Grabkammer erreicht man kriechend durch einen engen Mauerdurchbruch. Die kreuzförmig angeordnete Kammer sorgfältig aus Tura-Kalksteinblöcken vermauert worden. Diese, im Vergleich zur grob bearbeiteten Pyramidenkammer des Snofru, präzise Steinverarbeitung sowie die Verwendung des beim Bau der Pyramide angefallenen Schutts, lassen den Schluss zu, dass mit der Errichtung der Mastaba begonnen wurde, als der Bau der Maidum Pyramide (größtenteils) abgeschlossen war. Die schlichte und einfache Grabkonzeption der Maidum-Pyramide könnte möglicherweise die Ursache für die Aufgabe der Pyramide sein. Beim nachfolgenden Bau der Knickpyramide von Dahschur haben sich die Grabräume gewaltig vergrößert, und die Präzision der Steinbearbeitung steht der von Grabkammer 17 in nichts nach, die einige Besonderheiten aufweist. Die Vorkammer hat abgerundete Durchgänge, deren Zweck bis heute ungeklärt ist. An der Westwand der Kammer steht ein sehr schöner und großer, aus Rosengranit gefertigter Sarkophag. Unerklärlicherweise ist die Kammerhöhe mit 5,10 m (Höhe des Vorraums: 2,37 m) extrem nach oben versetzt worden. In der nördlichen Ecke der Vorkammer mündet der vom Opfertempel führende Eingangsschacht, der durch die originalen Verriegelungsblöcke versperrt wird. Es ist die einzige Grabverriegelung, die in Ägypten zu sehen ist. Gut erkennbar ist, welche Mühe sich die Arbeiter machten und welche Passgenauigkeit die Verriegelungssteine im Gang besitzen. Ferner wurde in der Kammer, unterhalb der Verriegelungssteine, der Hohlraum mit einer Rampe ausgefüllt. Zur Krönung befindet sich an der gegenüberliegenden Wandseite eine 20 cm Ausbuchtung, in der die Verriegelungssteine hineinpassten. Mit Entsetzen stellten wir 1996 fest, dass man die Verriegelungsblöcke entfernt und die Blöcke zum Großteil zerschlagen hatte und damit auch das einzige Dokument einer Verriegelung zerstört hatte. Den Eingang im oberen Bereich des Opfertempels zu finden, schlug fehl. Vorstellbar ist, dass, da sich bereits ein Sarkophag in der Grabkammer befand, dieses nicht benötige Grab von oben komplett zugemauert wurde.

Maidum – Mastaba 17: Links, Dieser Gang führt von der Ostseite bis in die Vorkammer der Grabkammer. Der Gang wurde von Flinders Petrie angelegt. Rechts: Der Eintritt in die Vorkammer der Grabkammer.

Maidum – Mastaba 17: Links, das einzige Dokument einer Gang-Verriegelung einer Grabkammer in Ägypten. Rechts, heute sind die Verriegelungsblöcke entfernt.

Maidum – Mastaba 17: Links, Vorkammer zur Grabkammer mit abgerundeten Kanten. Rechts, Grabkammer mit Sarkophag.

Maidum – Nefermaat und Atet (Mastaba 16)

Die Mastaba des Nefermaat, wahrscheinlich ein Sohn des Snofru, bestand aus Lehmziegeln, deren Außenfläche mit Kalkmörtel verputzt wurde. An der Ostseite erfolgte eine Erweiterung mit Lehmziegeln, deren Fassade mit Nischen (Scheintüren) versehen wurde. Die Nischenfassade wurde wie die glatte Fassade der ersten Bauphase mit Kalkmörtel verputzt. Beide verputzten Flächen sind nach 4600 Jahren noch gut erhalten. 1871 entdeckt Auguste Mariette im Gang zur Kalksteinkapelle der Atet (Ehefrau von Nefermaat) ein auf die Stuckschicht gemaltes Bild, die berühmten „Gänse von Maidum“. Nach weiteren Grabungen von Flinders Petrie und der Freilegung der Kalksteinkapelle in Jahre 1892 fand man die bekannten Pastenreliefs, die Jagdszenen und die Feldarbeiten darstellen. Schrift und Wandmalerei, die den Lebensbereich des Verstorbenen auf magische Weise im Jenseits erhalten sollten, wurden ab dieser Zeit immer häufiger in den Gräbern vorgefunden.

Maidum – Nefermaat, und Atet (Mastaba 16): Links, oben sieht man die 1. Bauphase (flach mit Kalkputz) und davor die 2. Bauphase mit Nischengliederung (Scheintüren)

Maidum – Nefermaat, und Atet (Mastaba 16): Die berühmten Gänse von Maidum

Maidum – Nefermaat, und Atet (Mastaba 16): Die berühmten Pastenreliefs

Maidum – Rahotep und Nofret (Mastaba 6)

Der Beamte Rahotep, Leiter der Bauarbeiten und Expeditionen war wahrscheinlich wie Nefermaat ein Sohn Snofrus. In seiner Ziegelmastaba, nordöstlich von der Mastaba des Nefermaat gelegen, fand Auguste Mariette 1871 die Statuen des Rahotep und seiner Ehefrau Nofret. Die eingelegten Augen und frischen Farben der lebensgroßen Statuen verleihen ihnen ein so lebendiges Aussehen, dass die Arbeiter bei ihrer Entdeckung entsetzt die Flucht ergriffen. Diese einzigartigen Statuen sowie andere Kunstwerke aus Maidum sind im Archäologischen Museum Kairo zu besichtigen.

Maidum – Rahotep und Nofret (Mastaba 6): Links, Rahotep und seine Ehefrau Nofret. Rechts, Mastaba 6 mit Nischengliederung (Scheintüren)

Snofru-Pyramide, Dahschur (4. Dyn., 2610 v. Chr.)

Wahrscheinlich verlegte Snofru nach der siebten Zählung, das heißt im 14. Regierungsjahr, seinen Pyramidenbezirk nach Dahschur. Während der Bauzeit seiner zweiten Pyramide, der sogenannten Knickpyramide, wurden Unternehmungen durchgeführt, die schriftlich belegt sind. So wird von einer Expedition nach Nubien berichtet, von der zahlreiche Menschen und Vieh als Beute mit nach Ägypten gebracht wurden. Ferner wird im achten Zählungsjahr aufgeführt, dass er einen Palastneubau mit Toren aus Zedernholz errichten ließ sowie einen intensiven Neubau von Schiffen veranlasste. Vermutlich wurde während des Baus der Knickpyramide bis zur Fertigstellung das Baukonzept zweimal geändert. Das ursprüngliche Konzept, eine Pyramide mit einer quadratischen Basis (156 x 156 m) und einem Pyramidenwinkel von 58-60°, lässt sich nur noch anhand von Rissen und Verschiebungen in beiden Gangsystemen erahnen. Das Kammersystem und beide Eingänge sind von Beginn der ersten Bauphase an geplant gewesen, wobei der Sinn des außergewöhnlichen Westganges wohl ewig ein Geheimnis bleiben wird. Die Gründe für die Verbreiterung der Basis auf 189 x 189 m bei einer gleichzeitigen Verkleinerung des Pyramidenwinkels stehen vermutlich im Zusammenhang mit den Bauschäden. Aufgrund einer Senkung der Pyramide und den daraus resultierenden Bauschäden änderte sich des Weiteren der Pyramidenwinkels auf 45°. In der oberen Grabkammer versuchte man, die Bauschäden mit einem Balkengerüst aufzuhalten. An den heute noch zu besichtigenden Balken steht eine mikroskopische Untersuchung noch aus, mit der geklärt werden kann, welche Baumart hier verwendet wurde. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Zedernholz, da in der damaligen Savanne (westlich des Niltals gelegen) solch große Bäume nicht vorhanden waren. Die Senkungen und Risse in der Kammer müssen sehr früh aufgetreten sein, da das Kraggewölbe, im Gegensatz zur unteren Kammer, nicht geglättet wurde und nicht scharfkantig ist. Außer dem Balkengerüst versuchte man mit Kalksteinblöcken den Raum auszumauern. Auf einen dieser Blöcke ist der Name Snofru geschrieben, wodurch der Besitzer der Pyramide belegt ist. Höchstwahrscheinlich waren die Bauschäden der Grund dafür, dass die Knickpyramide aufgegeben und eine dritte Pyramide errichtet wurde. An der Ostseite der Pyramide liegt, wie bei der Pyramide von Maidum, ein Opfertempel mit Altar und einem offenen Hof, der zwei riesige Stelen beherbergt. Die ca. 9 m hohen und aus einem Stück gefertigten Stelen tragen zum ersten Mal die Horusnamen des Königs. Die gleichen Setzschäden wie bei Snofru ereilte 800 Jahre später das Grabmal Amenemhet III. (12. Dyn.) östlich der Knickpyramide, die deswegen aufgegeben wurde. Dass die Ursache dieser Senkungen der wenig tragfähige Untergrund war, konnten die beiden Baumeister nicht erahnen.

Dahschur, Snofru-Pyramide: Die Knickpyramide, Nordsüdseite

An der Südseite des Grabbezirkes liegt eine kleinere 26 m hohe Pyramide, das Südgrab. Möglich wäre, dass Snofru die zweite untere Kammer in der Knickpyramide als Südgrab errichten wollte, sich jedoch wegen der Schäden veranlasst sah, dieses außerhalb zu errichten. Die Anordnung des Südgrabs innerhalb der Pyramide wurde vermutlich von Cheops, Sohn und Nachfolger Snofrus, mit der Grabanordnung in seiner Pyramide in Gisa umgesetzt.

Dahschur, Snofru-Pyramide: Links. Südgrab, Nordseite mit Eingang. Rechts, Schnittzeichnung, Südgrab.

Dahschur, Snofru-Pyramide: Links, Opfertempel auf der Ostseite. Rechts,Taltempel auf der Nordostseite.

Snofru-Pyramide, Dahschur, Rote Pyramide (4. Dyn., 2600 v. Chr.)

2 km nördlich der Knickpyramide errichtete Snofru seine dritte Pyramide, die sogenannte „Rote Pyramide“ (so genannt aufgrund der roten Farbe der Steine im Innern der Pyramide) mit dem Namen „Erscheinung des Snofru“, die mit großer Wahrscheinlichkeit seine Grabstätte wurde. Die Kalksteinverkleidung, die durch Steinraub im Mittelalter verloren ging, gibt die Sicht auf die inneren Sandsteinblöcke frei. Die Kernsteine stammen aus einem Steinbruch unmittelbar westlich der Pyramide, von dem zwei Transportrampen zur Pyramide führen. Wegen der rötlichen Farbe dieser Steine nennt man diese Pyramide auch „Rote Pyramide“. Die Verkleidungssteine aus Kalkstein, von denen nur wenige Lagen erhalten sind, stammen aus dem östlichen Steinbruch von Tura. Nach den schlechten Erfahrungen der Baumeister an der Kick-Pyramide wurde bei der neuen Pyramide der Pyramidenwinkel auf 45° geändert, um so den durch das Gewicht der Steine auf die Grabkammer ausgeübten Druck zu verringern. Da der Pyramidenwinkel ziemlich genau mit dem Winkel des oberen Teils der Knickpyramide übereinstimmt, kann man dies als statische Sicherheitsmaßnahme verstehen. Wegen des flacheren Winkels von 45° musste, um die Höhe der Knickpyramide zu erhalten, die Basislänge auf 213 m vergrößert werden. Ein glücklicher Umstand bescherte dem leitenden Ausgräber Rainer Stadelmann das bisher einzige aufgefundene Pyramidion einer Königspyramide. Das Kammersystem im Innern der Pyramide besteht aus drei Räumen. Der Eingang auf der Nordseite führt 62 m abwärts und dann 7 m horizontal in die beiden Vorkammern, die von eine Kraggewölbe wie in der Pyramide in Maidum und in der Knickpyramide überdeckt werden. Ferner gab es keine Fallsteine. Der Einstieg in die eigentliche Grabkammer liegt in 8 m Höhe an der Rückwand der zweiten Vorkammer, die ebenfalls ein makelloses Kraggewölbe besitzt. Die Grabkammer mit ihrer Höhe von 15 m und ihrer technischen Perfektion erreicht die Genauigkeit der großen Galerie der Cheops-Pyramide, die 30 Jahre später errichtet wurde. Die Glättung der Wände, an denen die Versatzfugen der gewaltigen, teilweise mehr als 4 m hohen und breiten Blöcke kaum sichtbar sind, lässt staunen. Die Grabkammer wurde, anders als die Vorkammern, als Verbindung zum Totenreich in westlicher Richtung (Sonnenuntergang) ausgerichtet. Diese Ausrichtung von Grabkammer und Sarkophag wird in der nachfolgenden 1000-jährigen Pyramiden-Gegeschichte bis auf wenige Ausnahmen beibehalten.Die Mumie sowie die vermutlichen Reste des Holzsarges und der hölzernen Grabausstattung sind, nach den Spuren in den Vorkammern zu urteilen, verbrannt worden. Unter den herausgerissenen Steinen des Fußbodens fand man Reste einer Mumie, in der man die des Snofru zu erkennen glaubt. So wie in der Knickpyramide gibt es auch hier wenig Funde oder Zeichen, die auf den genauen Bestattungsort des Pharao Snofru hinweisen. Ein Taltempel oder Südgrab wurde bisher nicht gefunden, so dass man annehmen kann, dass die Bauwerke an der Knickpyramide für diesen kultischen Zweck verwendet wurden. Rote Pyramide des Snofru: Nordseite mit Eingang in 28 m Höhe Dahschur: Amenemhet III-Pyramide, Rote Pyramide und Knickpyramide für diesen kultischen Zweck verwendet wurden.

Dahschur: Rote Pyramide des Snofru mit Nordseite und Eingang (Pfeil) in 28 m Höhe.

Dahschur: Amenemhet III.-Pyramide (links), Snofru, rote Pyramide (Mitte) und Snofru Knickpyramide (rechts)

Dahschur: Links, 62 m hinab in die erste Vorkammer der roten Pyramide des Snofru: Rechts, Erste Vorkammer mit Eingang zur zweiten Vorkammer

Dahschur: Links rote Pyramide des Snofru mit der zweiten Vorkammer und in 8 m Höhe der Eingang zur Grabkammer. Recht, die Grabkammer mit einem Kraggewölbe wie die beiden Vorkammern.

Cheops-Pyramide, Gisa, (4. Dyn., 2589 v. Chr.)

Zur Bauart und Bauzeit der Cheops-Pyramide
Es ist u. E. sehr unwahrscheinlich, dass die Cheops-Pyramide in Schalenbauweise, so wie sie bei einigen Pyramiden der nachfolgenden 5. Dynastie, errichtet wurde. Gegen diese Bauweise spricht die Unregelmäßigkeit der Schichten. Das Plateau der abgetragenen Pyramidenspitze hätte die Schalenbauweise sichtbar werden lassen.
Außerdem hätte man dies auch in der 9 m tiefen Bresche an der Südseite erkennbar sein müssen. Darüber hinaus wäre es bautechnisch wohl kaum oder nur unter großen Schwierigkeiten möglich, dass Kammer- und Gangsystem in dieser Höhe in den Schalen-kern einzubauen. Die Steinquader wurden mittels eines Hammers aus Dolerit (Hartgestein) von allen Seiten aus dem Felsen herausgeschlagen, bis man auf eine Mergel-schicht stieß. Die seitlichen Rinnen sowie die Mergel-schichten sind heute noch in den Steinbrüchen an den Gisa-Pyramiden und an der großen Sphinx sichtbar. Die verschiedene Höhen der Steinblöcke zeigen, in welcher Tiefe eine Mergelschicht lag. In den sichtbar äußeren Schichten sind die Blöcke einer Lage sorgsam horizontal verlegt und aus einem Stück gefertigt. Weiter im Inneren hat man die horizontalen Schichten weiter angewandt, jedoch für eine Schicht verschieden hohe Blöcke verwendet, wie sich an der Südseite, in der 9 m tiefen, von Grabräubern erzeugten Bresche feststellen lässt. Zur Verbindung der kleineren Blöcke wurde reichlich Kalkmörtel verwendet, der mit Sand und Splitt vermischt wurde. Das Baukonzept der Kammern- und Gangsysteme in der Cheops-Pyramide wurde wahrscheinlich während der Bautätigkeiten geändert.
Erste Bauphase

Die Felsenkammer als Südgrab, die erste Grabkammer mit den Seelenschächten sowie die große Kammer für die Lagerung der Verriegelungsblöcke sind Teil des ersten Baukonzepts. Das komplette Gang- und Kammersystem wurde aus den schneeweißen Tura-Kalksteinblöcken gemauert. Einzigartig beim Pyramidenbau ist die Konzeption der Gangverriegelung, bei der die Blöcke mit ins Bauwerk genommen wurden. Bedingt durch die Verriegelung von innen, wurde hinter dem letzten Verriegelungsblock ein senkrechter Stollen bis hinunter zum abführenden Gang der Felsenkammer geschlagen. Dieser Gang wurde von den Priestern nach der Bestattung des Pharao benutzt, um das Bauwerk verlassen zu können. Die Felsenkammer wurde als Südgrab konzipiert. Sie und die erste Grabkammer sind in der West-Ost-Achse der Pyramide mittig angeordnet. Der nördliche Eingang und das Gangsystem hat man aus der Nord-Süd-Achse um 7,26 m nach Osten versetzt. Somit konnte der Sarkophag, der mit wenigen Ausnahmen immer an der Westwand (Sonnenuntergang) stand, genau unter der Mitte der Pyramide angeordnet werden. Von den beiden Seelengängen in der ersten Grabkammer ist nur der südliche Gang erforscht. Dieser Gang mit einem Querschnitt von 20 x 20 cm führt 60 m schräg nach oben und ist mit einem Verschlussstein verschlossen. Eine Besonderheit bei diesem sind die beiden Kupferstiftet. Wahrscheinlich halten sie ein Schutzsymbol auf der anderen Seite. Leichter lassen sich Konzeption und Sinn der Seelengänge deuten. Die als Vögel dargestellten Schutzgeister Ba und Ach flogen nach dem Ritual der Bestattung durch die Seelengänge zum Himmelsfirmament. Die Anordnung der Seelengänge musste bei der hoch angeordneten Grabkammer erfolgen, da die Vögel nach Vorstellung der Erbauer den Gangknick, der erst nach unten und anschließend nach oben führte, nicht überwinden konnten. Diese Vorstellung hat wahrscheinlich ihren Ursprung in der Beobachtung, dass Vögel immer schräg nach oben starten. Dass man die Seelengänge nicht bis nach außen führte und mit einem Verschlussstein versah, deutet darauf hin, dass man diese Kammer nicht mehr als Grabkammer benötigte. Die Seelengänge werden nur da benötigt, wo der Sarkophag und somit die Mumie sich befindet.
Zweite Bauphase

Es besteht die Möglichkeit, dass die Anordnung der zweiten Grabkammer durch einen Unfall verursacht wurde. Wenn beim Bau der großen Verriegelungskammer die weichen Tura-Blöcke zerbrochen und eingestürzt sind, konnte bei der darunter liegenden Grabkammer, die ebenfalls aus weichem Tura-Blöcke besteht, das Steinmaterial nicht mehr geändert werden, da die Kammer bereits allseitig umschlossen war. Vielleicht entschloss man sich aus diesem Grund, eine neue Grabkammer zu errichten. Dies würde auch erklären, warum hier Rosengranit verwendet wurde und auch die oberhalb angeordneten Entlastungskammern. Die erste Grabkammer fungierte nun als Südgrab und die Arbeiten am bisherigen Südgrab (Felsenkammer) wurden eingestellt. Ein Südgrab ist nicht mit einem Sarkophag ausgestattet worden und benötigte deshalb auch keine Seelengänge. In der neuen Grabkammer, in der der Sarkophag aufgestellt wurde, führen die Seelengänge in nördlicher und südlicher Richtung bis zur Außenkante der Pyramide. Die erste Ausführung, in der der Sarkophag in der Pyramidenmitte stand, konnte nicht mehr verwirklicht werden. Die neue Grabkammer musste an die Verriegelungskammer angesetzt werden, womit sie aus der Pyramidenmitte hin in südliche Richtung versetzt wurde.
Unter der Annahme der beschriebenen beiden Bauphasen kann das Konzept spätestens in Höhe des Bodenpflasters der zweiten Grabkammer, also bei einer Pyramidenhöhe von 41 m geändert worden sein. Zu diesem Zeitpunkt wurden in der Felsenkammer, die als Südgrab konzipiert und nicht mehr benötigt wurde, die Arbeiten eingestellt. Legt man nun die im Kapitel „Arbeiteranzahlen und Bauzeiten“ abgeleiteten Zusammenhänge zugrunde, so dürfte die Bauzeit der 41 m hohen Pyramide ca. 9-10 Jahre gedauert haben.

Die Herstellung der in den Kalkstein geschlagenen Felsenkammer und des abführenden Ganges berechnet sich wie folgt – wobei die tägliche Abbauleistung des Gesteins im Vergleich zur überirdischen Abbauleistung um 20 % geringer angesetzt wird, und zwar auf 0,05 m³ pro Mann und Tag, da unter Tage der Steinabbau wesentlich aufwendiger war. Für den Gang zur Felsenkammer mit einem Querschnitt von 1,2 m² und einem Abbauvolumen von 100 m³ benötigt ein Arbeiter etwa sechs Jahre. Infolge des Platzmangels konnte nur ein Arbeiter eingesetzt worden sein, der mit seinem Dolerithammer ins Felsmassiv schlug.

In der Felsenkammer mit einem Volumen von 550 m³ können im Durchschnitt zehn Arbeiter zum Einsatz gekommen sein, womit sich eine Abbauzeit von über drei Jahren ergibt.

Somit kann eine Herstellungszeit für das im Felsen angelegte Gang- und Kammersystem wie bei der gemauerten 41 m hohen Pyramide (bis zur Bodenplatte der zweiten großen Grabkammer) von ca. 9-10 Jahre angenommen werden.

Cheops-Pyramide
Auf die lange Regierungszeit des Snofru folgte die eines seiner jüngeren Söhne mit dem Namen Cheops (Chnum-Chufu). Er verlegte die Königsresidenz seines Vaters von Dahschur nach Gisa, westlich von Kairo gelegen. Nach den Bauexperimenten seines Vaters spiegeln die Pyramiden seines Sohnes und dessen Nachkommen in Gisa die Höhepunkte der Pyramidenbaukunst wieder, obwohl Cheops sein Baukonzept mindestens zwei Mal änderte. Die günstige Wahl des Standortes ergab sich aus dem gut abbaubaren Kalkgestein auf dem Hochplateau von Gisa.
„- Bauten, davor die Zeit sogar sich fürchtet, wo sonst doch fürchtet alles in der Welt die Zeit. Ein Herrscher hat sie erbaut, wer Anspruch auf den Namen eines mächtigen Herrschers erhebt, der möge sie zerstören und zerstören ist leichter als bauen -“ „- Ihre unzerstörbare Masse hat die Zeit ermattet -“
Kernmauerwerk der Pyramide
Auf einer vorspringenden Felsnase in der Nähe von Gisa, auf dem nördlichen Ausläufer der libyschen Muschelkalkberge, fand Cheops den idealen Baugrund und in der Umgebung genug Steinmaterial für seine Pyramide. Für das Kernmauerwerk wurde das ringsum anstehende Muschelkalkgestein in Blöcken von durchschnittlich 1,1 m³ verwendet. Unter der Mitte der Pyramide wurde ein Felskern belassen, der vermutlich abgestuft wurde. Nach Abzug des gewachsenen Felskerns und der inneren Kammern und Gänge betrug das Mauerwerk einschließlich Verkleidungsblöcke 2,5 Millionen m³ (heute noch 2,35 Millionen m³). Wenn alle Kultgebäude und die Umfassungsmauer hinzugerechnet werden, sind es sogar 3,5 Millionen m³. Bei einer Pyramidenbasis mit der größten Höhendifferenz von 2 cm ist dies selbst für moderne Vermessungstechniken eine unglaublich genaue Arbeit. Der Böschungswinkel betrug ca. 52°, das heißt nach ägyptischer Messtechnik: Bei 1 Elle Höhe ergibt sich ein 5,5 handbreiter Rücksprung, woraus sich eine Pyramidenhöhe von 280 Ellen = 146,59 m ergibt. Die Pyramidenspitze fehlt, wobei die Pyramide heute noch 138,67 m hoch ist und 201 Steinlagen besitzt, deren durchschnittliche Höhe 0,69 m misst. Die Höhe der horizontal geschichteten Steinlagen beträgt in der untersten Lage 1,5 m und in der oberen nur noch 0,51 m. Die Pyramidenausrichtung erfolgt nach den Sternen; das heißt nach dem Stand der Sonne bzw. der auf- und untergehenden Sonne. Dabei weist die Pyramide eine Abweichung von der Nordrichtung um 3° auf, bei anderen Pyramiden sind es bis zu 15°. Verkleidungsblöcke der Pyramide Die Steinbrüche für die Verkleidungsblöcke liegen auf der östlichen Nilseite beim Kairoer Stadtteil Tura. Hier liegt ein mächtiges Korallenriff, das noch heute als Steinbruch genutzt wird. Die Blöcke mussten für den Bau mit Booten über den Nil transportiert werden. Von den Verkleidungsblöcken ist nur noch ein Rest in den untersten Lagen erhalten, wobei ein Großteil der Blöcke bei der Errichtung der mittelalterlichen Bauten in Kairo Verwendung fand. Die Seitenflächen und die Blockhöhe an den ca. 210 Steinlagen wurden genau angepasst. Die Glättung der Außenfläche der untersten Steine belegt, dass die Pyramide, da die Glättung von oben nach unten erfolgte und dies der letzte Arbeitsgang an der Pyramide war, fertiggestellt wurde. Für die untersten Ecksteine wurde eine Vertiefung in den Fels gehauen, um ein Verschieben der Blöcke zu verhindern. Die schneeweiße und glattpolierte Verkleidung besaß eine solche Leuchtkraft, dass der griechische Reisende Herodot 2000 Jahre nach ihrer Entstehung in seiner Reisebeschreibung über die Pyramiden (448 v. Chr.) schrieb: „Sie leuchten wie eine Fackel in der Nacht.“
Pyramidion

Durch die Abtragung der Pyramidenspitze von ca. 8 m hat sich eine Plattform von 10 x 10 m gebildet. Der Abschlussstein, das Pyramidion, wurde nicht gefunden, so dass die Materialfrage ungeklärt bleibt. So kann man auch nicht sagen, ob das Pyramidion vergoldet war, wie es teilweise vermutet wird.
Pyramideneingang

Der Eingang liegt in 15 m Höhe und zwar, wie es bei den Pyramiden im Alten Reich üblich war, auf der Nordseite. Es folgt ein schräger, 114 m langer und abwärts führender Gang, der in die unterirdische Felsenkammer mündet. Bereits nach 19 m zweigt ein Gang ab, der zu den oberen Kammern führt. Die Wände der Gangsysteme sind wie bei den Verkleidungsblöcken aus weißem Tura-Kalkgestein gemauert. Der heutige Eingang, ein von dem Kalifen Al-Ma’mun (832) in die Nordwand getriebener Stollen, liegt unterhalb des Pyramideneinganges. Welche Schätze der Kalif vorfand, berichteten spätere arabische Schriften in unterschiedlicher Weise. Große Schätze können aber nicht gefunden worden sein, da er von einer Öffnung der anderen Pyramiden absah.
Wahrscheinlich erfolgte die Beraubung bereits in der 1. und 2. Zwischenzeit, als in Ägypten chaotische Verhältnisse herrschten. Hier haben sich die Grabräuber durch den Priesterausgang Zutritt zur Grabkammer verschafft.
Große Halle
Die große Halle, auch Galerie genannt, ist 47,7 m lang, 8,5/8,7 m hoch und 1,05/2,09 m breit. Ihr Bau erfolgte mit weißen Tura-Kalksteinblöcken, deren Wände als Kraggewölbe ausgebildet sind. Der Sinn der großen Halle bestand darin, zum ersten Mal in der Baugeschichte die Verriegelungsblöcke für den oberen Gang in der Pyramide zu lagern. Ein Einschnitt an den beiden Seitenwänden diente wahrscheinlich als Balkenauflage für den Transport der Verriegelungsblöcke. Holzbalken, die in die Wände eingelassen wurden, hielten bis zur Beisetzung des Pharao die aus Rosengranit hergestellten Blöcke fest. Nach der Bestattung wurden die Blöcke in den oberen Gang geschoben. Im unteren Bereich wird der Zugang um 3 cm schmaler, um die heruntergeschobenen Blöcke im Gang einzukeilen. Heute sind noch drei Verschlusssteine an dieser Stelle festgeklemmt (vgl. Pyramiden-Modell). Als die Priester die Bestattung und Verriegelung vollzogen hatten, verließen sie die Pyramide über den senkrechten Schacht und den Gang zur Felsenkammer. Der senkrechte Gang streift eine Grotte, von der man bis heute nicht weiß, ob es sich hier um ein überbautes Grab aus der 3. Dynastie oder eine natürliche Felsengrotte handelt. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier um eine nicht fertiggestellte Grabstätte. Cheops ließ nämlich den Eingang der Grotte zumauern, denn man konnte nie wissen, wie der Besitzer aus dem Jenseits reagierte.
Erste Grabkammer

Am Fuß der großen Halle zweigt ein waagerechter Gang zur ersten Grabkammer ab, die fälschlicherweise Königinnenkammer genannt wird. In keiner einzigen Königspyramide jedoch erhielten Königinnen Grabräume. Die 21 m über dem Erdniveau liegende Grabkammer besteht aus Tura-Kalksteinblöcke, besitzt ein Satteldach und liegt mittig über der Grundfläche der Pyramiden. Ihre Grundfläche beträgt 5,8 x 5,23 m. Das Satteldach erreicht in der Mitte eine Höhe von 6,3 m. Die Seelenschächte mit einem Querschnitt von 20 x 20 cm führen in der Nordund Südwand ca. 60 m nach oben und sind durch Verschlusssteine verschlossen. Der nördliche Gang musste einen seitlichen Knick machen, da er ansonsten mit der später errichteten großen Halle zusammengestoßen wäre. Diese Schächte dienten den Schutzgeistern Ba und Ach zum Verlassen der Grabkammer, um an das Himmelsfirmament zu gelangen. Da jedoch später eine zweite Grabkammer errichtet wurde, wurden die Gänge nicht mehr benötigt und verschlossen, da der Sarkophag dann in der neuen Grabkammer aufgestellt wurde. Auch die Kammer selbst blieb unvollendet, wie der roh behauene Boden zeigt.
Felsenkammer

Die komplett aus dem Fels gehauene Kammer liegt 30 m unter dem Pyramidenniveau und ca. 3 m versetzt unter der Pyramidenspitze. Die Abmessungen von 14,1 x 8,4 m mit einer Höhe von 5/1,5 m zeigen, dass die Kammer unvollendet blieb. Die Felseinschnitte im Bodenbereich zeigen die Abbrucharbeiten, wobei die stehenden Felswände weggesprengt wurden. Eine 2,7 m tiefe Grube vor der Südwand und ein 16,4 m langer waagerechter Schacht in der Westwand sind durch Grabräuber entstanden. Die Felsenkammer, wahrscheinlich als Südgrab gedacht, wurde nicht mehr benötigt, als die zweite Grabkammer geplant wurde und somit die erste Grabkammer die Funktion des Südgrabes übernahm. Mit Ausnahme der Schächte der Grabräuber ist die Felsenkammer noch so erhalten wie nach dem Abbruch der Bauarbeiten.
Zweite Grabkammer

Ob Cheops oder der Wesir und Bauaufseher Hem Iunu den Vorschlag zur Errichtung einer neuen Grabkammer machte, ist nicht bekannt. Sie zählt zu den imposantesten Grabkammern. 42 m über dem Erdniveau, 10,5 x 5,24 m in der Grundfläche und 8,84 m hoch, ist diese Kammer ganz aus Rosengranitblöcken aus den Steinbrüchen Assuans errichtet. Zur Entlastung der Deckenbalken wurden oberhalb fünf Kammern errichtet. Glattpoliert und ohne jegliche Schrift sind die Wände in der Grabkammer. Hingegen sind in den Entlastungskammern noch zahlreiche Arbeiterinschriften in roter Farbe erhalten, beispielsweise „Chnum-Chufu ist mächtig“ oder „Höflinge des Chufu“. Dies zeigt, dass man genau wusste, an welcher Stelle dieser Block eingebaut werden sollte, als die Inschrift erfolgte. Das komplette Rosengranitbauwerk der Grabkammer besitzt eine Grundfläche von ca. 13 x 9 m und einer Gesamthöhe von ca. 31 m, womit sie die größte bekannte Grabkammer. Wie bereits in der ersten Grabkammer führen zwei Seelengänge von der nördlichen und südlichen Kammerwand ab und anders als in der unteren Kammer bis zur Außenfläche der Pyramide. Der Sarkophag steht ohne Deckel an der Westwand der Grabkammer und ist aus einem einzigen Rosengranitblock gefertigt worden. Grabbeigaben oder die Mumie des Cheops hat man bis heute nicht gefunden. Es wurde nur eine Opfergabe in Form einer 5,5 cm hohen Elfenbeinstatue des Cheops in Abydos gefunden. Bevor man die Grabkammer aus der großen Halle kommend betritt, durchquert man die Fallsteinkammer. In dieser Granitkammer wurden die Fallsteine mittels Tauwerk herabgelassen. Einer der Fallsteine klemmt heute noch in der Kammer fest. Ein Hinweis darauf, dass es mehrere Bauphasen gab, ist die Tatsache, dass die Grabkammer nicht in der Mitte der Pyramide liegt. Sie wurde an der großen Kammer, die bereits die Pyramidenmitte erreicht, angeflanscht. Die beiden unteren Kammern liegen ungefähr in der Mitte der Pyramide (Sarkophag).
Umfassungsmauer
Nach der Fertigstellung der Pyramide umgab man diese mit einer Umfassungsmauer aus weißem Tura-Kalkgestein. Ihre ursprüngliche Höhe wird auf 9 m geschätzt, bei einer Fundamentbreite von 3,5 m. Die schräg geböschten Wände wurden von abgerundeten Abdeckblöcken abgeschlossen. Noch heute kann ein Teil dieser Abdeckblöcke an der
Westseite der Pyramide besichtigt werden. Im Innenbereich zwischen Umfassungsmauer und Pyramide wurden mit Tura-Kalksteinplatten in unregelmäßiger Anordnung gepflastert. Ein Teil dieser Pflasterung ist heute noch auf der Nordseite zu sehen. Im Bereich der fehlenden Pflasterung ist die besondere und zeitaufwendige Verlegetechnik zu erkennen. Aus dem Steinbruch wurden Platten mit verschiedenen Dicken angeliefert. Es wurde nicht die vom Steinbruch gelieferten weichen Gesteinsplatten (Tura-Kalk) bearbeitet, sondern diese wurden in den härteren Felsenuntergrund eingearbeitet und somit die Höhenunterschiede ausgeglichen. Heute ist das Mosaikmuster vor der Nordseite der Cheops-Pyramide gut erkennbar. Wie bei jedem Pyramidenbezirk finden sich für den selten vorkommenden Regen, Durchlässe in der Umfassungsmauer, die das Regenwasser in die Wüste ableitete.

Cheops-Pyramide: Links, Felsenkammer mit unfertigem Felsabbau Rechts, Oberteil der Umfassungsmauer (Eckstück). Oben abgerundet und im Hintergrund die Chephren-Pyramide.

Cheops-Pyramide: Links, oben Pyramideneingang, darunter der von Grabräubern geschaffene Eingang (Wächter) und unten die Bodenplatten vom Vorhof sowie die Verkleidungssteine der Pyramide. Rechts, der Pyramideneingang

Cheops-Pyramide: Links, Verriegelung vom Gang zur Grabkammer. Rechts, Grabkammer mit Sarkophag

Die Pyramiden und Schachtgräber der Familienangehörigen des Cheops

Das Schachtgrab der Hetepheres (G7000x)
Im Jahr 1925 unternahm das Bostoner Museum unter Leitung von George Reisner die Untersuchung der an der Cheops-Pyramide liegenden Königinnen-Pyramiden. Beim Ablichten der drei Pyramiden stieß ein Fotograf mit seinem Stativ auf die im Boden verlegten Tura-Kalksteinblöcke und entdeckte das Grab der Hetepheres, Mutter des Cheops. Nach Entfernen der Blöcke wurde eine Treppe mit einem anschließenden kurzen Gang freigelegt, der nach 3,2 m in einem Schacht mündete. Dieser war wie der Treppenzugang mit Steinen und Geröll vermauert. In mühseliger Arbeit wurde der 23 m tiefe Schacht freigelegt, wobei in 9 m Tiefe in der Seitenwand eine zugemauerte Nische entdeckt wurde, in der man Schädel und Gebeine eines Stieres fand. Bis heute ist der Sinn dieser Kulthandlung nicht bekannt. Ein Zusammenhang mit den Grabkult der Hetepheres besteht vermutlich nicht; vielmehr dürfte es sich um eine Schutzhandlung der Arbeiter handeln, die das tiefe Schachtgrab errichteten, oder um ein Grundsteinopfer, wie es unter einem Altar im Djoser-Bezirk gefunden worden ist. In 23 m Tiefe befanden sich der Schachtboden und ein waagerechter Gang, der mit Steinblöcken vermauert war.

Im Januar 1926 wurden die Steinblöcke entfernt und zum erstem Mal ein unberührtes Grab eines Angehörigen der Pyramidenerbauer– Hetepheres, Mutter des Cheops und Gattin des Snofru, für die dieses Schachtgrab errichtet wurde – betreten. Ihr Name wurde auf den goldenen Holzbeschlägen der Möbel gefunden. Dieser Fund ist bis heute einmalig, da alle bisher bekannten Grabanlagen – ausgenommen die Königsgräber in Tanis (22. Dyn.) – bereits von Grabräubern geöffnet worden sind. Nach einem Jahr der Katalogisierung und Aufzeichnung wurde Anfang 1927 der original versiegelte Sarkophag geöffnet. Die Enttäuschung war groß, als dieser leer war. Nachdem der 2,2 t schwere Sarkophag aus dem Grab herausgeholt worden war, öffnete man eine mit Mauerwerk verschlossene Nische, in der man einen original versiegelten Kanopenkasten aus Alabaster vorfand, der vier Kanopengefäße mit den Eingeweiden der Königin enthielt. Dieser Kanopenkasten ist der älteste Beweis einer von einer Mumie getrennten Beisetzung der Eingeweide in vier Teilen. Die Kanopengefäße, deren Deckel flach abschließen, sind im Mittleren Reich mit den vier Horussöhnen verziert worden. Das der leere Sarkophag jedoch bei der Bestattung die Mumie der Königin enthalten musste, lässt der Kanopenkasten vermuten. Die Originalversiegelung des Sarkophages lässt vermuten, dass es sich in Gisa um eine Zweitbestattung handelt. An der Nordseite der Maidum-Pyramide errichtete Snofru ein Schachtgrab (Oberbau unbekannt), das durch die Nähe zur Pyramide als Erstgrab der Ehefrau Hetepheres zugeschrieben wird. Wahrscheinlich wurde dieses Grab von Grabräubern geplündert. Es war üblich, dass diese die Mumie verbrannten, um an den Schmuck zu gelangen. Die mehr oder weniger unberührte Grabausrüstung wurde in Gisa zum zweiten Mal bestattet, wobei Sarkophag und Kanopenkasten der Königin mit den Siegen ihres Sohnes Cheops versehen wurden. Dieses Grab ist das einzige unberührte (außer der Mumie) Grab eines Angehörigen einer Herrscherfamilie aus der Pyramidenzeit, das bis heute entdeckt wurde. Die fast komplett erhaltene Grabausrüstung gibt einen Einblick in die Grabbeigaben der damaligen Zeit. Man kann annehmen, dass die Grabausrüstung in den Pyramiden zwar umfangreicher (Herrschersymbole) war, aber an die Schätze, wie etwa die des Tutanchamun, nicht annähernd heranreichen. Im Schachtgrab der Hetepheres fand man Zeltstangen mit Goldbeschlägen, einen Armsessel mit Löwenfüßen, ein vergoldetes Bett, eine Sänfte mit vergoldeten Tragestangen in Form von Palmenkapitellen, einen Holzkasten mit 20 silbernen Armbändern sowie Alabastergefäße und goldenes Waschgeschirr mit einem Rasiermesser. Das Waschgeschirr besteht aus zwei einfachen formschönen Goldgefäßen, eines davon mit Ausgusstülle. Die Ausgräber bargen unter anderem einen langen Holzkasten, mit dem an der Seite eingeschnitzten Namen des Pharao Snofru. Der Holzkasten war entweder mit Stoffen gefüllt oder beinhaltete die Zelttücher für den zerlegbaren Baldachin. Weiterhin befand sich der Name des Cheops auf der kastenförmigen Sänfte, die deshalb als Geschenk für seine Mutter gedeutet wird. Sänften waren, wie später bei den Römern, ein beliebtes Transportmittel der vornehmen Gesellschaft, die in den Reliefdarstellungen der Mastabas häufig zur Darstellung kamen. Eine der schönsten Reliefdarstellungen in Sakkara-Nord zeigt den Beamten Mereruka in einer Sänfte und wie seine Ehefrau mit angezogenen Knien hinter ihm sitzt und einen Wedel in der Hand hält. Die Grabausstattung enthielt ferner Kupferwerkzeuge sowie unterschiedliche Stein- und Tongefäße und ist somit das mit Grabbeigaben am umfangreichsten ausgestattete Grab des Alten Reiches.

Ägyptisches Museum Kairo: Links, Schachtgrab der Hetepheres, Armsessel der Königin. Rechts, Sänfte der Königin

Ägyptisches Museum Kairo: Links, Schachtgrab der Hetepheres, Armreifen der Königin. Rechts, Bett und Kopfstütze der Königin.

Königinnen-Pyramiden: links GIa Hetepheres?, Mitte GI b Meritetis, rechts GI c Henutsen. Schachtgrab der Hetepheres siehe Pfeil

Königin Hetepheres-Pyramide? (Ia)
Die Pyramide wird der Königin Hetepheres, Mutter von Cheops, zugeschrieben. Warum vorher eine Schachtgrab (siehe G7000x) errichtet wurde, ist nicht bekannt. Hier befand sich zwar ein versiegelter, jedoch leerer Sarkophag. Ob eine Bestattung in dieser Pyramide erfolgte, ist bis heute nicht bekannt. Mit Gewissheit kann man sagen, dass hier eine hohe Persönlichkeit bestattet werden sollte. Dies bezeugt die südlich an der Pyramide gelegene Bootsgrube, die hier zum ersten Mal für eine Königin angelegt wurde. Dabei das Wort Bootsgrube im Grunde nicht die richtige Bezeichnung, da hier doch, so die Vorstellung der Ägypter, eigentlich ein echtes Boot bestattet bzw. angefertigt wurde, damit dieses auch im Jenseits benutzt werden konnte. Anders beim Cheops-Boot; hier wurde in einer rechteckigen Bootsgrube ein Boot bestattet. Bei dem Königinnen-Boot wurde nicht nur die Bootsform aus dem Felsen geschlagen, sondern auch die Rudergänge, auf dem die Ruderer standen und die Ruder bewegten. Ferner wurde in der Steinplatte am Heck ein kreisrundes Loch für den Drehkranz des Steuerruders geschlagen. Wie in jeder Pyramide des Alten Reiches erfolgte der Pyramideneingang an der Nordseite und führte bis zur Gangkammer und dann rechts Richtung Westen in die Grabkammer. Die Grabkammer ist aus dem Felsen geschlagen und mit Steinmaterial vermauert worden. Die Decke wurde mit Steinbalken abgedeckt, jedoch fehlen die Steine größtenteils, wahrscheinlich wurden diese entwendet, um sie anderweitig zu nutzen. Gut zu sehen sind die senkrechten und waagerechten Striche, die mit roter Farbe auf die an den Wänden gezeichnet wurden, und die als Orientierung beim Setzen der Mauer dienten.

Hetepheres-Pyramide (GIa): Links, das Boot an der Südseite. Rechts, abführender Gang zur Grabkammer.

Hetepheres-Pyramide (GIa): Grabkammer mit dem Rest-Mauerwerk, Die Deckenbalken fehlen.

Hetepheres-Pyramide (GIa): Der erste Standort der Pyramide, war östlich neben der Pyramide. Am Anfang wurde die schräge Rinne für die Verkleidungsblöcke in den Fels geschlagen. Mit dem Felsabbau für den Grabschacht wurde bereits begonnen. Warum man die Pyramide dann 35 m östlich errichtete ist nicht bekannt. Wahrscheinlich sind die östlich errichteten Mastabas der Pyramide zu nah gekommen?

Königin Meritetis-Pyramide (Ib)
Sie war wahrscheinlich die Ehefrau vom Pharao Cheops und hatte mit ihm zwei Kinder, Hethepheres II. sowie Chephren, den späteren König. Durch die Baufehler, die bei der Erbauung der ersten Pyramide gemacht wurden (Ia), wurde eine größere Grabkammer aus dem Felsen geschlagen. Die Vermauerung war einfacher, aber das Wichtigste war, dass für die Deckenbalken mehr Platz zur Verfügung stand. Die inneren Maße blieben nahezu gleich. Die Grabkammer ist in späterer Zeit usurpiert worden. Es wurden drei Sarkophage in den Felsboden geschlagen, in denen sich jedoch keine Mumien befanden. An der Ostseite wurde ein Opfertempel mit zwei Scheintüren angebaut.

Meritetis-Pyramide (Ib): Links, Südseite. Rechts, Grabkammer mit dem Rest-Mauerwerk, die Deckenbalken fehlen. Die Grabkammer ist mit drei im Boden eingelassene Sarkophagen usurpiert worden.

Königin Henutsen-Pyramide (Ic)
Sie war wahrscheinlich eine Ehefrau des Pharao Cheops und Mutter von Chephren und Chaefchufu. Wie bei der Vorgängerpyramide wurde die Felskammer größer aus dem Felsen gemeißelt. Da man für die Montage der Deckenbalken nur im oberen Bereich mehr Platz benötigte, ließ man unten am Boden einen Felsvorsprung stehen. Später wurde die Grabkammer usurpiert und vier Sarkophage in den Fußboden gemeißelt. Die Gangkammer wurde ebenfalls usurpiert, wie die drei Bodenvertiefungen aufzeigen. An der Ostseite wurde ein Opfertempel angebaut, der mehrmals erweitert wurde.

Henutsen-Pyramide (Ic): Links, Nordseite mit Eingang. Rechts: Grabkammer mit dem Rest-Mauerwerk wobei die Deckenbalken fehlen. Die Grabkammer ist mit drei im Boden eingelassene Sarkophagen usurpiert worden.

Henutsen-Pyramide (1c): Links, Opfertempel an der Ostseite. Rechts, abführender Gang zur Grabkammer.

Aufgeführt ist von der Buchseite 138 bis 196. Im gleiche Stil folgen im Buch, über die Pyramiden des alten Reiches, noch die Seiten 197 bis 255

15. Aufsatz (01.08.2019) 1. Zwischenzeit (7. – 11. Dyn.) um 2180 – 2060 v. Chr.

Mit dem Ende der 6. Dynastie hatte sich das Gefüge des Staates vollständig aufgelöst. Die 120 Jahre andauernde 1. Zwischenzeit war eine Zeit des Chaos und der Not. Die Zerrüttung des Staates betraf sowohl Kunst, Kultur und Religion als auch Wirtschaft und Verwaltung. Die Wirren dieser Zeit beschreibt am treffendsten das Mahnschreiben des Priesters Ipuwer (Papyrus Leiden): [5]
„Sieh doch, die Torwächter sagen: Kommt, wir plündern die Häuser. Die Deltabauern tragen
Schilde. Ein Mann hält seinen eigenen Sohn für seinen Feind. Es ist doch so, der Nil strömt über, aber
niemand arbeitet auf den Feldern, alle sagen: Wir wissen auch nicht, was mit dem Land passieren soll.
Siehe, die Armen sind reich geworden, die, die sich keine Schuhe leisten konnten, besitzen jetzt
Vermögen. Siehe, die Menschen sind grausam, ein Sturm fegt über das Land, überall ist Blut und viele
Tote sind im Fluss begraben. Überall ist Schmutz, in diesen Zeiten gibt es kein weißes Leinen mehr. Es
ist doch so, dass Land dreht sich wie eine Töpferscheibe, die Diebe werden reich, die Adeligen sind
Diebe. Die Menschen sagen: Was sollen wir bloß tun? Siehe doch, die Fröhlichkeit hat aufgehört, man

lacht nicht mehr, Trauer ist im ganzen Land, gemischt mit Wehklagen.“

(Texteditionen: Gardiner, A.H., 1909, The Admonitions of an Egyptian Sage,from a Hieratic Papyrus in Leiden (Pap. Leiden 344 recto), Leipzig / Helck, W., 1995, Die „Admonitions“: Pap. Leiden I 344 recto / Enmarch, R., 2005, The Dialogue of Ipuwer and the Lord of All (Griffith Institute Publications), Oxford).

Die Bestürzung und die Fragen nach Gerechtigkeit schufen trotz chaotischer Staatsverhältnisse besonders in der Literatur mit das Höchste, was Ägypter auf diesem Gebiet hinterlassen haben. Die Krise der 1. Zwischenzeit, die die Ägypter an vielem, was vordem die Basis ihres Weltbildes war, hatte zweifeln lassen, führte dazu, das sich infolgedessen auch die Ausstattung der Gräber änderte. Denn sie machen die Erfahrung, dass Totenstiftungen keine Gewähr mehr für die weitere Existenz boten; waren doch viele Gräber in der 1. Zwischenzeit zerstört und ausgeraubt worden. Zur besseren Existenzsicherung des Toten im Jenseits diesem in der Grabkammer nun Uscheptis (Dienerfiguren) und komplette, aus Holz oder Ton gefertigte Lebensszenen beigegeben. Dies sollte die ewige Versorgung des Verstorbenen garantieren. Aus dieser Zeit der Wirren und des Chaos ist bisher allein die Pyramide des Pharao Ibi aus der 8. Dynastie bekannt. Diese kleinste bisher bekannte Pyramide eines Pharao liegt in Sakkara-Süd, östlich der Pyramidenanlage von Pepi II.

Uscheptis, Fischfang und der Transport mit Booten; sogar Krieger für Streitigkeiten im Jenseits wurden dem Verstorbenen mitgegeben

Ibi-Pyramide, Sakkara-Süd (8. Dyn., 2167 v. Chr.)

Pharao Ibi errichtete in der Nähe des Pyramidenbezirkes des Pepi II. die kleinste bisher bekannte Pyramide mit einer Höhe von 22 m. Sie blieb unvollendet und hatte weder Aufweg noch Taltempel. Sie ist die einzige bisher gefundene Pyramide aus der 1. Zwischenzeit, obwohl in dieser über 50 Pharaonen regierten. Für die Pyramide des Ibi wurde nur das Kernmauerwerk errichtet, Spuren von Verkleidungsblöcken wurden nicht gefunden. Das Gang- und Kammersystem führt 8 m schräg nach unten bis zur Grabkammer, vor der sich eine Fallsteinvorrichtung befindet. Die für diese Zeit unübliche einfache Bauweise (flache Decken, keine Vorkammer) lässt sich sicherlich auf die chaotischen Zustände dieser Zeit zurückzuführen. Das eher der Bauweise eines Königinnengrabes ähnelnde Kammersystem war mit einer Sternendecke und Hieroglyphentexten versehen, die den Namen des Pharao Ibi aufführen. Im Granitboden der Grabkammer fand man eine Vertiefung, die wohl für einen Holzsarkophag vorgesehen war. Der an der Ostseite liegende Opfertempel ist von Pharao Ibi oder seinen Nachkommen größtenteils aus Nilschlamm hergestellten Ziegeln erbaut worden. Aufweg und Taltempel wurden bis heute noch nicht entdeckt; wahrscheinlich ist, dass mit der Errichtung diese Bauwerke nicht mehr begonnen wurden. Ein doppeltes, innen mit Sand gefülltes Mauerwerk wurde vermutlich unter Ibi zum ersten Mal in dieser Form errichtet. So konnte mit wenig Aufwand ein breites und mächtiges Mauerwerk errichtet werden.

Ibi-Pyramide: Links, der Toreingang, im Hintergrund die Reste der Pyramide. Rechts, der versandete Pyramideneingang


Ibi-Pyramide: Links, Doppelmauerwerk der Umfassungsmauer. Rechts, der Rest der Pyramide.

14. Aufsatz (01.08.2019) Mittleres Reich um 2060 – 1785 v. Chr.

Nach dem Chaos der 1. Zwischenzeit begann von Oberägypten aus die erneute Reichseinigung. Mehreren Pharaonen, das fast alle den Namen Antef trugen, gelang es in der 11. Dynastie, nach und nach die Herrschaft über Oberägypten zu erringen. Von Theben aus wurden dann die Kämpfe gegen Unterägypten weitergeführt. Unterägypten, das von den Pharaonen aus Herakleopolis beherrscht wurde, wurde nach langem Kampf von Mentuhotep II. um 2060 v. Chr. besiegt. Unter diesem Pharao wurde Ägypten in der Mitte der 11. Dynastie wieder vereint – der Beginn des Mittleren Reiches. An der Südgrenze des Reiches sicherte Mentuhotep II. das Land gegen die Nubier, die sich die Uneinigkeit Ägyptens zunutze gemacht hatten und bis zum ersten Katarakt (Assuan) vorgedrungen waren. Im Norden drängte er die Libyer zurück und setzte der ständigen Einwanderung asiatischer Nomaden ein Ende. Er konsolidierte die aus den Fugen geratenen Staatsfinanzen und berief eine neue Beamtenschaft. Bauern und Handwerker fassten wieder Vertrauen zum Staat und zahlten pünktlich ihre Steuern. Mit der Entfaltung der 11. Dynastie erblühte dann auch langsam die Stadt, aus der die Herrscher kamen – Theben, das aus seinem provinziellen Schlaf zum religiösen und kulturellen Mittelpunkt des Landes heranwuchs. In der 11. Dynastie wurde der Grundstein für den großen Amun-Tempel gelegt. Die ersten Gräber wurden in die Felswände des Westgebirges geschlagen. Mentuhotep II. selber ließ sein Grab, eine Mischung aus Totentempel und Felsengrab, in Der el-Bahri gegenüber von Theben auf der anderen Nilseite erbauen. Neben diesem wurde 600 Jahre später in der 18. Dynastie der berühmte Terrassentempel der Königin Hatschepsut errichtet.
Nach dem Tode Mentuhotep II. trat sein Sohn, Mentuhotep III., die Thronfolge an. Er bemühte sich um die Wiederherstellung der Handelsbeziehungen zu den Nachbarländern. Nach langer Unterbrechung wurde auch der Kontakt zum Weihrauch- und Goldland Punt wieder aufgenommen. Mentuhotep IV., der Enkel des Begründers der 11. Dynastie, setzte die Aktivitäten seiner Vorgänger fort. Unter Leitung des Wesirs Amenemhet schickte er eine Expedition zum Wadi Hammamat, der ihm unter anderem
einen besonders schönen Steinblock für seinen Sarkophag mitbringen sollte. Mit Hilfe eines geheimnisvollen Omen, so heißt es, wurde schließlich ein geeigneter Block gefunden. Eine Gazelle, so sagt die Sage, näherte sie sich den Männern ohne Furcht und gebar vor ihren Augen ein Junges auf dem lange gesuchten Stein. Zu Beginn der 12. Dynastie wurde die Residenz von Theben nach Lischt verlegt und Mentuhotep IV., Nachfolger Amenemhet I., griff die alte Form des Königsgrabes, die Pyramide, wieder auf. Amenemhet I. regierte 30 Jahre lang, dann wurde er aus ungeklärten Gründen von seiner Leibgarde ermordet. Eine dramatische Schilderung dieses Ereignisses findet sich in der Lehre des Vaters an seinen Sohn, die später von Sesostris I. niedergeschrieben wurde: [6]

Es war nach dem Abendbrot, die Nacht war gekommen.
Ich gönnte mir eine Stunde der Erquickung,
indem ich auf meinem Bett lag, denn ich war müde,
und mein Herz begann, sich meinem Schlaf hinzugeben.
Da wurden die Waffen für meinen Schutz gegen mich gewendet,
während ich mich wie eine Schlange in der Wüste verhielt.
Ich erwachte zum Kampf, indem ich sofort bei mir war,
und fand, dass es ein Handgemenge der Wache war.
Ich habe mich zwar beeilt, die Waffen in meiner Hand,
und so habe ich die Feiglinge in (ihren) Schlupfwinkel zurückgetrieben.
Es gibt aber keinen, der allein kämpfen kann,
und eine erfolgreiche Tat gelingt nicht ohne Helfer. (1)
Sieh, der Anschlag geschah, als ich ohne dich war,
ohne, dass der Hof gehört hatte, dass ich dir vererbe,
ohne, dass ich mit dir zusammen (auf dem Thron) gesessen hatte.
Ach, könnte ich doch deine Angelegenheit jetzt noch regeln,
denn ich hatte sie nicht vorbereitet und nicht bedacht.
Mein Herz hatte die Unzuverlässigkeit der Diener nicht bemerkt. (2)
Hatten denn jemals Frauen Truppen aufgestellt?
Zieht man denn Rebellen im Palast auf? (3)
Man setzt dem Gottessprössling die Weisse Krone auf,
und (alle) Dinge sind am richtigen Platz, wie ich es für dich begonnen habe. (4)

(1) Lehre des Amenemhet VI-VII. Übersetzung: Elke Blumenthal „Lehre des Königs Amenemhet“ in ZÄS 111, 1984, S. 94. (2) Lehre des Amenemhet VIII. Übersetzung: Elke Blumenthal „Lehre des Königs Amenemhet“ in ZÄS 111, 1984, S. 94 (3) Lehre des Amenemhet IX. Übersetzung: Günter Burkard, Heinz J. Thissen in Literaturgeschichte I. S. 112 (4) Lehre des Amenemhet XV. Übersetzung: Elke Blumenthal „Lehre des Königs Amenemhet“ in ZÄS 111, 1984, S. 95.

Diese packende Beschreibung wurde zum Ausgangspunkt der bekannten Erzählung des Hofbeamten Sinuhe, der, nachdem er zufällig mit angehört hat, dass der Pharao ermordet werden sollte, aus Angst als Mittäter bestraft zu werden nach Syrien flieht und dem erst viele Jahre später erlaubt wird, in seine Heimat zurückzukehren. Mit der Alleinherrschaft von Sesostris I., Sohn des Amenemhet I., begann für Ägypten eine Periode des inneren Friedens, der Sicherheit, des Wohlstandes und reger Bautätigkeit. In dieser Zeit wurde der Baustil für alle späteren ägyptischen Tempel entwickelt. Von der großen Tempelanlage in Heliopolis (Kairo) steht noch ein einziger Obelisk, der bisher älteste bekannte Obelisk Ägyptens. Um Schwierigkeiten bei der Thronfolge vorzubeugen, übernahm Sesostris I. den von seinem Vater eingeführten Brauch, den Kronprinzen noch zu seinen Lebzeiten zum Mitregenten zu ernennen. Der Nachfolger von Sesostris I. war dessen Sohn Amenemhet II., der keine militärischen Eroberungen unternahm, sondern Handel und Wirtschaft unterstützte. Unter dem Tempel von Tod (südlich von Theben) fanden Ausgräber vier mit den Namenskartuschen des Pharao versehene Kupferkisten. Sie enthielten Rollsiegel aus Ur, Goldschmuck aus Kreta, Lapislazuli-Amulette aus Mesopotamien sowie Silber- und Goldbarren. Nachdem Tode Amenemhet II. bestieg sein Sohn Sesostris II. den Pharaonenthron. Seine Hauptleistung war die landwirtschaftliche Erschließung der Oase Faijum. Die damals mit undurchdringlichen Sümpfen und Papyrusdickichten bedeckte Senke ließ der Pharao mit einem System aus Dämmen, Kanälen und Schleusenanlagen trockenlegen.
Unter Sesostris III., dem Nachfolger Sesostris II., wurde die Grenze zu Nubien bis nach Semna und Kumma am zweiten Katarakt (liegt heute im
Stausee) vorgezogen und durch zahlreiche Festungen gesichert, um die Ausbeute der Steinbrüche und Goldminen in Nubien zu garantieren. Außer den Eroberungen in Nubien unternahm der Pharao nur einen Feldzug gegen Palästina, um den ägyptischen Einfluss in Vorderasien zu erweitern. Die Nachfolge auf dem Pharaonenthron trat der Sohn Sesostris III., Amenemhet III., an, der 45 Jahre lang über ein blühendes und wohlgeordnetes Reich herrschte. Wie bei seinem Großvater galt auch sein Hauptinteresse der Kultivierung der Oase Faijum. Dafür wurde dem großen Pharao des Mittleren Reiches in Faijum 2000 Jahre lang über seinen Tod hinaus göttliche Verehrung zuteil. Als einziger Pharao der 12. Dynastie erbaute er zwei Pyramiden, eine in Dahschur und eine in Hauwara in der Oase Faijum, welche auch seine Grabstätte wurde. Der in Tanis aufgefundene Mähnensphinx des Amenemhet III. ist eine in dieser Form noch nicht dagewesen künstlerische Schöpfung. Hier umrahmt nicht mehr das traditionelle Königskopftuch das Gesicht des Pharao, sondern eine gewaltige Löwenmähne mit Löwenohren. Diese Art der Darstellung mit Löwenmähne und -ohren ist von allen europäischen Völkern übernommen worden und ist noch heute auf vielen Plätzen verschiedenster europäischer Städte zu finden.
Mit dem Tod Amenemhet III. endet auch die Zeit der großen Pharaonen im Mittleren Reich und der Niedergang des Reiches begann. Von den acht Regierungsjahren seines Nachfolgers und Sohn Amenemhet IV. ist so gut wie nichts bekannt.
Das Ende der 12. Dynastie und damit das Ende des Mittleren Reiches war erreicht, als sich nach dem Tode Amenemhet IV. seine Schwester Nofrusobek zur Regentin machte und fünf Jahre das Land beherrschte. Der langsame Niedergang Ägyptens, der schon unter ihrem Bruder einsetzte, war nun nicht mehr aufzuhalten. Über die Gründe für den Niedergang sowie den Übergang in das Neue Reich, die sogenannte über 200 Jahre dauernde 2. Zwischenzeit, ist nur wenig bekannt.

Die ersten Menschen kamen vor ca. 7000 Jahren aus der heutigen Sahara und siedelten sich am Rand der Oase Faijum an. Das Niltal bestand zu dieser Zeit nur aus einem morastigen Gelände. Im Niltal lebten nur Schlangen, Krokodile und Nilpferde und machten es unbewohnbar. 5000 v. Chr. wagten sich die Menschen ins Niltal und legten die Sümpfe trocken. In der 12. Dynastie errichtete Sesostris II. in der Oase Faijum den ersten Staudamm. Ferner legte er zahlreiche Kanäle an. Dadurch konnten die Felder gezielt bewässert werden; damit war der Grundstock für eine größere Besiedlung gelegt. Ein Staudamm (links) und ein Kanal (rechts) von Sesostris II. wird heute noch zur Bewässerung gebraucht.

Mentuhotep II.-Terrassentempel, Deir el-Bahri (11. Dyn., 2060 v. Chr.)

Der thebanische Gaufürst Mentuhotep II. vereinte in der Mitte der 11. Dynastie die beiden Reiche Unter- und Oberägypten und gründete das Mittlere Reich. Sein Grab errichtete er in Deir el-Bahri, auf dem westlichen Nilufer gegenüber der heutigen Stadt Luxor, dem antiken Theben. Anders als auf Zeichnung Seite 270 oben wurde keine Pyramide errichtet, sondern im Mittelpunkt ein Tempel mit flachem Dach errichtet. Dies haben von Dieter Arnold durchgeführte Untersuchungen ergeben (vgl. die korrigierte Zeichnung). Das ein Tempel auf einer Terrasse errichtet und von Pfeilerhallen umgeben ist, ist wohl einmalig in der ägyptischen Baugeschichte. 570 Jahre später übernahm die Königin Hatschepsut dieses Baukonzept und errichtete neben dem Tempel von Mentuhotep II. einen Tempel in ähnlicher Bauweise, auch als Terrassentempel. Im Säulenhof vor dem Felsentempel liegt ein 150 m schräg in die Tiefe führender Zugang zur ersten Grabkammer, die komplett mit Rosengranit ausgekleidet war. Nach den vorgefundenen Resten der Grabbeigaben ist Mentuhotep II. wahrscheinlich hier bestattet worden. Die zweite Kammer, vermutlich eine Kultkammer, wurde von dem britischen Archäologen Howard Carter entdeckt. Als dieser zu Pferd den Vorhof durchquerte, gab der Boden nach und legte einen Teil des Eingang, Bab el-Hosan genannt (Tor des Pferdes), mit einem langen unterirdischen Gang frei, der zu einer Kammer führt. In dieser wurde die bekannte schwarze Sitzstatue des Königs gefunden. Nach Arnold besteht die Möglichkeit, dass es sich hier um das Grab des Osiris handelt. Diese These ist nachvollziehbar, ist die Haut doch schwarz ist und war komplett mit wertvollen Tüchern umwickelt. Üblicherweise wurde das Grab des Osiris in Abydos errichtet. Wenn sich die These sich als richtig herausstellt, währe es zum ersten Mal, das das Grab des Osiris außerhalb Abydos errichtet wurde.

Mentuhotep II.-Terrassentempel: Vorne der Eingang zur Grabkammer

Mentuhotep II.-Terrassentempel: Im Hintergrund der Terrassentempel, vorne Eingang zum Grab Bab el-Hosan.

Mentuhotep II., Der König als Osiris?, im Grab Bab el-Hosan gefunden, links und rechts der General Antef (11. Dyn.)

Links: Mentuhotep II.-Terrassentempel: Der Terrassentempel hinter dem 570 Jahren später errichteten Tempel der Hatschepsut

Nördlich des unteren Hofes fand man die Gräber von thebanischen Priesterfamilien mit 160 Holzsarkophagen. Weitere zahlreiche Gräber von Königinnen und Prinzessinnen sowie vom Hofstaat wurden im Bereich des Terrassentempels gefunden. Ein sehr breiter und langer Aufweg vom Niltal, an dessen Seiten Statuen aufgestellt waren, war mit Sykomoren bepflanzt.

Amenemhet I.-Pyramide, Lischt (12. Dyn., 1991 v. Chr.)

Amenemhet I., Gründer der 12. Dynastie, war unter Mentuhotep IV. Wesir und einer der höchsten Beamten im Staat. Seinen Pyramidenbezirk verlegte er nach Lischt, 70 km südlich von Kairo. Nicht nur mit der Pyramidenanlage griff er auf die alten Vorbilder zurück, sondern auch mit der Anordnung von Pyramide, Opfertempel, Taltempel und Aufweg. Unter ihm wurde ein zeitsparendes Verfahren entwickelt, das nur ein Pyramidengerippe mit behauenen Steinblöcken vorsah. Einige dieser Steinblöcke wurden aus den Pyramidenbezirken seiner Vorfahren entwendet. Darunter waren zahlreiche Reliefblöcke vom Aufweg und Taltempel des Cheops, die mit Wandreliefs versehen waren. Die Zwischenräume wurden mit Bauschutt, Sand und Lehmziegeln aufgefüllt, und die Außenflächen wurden, wie bei der Pyramidenverkleidung üblich, mit Kalksteinblöcken abgedeckt. Von der Nordseite der Pyramide führt schräg nach unten ein Gang, der mit Granitblöcken versperrt ist, die aus dem Pyramidenbezirk des Chephren stammen. An der Seite befindet sich ein von Grabräubern geschaffener Gang. Ein Zugang zur Grabkammer ist nicht möglich, da diese mit Grundwasser gefüllt ist. Im begehbaren Inneren der Pyramide wurden keine der üblichen Pyramidentexte gefunden; sie könnten sich jedoch im noch nicht erforschten unter Wasser liegenden Bereich befinden. Der sehr stark zerstörte Opfertempel an der Ostseite und eine kleine Kapelle an der Nordseite konnten aufgrund von Steinpflasterresten und Reliefblöcken lokalisiert werden. Südgrab und Taltempel wurden bis heute noch nicht gefunden. Nach seiner Machtübernahme war die Politik Amenemhet I. auf Aussöhnung mit den einzelnen Landesteilen und ihrem Provinzadel ausgerichtet. Nach kurzer Zeit schaffte er eine Zentralregierung, die über alle Landesteile herrschte. Zur Grenzsicherung des Ostdeltas errichtete er einen Grenzwall mit dem Namen „Mauer des Herrschers“. In der Stadt Mendes ließ er eine Festung erreichten, um so den aus dem Osten eindringenden Feinden Einhalt bieten zu können. Außerdem entstand in dieser Stadt mit dem Personenkult eine Neuerung, die eine Vergöttlichung des Pharao symbolisieren sollte. Durch die Festigung der staatlichen Ordnung gewannen die Gaufürsten erneut an Macht und Reichtum, wie ihre Grabstätten in Beni Hassan, Berscheh, Meir, Assiut und Elephantine zeigen. Amenemhet I. gründete vermutlich in der Nähe von Lischt eine Residenz mit dem Name Itjtaui, die jedoch bis heute noch nicht entdeckt wurde. Es sollte sich bewähren, dass Amenemhet I. erstmalig während seiner Regierungszeit seinen Sohn zum Mitregenten ernannte; dies wurde von allen Pharaonen der 1. Dynastie übernommen. Während der Abwesenheit seines Sohnes und Nachfolger Sesostris I., der einen Feldzug nach Libyen anführte, wurde Amenemhet I. am 1. Februar 1962 v. Chr. bei einem Attentat, dessen Hintergründe noch ungeklärt sind, getötet.
Der Wesir Antefoker errichtete seine Mastaba im Vorhof der Pyramide. Die Macht und den Reichtum des Wesirs bezeugt ein weiteres Grab (Schech Abd el-Kurna 60) in der Nekropole von Theben. Das thebanische Grab zeigt einmalige und detaillierte Bilder der Bestattung von Sesostris I. Die Darstellung der Bestattung eines Pharao in einem Privatgrab wurde bis zu dieser Zeit nur sehr selten ausgeführt.

Amenemhet I.-Pyramide: Schön zu sehen, das Steingerippe und die Ausmauerung mit Lehmziegeln (links). Blöcke mit Schwalbenschwanzverbindungen zur Stabilität (rechts)

Amenemhet I.-Pyramide: Links, der komplett aus Rosengranit gefertigte Eingangsschacht, rechts daneben der zugemauerte Gang der Grabräuber (Pfeil). Rechts, die Ausmauerung der Pyramide mit Lehmziegeln.

Ebenfalls bauten Prinzessinnen und Angehörige ihre Mastabas bzw. Felsengräber, in denen herrlicher Goldschmuck gefunden wurde, innerhalb des Pyramidenbezirkes. Außerhalb sind über hundert Mastabas von Beamtenfamilien mit beigesetzten Eidechsen, wofür bis heute kein entsprechender Kult bzw. keine Erklärung gefunden wurden.

Sesostris I.-Pyramide, Lischt (12. Dyn., 1971 v. Chr.)

Sesostris I. regierte seit 1971 v. Chr. bereits neun Jahre als Mitregent seines Vaters Amenemhet I., als er nach dessen Ermordung die alleinige Herrschaft übernahm. 2 km südlich der Pyramide seines Vaters errichtete er seine eigene Grabstätte. Bei dieser Pyramide wurde ein sternenförmigen Kalksteingerippe errichtet und die Zwischenräume mit Geröll und Sand aufgefüllt. Gewaltige Verkleidungsblöcke aus feinem Tura-Kalkgestein hielten, wie heute noch an der Nordseite zu sehen ist, die lose Füllmasse zusammen. Die Verkleidungsblöcke an den anderen Seiten sind nicht mehr vorhanden, wodurch die diagonale Anordnung des steinernen Gerippes und die Füllung der Zwischenräume sichtbar sind.
Wie bei der Pyramide seines Vaters stand am Nordeingang der Pyramide eine Kapelle mit einer Alabaster-Scheintüre. Der schräg nach unten führende Gang aus Rosengranit ist ohne Beschriftung und so wie bei der Pyramide seines Vaters noch original mit Granitblöcken verschlossen. Grabräuber sind durch einen in das weiche Kalkgestein geschlagenen Gang in die Grabkammer gelangt. Diese liegt unterhalb des Grundwasserspiegels und ist bisher noch nicht erforscht worden.

Das Südgrab an der Südostecke, der Opfertempel an der Ostseite der Pyramide und der dekorierte Aufweg wurden den Pyramidenbezirken des Alten Reiches nachgeahmt. Ebenso wurden das Bildprogramm und die gewölbte, sternenverzierte Decke des Totenopferraumes von den Bauwerken des Alten Reiches übernommen. Obwohl das heutige Gräberfeld nicht vollständig von Schutt befreit wurde, gibt es immer mehr Erkenntnisse bzw. es stellen sich immer noch neue Fragen zur Bauweise und Ausgestaltung der Gebäude. So steht an der Pyramidensüdseite eine zum Teil freigelegte Kalksteinwand, die mit herrlichen Opferszenen geschmückt ist. Darstellungen in den Tempeln an der Nord- oder Ostseite sind üblich, hingegen ist ein Gebäudekomplex mit Reliefs an der Südseite unseres Wissens nach nicht bekannt.
Des Weiteren legten die Ausgräber Wasserrinnen frei, die das Regenwasser unterhalb der Umfassungsmauer in den Bereich der Pyramiden der Königinnen leiteten. Die Schuttbeseitigung im Bereich des Opfertempels offenbarte drei große Türfundamente aus Rosengranit, in denen die eingearbeiteten Türpfannenlager noch gut sichtbar sind. Die übergroßen Lager sowie die Fundamentmarkierungen lassen den Schluss zu, dass diese einseitige Türen von 2 m Breite aufnahmen. Die Höhe kann nicht bestimmt werden. An vielen freigelegten Blockverbindungen sind Anker in Schwalbenschwanzform eingelassen, die ein Verschieben der Blöcke verhindern sollten. Erstmals wurden diese Anker wohl am Taltempel des Chephren (4. Dyn.) genutzt, jedoch sehr sparsam und nur an statisch gefährdete Punkte. An diesen Bauwerken jedoch wurden sie vielfach verwendet.
In einem Entwässerungsschacht des Opfertempels fanden Ausgräber zehn lebensgroße, thronende Königsstatuen, die wahrscheinlich ursprünglich im Opferhof standen. Ihr guter Erhaltungszustand lässt eine kultische Bestattung vermuten.
Außerhalb der Umfassungsmauer der Pyramide, aber innerhalb einer zweiten Umfassungsmauer, befinden sich neun Pyramidengräber der Königinnen und Prinzessinnen.
Die Beamten-Mastaba des Sesostris-anch ist nicht nur das Größte, sondern auch das Beeindruckenste ihrer Art. Wie in einer Pharaonengrabkammer kommt man von Norden in eine Vorkammer und geht rechts in die
Grabkammer und links in das Serdab. Alle Kammern sind mit Hieroglyphen und einer Sternendecke versehen und bunt ausgemalt. Es gibt unseres Wissens wohl keine schönere Pharaonenkammer, auch nicht aus der Zeit des Alten Reiches.

Sesostris I.-Pyramide: Eingang zum Opfertempel, im Hintergrund die Pyramide mit dem Kalksteingerippe

Sesostris I.-Pyramide: Links: Die Königsstatuen aus dem Opfertempel | Rechts: Ein Relief an der Südseite der Pyramide (opfernde Nilgöttin, sehr selten auf der Südseite)

Sesostris I.-Pyramide: Links die Pyramidenverkleidung. Rechts der Pyramiden-Eingang, komplett in Rosengranit gemauert. Daneben der Grabräuber Eingang, mit einem Gitter verschlossen.

Amenemhet II.-Pyramide, Dahschur (12. Dyn., 1929 v. Chr.)

Pharao Amenemhet II., Sohn und Nachfolger Sesostris I., errichtete seine Nekropole in Dahschur, 30 km nördlich von Lischt. Sein Pyramidenbezirk hat wegen seiner Lage nahe dem Fruchtland besonders unter Steinräubern gelitten. Erhalten ist heute nicht mehr als ein flacher Hügel und die ursprünglichen Abmessungen sind nur noch schwer feststellbar. Die Pyramide hatte wie jene seines Vaters ein Kalksteingerippe und erhielt deshalb den Namen „Weiße Pyramide“. Der von der Nordseite absteigende Gang ins Pyramideninnere führt durch eine Fallsteinkammer mit zwei Fallsteinen in die kleine und schlichte Grabkammer. Diese ist mit waagerechten Deckenbalken abgedeckt, zu deren Entlastung oberhalb ein Gewölbe aus Kalksteinblöcken entsprechend einem Giebeldach errichtet wurde. Aus Steinplatten wurde der Sarkophag gefertigt, der an der Westwand in einer Vertiefung im Boden stand. Die Verwendung der vier zugemauerten Nischen sowie die des unterhalb der Grabkammer liegenden kurzen Schachtes sind noch nicht geklärt. Am Eingang des Pyramidenbezirkes erkennt man zwei Türme aus massivem Mauerwerk, die als Vorstufen der sogenannten Pylone der später errichteten Tempel als Vorbild dienten.
Vom Fruchtland führt ein breiter, offener Aufweg zum Pyramidenbezirk in die Wüste hinauf; der dazugehörige Taltempel wurde noch nicht gefunden.
An der Westseite der Pyramide liegen hintereinander mehrere Mastabas von Prinzessinnen, aus denen die goldenen und mit Juwelen besetzten Diademe stammen, die heute noch zu den bestaunenswertesten Sehenswürdigkeiten im Juwelensaal des Ägyptischen Museums in Kairo zählen.

Amenemhet II.-Pyramide: Das Diadem der Prinzessin Chnumit


Sesostris II.-Pyramide, Illahun (12. Dyn., 1897 v. Chr.)

An dem Ort, an dem sich die Oase Faijum mit dem Niltal verbindet, liegt am nördlichen Wüstenrand die Nekropole von Sesostris II. Der wirtschaftliche Aufschwung der Oase begann mit der Kolonisierung und Erschließung, die Sesostris II. einleitete. Die Pyramide wurde auf einem bereits vorhandenen Felskern errichtet, der entsprechend bearbeitet wurde, wobei die Baukonstruktion des sternförmigen Gerippes von seinen Vorgängern übernommen wurde. Die Zwischenräume, erstmals vollständig mit Nilschlamm-Ziegeln verfüllt, sind heute noch sichtbar, da die Verkleidungsblöcke Steinräubern zum Opfer fielen. Am Fuß der Pyramidenverkleidung wurde ringsum ein mit Kieselschotter gefüllter Graben angelegt; dieser sollte verhindern, dass Regenwasser die Lehmziegel aufweicht. Entgegen der Tradition, den Pyramideneingang an der Nordseite anzuordnen, verlegte Sesostris II. ihn als erster Pharao an die Südseite in eine Prinzessinnen-Mastabas. Dort findet man unterhalb der Fußbodenplatten in der Grabkammer den Eingang der Pyramide. Auch ließ er die Grabkammer nicht mehr wie bisher genau in der Pyramidenmitte, sondern aus der Mitte versetzt anlegen. Wahrscheinlich ist diese Änderung aus Angst vor Grabräubern erfolgt. Sesostris II. war sich vermutlich sicher, dass der Eingang nicht entdeckt werden konnte, denn er verzichtet sogar auf Fallsteine und eine Blockierung der Gänge. Dennoch wurde die Grabstätte geplündert und von der kostbaren Ausstattung fand man nur noch einen goldenen Uräus der königlichen Krone. In der aus Granit erbauten Grabkammer wurden ein vortrefflich gearbeiteter Sarkophag aus Rosengranit und ein Opfertisch aus Alabaster gefunden. Die Schächte und Korridore sind erstmals mit einer gewölbten Decke ausgestattet. Ein Umgehungsgang führt um die Grabkammer herum und mündet dann von Norden her in die Grabkammer. Diese Konstruktionsänderung erfolgte möglicherweise aufgrund der Mumienbestattung, für die die Nordrichtung aus rituellen Gründen wesentlich war, oder aber aufgrund der wegen Ka und Ach erforderlichen Öffnung zum Nordhimmel. Von der Südseite führt ein zweiter Eingangsschacht senkrecht bis zum Grabgang. Aus der ersten Gangkammer führt ein ebenfalls senkrechter Schacht bis zu dem vermutlich darunter liegenden Gang- und Kammersystem. Da dieser Teil jedoch aufgrund des hohen Grundwasserspiegels unter Wasser steht, ist er bis heute unerforscht.

Sesostris II.-Pyramide: An der Südostecke gut sichtbar das Kalksteingerippe mit den Lehmziegeln

Sesostris II.-Pyramide: Links: Die Nordseite mit den Verkleidungsblöcken Rechts: Nördlich der Pyramide liegen acht Felsenmastabas sowie eine Königinnen-Pyramide. Anders als in den südlich gelegenen Gräbern fand man hier viel Goldschmuck, insbesondere im Grab der Prinzessin Sit-Hathor-Iunt.

Pyramidenstadt el-Lahun
Die Pyramidenstadt Sesostris II. mit einem Grundriss von 350 x 400 m ist die größte Stadtruine des Mittleren Reiches. Die kleinsten Wohneinheiten besaßen vier Zimmer (100 m²) und die größeren Häuser verfügten über 70 Räume (2400 m²) und waren mit herrlichen Wandgemälden ausgestattet. Ein palastähnliches Gebäude stand, über Treppen zugänglich, auf einer Anhöhe (Akropolis). Einige Räume sind mit tonnengewölbten Decken überdacht, die von dekorierten Holzsäulen gestützt werden. Das rechtwinklige Straßensystem besaß Entwässerungsrinnen, die durch die Stadtmauer nach außen in die Wüste geführt wurden. Rund 5000 Menschen lebten schätzungsweise in el-Lahun.
Von der vordynastischen bis zur römischen Zeit wurde diese Nekropole als Bestattungsgelände benutzt. In der Spätzeit entstand zudem ein Tierfriedhof, auf dem die einbalsamierten Krokodile bestattet wurden. Die Säulen des Opfertempels sind möglicherweise in Herakleopolis magna, der ägyptischen Stadt Neni-nesu, wiederverwendet worden. Bei der Untersuchung des Pyramidenbezirkes fand man an der Westseite 16 und an der Süd- bzw. der Ostseite je 42 Baumgruppen. Ob diese Baumgruppen in Verbindung mit den 42 ägyptischen Gauen stehen, ist bis heute ungeklärt. Im nördlich gelegenen Steinbruch entdeckte man eine gut erhaltene Transportstraße sowie das sogenannte Hebset-Gebäude. Am Rand des Fruchtlandes befindet sich die Pyramidenstadt el-Lahun mit den Resten eines Taltempels. Ein Aufweg zum Opfertempel wurde wahrscheinlich noch nicht erstellt.
Im Umkreis des Pyramidenbezirkes fand man zahlreiche Privatgräber, wie das des Inepi und das Grab 621 von einem General unter Sesostris II. Hier fand man auch eine lebensgroße Holzstatue mit den beiden Händen des Schutzgeistes Ka auf dem Kopf.

Felsengrab des Inepi
Das Felsengrab des Inepi, eines Pyramidenbaumeisters Sesostris II, ist aus architektonischer Sicht eines der sonderbarsten Gräber des Alten und Mittleren Reiches. Der üblicherweise im Felsen angelegten Grabkammer mit den überbauten Lehmziegel-Mastabas wurde an der Ostseite ein aus dem Fels gehauener Opfertempel angegliedert. Im Eingangsbereich, an einer Vier-Pfeiler-Halle vorbei, erreicht man die dahinter liegende Kultkapelle des Opfertempels. Ungewöhnlich sind die fünf Statuenkammern, die sonst nur bei Pharaonen zu finden sind (Fünf-Namen-Kammer). Ferner konnte der Sinn des Schachtes im Vorhof (B = 8 m x L = 5 m x T = 3 m) vor der Kultkammer noch nicht geklärt werden. Sesostris III. errichtete in Abydos ein Südgrab, in dem ein ähnlicher Schacht angelegt wurde. Als Höhle des Sokaris gedeutet, kam dieser erst 500 Jahre später in den königlichen Felsengräbern (Tal der Könige) der 18. Dynastie häufig zur Anwendung.


Sesostris III.-Pyramide, Dahschur (12. Dyn., 1878 v. Chr.)

Sesostris III. kehrte von Illahun nach Dahschur zurück, wo er nördlich der Pyramide seines Großvaters Amenemhet II. seine Pyramide errichtete. Unter Sesostris III., einem der größten Pharaonen des Mittleren Reiches, erreichte die Kultivierung der Oase Faijum ihren Höhepunkt. Beim Bau seiner Pyramide übernahm Sesostris III. nicht das Steingerippe seiner Vorgänger. Zum ersten Mal wurde hier ein reiner Pyramidenkern aus Lehmziegeln errichtet, der mit einer Verkleidung aus Tura-Kalkstein abgedeckt wurde. Heute ähnelt die Pyramide einem Vulkan, wurden sie doch ihrer Verkleidung beraubt – die Lehmziegel fanden als Düngematerial Verwendung. Den üblicherweise auf der Nordseite liegenden Pyramideneingang ließ Sesostris II. auf der Westseite anlegen. Wegen dieser baulichen Änderung wurde auf eine aufwendige Blockierung und auf Fallsteine verzichtet, wohl auch aufgrund der Annahme, dass Grabräuber den Eingang nicht finden würden. Doch wie alle Pyramiden ist auch diese in der antiken Zeit ausgeraubt worden. Der von der Westseite angelegte Eingangsschacht geht 10 m senkrecht in die Tiefe und dann waagerecht weiter bis zur ersten Gangkammer. Der Boden ist mit polierten Rosengranitblöcken ausgelegt und die Wände und Decken aus schneeweißen Tura- Kalksteinblöcken gemauert und die Decke ist stark gewölbt. Durch den Nordgang geht es rechts in die Vorkammer. Rechter Hand, in Richtung Westen, liegt die Grabkammer mit dem an der Westwand befindlichen Sarkophag aus Rosengranit und 15 Scheintüren. Links des Vorraumes geht es in das Serdab, in dem sich ein von Grabräubern geschlagenes Loch in der Wand befindet. Bei der Suche nach der Grabkammer meißelten diese vom Schachteingang der Prinzessinnen Gräber unterhalb der Pyramide einen Gang bis in das Serdab; entdeckt wurde der Gang 1894 von Jacques de Morgan bei der Freilegung der Prinzessinnen-Gräber.

Links: Vom Eingangsschacht geht ein gewölbter Schacht 20 m in Richtung Osten. Sämtliche Gänge und Kammern sind mit Rosengranit Platten ausgelegt. Rechts: Der Nordgang bis zum Vorraum der Grabkammer. Die Durchgänge sind an den Seiten abgerundet. Bis auf eine Ausnahme haben alle Pyramiden einen Nordgang zur Vorkammer oder gehen direkt von Norden zur Grabkammer.

Links: Blick aus der Grabkammer in den Vorraum, dahinter das Serdab (Vorratsraum). Rechts: Das Serdab mit dem von Grabräubern in der Wand geschlagenem Grabräuber-Eingang.

Links: Die weiß getünchte Grabkammer mit einem Rosengranit-Sarkophag an der Westwand (Westen, untergehende Sonne, Totenreich). Die Grabkammer ist komplett aus Rosengranit errichtet und wurde dann weiß getüncht. Rechts: Der Gang zur Grabkammer. Der Durchgang ist an den Seiten abgerundet.

Der Aufweg führt nicht wie üblich zum Opfertempel, der völlig zerstört an der Pyramidenseite liegt, sondern mündet schräg in einem südlich gelegenen Vorhof. Es wurden Kalksteinblöcke gefunden, die auf eine Überdachung des Aufweges schließen lassen. Der Taltempel wurde bis heute noch nicht gefunden. Zusätzlich zur Königspyramide beherbergt der Pyramidenvorhof die Königinnen-Pyramiden und das Südgrab. Nördlich stehen die Mastabas der Prinzessinnen. Die Grabkammern waren durch einen Eingangsschacht und ein Gangsystem miteinander verbunden. In diesen Gräbern wurde wie bei allen Gräbern der Prinzessinnen des Mittleren Reiches zahlreicher Goldschmuck gefunden. An der südlichen Umfassungsmauer wurden aus Lehmziegeln gemauerte Gruben entdeckt, die gut erhaltene Schiffe aus Zedernholz enthielten. Wie bei den aufgefundenen Schiffen an der Cheops-Pyramide handelt es sich auch hier um Transportschiffe für die Grabausrüstung, die nach der Bestattung des Pharao in den Kammern beigesetzt wurden.

Sesostris III.-Pyramide: Links. Blick auf den Opfertempel (Foto aus dem Jahr 1970). Rechts: Die von Dieter Arnold (New York) restaurierte Umfassungsmauer

Links: Blick auf den an der Ostseite liegenden Opfertempel, ausgegraben von Dieter Arnold (New York). Rechts: Sesostris III. im Tempel in el-Bahri gefunden.

Amenemhet III.-Pyramide, Dahschur (12. Dyn., 1844 v. Chr.)

Amenemhet III., Sohn und Nachfolger Sesostris III., hatte wie sein Vater eine sehr lange Regierungszeit (ca. 47 Jahre). Er errichtete 3 km südlich vom Pyramidenbezirk seines Vaters in Dahschur seinen ersten Pyramidenbezirk. Die Pyramide, inzwischen von Steinräubern zu einem bizarren Gebilde verformt, hatte eine Verkleidung aus Tura-Kalkstein, darunter befinden sich großformatige Lehmziegeln. Ein schwarzes Granitpyramidion wurde unversehrt im Pyramidenschutt gefunden, weswegen man annimmt, dass die Pyramide nicht vollständig fertiggestellt wurde. Der sehr steile Böschungswinkel von 59° wurde aus bisher ungeklärten Gründen im oberen Pyramidenbereich auf 55° geändert. Der aus der Pyramidenmitte stark versetzte Pyramideneingang liegt an der Ostseite und führt erstmalig seit der 3. Dynastie wieder mit einer schräg nach unten verlaufende Treppenrampe ins Innere. Die oft ihre Richtung ändernden Gänge besaßen wie die Grabkammern Wandverkleidungen aus Kalkstein und gewölbte Decken. Nach viermaliger Richtungsänderung führt der Gang durch bzw. an 15 Kammern vorbei in den Vorraum der Grabkammer. Zum ersten Mal betrat man die Grabkammer nicht mehr von Norden her. Der Sarkophag wurde jedoch traditionsgemäß an der Westwand stehend vorgefunden. Dieser besitzt einen nischengegliederten Sockel, der zudem noch mit 15 Scheintüren geschmückt ist, die dem Toten als Aus- und Eingang dienten. Vom Eingangsstollen führt ein Gangsystem in südlicher Richtung, das mit Magazinnischen und einer Kammer ausgestattet wurde, die als Südgrab des Pharao gedeutet wird. Zum ersten Mal in der Baugeschichte der Pyramiden enthält die Pyramide des Pharao
auch zwei Grabkammern für Königinnen. Die im westlichen Teil der Pyramide liegenden Grabkammern sind mit dem Gangsystem der Grabkammern verbunden, besitzen aber auf der Westseite einen eigenen Eingang. Der Innenausbau erfolgte wie bei den Kammern und Gängen der Grabanlage des Pharao mit Kalkstein und gewölbten Decken. Zur Überraschung der Ausgräber wurde in einer Königinnenkammer ein gut erhaltener Kanopenkasten mit Gefäßen gefunden. Der Grabbezirk besaß zwei Umfassungsmauern, wobei die Innere als Nischenmauer ausgebildet war und an den östlich angrenzenden Opfertempel anschloss. Zum stark zerstörten Opfertempel führt ein 18 m breiter Aufweg vom Fruchtland liegenden Taltempel aus hinauf. Der nur zum Teil freigelegte Taltempel besitzt terrassenförmige angelegte Höfe, die im Eingangsbezirk durch mächtige Mauern eingefasst sind. Auf der Nordseite zwischen den Umfassungsmauern fand man Schachtgräber von unbekannten Pharaonen, die sich ca. hundert Jahre später dort bestatten ließen. Wegen des nachgiebigen Untergrunds traten zu Beginn der Errichtung bereits Setzungen und Risse im Gangund Kammersystem auf. Genau wie bei der gegenüberliegenden Knickpyramide des Pharao Snofru, der seine Pyramide ebenfalls aufgab. Es ist gut möglich, dass die Grabräume der Frauen erst gebaut wurden als Amenemhet III. die neue Pyramide in Hauware plante. Einzig Echnaton ließ auch eine Grabkammer für seine Ehefrau Nofretete in seinem Grab errichten? Es besteht auch die Möglichkeit, dass diese Grabkammer für die Bestattung von Tutanchaton (später Tutanchamun) gedacht war.

Amenemhet III.-Pyramide: Blick auf die Pyramide mit den Verkleidungsblöcken aus südwestlicher Richtung

Links, der Sphinx: Das Nemes-Kopftuch wird von Amenemhet III. hier zum ersten Mal durch eine Löwenmähne ersetzt. Rechts: Pyramidion aus poliertem schwarzem Granit


Amenemhet III.-Pyramide, Hauwara (12. Dyn., 1844 v. Chr.)

In Hauwara, am Eingang der Oase Faijum, errichtete Amenemhet III. seine zweite Pyramide, die als Bestattungspyramide diente. Über einem Kalksteingerippe wurde der Pyramidenkern komplett aus Lehmziegeln gemauert und mit einer gewaltigen 4 m dicken Verkleidung aus Tura-Kalkstein abgedeckt. Von dem auf der Südseite liegenden Eingang führt ein absteigender Treppengang ins Pyramideninnere bis zur erste Gangkammer. Ein weiterführender Gang, der oberhalb dieser Gangkammer beginnt und durch einen gewaltigen Deckenblock versperrt wird, mündet in eine zweite Gangkammer, von der wiederum zwei Gänge abzweigen. Der in nördlicher Richtung führende Gand endet nach 28 m. Er wurde wohl zur Täuschung von Grabräubern angelegt und war komplett mit Steinen blockiert. Der andere, in Ostrichtung führende Gang mündet in einer dritten und vierten Gangkammer, wobei er die Richtung jeweils um 90° ändert. Von der letzten Gangkammer erreicht man aus östlicher Richtung die Vorkammer des Grabraumes. Ein kurzer, ebenfalls um 90° abknickender Gang verbindet Vor- und Grabkammer, wobei die Nordrichtung des Grabkammerzuganges wie bei allen Pyramiden (mit Ausnahme jener von Amenemhet III., dort von Osten) erhalten bleibt.
Die Grabkammer, die aus einem einzigen gewaltigen Quarzitblock besteht, in den von oben eine Vertiefung von 7 x 2,5 m Grundfläche und 2 m Tiefe eingemeißelt wurde, hat ein Gewicht von 110 t. Diese riesige Steinwanne wurde von drei großen Quarzitbalken abgedeckt, die von auf Sand gelagerten Steinpfeilern hochgehalten werden, um so den Zugang zum Sarkophag bis zum Begräbnis offen zu halten. Nach der Bestattung wurde der Sand entfernt und die Pfeiler mit Deckenbalken senkten sich auf den Sarkophag und versperrten so den Zugang. Dieses neue Verschlusssystem zur Sicherung der Grabkammer mit Hilfe der schweren Deckenblockierungen sollte Vorbild für die nachfolgenden Pyramiden werden und noch 1300 Jahre später bei den Felsengräbern der Perser in Sakkara-Nord an der Unas-Pyramide seine Anwendung finden. Einen einmaligen Fund machten die Ausgräber in der Sargkammer: Dort wurden zwei Sarkophage und zwei Kanopenkästen entdeckt. Ist hier möglicherweise zum ersten Mal ein Ehepaar bestattet worden – und das 480 Jahre früher als es bei Pharao Echnaton geschah? Allerdings könnte es auch für den Sohn errichtet worden sein. Die Gründe für diese doppelte Grabausstattung sind bis heute ungeklärt. Die Grabkammer wurde durch ein Satteldach aus Kalksteinbalken abgedeckt, das mit einem Ziegelgewölbe von 1 m Dicke als Druckentlastung überbaut ist. Einzigartig war das südlich an die Pyramide angebaute Gebäude, das bereits im Altertum bekannt war und von den Griechen als Weltwunder angesehen wurde. So schreibt der griechische Schriftsteller Strabon 25 Jahre v. Chr., die Anlage sei großartiger als alle griechischen Bauwerke zusammen und kein Fremder könne sich in den Säulengängen zurechtfinden. Das Gebäude, das daraufhin Labyrinth genannt wurde, war 400 m lang, zwei Stockwerke hoch und enthielt ca. 8000 Säulen. Nach weiteren Schilderungen waren 3000 Höfe, Terrassen und unterirdische Krokodilkavernen angelegt für den in der Oase Faijum verehrten Krokodilsgott Sobek. Dieser Grabkomplex war so einmalig und außergewöhnlich, dass dieser jeglichen Rahmen sprengt und alles überbietet, was wir mit einem Pyramidenbezirk verbinden. Jedoch sind heute dank Steinräubern und Schatzsuchern nur noch wenige Reste der Anlage erhalten, die keine genaue Rekonstruktion mehr zulassen.

Amenemhet III.-Pyramide: Der Blick auf die Südostecke

Amenemhet III.-Pyramide: Links: Der Pyramideneingang, zu sehen die Gangwände mit den gewaltigen Blöcken. Rechts: Reste der 8000 Säulen

Die Familienangehörigen Amenemhet III., die Gemahlin Aat mit Tochter Nofru-Ptah und sein Nachfolger Amenemhet IV., bei dem es sich wahrscheinlich nicht um seinen Sohn, sondern sein Enkel handelt, sind die bekanntesten Personen dieser Familie. Königin Aat sowie einer unbekannten Königin wurde gestattet, eine Grabkammer in der aufgegebenen Pyramide in Dahschur zu errichten. Hingegen bekam die Tochter Nofru-Ptah eine eigene Pyramide, die heute bis auf die eindrucksvolle Grabkammer komplett abgebaut ist. Bei Freilegung des Pyramideneingangs zeigte sich, mit welch überdimensionalen Blöcken das Gangsystem vermauert und mit Lehmziegelmauerwerk ummantelt wurde. Leider ist eine Besichtigung des Pyramideninneren nicht mehr möglich, da man im nach unten führenden Gang bereits nach 5 m auf das immer höher steigende Grundwasser stößt. Während der langen Regierungszeit von 45 Jahren herrschte Amenemhet III. mit einem Absolutismus durchaus vergleichbar mit jenen der europäischen Herrscher des 17. und 18. Jahrhundert. Die Einschränkung des Privatbesitzes und die Aufhebung des Erbrechtes eines Sohnes auf das Amt des Vaters sind nur einige Veränderungen, die eine Verarmung der Oberschicht zur Folge hatten. Dies bezeugen die dürftigen Privatgräber und Beigaben dieser Zeit. Die Versklavung des eigenen Volkes und die Einwanderung von Ausländern, die als Landarbeiter und Soldaten dienten, war die Keimzelle für die chaotische 2. Zwischenzeit, die 130 Jahre nachdem Tod Amenemhet III. ausbrach.

Amenemhet III.-Pyramide: Links: Die Grabkammer der Prinzessin Nofru-Ptah, der Oberbau wurde komplett entfernt. Rechts: Torso von Göttinnen bei der Opferung.

Amenemhet IV.-Pyramide, Masguna (12. Dyn., 1798 v. Chr.)

Die nördlich von Masguna gelegene Pyramide wird Amenemhet IV. zugeschrieben, wobei eindeutige schriftliche Hinweise nicht gefunden wurden. Mit dem Pyramidenoberbau sowie den anderen erforderlichen Kultanlagen wurde jedoch nicht begonnen, was sich mit der kurzen Regierungszeit des Pharao erklären lässt. Das einzige Bauwerk oberhalb des Erdniveaus ist eine im Osten der Pyramide gelegene Baurampe, die das Fruchtland mit der Nekropole verbindet und auf der die Steine der Grabkammer transportiert wurden. Nach längerer Zeit wurde der Treppeneingang ins Erdreich bei dieser Pyramide wieder aus nördlicher Richtung angelegt. Konzeption und Bauweise der Gänge ähneln jenen der Hauwara-Pyramide. Der Gang mehrfach um 90° abknickende und durch sieben Gangkammern gehende Gang führt wie fast immer üblich von aus Norden in die Grabkammer. Der mächtige Quarzitsarkophag war nur mit einem Kanopenkasten ausgestattet und wurde leer vorgefunden. Die Sarkophagöffnung sollte durch einen Quarzitdeckel, der über dem Vorraum gelagert wurde, verschlossen werden. Vor dem Sarkophag lag ein zusätzlicher Fallstein zur Abschottung. Da Sarkophag und Fallsteine bei Auffindung geöffnet waren, vermutet man, dass die Bestattung des Pharao nicht in dieser Grabanlage erfolgte.

Nofrusobek-Pyramide, Masguna (12. Dyn., 1789 v. Chr.)

Die letzte Herrscherin war Königin Nofrusobek, die zweite Pharaonin. Ob die südlich von Masguna gelegene Pyramide dieser Königin zugeschrieben werden kann, ist ungeklärt, schriftliche Zeugnisse hierfür gibt es keine. Die kleinste Pyramide der 12. Dynastie bestand aus Ziegelmauerwerk, das jedoch bis zu einer Höhe von wenigen Metern wurde. Verkleidungsblöcke wurden nicht gefunden, da wahrscheinlich mit der Verkleidung der Pyramide wohl noch nicht begonnen wurde. Eine Neuerung in den Pyramidenbezirken des Mittleren Reiches ist die wellenförmige Umfassungsmauer, über deren Bedeutung noch gerätselt wird. Das Kammer und Gangsystem, das von der Südseite ins Pyramideninnere führt, gleicht jenem der Hauwara-Pyramide. Über eine Eingangstreppe und durch vier Vorkammern, in denen der Gang rechtwinklig abknickt, gelangt man mit dem Nordgang in die stark zerstörte Grabkammer. Der leer vorgefunden Quarzit-Sarkophag war mit einem Giebeldach aus Kalksteinbalken abgedeckt.

13. Aufsatz (01.08.2019) 2. Zwischenzeit (13. – 17 Dyn.) um 1785 – 1551 v. Chr.

Aufgrund der ständigen Aufeinanderfolge von Umstürzen, aus der Zersplitterung des Landes in zahlreiche kleine Reiche sowie aus der großen Anzahl regierender Pharaonen (über 200) lässt sich die unruhige politische Lage der 1. Zwischenzeit erahnen.
Aus der 13. Dynastie sind über 50 Pharaonen überliefert, die teilweise nebeneinander regierten. In dieser Zeit entstanden auch die letzten Königspyramiden (ausgenommen Nubien). Es sind zwar unvollendete Pyramiden, die jedoch mit ihren komplizierten Gang- und Verschlusssystemen und ihren Grabkammern einmalig in der ägyptischen Baugeschichte sind. Auf einem hügeligen Wüstenplateau südlich von Sakkara gelegen errichteten die Pharaonen der 13. Dynastie ihre Pyramiden. Die durch Inschriften sicher zuzuordnenden Pyramiden des Pharao Chendjer und seiner Königinnen sind bisher die einzigen bekannten Pyramiden dieser Dynastie, die anscheinend vollendet wurden. Den Pyramidenbezirk umschließen zwei Umfassungsmauern, von denen die äußere glatte Wände und die innere Nischen besaß. Südlich der Pyramide des Chendjer liegt eine unvollendete größere Pyramide, die von einer weißgetünchten, wellenförmigen Umfassungsmauer umgeben war. In und an der Pyramide ließ sich kein Hinweis auf den königlichen Bauherrn finden.

Als um das Jahr 1650 v. Chr. ein asiatisches Reitervolk die Macht im Nildelta übernahm, war es das erste Mal in der ägyptischen Geschichte, dass das Land am Nil einer Fremdherrschaft unterworfen war. Die Herrscher der Fremdländer, von den Ägyptern „Hyksos“ genannt, waren in das Land eingedrungen und hatten das im Delta gelegene Auaris zu ihrer Hauptstadt gemacht. Von dort aus erlangten sie nach und nach die Herrschaft über ganz Ägypten. Die Herrschaft der Hyksos dauerte über hundert Jahre; die ägyptische Kultur wurde währenddessen kaum angetastet, wohl aber brachten die Eroberer wichtige Neuerungen mit, die bis dahin in Ägypten unbekannt waren – den senkrechten Webstuhl sowie das Pferd mit Streitwagen, um nur einige zu nennen. In der 17. Dynastie erhob sich zum ersten Mal eine Familie aus Theben gegen die Herrschaft der Hyksos. Als das Familienoberhaupt Taa im Kampf gefallen war, übernahm sein Sohn Kamose seinen Platz und setzte den Befreiungskampf fort. Aber erst seinem Bruder Ahmose gelang es, die Residenz Auaris zu erobern und die fremden Herrscher endgültig zu vertreiben. Ahmose wurde als neuer Reichseiniger gefeiert und mit der 18. Dynastie brach für Ägypten erneut eine Blütezeit an, das Neue Reich.

Unbekannte Pharao-Pyramide, Sakkara-Süd (13. Dyn., 1780 v. Chr.)

Ein Hinweis auf den königlichen Bauherrn dieser Pyramide konnte bisher nicht entdeckt werden. Doch ist anzunehmen, dass die imposante Grabanlage einem bedeutenden König der 13. Dynastie gehörte. Der Pyramidenoberbau wurde nicht mal begonnen und vor dem Eingang fand sich seltsamerweise neben dem normalerweise üblichen Pyramidion noch ein zweites. Eines der beiden aus schwarzem Granit hergestellten Stücke war poliert, das andere noch nicht bearbeitet. Es stellt sich die Frage, ob das zweite Stück eventuell für das Südgrab oder für eine Königinnen-Pyramide gedacht war. Eine wellenförmige, weiß getünchte Umfassungsmauer aus Lehmziegeln umschloss den Pyramidenbezirk, in dem noch keine Kultbauten errichtet worden waren. Diese Pyramide eines unbekannten Pharao enthält ein überaus ausgeklügeltes Grabsystem, das perfekt ausgeführt wurde. Die mit Tura-Kalkstein verkleideten Kammern und Gänge wurden farblich so gestaltet, dass diese aussehen, als würde es sich hierbei um ein Mauerwerk aus Granitgestein handelt. Der von Osten schräg nach unten verlaufender Treppengang führt wie bei den Vorgängern über Gangkammern und rechtwinklig abknickende Gänge bis zur Grabkammer, die ausnahmsweise nicht von Norden, sondern von Osten betreten wird. Dass eine Grabkammer aus einem einzigen Quarzitblock (150 t) hergestellt wurde, dürfte einmalig sein. Sarkophag und Kanopenkasten sind Teil des Monolithen. Ein ausgeklügeltes Verschlusssystem hielt den vorderen Deckenbalken bis zur Bestattung des Pharao in einer bestimmten Position und somit die Grabkammer offen. Dieser Deckenbalken ruhte auf vier Granitpfosten, die in mit Sand gefüllten Seitenkammern standen. Nach der Bestattung wurde der Sand entfernt und die Pfosten samt Deckenbalken senkten sich und verschlossen den Sarkophag. Die vom Vorraum aus begehbare Sandkammern wurden anschließend zugemauert. Eine weitere Besonderheit ist die vom Vorraum erreichbare nördlich gelegene zweite Grabkammer. Sie enthält einen weiteren Quarzit-Sarkophag, der jedoch in eine Nische hinein geschoben wurde. So konnte der seitlich stehende Fallstein nicht zur Verriegelung vorgeschoben werden. Außergewöhnlich ist die Bodenvertiefung vor dem Sarkophag, in der wahrscheinlich ein nicht mehr vorhandener Holzsarkophag stand. Der noch vorhandene, in einer Kammernische stehende Kanopenkasten macht die Beweggründe für diese Kammeranordnung noch mysteriöser. Ob die Pyramide als Süd- oder Königsgrab genutzt wurde, ist bis heute nicht geklärt (Im Südgrab wurde kein Kanopenkasten aufgestellt, nur im Nordgrab, in dem auch der Sarkophag stand).

Unbekannte Pharao-Pyramide: Heute ist von dem gewaltigen unterirdischem Grabsystem nur noch wenig zu sehen

Chendjer-Pyramide, Sakkara-Süd (13. Dyn., 1750 v. Chr.)

Chendjer, und übersetzt „der Eber“ bedeutet, soll als General auf den Pharaonenthron gekommen sein. Seine Pyramide war die einzige anscheinend vollendete Pyramide der 13. Dynastie, deren Erbauer namentlich bekannt ist. Die heute noch einige Meter hohe Pyramide wurde von einem Pyramidion aus schwarzem Granit gekrönt, dessen Bruchstücke man im Schutt fand. Der Pyramidenbezirk wurde von zwei Umfassungsmauern umschlossen, von denen die innere wellenförmig ausgebildet war. Das Innere der Pyramide zeigt, wie bei der Vorgängerpyramide, ein ausgeklügeltes Gangsystem und eine einmalige Konstruktion der Grabkammer sowie der Blockierung. Von dem auf der Westseite liegenden Eingang führt ein Gangsystem mit zwei Fallsteinen mehrmals rechtwinklig abknickend um die Sargkammer und mündet dann von Norden in die Grabkammer. Die Grabkammer besteht aus einem 60 t schweren Quarzitmonolithen, in den ein Sarkophag und ein Kanopenkasten eingearbeitet sind. Den Verschluss der Grabkammer bilden zwei mächtige Quarzitbalken, wovon der hintere Block auf dem oberen Rand aufliegt. Der vordere Deckenbalken ruhte auf zwei seitlich angebrachten Granitpfosten, die in mit Sand aufgefüllten Seitenkammern und mit der Sandhydraulik wie bei den Vorgängerpyramiden verschlossen wurde. Anschließend wurden die Gänge zu den Sandkammern zugemauert. An der Ostseite der Pyramide wurden Pflasterreste und Relieffragmente gefunden, die andeuten, dass an dieser Stelle einst der Opfertempel stand. Die an der Nordseite liegende Kapelle ist besser erhalten als der Opfertempel und Reliefdarstellungen von Opfertieren sowie eine gelbe, rot gepunktete Schlange ist zu erkennen. Zwischen den beiden Umfassungsmauern liegt eine Königinnen-Pyramide, die ein einfaches Korridor- und Verschlusssystem besitzt. Trotzdem ist das Kammersystem einmalig für eine Königinnen-Pyramide, da diese zwei Sargkammern besitzen. Das aus einem Vorraum und zwei schmalen Sargkammern bestehende Grabsystem enthielt zwei Quarzitsarkophage und zwei Kanopenkästen. Die Sarkophage wurden leer vorgefunden und man nimmt an, dass hier keine Bestattung erfolgt ist.

Chendjer-Pyramide: Links: Von dem gewaltigen Bauwerk ist oberirdisch nichts mehr zu sehen. Rechts: Eingang in die Königinnen-Pyramide

Chendjer-Pyramide: Links: Eingang in die Königinnen-Pyramide? | Rechts: Blutrinnen im Bodenpflaster; zu diesem Zeitpunkt muss der Opfertempel bereits fertiggestellt worden sein

12. Aufsatz (24.07.2019) Schrift im alten Ägypten

Die altägyptische Sprache ist verwandt sowohl mit semitischen wie auch mit hamitischen Sprachzweigen und hat unter den Schriften, die längste Geltungsdauer von 3.600 Jahren. Die bislang ältesten Hieroglyphen Schriften aus der Zeit um 3200 v. Chr. stammen nach Untersuchungen des Deutschen Archäologischen Institut in Kairo aus Abydos. Das letzte demotische Zeugnis stammt aus dem Jahre 452 n. Chr. Einige dieser Wörter sind auch heute noch in unserer Sprache enthalten, so zum Beispiel Basalt, Chemie, Ebenholz, Gummi, Ibis, Natron, Papier, Pavian, Salmiak, Senf, Kuchen und Kuppel. In der koptischen Sprache wurde ein Großteil aus der ägyptischen Sprache übernommen und bis 1000 n. Chr. verwandt. Heute lebt sie noch in der koptischen Liturgiesprache weiter. Die Texte wurden in Stein gemeißelt, in Holz und Metall geritzt und geschnitten, auf Knochen, Leder, Papyrus, Ton- und Kalkscherben mit Farben und Tusche gemalt und geschrieben. Die alt-ägyptische Schrift wird hieroglyphisch, hieratisch und demotisch geschrieben. Die Schriftbezeichnungen selbst stammen aus dem Griechischen. Entstanden sind diese Schriften nacheinander, wurden jedoch zum Teil gleichzeitig benutzt. Man kann sie mit unserer Druck-, Schreibschrift und der Stenographie vergleichen. Schreiber: Seit Beginn der Schrift war der Schreiber ein unersetzlicher Träger der Verwaltung des Pharao. Er setzte die Steuern fest und zog sie ein und führte zudem die Buchhaltung. Nach schriftlichen Überlieferungen brüstete er sich damit, die Tätigkeiten aller Menschen zu lenken und das es sein Verdienst sei, literarische Werke für die Nachwelt festgehalten zu haben. Dafür standen ihm bis zu 1000 Zeichen zur Verfügung. Zu unterscheiden sind dabei Silben-, Buchstaben-, Wort- und Deutzeichen. Bei Letzteren war oft eine Erklärung der vorhandenen Schriftzeichen erforderlich. Zum einen, weil diese Wörter allein aus Konsonanten bestanden und zum anderen, weil die Ägypter zur Wiedergabe bestimmter Begriffe ähnlich lautende Wörter verwandten. Das Handwerkszeug eines ägyptischen Schreibers bestand aus eine Schreiberpalette, die gleichzeitig als Etui für die Pinsel diente sowie zwei Näpfchen für die rote und schwarze Tinte und einem Mörser zur Herstellung der Tinte.

Der Schreiber Amenophis, Sohn des Hapu (18. Dyn.). Links als junger Mann und rechts als alter Mann. Diese Darstellung ist einzigartig und er wurde in späterer Zeit als Gott verehrt. Er ließ die Memnonskolosse und andere Kolossalbilder seines Herrschers Pharao Amenophis III. errichten. Zum Dank durfte er sich an seinem Grab einen eigenen Totentempel errichten

Hieroglyphen: Obwohl die Schriftzeichen der Hieroglyphen mit ihren bildlichen Darstellungen eine Bildschrift vermuten lassen, ist dem nicht so. Eine Bilderschrift vermag allenfalls die Vorstellung von dem aufgezeichneten Gegenstand zu vermitteln, nicht aber den Laut eines Wortes. Um einen Gedanken vollständig in Schriftform umzusetzen, bedarf es einer phonetischen Schrift oder Lautschrift, die durch die Hieroglyphen dargestellt wird. Die Griechen nannten sie „Heilige Zeichen“, weil sie die Wände der Tempel und Gräber schmückten und die die Statuen und Opfersteine bedeckten. Es gab 700 Zeichen, in griechisch-römischer Zeit waren es weit über 1000 Zeichen. Die Orthographie war keineswegs streng geregelt, und so fehlten Satz- und Worttrennung. Man schrieb üblicherweise von rechts nach links, doch wurde auch von links nach rechts und von oben nach unten geschrieben. Die Schriftrichtung ist an der Ausrichtung der Menschen- und Tierdarstellungen zu erkennen, die stets in Leserichtung blicken.

Hieratisch: Die komplizierten Formen der Hieroglyphen waren ungeeignet, um rasch mit Binse und Tusche geschrieben zu werden. So entwickelte sich eine neue Schrift, die man in der Spätzeit „hieratisch“ nannte. Die Zeichen wurden vereinfacht, fließend gestaltet und zum Teil verbunden. Die hieratische Schrift wurde bis zum 7. Jahrhundert v. Chr. verwendet. Geschrieben wurden mit dieser Sprache nur noch religiöse Texte.

Demotisch: Seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. hat sich mit der demotischen noch eine dritte ägyptische Schrift entwickelt, was übersetzt so viel wie Volksschrift heißt. Diese Schrift war mehr gebunden, was eine schnellere Schreibweise als die des Hieratischen ermöglichte. Mit ihr wurden eine veränderte Grammatik und ein neuer Wortschatz eingeführt. Dies ist die letzte Entwicklungsstufe der ägyptischen Sprache, die für mehr als 1000 Jahre die einzige Schreibschrift in Ägypten blieb. Während diese Sprache für alltägliche Zwecke wie zum Beispiel Urkunden, Briefe, Abrechnungen usw. verwendet wurde, wurde währen dieser Zeit das Hieratische nur noch für religiöse Schriften gebraucht. Hieroglyphen blieben auf in Stein gemeißelte Inschriften beschränkt.

Ostraka: Als Schreib- oder Zeichenmaterial ersetzten oft Tonscherben oder Kalksplitter (Ostraka) den teureren Papyrus. Bekannt sind diese bereits aus dem Alten Reich. Zu Tausenden wurden sie in der thebanischen Nekropole gefunden und besonders in der Arbeitersiedlung Der el-Medina. Sie enthalten Skizzen, freie Zeichnungen, Abrechnungen, Arbeiterlisten, Anklagen und Schreibübungen zukünftiger Schreiber. Eine beliebte Schreibübung war die Erzählung von Sinuhe. Demnach flieht ein hoher Beamter außer Landes, da er fürchtet, als Mitwisser angeklagt zu werden, nachdem er durch Zufall erfahren hat, dass sein König Amenemhet I. einem Mordanschlag zum Opfer gefallen ist, während der Kronprinz Sesostris I. auf einem Kriegszug in Libyen weilte. Entzifferung der Hieroglyphen: Wenn man bedenkt, dass ein schönes Schriftbild wichtiger war als die richtige Schreibweise und der Schreiber an keine bestimmte Schriftrichtung gebunden war, so kann man ermessen, als wie kompliziert sich die Entzifferung dieser Zeichen herausstellte. Dies wurde erst möglich, als der Stein von Rosette mit einer mehrsprachigen Inschrift gefunden worden war. Diese Basaltplatte, die sich heute im Britischen Museum in London befindet, weist drei Schriftabschnitte auf. Der obere ist in Hieroglyphen, der mittlere in demotischer Schrift und der untere auf Griechisch geschrieben. Thomas Young: Im Jahre 1814 versuchte der Physiker und Arzt Thomas Young die Rosette-Inschrift zu entschlüsseln. Ausgehend vom griechischen Text versuchte er die im demotischen und im hieroglyphischen Text häufig wiederkehrenden Zeichen einzugrenzen. Dabei zeigte sich, dass einzelne demotische Wörter bestimmten hieroglyphischen Zeichengruppen ähnelten. Yung konnte so einige Wörter wie zum Beispiel König, Tempel und Priester entziffern. Auch erkannte er, dass der Plural durch drei Striche oder dreifaches Setzen der Hieroglyphe geschrieben wurde. Bereits im selben Jahr veröffentlichte er eine Liste von 204 Wörtern und 14 hieroglyphischen Buchstaben, von denen 50 Wörter und acht Buchstaben richtig gedeutet waren. Da Young seine Studien jedoch bereits nach kurzer Zeit wieder aufgab, wurde allerdings die Anerkennung, den richtigen Ansatz für die Entschlüsselung der Hieroglyphen gefunden zu haben, Jean Francois Champollion zugesprochen. Berühmtheit erlangte Thomas Young dennoch. Konnte er doch bereits im Jahr 1801 die Teilchentheorie des Lichts von Isaak Newton widerlegen und die Wellentheorie durch ein Experiment bestätigen.

Links, Der el-Medina: Begehbarer Brunnen, in dem über 5000 Ostraka gefunden wurden. Rechts Abydos: Schreibgefäß (1. Dyn.)

Jean Francois Champollion: Bereits mit elf Jahren lernte Champollion Latein, Griechisch, Hebräisch und konnte das Alte Testament im hebräischen Original lesen. Im Jahr 1802 kam er als Zwölfjähriger zum ersten Mal mit der Schrift der Ägypter in Berührung. Eine beinahe schon schicksalhafte Begegnung, die seinen weiteren Lebensweg bestimmen sollte. Machte er es sich doch zu seiner Lebensaufgabe, die Hieroglyphen zu entziffern. 1813 fand Champollion im demotischen Text der Rosette Inschrift ein Zeichen, das sich auch im Koptischen findet und dort „f“ bedeutet. Durch vorangegangene Studien war ihm bekannt, dass das demotische Zeichen aus der gehörnten Schlange (Viper) hervorgegangen war, die ebenfalls an vergleichbaren Stellen des Hieroglyphentextes auftritt. Somit hatte er die erste Hieroglyphe entziffert. Der entscheidende Schritt folgte 1821, als Champollion feststellte, dass die Hieroglyphen keine reine Bilderschrift sein können, da im griechischen Teil der Rosette-Inschrift 468 Wörter stehen, es jedoch nur 1419 Hieroglyphen gibt. Demzufolge, so schlussfolgerte Champollion, müssen sich ägyptische Wörter aus mehreren Zeichen zusammensetzen. Aus der Übersetzung des griechischen Textes war Champollion zudem bekannt, dass der Name des Königs Ptolemaios vorkommen musste. Bei der Suche nach dem Namen fielen ihm die mehrfach auftretenden Kartuschen auf. Er vermochte nun den griechischen Namen im Demotischen als Ptolmis zu lesen und ins Hieratische zu übertragen. Zu seiner großen Überraschung erhielt er als Ergebnis die gleiche Schreibweise wie in der Kartusche. Um dieses Ergebnis wissenschaftlich abzusichern, benötigte er weitere Inschriften. 1822 erhielt er eine Abschrift des Philae-Obelisken mit der Kartusche der Kleopatra. Damit gelang es ihm, die Lesung „L“ „O“ „P“ und ein zweites Zeichen für „T“, zu bestätigen. Noch fehlte aber der letzte Schritt, um mit den bereits bekannten Buchstaben ältere hieroglyphische Inschriften zu entziffern. Allerdings glaubte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass dies tatsächlich möglich sei. Zu sehr war auch er vom Symbolcharakter dieser Zeichen überzeugt. Ende 1822 jedoch erhielt er zahlreiche Kopien von Pharaonennamen. In einer Kartusche erblickte er einen Namen mit der
Sonnenscheibe, dem Zeichen für den Sonnengott Ra, der mit zwei „S“ endet. Dazwischen stand ein weiteres bekanntes Zeichen, so dass er den Namen Ramses erkennen konnte. Auf einer anderen Kartusche begann der Name mit einem Ibis, dem heiligen Vogel Thot, und endete mit „S“. Daraus entschlüsselte er Thutmosis. Als Champollion merkte, dass er sein Alphabet auch auf die begleitenden Texte anwenden konnte, war kein Zweifel möglich – das größte Rätsel war gelöst. Das alt-ägyptische Wörterbuch: Zu der ältesten Forschungsprojekten der ehemaligen Preußischen Akademie der Wissenschaft (heute Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) gehört das „Wörterbuch der ägyptischen Sprache“. Seit 1897 wurden dafür etwa 2,5 Millionen Wort-belege zusammengetragen, geordnet und ausgewertet.

11. Aufsatz (22.07.2019) Säulen und Pfeiler

Stützen mit rundem Querschnitt gelten als Säulen, solche mit quadratischem, rechteckigem oder polygonalem Querschnitt als Pfeiler. Holzstützen wurden bereits in vordynastischen Gräbern sowie erstmals in den Pharaonengräbern in Abydos verwendet. Die ältesten bekannten Kalksteinpfeiler stammen aus dem Taltempel der Knickpyramide des Pharao Snofru (4. Dyn.), wobei die ältesten bekannten Steinsäulen bereits im Djoser-Bezirk (3. Dyn.) verwendet wurden. Der größte Teil dieser Steinsäulen war jedoch als Dreiviertelsäulen ausgebildet. Die Säulen und Pfeiler waren seit dem Pyramidenbauwerk des Djoser ein wichtiger Bestandteil des Jenseitspalastes des Pharao. Als Vorbilder dafür dienten vermutlich die aus Holz gefertigten Säulen in den Wohnhäusern, die heute meist nur noch von bildlichen Darstellungen überliefert sind. Holzsäulen wurden auch bei einigen Pyramidentempeln wie beim Taltempel des Mykerinos (4. Dyn.) und den Opfertempeln des Neferirkare (5. Dyn.) sowie des Neferefre (5. Dyn.) verwendet. In den Pyramidenanlagen und Tempeln wurde der Großteil der Säulen und Pfeiler jedoch aus dem unvergänglichen Material Stein hergestellt und im Gegensatz zu Holz in großen Mengen vorhanden. Eine besonders häufige Säulenform ist die zu Stein gewordene Pflanze, sinnbildlich für die aus dem Tempelboden sprießende Vegetation (Leben). Alle ägyptischen Säulen mit einigen Ausnahmen bestehen aus Fundament, Säulenschaft und Abakus, wobei ein Großteil der Säulen zusätzlich ein Kapitell besitzt. Häufig wurde das Fundament in Richtung des Prozessionsweges entlang abgeschnitten und die Säule beschrieben, bebildert, bemalt und in einigen Fällen sogar vergoldet. Im Djoser-Bezirk wurden die Säulen bereits mit Kanneluren (griechischer Name für senkrechte konkave Rillen) versehen. Im Mittleren Reich (Gräber Beni Hasan) war der Säulenschaft vielkantig gebrochenen (polygonal) und die senkrechten Flächen mit Kanneluren versehen. Der sich nach oben verjüngende Säulenschaft ahmt einen geschälten Baumstamm nach. Säulen mit Kanneluren werden fälschlicherweise oft als protodorisch bezeichnet. Die Dorier, ein frühgriechisches Volk, entwickelte die dorischen Säulen ca. 700 v. Chr. (2000 Jahre nach Djoser). Die verblüffende Ähnlichkeit der Kanneluren lässt die Annahme zu, dass diese Säulenform von den Griechen kopiert und nur der Name von ihnen erfunden wurde. Einen Beweis dieser These konnte jedoch bis heute nicht erbracht werden.

Links: Die einzelnen Elemente ägyptischer Säulen: 1) Fundament, 2) Schaft/Säule, 3) Kapitell, 4) Abakus, 5) Architrav, 6) Schaft/Pfeiler
Rechts: Griechische Säulen, dorischer Ordnung: 1) Schaft, 2) Fundament, 3) Anuli, 4) Echinus, 5) Abakus 6) Architrav, 7) Triglyphe, 8) Sima, 9) Wasserspeier

Säulen- und Pfeiler-Formen im Djoser-Bezirk

Zylindrische Säulen
Die allseitig freistehenden und einzigen echten Säulen im Djoser-Bezirk sind die schlichten Stücke im Südgang, der zum Grabschacht führt. Bei diesen handelt es sich um grob bearbeitete Säulen mit quadratischem Fundament und Abakus. Der Säulenschaft wurde aus einem Stück gefertigt bzw. bei einigen Säulen wurde der Schaft geteilt.
Entdeckt wurden die Säulen bei Freilegung des Südschachts unterhalb der Pyramide. Darunter auch zwei Säulen mit muschelartigen Becken. Säulenschaft und Becken sind aus einem Block gefertigt und in der ägyptischen Baugeschichte einzigartig. Die Anordnung der Becken im oberen Säulenbereich lässt die Vermutung zu, dass diese mit Öl gefüllt als Lichtquelle dienten. Eine weitere Besonderheit ist eine Säule mit Kartusche (zur ausführliche Beschreibung s. Djoser-Pyramide). Die zylindrischen Säulen wurden nachfolgend nur noch selten errichtet. Die eindrucksvollen Säulen dieser Art können in einer Seitenkapelle des Abydos-Tempels (Sethos I., 19. Dyn.) im hinteren Tempelbereich besichtigt werden.

Links: Djoser Pyramide: Gang Richtung Grabschacht (3. Dyn.?) Mitte: Djoser Pyramide: Becken (3. Dyn.?) Rechts: Djoser Pyramide: Kartusche (3. Dyn.?)

Dreiviertel-Liliensäulen
Der Mauerrücksprung im südlichen Hof enthielt eine Dreiviertelsäule, die offenbar die sogenannte Lilie des Südens darstellt, eine bisher noch nicht identifizierte Pflanze, bei der es sich jedoch nicht um eine Lilienart handelt. Diese Pflanze war Sinnbild und Wappenzeichen von Oberägypten mit dem Heiligtum Hierakonpolis.
Djed-Pfeiler
Osiris, Richter der Toten, wird als Sinnbild des ewigen Lebens angesehen und vertritt das zyklushafte Werden und Vergehen der Natur. Sein Kult und Ewigkeitssymbol ist seit dem Neuen Reich der Djed-Pfeiler. Der Tempel „T“ im Djoser-Bezirk enthält als Bauelement die sehr seltenen Djed-Pfeiler; diese sind hier als Lichtband konzipiert und nur ca. 0,5 m hoch (siehe Bild). Seit dem Mittleren Reich wurde der Djed Pfeiler in einer Zeremonie zu einer bestimmten Zeit aufgestellt, gedeutet als Triumph des Osiris über seine Feinde.

Osiris-Pfeiler
Im Hebsed-Hof der Djoser-Grabanlage wurden drei unvollendete Osiris Pfeiler gefunden, die den ersten Versuch der Bildhauer festhalten, den Pfeiler mit der Gestalt der Götter in Form des Pharao zu gestalten. Das kolossale Standbild des Pharao an den Pfeiler gelehnt zeigt ihn als Gott Osiris mit Bart und Zepter. Die wohl berühmtesten kolossalen Osiris-Pfeiler säumen die erste Pfeilerhalle im großen Tempel von Abu Simbel, die Ramses II. errichten ließ.

Links: Djoser-Pyramide: Unfertige Djoser-Pfeiler als Osiris, 3. Dyn. Rechts: VorhalleTempel Abu Simbel, Osiris-Pfeiler (19. Dyn.)

a) Kannelierte Dreiviertelsäule, Koniferensäule
Das nach der 30-jährigen Herrschaft eines Pharao gefeierte Hebsed- oder Jubiläumsfest wurde im Festhof der Djoser-Grabanlage gefeiert. Dieser Festhof wird von Scheingebäuden mit gewölbten Dächern eingegrenzt. Den Gebäuden sind drei schlanke kannelierte Dreiviertelsäulen vorgelagert, deren Kanneluren bis zu den ungewöhnlichen Blütenkapitellen mit herabhängenden Blättern reichen, auf denen das gewölbte Dach ruht. Ein rundes Loch zwischen den Blättern diente wohl zur Aufnahme eines Halters für ein Kultzeichen oder Fahne.
b) Gebündelte Dreiviertelsäule/Bündelsäule
Beim Betreten des Djoser-Bezirkes durchschreitet man eine Eingangskolonnade mit einem schmalen Mittelgang. Rechts und links befinden sich 42 Nischen, in denen wahrscheinlich Gauzeichen oder Statuen gestanden haben, welche die 42 Gaue darstellen sollten. An der Stirnseite der Nischenmauern stehen gebündelte Dreiviertelsäulen, die in Stein übertragene Stroh- und Schilfbündel darstellen. Der Säulenschaft ist mit konvex gestalteten Rippen versehen, die als Stroh- oder Schilfbündel erkennbar sind. Diese, dem Stirnmauerwerk vor gelagerten Bündelsäulen stehen auch in Querrichtung am Eingang des Südhofes und sind mit viereckigem Abakus und rundem Fundament ausgestattet. Schon die ersten Steinbauten des Imhotep weisen eine außerordentliche Formreinheit und Ausdruckskraft auf, wie die Ausführung der verschiedenartigen Säulen zeigt.

Djoser-Pyramide: Links: Der Festhof mit Thron; dahinter Scheingebäude mit Koniferensäule. Rechts: Eingang mit Bündelsäulen

c) Kannelierte und gebündelte Dreiviertelsäule
Diese Säulen gestalten den direkt an den Eingangskolonnaden liegenden Tempel „T“. Des Weiteren sind diese Säulen an dem auf der Pyramidennordseite liegenden Opfertempel sowie am Verwaltungshaus des Südens verwendet worden.

d) Dreiviertelsäule, Papyrussäule
Im Nordhof zieren drei Papyrussäulen das Verwaltungshaus des Nordens. Papyrus war das Wappenzeichen von Unterägypten und stellte möglicherweise das Heiligtum von Unterägypten in Buto dar. Der Blütenstiel, der sich der perfekt geformten Papyrusdolde anschließt, bildet den Schaft der vorgelagerten Säule. Der am Schaft senkrecht verlaufende Grat, der bei späteren Ausführungen nicht mehr zu finden ist, nimmt dem Säulenschaft seine Wuchtigkeit.

Djoser Pyramide: Links, Süd-Verwaltungshaus mit Bündelsäulen, rechts: Opfertempel, mit Bündelsäulen

Säulenformen

Papyrussäule
Die Säule, die ein Papyrusbündel mit sechs bis acht Pflanzenstängel darstellt, ähnelt mit der geschlossener Papyrusdolde der Lotossäule. Sie unterscheidet sich jedoch von dieser durch einen im unteren Bereich eingezogenen Säulenschaft, der mit Bodenblättern bedeckt ist. Die Säule mit offener Dolde wurde an Prozessionswegen errichtet, wobei die sich öffnende Pflanze als Sinnbild des Lebens gesehen werden kann. Im Neuen Reich wurden Schaft und Kapitell geglättet – in der Fachliteratur als „abgedreht“ bezeichnet – und als Träger von Reliefszenen, Inschriften sowie Kartuschenreihen genutzt. Das Volumen des Säulenschaftes verändert sich im Laufe der Zeit. Während die Säulen der 5. bis 18. Dynastie zierlich waren, kamen in der 19. Dynastie zurzeit Echnatons und Sethos I. gedrungene und unter Ramses III. (20. Dyn.) bauchige Säulen auf. Die Papyrussäule ist ein in der ägyptischen Architektur weit verbreiteter Säulentyp und Papyrus wird als Wappenpflanze von Unterägypten gedeutet. Bei der Papyrussäule lassen sich folgende vier Varianten unterscheiden:

A) Säulen mit offener Papyrusdolde und mit dreikantigen Stängel wurden bereits im Djoser-Bezirk (3. Dyn.) errichtet. Obgleich diese Säulenform, wie es aus Bilderdarstellungen hervorgeht, im Alten Reich weitere Verwendung fand, wurden weitere Säulen nur in Illahun (12. Dyn.) gefunden.
B) Die Säule mit offener Papyrusdolde und abgedrehtem Säulenschaft stellt anstatt der gebündelten Stängel nur einen einzigen Stengel dar. Dennoch ist das glockenförmige Kapitell bei einigen Säulen mit mehreren geöffneten Papyrusdolden dekoriert. Diese Säulenform erfreut sich seit dem Neuen Reich (18. Dyn.) großer Beliebtheit. Die bekanntesten Säulen dieser Art sind die 21 m hohen Mittelsäulen des ersten Säulensaales von Karnak und die Säulen der Kolonnade im Luxor-Tempel.
C) Die Säule mit geschlossener Papyrusdolde und dreikantigem Stängel wurde zum ersten Mal im Opfertempel des Neuserre (5. Dyn.) vorgefunden. Erst im Mittleren Reich fand die Säulenform häufiger Verwendung (Gräber Beni Hasan). Durch Hinzufügen von kleineren Dolden in die Zwischenräume der großen Dolden wurde die Säulenform leicht verändert. Die Stängel der kleinen Dolden werden von den Seilwicklungen umschlossen und hängen am Säulenschaft herunter. Besonders schöne Beispiele finden sich in den Bauten Amenophis III. (18. Dyn.).
D) Die Papyrussäule mit geschlossener Papyrusdolde und abgedrehtem Schaft und Kapitell ist wohl eine der geläufigsten ägyptischen Säulen. Ab der Amarnazeit entwickelte sich diese später vorherrschende Form, wobei die geschlossene Dolde und der Säulenschaft, die bisher plastisch dargestellt wurden, nun walzenförmig geglättet (abgedreht) wurden. Eindrucksvolle Beispiele finden sich in den Seitenschiffen der großen Säulenhalle von Karnak, im Ramesseum und im Chons-Tempel von Karnak, wobei diese Säulenform in der Ramessidenzeit die größte Verwendung fand. Die glatten Flächen an Kapitell und Säulenschaft werden zum, Träger von Inschriften, Kartuschenreihen und Reliefszenen.

Links: Karnak, Seitenschiff, Papyrus geschlossene Dolde (D) | Mitte: Karnak, 1. Säulenhof, Papyrus offene Dolde (B) Rechts: Luxor-Kolonnade Papyrus offene Dolde (B)

Links Luxor-Tempel, Papyrus geschlossene Dolde (D) Rechts: Luxor-Tempel, Papyrus geschlossene Dolde (C)

Papyrussäulen in ägyptischen Bauwerken:

E) Palmsäule, F) Lotossäule, G) Zeltstangensäule, H) Baumstammsäule

E) Palmsäulen. Erstmals in der 4. Dynastie finden sich Holzsäulen, bei denen das obere Ende des Säulenschaftes zu einer Palme mit Palmwedel ausgearbeitet wurde. Die Palmwedel wurden mit mehrfach mit Seilen am oberen Säulenschaft befestigt. In Stein umgesetzte Frühformen kommen als Dekoration von Mauerzungen bereits bei Djoser (3. Dyn.) vor. Die Umsetzung einer freistehenden Palmsäule aus Stein erfolgte zum ersten Mal am Opfertempel des Sahure (5. Dyn.) in Abusir. Was die präzise Ausfertigung betrifft, so ist wurden die schönsten Säulen wohl aus dem harten Rosengranit gefertigt. Die Nachbildung der Holzsäulen erfolgte so detailgenau, dass selbst die Seilwicklungen und die Befestigungsschlaufen für die Befestigung der Wedel in Stein dargestellt wurden. Zudem erhielten die Palmsäulen im Opfertempel des Sahure ein Inschriftenfeld am Säulenschaft. Auch bei den Nachfolgern Djedkare und Unas (5. Dyn.) wurden Palmsäulen in den Pyramidentempeln errichtet. Im Mittleren Reich und ab der 18. Dynastie wurde diese immer häufiger eingesetzt; verwendet wurden sie bis zur Spätzeit, wobei sich die Gestaltungselemente zum Teil änderten. So wurden in der Spätzeit zahlreiche Kompositkapitelle, häufig mit in Form des Palmwedels und mit Datteln versehen, errichtet. Eine der mächtigsten Palmsäulen mit einer Höhe von 11 m wurde in Tanis ausgegraben. Diese wurde wahrscheinlich usurpiert und stammt aus dem Mittleren Reich. Usurpierte Palmsäulen kann man in den Moscheen Kairos noch heute besichtigen.

Palmsäulen in ägyptischen Bauwerken

F) Lotossäulen mit geschlossenem Kapitell stellen durch eine mehrfache Schnürung zusammengebundene Bündel von vier, sechs und später acht Lotosblüten mit Stängel dar. Zwischen den Blüten sind kleine Blüten gesteckt, deren Stängel ein Stück am Schaft herabhängen. Im Gegensatz zur Papyrussäule läuft der Säulenschaft unten gerade aus. Die wohl ältesten Säulen befinden sich im Eingangsbereich einer Mastaba an der Pyramide des Nuserre in Abusir, das dem Wesir Ptahschepses (5. Dyn.) gehörte. Der Fund der Säulen war eine Sensation, da vergleichbare bisher nur aus den Gräbern des Mittleren Reiches (Beni Hasan, 11. Dyn.) bekannt waren. Im Neuen Reich kam diese Variante sehr selten vor und fand erst in der Spätzeit wieder häufiger Verwendung.Darstellungen in Gräbern und auf Papyrus zeigen, dass geöffnete Lotossäulen im Alten Reich bekannt waren.
In Bauwerken wurden sie erst mit den Kompositsäulen in der Spätzeit vorgefunden.

G) Die Zeltstangensäule ist mit einem runden, glatten Schaft versehen, der in einem glockenförmigen Kapitell endet. Vorbild dieser Säulenform waren die schmalen, aus Holz gefertigten Zeltstangen; die wohl bekanntesten Exemplare sind im Museum Kairo (Hetepheres Baldachin) und im Bootsmuseum des Cheops (Baldachin Schiffskajüte) zu besichtigen. In Stein übertragenen Nachbildungen dieser Zeltstangen sind aus dem Tempel Festsaal des Thutmosis III. (18. Dyn.) im Karnak-Tempel sowie aus dem Grab des Beamten Amenenhet Surer (Luxor TT48) bekannt. Überliefert wurden häufig Darstellungen dieser Säulen aus Holz in Sedfest-Kiosken, wobei jene im Tempel von Thutmosis III. aus Stein gefertigt wurden.
H) Baumstammsäulen kommen in der ägyptischen Architektur sehr selten vor. Die ersten Säulen wurden im Südgang der Djoser-Pyramide (3. Dyn.) errichtet. Im Tempel Sethos I. (19. Dyn.) in Abydos stützen 24 Säulen das Dach des zweiten Säulensaales. In einer zweiten Halle, der sogenannten Osiris-Halle, wurden die gleichen Säulen verwendet. Der Säulenschaft in der Osiris-Halle besitzt herrliche Reliefdarstellungen sowie eine senkrechte Inschriftenleiste, die den Gott der Auferstehung verherrlicht. Durch die schlichte Säulenform werden die Reliefdarstellungen eindrucksvoll zur Geltung gebracht. Baumsäulen tragen auf ihren zylindrischen Schäften den quadratischen Abakus unmittelbar unter den Architraven und besitzen kein Kapitell, wobei die Säulen auf runden Fundamenten stehen.

J) Der zahlreiche Formenreichtum der Kompositsäulen war, so lässt sich aus Darstellungen schließen, bereits in der 18. Dynastie – wohl meist aus Holz – weit verbreitet. Steinerne Exemplare finden sich zum ersten Mal im Hibis-Tempel in der Oase Charga (590 v. Chr.). Der Säulenschaft wurde meist ein-, vier- oder achtstämmig ausgeführt, die Grundform des Kapitells ist meist glockenförmig. Das Kapitell wurde mit Palmwedeln, Weinranken, Weintrauben, Dattel, Ähren und Papyrusdolden geschmückt, die zwischen zwei und fünf Stockwerken übereinander angeordnet sind. Obwohl die in mehreren Stockwerken übereinander angeordneten Lotos- und Lilienkapitelle aus einer einzigen Pflanzenart bestehen, zählt man sie ebenfalls zu den Kompositsäulen. Zum beherrschenden Säulentyp wurden die Kompositsäulen in ptolemäisch-römischen Bauten, die verschiedene Pflanzenarten vereinigt darstellen. Besonders schöne Beispiele aus dieser Zeit sind in den Tempeln von Esna, Kom Ombo, Edfu, Dendara und Philae zu finden. Eine Neuerung, die im Tempel von Philae konzipiert wurde, ist ein erhöhter Abakus, der mit den Figuren der Göttin Hathor oder dem Geburtsgott Bes geschmückt ist. Meist wurde der untere Säulenschaft abgedreht und mit Fußblättern versehen, wobei der gebündelte Teil nur am Hals zum Vorschein kommt. Insgesamt 29 verschiedene Varianten dieser in ihrer Art und Vielfalt einzigartigen Säulen finden sich in ägyptischen Tempeln.

Links Dendara: Mammisi, Kompositsäulen mit Bes Abakus (180 v. Chr.) Rechts Edfu: Horus-Tempel, Kompositsäulen mit Palmsäulen (180 v. Chr.)

K) Hathor-Pfeiler/Säule. Stützende Bauglieder, die als steinerne Kultsymbole die Göttin Hathor oder andere weibliche Gottheiten darstellen (Isis, Bastet), sind die einzigen in Säulen- und Pfeilerform. Sie bestehen aus einem runden Schaft oder einem quadratischer Pfeiler. Dieser werden von einem Kapitell gekrönt, welches aus zwei oder vier menschlichen Gesichtern mit Kuhohren geformt ist. Darüber erhebt sich zwischen Abakus und Kapitell verschiedentlich die ägyptische Welle oder, was häufiger vorkommt, die Darstellung des Sistrumkastens zwischen zwei Spiralen. Bei einigen Pfeilern ist das Hathor-Motiv nur als Halbrelief am Pfeiler angearbeitet und bildet kein Kapitell. Die Hathor-Säule findet sich nicht sehr häufig, die meisten bekannten Exemplare stammen aus der Spätzeit. Die wohl schönsten Hathor-Säulen sind im Hathor-Tempel von Dendara zu besichtigen. Obschon das Hathor-Kapitell in Bilddarstellungen bereits früh für das Alte Reich belegt ist, sind entsprechende steinerne Ausführungen erst aus der Zeit des Neuen Reiches bekannt. Die Darstellung von zwei Gesichtern währte nur kurz und bereits ab der 18. Dynastie (Serabit el-Chadim) wurde das Hathorgesicht auf alle vier Pfeilerseiten übertragen. Die schönsten Beispiele kennen wir aus dem Hathor-Heiligtum der Hatschepsut in Deir el-Bahri, aus dem kleinen Tempel von Abu Simbel, aus dem Kiosk Nektanebos I. auf Philae und im Delta aus Mendes und Behbeit el-Hagar.

Links Abu Simbel: Hathor-Pfeiler (19. Dyn.) Rechts Dendara: Säulenkiosk mit Hathor-Säulen auf dem Dach (180 v. Chr.)

Die wichtigsten aus ägyptischen Bauwerken bekannten Pfeilerformen

A) Quadratische/rechteckige Pfeiler B) Quadratische, rechteckige Pfeiler mit ägyptischer Hohlkehle C) Polygonale Pfeiler D) Polygonale Pfeiler mit Kannelierung E) Osiris-Pfeiler F) Kultpfeiler

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A) Quadratische/rechteckige Pfeiler. Pfeiler entwickelten sich wie manche Säulenformen aus den Holzstützen der Frühzeit und wurden erstmals in den Mastabas von Abydos gefunden. Erste Pfeiler aus Tura-Kalkgestein konzipierte der Bauherr Snofru (4. Dyn.) in seinem Taltempel an der Knickpyramide. Die zehn 5 m hohen monolithischen Pfeiler tragen das Tempeldach und haben eine Breite von 1,85-2,10 m sowie eine Tiefe von 1,2-1,4 m. Seit dieser Zeit finden sich Pfeiler als Bauelemente regelmäßig in den Pyramidentempeln des Alten Reiches. Hergestellt wurden sie meist aus Rosengranit. Die wohl bekanntesten Pfeiler dieser Art sind im Taltempel des Chephren (4. Dyn.) zu besichtigen und der wohl eindrucksvollste aus Quarzit gefertigte Pfeiler stammt aus dem Pyramidentempel von Pepi II. (4. Dyn.) in Sakkara-Süd; von diesem wurden jedoch nur noch Teilstücke gefunden. Die Pfeiler besitzen weder Fundament noch Kapitell und Abakus und zählen damit wohl zu den schlichtesten aller bekannten Stützen. Sie finden sich vorwiegend in den Mastabas und Felsengräbern aller Dynastien, wobei die Pfeiler in den Gräbern direkt aus den Felsen gehauen wurden. Eindrucksvolle Beispiele ihrer Art können heute noch in Tell el-Amarna besichtigt werden.
B) Quadratische, rechteckige Pfeiler mit ägyptischer Hohlkehle sind nur wenige bekannt. So ließ Amenemhet II. (11. Dyn.) im Tempelbezirk von Karnak zwischen dem 9. und dem 10. Pylon einen Tempel mit eben diesen Pfeilern errichten.
C) Polygonale Pfeiler, also solche mit polygonalem Querschnitt, traten in einer Frühform zum ersten Mal im Pyramidentempel Pepis I. (6. Dyn.) in Form eines Pfeilers mit achteckigem Schaft in Erscheinung. Hauptsächlich finden sie sich jedoch erst ab der 11. Dynastie in den Gräbern von Beni Hasan, el-Tod und im Tempel Mentuhotep I in Der el-Bahri. Die sechs- bis achteckigen Pfeiler wurden mit einem Fundament und Abakus versehen.
D) Polygonale Pfeiler mit Kannelierung. Die mehrkantigen Pfeiler wurden ab der 12. Dynastie mit Kanneluren versehen, die bis zu 32 Ecken haben konnten. Die schönsten Pfeiler dieser Art sind in den Gräbern Beni Hasan und im Terrassentempel der Hatschepsut (18. Dyn.) in Der el-Bahri zu besichtigen.

E) Das Standbild des Königs, der mit dem Rücken an einem Pfeiler lehnt, wurde bereits in Djoser-Bezirk, jedoch im unfertigen Zustand, entdeckt. Die ersten Osiris-Pfeiler jedoch finden sich erst aus der Zeit Sesostris I. (12. Dyn.). Wahrscheinlich stellt die Statue das Königtum dar, welches mit verschiedenen Attributen ausgestattet wurde. So wurden zahlreiche Kronenformen und verschiedene Zepter angeordnet, oder die Statue war mumienförmig dargestellt. Die berühmtesten kolossalen Osiris-Pfeiler säumten die erste Pfeilerhalle im großen Tempel von Abu Simbel sowie den zweiten Vorhof des Ramesseums und wurden von Ramses II. (19. Dyn.) errichtet. Weitere Osiris-Pfeiler sind im Hatschepsud-Tempel in Der el Bahri, im Tempel Ramses III. (Karnak) und in Medinet Habu im Tempel Ramses IV. zu besichtigen.

Links/Mitte, Abu Simbel: Osiris-Pfeiler, Pfeilerhalle, Ramses II. (19. Dyn.) Rechts, Luxor, Ramesseum: Osiris-Pfeiler, Ramses II. (19. Dyn.)

F) Kultpfeiler. Neben statisch relevanten Pfeilern gab es auch solche, die zwar freistehend waren, jedoch nicht als tragendes Bauelement konzipiert wurden. Diese freistehenden Wappen-, Stelen-, Iun-, Djed- und Reliefpfeiler
– wobei der Obelisk auch unter Kultpfeiler aufgeführt werden kann – sowie Benben- und Schlangensteine werden allesamt als Kultpfeiler (heilige Gegenstände) bezeichnet. Bereits der Transport und das Aufstellen waren Bestandteil des Kultrituals. Bei einigen Kultpfeilern sind der Sinn und das zugehörige Kultritual unbekannt. Einige der ersten aufgefundenen Kultpfeiler sind die aus Kalkstein hergestellten Stelenpaare im Opfertempel des Snofru (4. Dyn.) an der Maidum- und der Knickpyramide. In der Nähe der heutigen Stadt Medinet el-Faijum wurde ein Kultpfeiler von Sesostris I. (12. Dyn.) gefunden, der sogenannte Stelenpfeiler von Abig. Diese 13 m hohe rechteckige, sich nach oben verjüngende Granitstele ist oben abgerundet. Die Rundung, die eine Auskerbung enthält, wurde wahrscheinlich mit einer Kultstatue (Falke?) gekrönt. Diese in Ägypten einzigartige Stele wurde den Göttern Monthre/Amunre und Ptah/Reharachte geweiht. Die beiden von Thutmosis III. (18. Dyn.) im Zentrum des Amun-Tempels von Karnak errichteten 6,8 m hohen Wappenpfeiler sind an der Rückseite des sechsten Pylons vor der Barkenkapelle aufgestellt und wohl die schönsten ihrer Art. Die aus Rosengranit hergestellten Pfeiler zeigen die beiden Reliefpflanzen Papyrus (Unterägypten) und die Lilie (Oberägypten), die die beiden Landesteile symbolisieren.

Links-F) Faijum, Sesostris I. (12. Dyn) Mitte-A) Mastaba des Ka, Cheops, West-Nekropole (4. Dyn.) Rechts-C) Im Karnak-Tempel (11. Dyn. bis in römische Zeit)

Säulenfundamente

Bekannt sind insgesamt fünf verschiedene Fundamentformen. Verschiedentlich war in der Mitte ein Loch, in dem der Säulenschaft eingezapft war. Bei großformatigen Fundamenten wurde die Basis aus mehreren Blöcken zusammengesetzt.
a) Das flache Fundament mit der schräg nach oben geführten Außenkante wurde häufig im Alten und im Mittleren Reich bei Bündelsäulen und Pfeilern angewandt.
b) In der Ramessidenzeit wurde das Fundament, das für die abgedrehten Papyrus-Säulen als Basis diente, kissenförmig abgerundet. Dies sind auch die einzigen bisher bekannten beschrifteten Fundamente.
c) Die hohen und oben stark abgerundeten Fundamente dienten im Mittleren und im Neuen Reich als Säulenbasis. Oft wurden sie aus Pflasterblöcken herausgearbeitet.
d-e) Das sehr hohe zylinderförmige und gelegentlich oben abgekantete Fundament wurde in ptolemäischrömischen Bauten für die kolossalen Kompositsäulen als Basis gefertigt

Abusir: Sahure (5. Dyn.), Opfertempel, abgebrochene Säule mit quadratischem Einzapfloch und Fundament mit rundem Einzapfloch, Säule und Fundament aus Rosengranit aus Assuan.

Gemauerte Säulen und Pfeilerherstellung

Links: Mit Bossen gemauerte Säulen und Wände und das notwendige Lehmziegelgerüst mit Hohlkammern. Mitte: Die Bearbeitung von gemauerten Säulen und Wänden, erfolgte und danach erfolgte die Bemalung und Beschriftung. Der Abbau des Gerüstes erfolgte nach der Fertigstellung. Rechts: Die Bossierung mit Kantenschlag haben sich heutige Architekten wohl bei den alten Ägyptern abgeschaut.

Monolithe Säulen und Pfeiler aus Hartgestein wurden vor dem Abtransport direkt in den Steinbrüchen fertiggestellt. Die Anlieferung zum Verwendungsort erfolgte mit dem Schiff, wie es vielfach an den Bauwerken und in den Gräbern mit Reliefdarstellungen dargestellt wird. Eine Vermauerung erfolgte bei den aufgestellten kolossalen Säulen im Neuen Reich. Diese aus Kalk- und Sandstein hergestellten Säulen wurden mit vorgefertigten Trommelblöcken aufgeschichtet und untereinander mit Dübeln verankert. Die unbearbeitete Außenfläche (genau wie bei den Pyramiden) der Säulenblöcke – Bosse genannt – wurden nach Abschluss der Bauarbeiten (nach dem Bau des Lehmziegel-Gerüsts) von oben her abgearbeitet und geglättet. Beschriftung und Bemalung mussten Hand in Hand gehen, dann wurde das Gerüst ein Stück abgebaut. Ein interessantes baugeschichtliches Zeugnis mit Spuren der unvollendeten Bearbeitung und für ein Baugerüst befindet sich am ersten Pylon des Karnak-Tempels; heute noch sichtbar sind die roten Risslinien am Fundament und am unfertigen Mauerwerk.

Karnak-Tempel: Unfertige Säulen im großen Säulensaal und das Lehmziegelgerüst am unfertigen ersten Pylon

10. Aufsatz (13.06.2019) Ostseite Cheops-Pyramide: Modell des Gang- und Korridorsystems der Cheops-Pyramide

An der Ostseite der Cheops-Pyramide liegt das in den Felsen geschlagene Gang- und Kammermodell der Cheops-Pyramide, die sogenannte Trial Passage. Als 1990 das Ostplateau an der Pyramide von Schutt und Sand befreit wurde, legte man das Modell frei, das eine Besichtigung wieder lohnenswert macht. Die Modellkonzeption wurde bis auf wenige Abweichungen in der Pyramide übernommen. So wurden die Maße der Lagerhalle für die Verriegelungsblöcke sowie die der Gänge mit ihren Winkeln übernommen. Außerdem wurden die Aussparungen für die Bohlenabdeckung angebracht, was zu der Annahme führt, dass die Funktion der Verriegelungsblöcke am Modell ausprobiert wurde. Am unteren Ende des Südganges ist eine kleine Felsnase belassen, die verhindern sollte, dass die Blöcke in den abführenden Gang, so dass es den Priestern möglich blieb, nach der Bestattung und Verriegelung die Pyramide durch den senkrechten Schacht verlassen zu können. Diese Auffangnase wurde im Originalbauwerk nicht übernommen. Stattdessen fertigte man den Gang 2 cm enger, so dass sich die Verriegelungsblöcke an dieser Stelle einklemmten. Dies ist heute noch an drei Originalblöcken zu sehen.

Ostseite Cheops-Pyramide: Links, Modell des Gang- und Korridorsystems der Cheops-Pyramide. Rechts, Transport-tunnel unter dem Fundament des Aufweges

Ostseite Cheops-Pyramide: Modell des Gang- und Korridorsystems der Cheops-Pyramide (unterer Pfeil). Transport-tunnel unter dem Fundament des Aufweges (oberer Pfeil). Rampe zum Pyramiden-Plateau (mittlerer Pfeil)

9. Aufsatz (26.05.2019) Reise-Mitteilung an die Mitglieder des Vereins, Ulm-Aachener Hobby-Ägyptologen:

Wichtig ist es, wenn man den afrikanischen Kontinent betritt, sich vorher über die gefährlichen Krankheiten zu informieren. Dementsprechend sollte man die nötigen Medikamente in einer Reiseapotheke mitnehmen. Eins muss hier eindeutig gesagt werden, für einige Krankheiten gibt es keine Medikamente oder eine Vorbeugung.

HIV-Infektion (AIDS)

Auf das Aids Virus wurde man in den frühen 80er Jahren in den USA aufmerksam. Diese Immunschwächekrankheit trat verstärkt bei homosexuellen Männern auf. Der aktuelle Wissensstand ist, dass die Aids-Viren im Gehirn der Schimpansen entdeckte wurde. Vermutlich wurde der Erreger, durch den Verzehr von infizierten Affen, auf den Menschen übertragen.

Eine Vorbeugung gibt es nicht, wichtig ist es, dass man die Ansteckungsquellen kennt:

über das Blut. Wenn eine Wunde entstanden ist, sofort ein Desinfektionsmittel aufbringen und die Wunde mit einem Pflaster verschließen

über das Sperma des Mannes.

über das Vaginalsekret/Scheiden-Ausfluss der Frau

die Kleinkinder werden durch die Muttermilch angesteckt.

das größte Risiko liegt bei einer Bluttransfusion. Bei einem befreundeten Verein musste ein Tour Mitglied in Ägypten an dem Blinddarm operiert werden. Es wurde eine Bluttransfusion durchgeführt und der Aids-Virus wurde übertragen. Es besteht auch die Möglichkeit der Übertragung durch gebrauchte Spritzen. Das die Spritzen in vielen Krankenhäuser Wiederverwendung finden, wurde uns bei einer Tour bewusst. Nach jeder Tour werden am letzten Tag die mitgenommenen Medikamente und Spritzen dem nahe liegenden Krankenhaus gestiftet. Hier erfuhren wir, dass die Spritzen im Krankenhaus zurzeit Mangelware sind und immer Wiederverwendung finden. Aids wird nicht übertragen: Durch Insektenstiche, Zungenkuss, Tränenflüssigkeit, Hautkontakt, gemeinsame Benutzung von Besteck und sanitärer Einrichtungen. Vorsicht: Bei offenen Wunden im Mundraum oder anderswo, ist eine Ansteckung möglich.

Malaria

Schwangere und Kinder sollten auf Reisen in Malariagebiete verzichten. Die stark mit Malaria befallenden afrikanischen Länder sind ab dem Sudan in der WHO Karte eingetragen. In wenigen Ausnahmen sind Personen die an einem Flugplatz wohnen und noch nie in den Tropen waren, an Malaria erkrankt. Auch im Zuge einer Bluttransfusion ist Malaria aufgetreten. Anfang des Jahres 2019 stirbt eine Person in Österreich nach einer Operation mit einer Bluttransfusion. Laut Staatsanwalt starb der Patient an eine verseuchte Blutkonserve. Aber das sind alles Ausnahmen und zur Vorbeugung hat die Techniker Krankenkasse sehr gute Hinweise gegeben. Aus der Erfahrung heraus wird von uns, zu den Angaben der Techniker Krankenkasse, noch einige Ergänzungen einfügt.

Vorschlag Techniker Krankenkasse: Wie kann einer Malaria vorgebeugt werden?

Vor Beginn der Fahrt in entsprechende Gebiete sollten sich Reisende bei einem tropenmedizinisch erfahrenen Arzt über Vorsorgemaßnahmen informieren. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, Stiche der vorwiegend nacht- und dämmerungsaktiven Mücken zu vermeiden (Expositionsprophylaxe). Die wichtigsten Präventionsmaßnahmen sind:

Eine andere wesentliche Maßnahme ist die medikamentöse Vorbeugung (Chemoprophylaxe). Es ist aber zu beachten, dass die zur Chemoprophylaxe zur Verfügung stehenden Medikamente nicht vollständig vor einer Infektion mit dem Malariaerreger schützen. Denn die Medikamente können aufgrund von regional sehr unterschiedlich verbreiteten Unempfindlichkeiten (Resistenzen) der Plasmodien unwirksam sein. Besonders die Erreger der sehr gefährlichen Malaria tropica sind häufig resistent. Deshalb sollte man trotz Chemoprophylaxe nicht auf die oben erwähnten vorbeugenden Maßnahmen verzichten. Der Arzt muss das einzunehmende Mittel individuell unter anderem in Abhängigkeit von Reiseziel, -dauer und -art auswählen. Dabei sollte man sich frühzeitig informieren, da die Einnahme der Medikamente zum Teil vierzehn Tage vor Reiseantritt beginnen muss. Eine Impfung steht noch nicht als Malariavorbeugung zur Verfügung. Verschiedene Impfstoffe gegen Malaria werden derzeit in Studien geprüft. Sie sind bisher jedoch noch nicht zugelassen.

Ebolafieber

Das Ebolafieber ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren hervorgerufen werden. Die Bezeichnung geht auf den Kongo Nebenfluss, Ebola, zurück. Hier traten die Viren 1976 zum ersten Mal auf. Inzwischen sind mehrere Epidemien im Ostkongo ausgebrochen. Das Ebolafieber verläuft je nach Virusart in etwa 25 bis 90 Prozent aller Fälle tödlich. Bis heute gibt es kein Heilmittel und mit der Erdbestattung überlebt der Virus. Durch die Bodenorganismen ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Viren an die Erdoberfläche gelangen und von dort durch oberirdisch lebende Tiere verbreitet werden. Wie bei Aids ist auch beim Ebola Virus die Vernichtung nur durch eine Verbrennung zu erreichen und das ist in einem muslimischen Land unmöglich.

Beulenpest

14 Tage nach einer Tour durch den Sudan, bekam ein Vereinsmitglied fürchterliche Schmerzen in den Leisten, in den Achselhöhlen und am Hals. Die Ärzte hatten keine Erklärung für diese Schmerzen. Daraufhin übernahm ein Vereinsmitglied die Untersuchung und Recherche, welche Ursachen diese Schmerzen haben. Er fand einen Bericht eines Mediziners aus dem Mittelalter der diese Schmerzen beschrieb, es war die Beulenpest. Mit einem Unterschied, an den Stellen (Lymphknoten) entstanden Beulen und das hatte zum Glück das Vereinsmitglied nicht. Heute sterben noch Menschen im Sudan und den angrenzenden Staaten bis Südafrika an die Pest. Die Pest wird durch ein Bakterium „Yersinia pestis“ ausgelöst. Der Übertragungswirt ist der Floh, der wiederum sich an Säugetiere festsaugt. Das beschränkt sich nicht nur auf Ratten. Über 200 Säugetiere sind nachweislich befallen worden, auch Hunde und Katzen. Zum Glück hatte das Vereinsmitglied ein harmloses Yesinien Bakterium, von denen es zahlreiche Varianten gibt. Harmlos? Nach 9 Jahren hat das Vereinsmitglied an diesen Stellen (Lymphknoten) noch immer Schmerzen. Deshalb geben wir folgenden Hinweis:

Sandwürmer

Vor einer Sudan Tour kommen die Teilnehmer zusammen und besprechen auch die Gefahren von möglichen Krankheiten, die man vor Ort antreffen kann. So wird immer gewarnt, dass man die Hand nicht im Flusswasser halten soll. Im Flusswasser sind Haken- und Fadenwürmern die sich an der Haut festsetzen und sich durch die Haut bohren. Bei dieser Sudan Tour machten wir die Erfahrung, dass es ebenfalls Haken- und Fadenwürmern im Sand leben. Bei den Touren sind die Zeltplätze in der Wüste bereits seit Jahrzehnten immer die Gleichen. Um die Zeltplätze liegt dem entsprechend die große Wüstentoilette. Von den Ausscheidungen der Menschen leben diese Würmer und warten auf einen nackten Fuß oder ein Schuh der die Eier transportiert. So geschah es, dass ein Mitglied von den Parasiten befallen wurde. Hier konnte nur das Tropeninstitut Hamburg helfen. Deshalb geben wir folgenden Hinweis:

Viszerale Leishmaniose durch Sandmücken

Die viszerale Leishmaniose (Kala Azar) ist unbehandelt immer eine tödlich verlaufende Erkrankung. Sie kommt in Asien, Afrika, Südamerika und im südlichen Europa vor und werden durch Sandmücken übertragen. Wir machten die Bekanntschaft mit dieser Erkrankung im Sudan, aber auch Urlauber die aus Portugal, Spanien, Frankreich oder Italien kommen, werden immer mehr infiziert. In unserem Fall konnte das Tropeninstitut Hamburg helfen. Obwohl seit Jahrzehnten intensiv an einem Impfstoff gegen die Erreger der viszeralen Leishmaniose geforscht wird, sind die Forscher bislang nicht über das Tierversuchsstadium hinausgekommen.

Resümee:

Wenn man andere Länder besucht und insbesondere die muslimischen Länder, muss man sich auch mit den menschlichen Eigenschaften wie Neid und mit der Steigerungsform Hass auseinandersetzen. Aber auch Rache durch bestimmte Vorkommnisse kommt häufig vor. Die extreme und sichtbare Form dieser Reaktionen ist der Sprengstoffgürtel und die Autobombe. Einen großen Umfang machen aber die unsichtbaren Aktionen aus. Hier sind nicht die harmlosen Taten, ins Essen spucken, wenn man kein Trinkgeld erhalte hat, gemeint. Oder das Essen mit dem vor Ort erzeugten Trinkwasser impfen. Nach einem Durchfall ist diese Aktion nach zwei Tagen vergessen. Hier geht es um gefährliche Anschläge mit Bakterien, Vieren und Gifte die man erst Jahre später bemerkt und den Urlaub nicht mehr mit der Erkrankung in Verbindung bringt. Hier ist auf das Glas Milch hingewiesen, dass ein Vereinsmitglied eines befreundeten Vereins getrunken hatte und fast daran gestorben war. Apropos Milch, hier ist uns ein Ereignis im eigenen Verein passiert, dass uns zu denken gab. Um vom Fruchtland zu den Pyramiden zu kommen, mussten wir durch Privatland fahren. Der Bauer wurde gefragt und wir bekamen die Erlaubnis für die Durchreise. Vorher kam er mit zwei Gläser kalte Milch als Begrüßungstrunk an. Wir lehnten ab, weil wir keine kalten Getränke trinken. Als wir zum Pyramiden Gelände fuhren, sahen wir durch das Rückfenster, wie der Bauer die Milch hinter einem Busch kippte. Dieses wertvolle Getränk wird normalerweise in den Milchtopf zurück geschüttet. Vor dem Abflug vom Kairoer Flugplatz wurde noch an der Bar einige Cocktails getrunken. Die Toiletten im Flugzeug waren, wären des Fluges nur von unserem Verein reserviert. Unser Hinweis: Nie kalte Getränke trinken.

8. Aufsatz (29.4.2019) Echnaton, Nofretete und Tutanchaton (Tutanchamun)

Echnaton und Nofretete gründeten bei Tell el-Amarna in Mittelägypten eine neue Hauptstadt (Achet-Aton) und siedelten von Theben (Luxor) nach Achet-Aton um. Das Grab des Echnaton wurde 11 km von Tell el-Amarna, in einem östlich gelegenen Wadi errichtet. Die Konzeption ähnelt vielen anderen Gräbern im Tal der Könige. Ein in den Fels gehauener Gang (1A) führt durch eine Gangkammer (1B) in die Grabkammer (1C), in der heute noch das Fundament des Sarkophags (1D) vorhanden ist. Die Ausgräber fanden den Granit-Sarkophag in tausend Teile zerschlagen. Ferner wurden an den Grabwänden die Gesichter und die Namen zerstört. Das Einmalige an diesem Grab ist, dass vom oberen Gang ein großer Gang mit gleichem Querschnitt abgeht. Dieser macht einen großen Bogen und führt dann parallel zum Königsgrab bis zur ersten Gangkammer. Hier sind die Arbeiten nicht weitergeführt worden. Man kann aber mit Gewissheit sagen, dass hier ein gleiches Grab für die Ehefrau von Echnaton, Nofretete, errichtet werden sollte. Es besteht auch die Möglichkeit, dass dieses Grab für Tutanchaton errichtet wurde. In der ägyptischen Baugeschichte ist diese Doppelanordnung von Gräbern in denen Familienangehörige im gleichen Grab bestattet werden, einzigartig. Der zerschlagene Sarkophag von Echnaton wurde restauriert und befindet sich heute im ägyptischen Museum in Kairo. Material und Gestaltung stimmen mit jenem des Tutanchamun, im Tal der Könige, überein. Als sein Vater starb, hieß er noch Tutanchaton und als er nach Theben (Luxor) umsiedelte, nannte er sich Tutanchamun.

Theben / Luxor: Die Mumienmaske von Tutanchamun aus dem Grab im Tal der Könige

Vermutlich zerstörten die Amun–Priester aus Theben das Grab von Echnaton und nahmen die Grabschätze mit nach Theben. Ebenso nahmen sie den (die) Sarkophag(e) mit, die für Nofretete /Tutanchaton bereitstanden. In einem dieser Sarkophage wurde später Tutanchamun bestattet. Es besteht auch die Möglichkeit, dass Echnaton drei Sarkophage anfertigen ließ. Eje, der Großvater von Tutanchamun, wurde im Westtal, neben dem Tal der Könige (Osttal) gelegen, bestattet (Grab KV23). Der Sarkophag aus diesem Grab stimmt mit jenem von Tutanchamun und Echnaton über ein und er könnte somit jener von Nofretete sein.

Tell el-Amarna (Achet-Aton), Felsengrab von Echnaton und Nofretete/Tutanchaton?: Aus dem Gedächtnis gezeichnete Skizze ohne die drei Seitenkammern (ohne Maßstab).

Felsengrab von Echnaton:  
1A Gang
1B Gangkammer
1C Grabkammer  
1D Fundament für den Sarkophag   
Felsengrab von Nofretete / Tutanchaton?  
2A abgewinkelter Gang
2B Sarkophag von Nofretete / Tutanchaton? *

2C unfertige Gangkammer
2D nicht errichtete Grabkammer
* vermutlicher Standort des Sarkophags der Nofretete / Tutanchaton, ehe die Grabkammer fertig erstellt wurde. In diesem Sarkophag ist mit größter wahrscheinlich Tutanchamun im Tal der Könige bestattet worden. Ein gleichartiger Sarkophag von Echnaton ist zertrümmert aus der Grabkammer des Echnaton geborgen worden. Heute ist dieser restauriert und steht im Kairoer Museum.                     
                     

Die Goldschätze aus dem Grab von Echnaton wurden größtenteils im Grab von Tutanchamun deponiert. Bei einigen Teilen ist nur der Name geändert worden. Bei dem bekannten Goldstuhl ist aber der Beweis, dass es sich um eine Grabbeigabe des Echnaton handelt, noch vorhanden. Auf der Stuhlrückseite sitzt ein Ehepaar (Echnaton? und Nofretete?) und über ihnen der Sonnengott Aton mit den Sonnenstrahlen und den schützenden Händen, die das Königspaar umfassend umarmen. Die gleiche Anordnung findet sich auf den Wandreliefs im Grab des Echnaton. Ferner wurde auf der Vorderseite der Name Tutanchaton noch nicht abgeändert und auf der Rückseite bereits in Tutanchamun geändert. Mit großer Wahrscheinlichkeit konnten die Handwerker dies nicht mehr rechtzeitig ändern, da Tutanchamun früh verstarb; und so wurde der Stuhl mit dem Symbol des verhassten Gottes Aton mit ins Grab von Tutanchamun gegeben. Ein weiterer Beleg, dass die Grabbeigaben aus dem Grab des Echnaton stammen, ist die große Anzahl der Kunstgegenstände. In der kurzen Regierungszeit von sieben bis neun Jahren (ferner jugendlicher Marionetten-König der Amun Priester) war es unmöglich, eine solch große Anzahl an Kunstgegenständen herzustellen. Des Weiteren wäre die Anfertigung des Sarkophags innerhalb dieser Zeit nicht machbar gewesen und wäre auch die Ausführungsart nicht identisch gewesen. Ein weiteres Argument sind die drei Gold-Sarkophage, die ebenfalls unmöglich innerhalb der kurzen Regierungszeit gefertigt worden sein können. Man kann annehmen, dass die Priester diese Sarkophage wie auch die Goldschätze aus dem Grab von Echnaton mitnahmen. Ebenso wurden der Sarkophag und die Goldschätze von Nofretete mitgenommen. Im Grab von Tutanchamun sind mehr als zwölf Pektorale gefunden worden, an denen man versucht hat, den ursprünglichen Namen zu ändern. Ein weiterer Beleg ist der Kanopenkasten. Bei den vier Köpfen der Kanopengefäße handelt es sich eindeutig um Frauenköpfe und solch eine Geste im Grabkult bei Familienangehörigen, konnte nur unter Echnaton geschehen. Die Raumanordnung des Grabes von Tutanchamun zeigt eindeutig, dass die Konzeption für eine Frauenbestattung gefertigt wurde. Im Grab von Tutanchamun geht man vom Vorraum rechts in die Grabkammer. In den Königsgräbern, die im Tal der Könige errichtet wurden, schreitet man von dem Vorraum immer nach links zur Grabkammer. Ferner ist bei der Goldmaske eindeutig, dass diese aus zwei Teilen gefertigt wurden. Das Gesicht ist ausgetauscht worden mit einer Frauenmaske, wie die Ohrringlöcher belegen. Für die Amun-Priester war es üblich, die Mumien von Echnaton und Nofretete zu verbrennen. Somit erhielten die Grabbesitzer die ewige Verdammnis und Vernichtung. Das Gleiche machten auch die antiken Grabräuber, weil sie im Jenseits die Rache des Grabbesitzers fürchteten.

Ägyptisches Museum Kairo: Der goldene Stuhl aus der Grabausstattung von Tutanchamun mit dem Sonnengott Aton

Links: Eine Stele mit Echnaton und Nofretete in el-Amarna. Rechts: Der heutige Zustand des großen Tempels in el-Amarna

Grab KV 55 im Tal der Könige

Im Zusammenhang mit Echnaton und Nofretete erwähnenswert ist das Grab KV 55 im Tal der Könige bei Theben (Luxor). In diesem Grab wurde ein Holzsarkophag entdeckt, in dem eine Mumie bestattet wurde. Wahrscheinlich war dieser Sarkophag für die Bestattung von Nofretete in Tell el-Amarna gedacht und die Priester haben nicht nur den Steinsarkophag nach Theben (Luxor) mitgenommen, sondern auch den inneren Sarkophag, so wie sie es auch mit den drei Sarkophagen von Echnaton gemacht haben.

Als Belege hierfür können gelten, dass

• es kein Zufall sein kann, dass diese Grabkammer nur 10 m neben der von Tutanchamun liegt. Ebenso ist ihre Bauart ähnlich (Treppenzugang, Ausbau nach rechts) und wahrscheinlich ebenso für eine Frau errichtet.

• die Formgebung des vorgefundenen Sarkophags eindeutig eine Frau zeigt.

• die Inhaberin eine verhasste Frau gewesen sein muss, da die Kartusche aus dem Brustkorb des Sarkophags entfernt wurde.

• die Einlegearbeiten einmalig sind und es sich um eine vergleichbare Arbeit wie beim zweiten und dritten Sarkophag von Tutanchamun (siehe Bild unten) handelt. Zudem hat es diese Kunstfertigkeit nur unter der Herrschaft von Echnaton und Nofretete gegeben.

• dieser eindeutig aus der Zeit Echnatons stammt.

• die Hände die Herrschersymbole, Krummstab und Wedel, umfassen. Diese Gleichberechtigung und somit die Ehefrau auf die Stufe der Göttlichkeit zu stellen, gab es bei keiner Ehefrau eines Pharao und nur bei Echnaton. Ferner wurde auf einer Holzleiste im Grab von Tutanchamun ein Text gefunden, auf der Nofretete als Mitregentin von Echnaton angegeben wird. Weiterhin wird aufgeführt, dass sie Mitregentin von Ägypten sei. Die vorgefundenen Grabbeigaben sind nicht nur mit den Namen der engsten Verwandtschaft von Echnaton versehen, sondern es sind auch Beigaben mit den Namen von Echnaton entdeckt worden. Der Großteil der Grabbeigaben wurde aus dem Grab des Echnaton entwendet. Was die vorgefundene Mumie betrifft, so haben Untersuchungen (Computertomographie) ergeben, dass es sich bei der Verstorbenen um eine Frau von ca. 40 Jahren handelt. Wer die Person ist, kann nicht gesagt werden. Mit Gewissheit kann man sagen, es kann sich nicht um Nofretete handeln, auch wenn es vielleicht ihr Sarkophag war. Es wäre möglich, dass es sich um Meretaton, die ältere Schwester von Tutanchamun handelt. Einige Ägyptologen sind der Meinung, dass sie vor Tutanchamun regierte.

Tal der Könige, Felsengrab KV 55: Aus dem Gedächtnis gezeichnete Skizze (ohne Maßstab); 1A) Gang, 1B) Gangkammer, 1C) Grabkammer, 1D) unfertige Nebenkammer. Es kann kein Zufall sein, dass diese Grabkammer nur 10 m neben der von Tutanchamun liegt. Ebenso ist ihre Bauart ähnlich (Treppenzugang, Gangkammer, Ausbau nach rechts) und wahrscheinlich ebenso für eine Frau errichtet.

Resümee

Fast sämtliche Grabbeigaben einschließlich der Sarkophage im Grab von Tutanchamun (KV 62), in einem unbekannten Grab (KV 55) und im Grab von Eje (KV23), sind wahrscheinlich von den Priestern aus dem Grab von Echnaton und Nofretete-Tutanchaton in Tel el-Amarna entwendet worden. Auch gab es nur einen Pharao, der solch eine Anzahl von Kunstgegenständen schaffen konnte und wäre zudem in der Lage gewesen, auch die Arbeitszeiten der Handwerker für deren Herstellung aufzubringen. War Echnaton doch einer der wenigen Pharaonen, die so gut wie keine Kriege führten. So konnten viele Handwerker nicht nur in die neu errichtete Stadt Achet-Aton (Horizont des Aton) ziehen, sondern auch die Herstellung der Grabausrüstung für Echnaton, Nofretete und vielleicht auch einige Teile bereits für die Grabausstattung von Tutanchaton erstellen. So fand sich ein Kinderstuhl im Grab von Tutanchamun, der nachweislich diesem zuzuordnen ist; handelt es sich dabei doch um ein Geschenk der Großeltern Eje und Teje.

Sarkophag des Tutanchamun: Links, der dritte und äußere Sarkophag und rechts der erste Sarkophag. Der äußere und mittlere Sarkophag sind aus Holz gefertigt und wurden dann vergoldet und mit Einlegearbeiten verziert. Der erste Sarkophag besteht aus massivem Gold mit einem Gewicht von 110 kg. 

Es sind viele Grabbeigaben bei Tutanchamun beigefügt worden, die weibliche Formen besitzen. So sind die Kanopenköpfe eindeutig weiblich (links). Zahlreiche vergoldete Statuen haben weibliche Brüste und die unter- und oberägyptische Krone auf (rechts). Die beeindruckendste Figur dieser Art reitet auf einen schwarzen Panther. Bei einer Frauendarstellung als Pharao, kann es sich hier nur um Nofretete handeln, war sie doch nachweislich Mitregentin von Ägypten. Ferner hat sie die Machtsymbole, Wedel und Krummstab, in der Hand.

7. Aufsatz (07.04.2019) Opfer-riten an den Pyramiden

Abu Roasch, Djedefre-Pyramide, (4. Dyn. 2566 v. Chr.): 1996 erfolgten weitere Ausgrabungen; dabei wurden neue interessante Details freigelegt. So etwa Verkleidungs-Blöcke aus Rosengranit sowie in die Umfassungsmauern eingelassene Regenrinnen. Ferner fand man am Opfer-Tempel einen Hügel bestehend aus unzähligen, aus Ton gefertigten Opfergefäßen. Diese Krüge, Teller und Vasen sind weniger als 5 cm groß; es handelt sich hierbei um Opfergaben der ärmeren Bevölkerungsschicht. Wie vor heutigen Friedhöfen gab es vor den Nekropolen Verkaufsstände, an denen Opfergaben gekauft werden konnten bzw. im Tauschhandel erworben werden konnten (die alten Ägypter kannten kein Geld). So auch die Miniaturgefäße, die mit Getreide, Brot, Bier oder Öl gefüllt wurden. Diese wurden den Priestern am Tal-Tempel zur Opferung übergeben. Der Sinn der Opfergabe wird in der Lehre des Merikare (9. / 10. Dyn.), nach dessen Pyramide noch heute in Sakkara-Nord gesucht wird, so formuliert: „Tue etwas für Gott, damit er dir gleiches tue, und zwar durch große Opfer, die den Altar reichlich versehen.“ Nach den Opfer-riten der Priester wurden die leeren Tongefäße an die Nordseite des Opfer-Tempels geworfen. Dieser gut ein Meter hohe Scherbenhügel lässt die Deutung zu, dass der Opfer-dienst an der Djedefre-Pyramide mehrere Jahre vollzogen wurde. Der längste Aufweg eines Pyramiden-Bezirks von 1500 m führt vom Tal-Tempel zum Opfer-Tempel von Djedefre. Durch die Verlegung eines Militärlagers konnte der Bezirk des Tal-Tempels ausgegraben und erforscht werden. Die Magazine und Kapellen waren nur aus Lehmziegeln errichtet, woraus man schließen kann, dass Pharao Djedefre schon vor der Fertigstellung der Bauten verstarb und die Nachkommen diesen eilig fertigstellen ließen, um den Totenkult zu gewährleisten. Er wurde in einem kleinen Wadi errichtet, der wahrscheinlich durch einen Kanal mit dem Nil verbunden war. Offensichtlich ist, dass der Tote im Tal-Tempel durch das Ritual der Mundöffnung wiederbelebt wurde. Dies geschah unmittelbar nach dem Tod und nach der Reinigung, aber vor der Balsamierung. Dabei wird auch die Meinung vertreten, dass die Mumifizierung des Königs nicht im Tal-Tempel vollzogen wurde. Es stellt sich die berechtigte Frage, wo die Mumifizierung stattgefunden hat, wenn der Tal-Tempel nicht fertiggestellt wurde oder kein Tal-Tempel existierte, so wie es bei vielen Pyramiden der Fall war.

Djedefre-Pyramide, Links: In den Fels geschlagen Grabschacht, so wie die Stein-Räuber in verlassen haben, mit Abbruch-Schutt gefüllt. Rechts: Heutiger freigeräumter Grabschacht, mit einem kleinen Teil der Ausmauerung. Bevor Stein-Räuber am Werk waren, haben Grabräuber einen Gang oberhalb der ausgemauerten Gang-Kammer mit ihrer Verriegelung, einen Gang im Felsen bis zur Grabkammer geschlagen (siehe Pfeile).

Djedefre-Pyramide, Links: In den Fels geschlagen Grabschacht, so wie die Stein-Räuber in verlassen haben, mit Abbruch-Schutt gefüllt. Rechts: Heutige freigeräumte Grabkammer mit einem kleinen Teil der Ausmauerung.

Djedefre-Pyramide, Links: Bevor Stein-Räuber am Werk waren, haben Grabräuber einen Gang oberhalb der ausgemauerten Gang-Kammer mit ihrer Verriegelung, einen Gang im Felsen bis zur Grabkammer geschlagen (siehe Pfeile). Rechts: Der aus Lehmziegeln errichtete Opfer-Tempel.

Djedefre-Pyramide, Links: Irrtümlich wird hierzu Bootsgrube gesagt. Das Loch, ist das unfertige Jenseits-Boot des Pharao. Es fehlen noch die Ruder-Gänge der Mannschaft und das Steuerruder sowie die genaue Bootsform. Darin fanden sich zahlreiche Statuenfragmente aus Hartgestein, unter anderem einen hervorragend erhaltenen Kopf des Djedefre aus rötlichem Quarzit. Rechts: Der aus Lehmziegeln errichtete Opfer-Tempel. In der Außenmauer eine Blutrinne.

Djedefre-Pyramide: Statuenfragmente aus Hartgestein aus dem Jenseits-Boot

Abu Roasch: Auf dem Plateau, neben der Djedefre-Pyramide, liegen zahlreiche Pyramiden und Mastabas die bis heute unerforscht sind. Ferner liegt am Fuße des Plateaus eine weitere mächtige Ziegel-Pyramide, die ebenfalls unerforscht ist.

6. Aufsatz (06.04.2019) Entdeckung einer Pharaonen-Mumie in Kanada

Unser Verein (Hobby-Ägyptologen) hat nicht nur Zeugnisse der ägyptischen Kultur vor Ort besucht, sondern auch weltweit zahlreiche ägyptische Museen. Auf einer Rundreise 1991 durch den Osten der USA haben wir auch die Niagarafälle sowie das Niagara Falls Museum besucht, in dem auch ägyptische Mumien ausgestellt wurden. Darunter befand sich zu unserer Überraschung auch eine Pharaonen-Mumie. Wie kann diese Behauptung von Laien aufgestellt werden, haben sich auch viele Vereinsmitglieder gefragt? Bei der Bestattung wurde dem Toten die Arme gekreuzt und auf die Brust gelegt. Das wurde von den Griechen, Römer und auch heute noch bei Bestattungen übernommen und angewandt. Es gibt ein gravierender Unterschied zwischen diesem Bestattungsrituals und den Pharaonen-Mumien. Eine Pharao-Mumie hat immer hohle Fäuste und einen abstehenden Daumen. In diesen Händen steckten ursprünglich die Herrscher-Symbole, der Wedel und der Krummstab. Diese hohlen Fäuste und dazu die abstehenden Daumen finden sich nur bei ägyptischen Königsmumien. Dass es sich um eine Königsmumie handelte, wurde von dem Ägyptologen Zahi Hawass bestätigt, der Jahre später die Mumie begutachtete. 2003 wurde die Mumie nach Ägypten überführt. Untersuchungen haben inzwischen gezeigt, dass es sich hierbei tatsächlich um die Königsmumie Ramses I. handelt.

Mumien mit hohlen Fäusten und abstehenden Daumen, sind immer Pharaonen-Mumien

5. Aufsatz (05.04.2019) Pyramide Pepi I.: Liegt das Südgrab in der Süd-Ostecke?

Pepi I. ließ seine Pyramide in Sakkara-Süd errichten. Typisch für jene Zeit war die Errichtung eines Nord- und eines Süd-Palastes, auch Südgrab oder Kenotaph genannt. Der Herrscher im Jenseits wollte auch Herrscher von Ober- und Unterägypten sein. Der erste, der an der Südseite der Pyramide ein Südgrab errichtete, war Djoser. In dynastischer Zeit wurden der Nordpalast in Sakkara (Memphis) und der Südpalast (Südgrab) in Abydos erbaut. Als wir unsere Vermessungsarbeiten an der Pyramide durchführten, lag die Südseite unter Meter hohem Schutt. Deshalb ist in der ersten Zeichnung der Bauaufnahme an der Südseite, die Angabe Südgrab mit einem Fragezeichen versehen. Umso erfreulicher ist, dass dort das Südgrab später ausgegraben wurde. Desweiteren wurden bei der Ausgrabung an der Südseite drei Königinnen-Pyramiden entdeckt.

Erklärung, Nordgrab und Südgrab

Abydos war die erste größere Residenzstadt von Oberägypten. Für die ersten Bestattungen der Herrscher der vor dynastischen Dynastien wurde die Nekropole am westlichen Wüstenrand benutzt. Um 3000 v. Chr. eroberten sie Unterägypten bis zur heutigen Stadt Kairo. Ihre zweite Hauptstadt, die weiße Stadt (Memphis), wurde in der Nähe von Sakkara errichtet. Für die Bestattungen der Könige der 1. und 2. Dynastie wurde die Nekropole am westlichen Wüstenrand benutzt (Sakkara Nord). Hier lag das Hauptgrab (Nordgrab). Nach Gründung der Hauptstadt Memphis ließen Pharaonen und Beamte ein Südgrab, auch Kenotaph genannt, in Abydos errichten, mit der Überlegung über Ober- und Unterägypten zu herrschen. Über die Jahrtausende blieb Abydos immer ein heiliger Ort. So war es in den Gräbern von Theben üblich, die Heiligtums-fahrt nach Abydos zu den Ahnen als Gemälde oder als Relief darzustellen. Das wohl bekannteste Bauwerk in Abydos, ist der Tempel von Sethos I. mit seinem Südgrab (Kenotaph). Der erste, der an der Südseite der Pyramide, innerhalb der Umfassungsmauer ein Südgrab errichtete, war Djoser. Ab dieser Zeit wurde das Südgrab innerhalb des Pyramiden-Bereichs errichtet. Die Bestattung fand immer im Nordgrab, wo auch immer der Sarkophag stand, statt.

Links: Die erste Zeichnung der 1. Bauaufnahme, wobei bei der Angabe Südgrab noch ein Fragezeichen steht. Rechts: Die Zeichnung der späteren Bauaufnahme mit dem Südgrab und den Königinnen-Pyramiden. Nicht nur beim Südgrab wurde der Standort richtig voraus gesagt, sondern auch bei der Umfassungsmauer.

Sakkara Süd, Pepi I. Pyramide: Südgrab mit eigener Umfassungsmauer. Rechts im Bild sieht man die 4,16 m dicke Umfassungsmauer der Pyramide. Warum noch eine Umfassungsmauer für das Südgrab? Es kann angenommen werden, dass gedanklich das Südgrab in Abydos steht, und hier braucht man eine Umfassungsmauer.

Sakkara Süd, Pepi I. Pyramide: Pyramidion des Südgrabes

Sakkara-Nord: Horus Aha (1. Dyn., 3080 v. Chr.) (Grab 3357) Das Grab des Horus Aha, das nachweislich älteste Grab dieser Art in Sakkara-Nord, ist ein mächtiges, rechteckiges Bauwerk mit einer Länge von 42 m, einer Breite von 16 m und einer Höhe von ursprünglich ca. 3-5 m. In Abydos wurde ein weiteres Grab von Horus Aha gefunden. Anhand der Größe und den vorgefundenen Grabbeigaben, kann man sagen, dass dieses Grab das Südgrab (Kenotaph) war.  


Sakkara-Nord: Horus Aha (1. Dyn., 3080 v. Chr.) (Grab 3357) Heutiger Zustand

4. Aufsatz (05.04.2019) Eine Rampe zum Gisa-Plateau

Die Behauptung, dass es am nördlichen Hang eine Transport-Rampe gegeben haben muss, ist eine einfache Schlussfolgerung. Auf der ersten Transport-Rampe (Ostrampe) wurde der Aufweg zum Opfertempel errichtet und stand somit für den Material- und Trinkwasser-Transport nicht mehr zur Verfügung. Weil der Transport von der Nord- zur Südseite durch den Aufweg versperrt wurde, wurde unter dem Aufweg ein Transport-Tunnel in den Fels geschlagen. Dieser liegt nur wenige Meter entfernt vom Steilhang des Plateaus. Schlussfolgernd ergibt sich daraus die These, dass eine Transport-Rampe im Hang-Bereich des Tunnels liegen muss. Diese Erkenntnis kam uns beim Modellbau, als wir den Transport-Tunnel im Gelände-Modell einbauten (siehe Bilder Modellbau). An der von uns vermuteten Stelle wurde tatsächlich ein Jahr später eine Transport-Rampe gefunden, nachdem wir unsere Vermutung Herrn Dr. Zahi Hawass mitgeteilt hatten.

3. Aufsatz  (15.03.2019) Geheime Kammern und Gänge in den ägyptischen Pyramiden

Altes Reich, 2685 – 2180 v. Chr.

Im Alten Reich wurden keine geheimen Gangsysteme oder versteckten Grabkammern in den Pyramiden geplant und errichtet. Mit größter Wahrscheinlichkeit kann man vermuten, dass im Alten Reich keine Grabräuber ihr Unwesen trieben. bzw. nicht so oft vorkam und somit die Notwendigkeit für eine Anordnung von Geheimgängen nicht gegeben war, was sich später im Mittleren Reich änderte. So kann man wohl annehmen, dass die Verriegelungsblöcke und Fallsteine nur zur Abschirmung der bösen Geister gedacht waren. Dies setzte voraus, dass jegliche Gänge, die der Kult nicht benötigte, verschlossen wurden. So wurden die noch so kleinsten Gänge, wie z.B. der unteren Seelengänge der Cheops-Pyramide mit einem Querschnitt von 20 cm x 20 cm, mit einem Verschlussstein versehen. Auch die unter der Pyramide liegende unfertige Felsengrotte, wurde der Schacht für die Priester benötigt, aber zur Grotte hin zugemauert, um das Eindringen der bösen Geister zu vermeiden. Im Alten Reich war es unvorstellbar, dass die Pyramide als Jenseitspalast des Pharao geplündert wurde. Das Bauwerk war nicht Erinnerungsstätte, sondern diente einzig dazu, das Fortleben des Königs zu gewährleisten, um seine aus dem Jenseits wirkenden Kräfte zum Segen des Volkes nutzbar zu machen. Somit waren die Pyramide und der Pyramidenbezirk religiös notwendig, um den Fortbestand des Volkes zu sichern und um Katastrophen abzuwenden. Der Pharao war Gott und Bindeglied zwischen dem Diesseits und dem Jenseits, der Garant dafür, dass die Schöpfung immer wieder sich erneuert. In der Vorstellung der damaligen Menschen bedeutet das: „Die Sonne kehrt jeden Morgen aus dem Totenreich zurück, und die Nilüberschwemmung setzt alljährlich zur bestimmten Zeit wieder ein. Sie haben den Grund der Überschwemmung nicht erkannt, bei ihnen bestand die Vorstellung, dass sich das Land ins Wasser senkt und sich die fruchtbare Erde als Nährboden des Lebens wieder aus dem Wasser heraushebt.   

Mittleres Reich, 2060 – 1785 v. Chr.

Zwischen dem Alten Reich und dem Mittleren Reich liegt die 1. Zwischenzeit. In dieser 120-jährigen chaotischen und mit Bürgerkrieg verbundenen Zeit sind die Pyramiden wahrscheinlich vom Volk ausgeraubt worden. Nach den Wirren der Uneinigkeit erfolgte die Reichseinigung, wobei der Pharao mit seinen Untertanen zu einer Staatseinheit, dem Mittleren Reich, zusammenwuchs. Die chaotische Zeit, die Ägypten zum ersten Mal kennenlernte, veränderte im Mittleren Reich nicht nur manche Kultgegenstände, sonder auch bei einigen Pyramiden das Kammer- und Gangsystem.

Sesostris II. – Illahun (12. Dyn. 1897 v. Chr.)

So verlegte Sesostris II. in Illahun den bisher traditionell auf der Nordseite liegende Pyramideneingang auf die Südseite. Weiterhin verlegte er den Eingang außerhalb der Pyramide in eine Prinzessinnen-Mastaba unterhalb der Fußbodenplatten der Grabkammer. Eine weitere Irreführung sollte die aus der Mitte versetzte Grabkammer bringen. Hier kann man zum ersten Mal in der Geschichte des Pyramidenbaus von versteckten Kammern und einem geheimen Gang sprechen. Sesostris II. war sich so sicher, dass niemand den Eingang findet, dass er sogar auf Fallsteine und eine Blockierung der Gänge verzichtet.

Abb. 1: Südostecke, sichtbar das Kalksteingerippe mit der Lehmziegel-Ausmauerung Abb. 2: Ostseite mit Kalksteingerippe und Lehmziegeln

Abb. 3: Ostseite mit Verkleidungsblöcken Abb. 4: Die Felsenmastabas der Prinzessinnen auf der Nordseite.


Sesostris III. – Dahschur (12. Dyn. 1878 v. Chr.)

Sesostris III. verlegte wie sein Vater Sesostris II. den Pyramideneingang nach außerhalb, jedoch auf die Westseite. Die Baukonzeption, die Pyramidenkammer aus der Mitte zu versetzen und die Fallsteine sowie Blockierung der Gänge zu verzichten, übernahm er vom Vater. Der Eingang geht 10 m senkrecht abwärts und dann waagerecht weiter. Die Gänge und die Grabkammern sind mit Rosengranit-Platten ausgelegt.

Abb. 1: Opfertempel auf der Ostseite (Foto aus dem Jahr 1970) Abb. 2: Opfertempel auf der Ostseite (Foto aus dem Jahr 2015) Ausgrabung von Herrn Prof. Dr. Dieter Arnold (New York)

Abb. 3:  Vom Eingangsschacht geht ein gewölbter Gang, 20 m in Richtung Osten, Abb. 4: Das Serdab mit dem von Grabräubern in der Wand geschlagenem Grabräuber-Eingang.

Abb. 5: Der Nord gang bis zum Vorraum der Grabkammer. Die Durchgänge sind an den Seiten abgerundet. Bis auf eine Ausnahme haben alle Pyramiden einen Nord gang zur Vorkammer oder direkt zur Grabkammer. Abb. 6: Die weiß getünchte Grabkammer mit einem Rosengranit-Sarkophag an der Westwand (untergehende Sonne, Totenreich). Die Grabkammer ist komplett aus Rosengranit errichtet und wurde dann getüncht. Links im Bild, ein zugemauerter Kult-raum.

Amenemhet III. – Dahschur (12. Dyn. 1844 v. Chr.)

Amenemhet III., Sohn und Nachfolger Sesostris III., verlagerte bei seiner Pyramide in Dahschur den Eingang auf der Ostseite und aus der Pyramidenmitte versetzt. Die versteckte Anordnung des Eingangs genügte den Baumeistern noch nicht, und sie versahen zusätzlich den Gang zur Grabkammer mit einer viermaligen Richtungsänderung, jedoch ohne Fallsteine und Gangblockierungen. Wegen des nachgiebigen Untergrunds traten zu Beginn der Errichtung bereits Setzungen und Risse im Gang und Kammersystem auf. Genau wie bei der gegenüberliegenden Knickpyramide des Pharao Snofru, der seine Pyramide ebenfalls wegen Setzrisse aufgab. Es ist gut möglich, dass die Grabräume der Frauen erst gebaut wurden als Amenemhet III. die neue Pyramide in Hauware plante. Einzig Echnaton ließ auch eine Grabkammer für seine Ehefrau Nofretete in seinem Grab errichten? Hier besteht auch die Möglichkeit, dass die Grabkammer für die Bestattung von Tutanchaton (später Tutanchamun) gedacht war?

Abb. 1: Die Pyramiden-Südwestecke,  Abb. 2: Westseite mit den Verkleidungssteinen

Amenemhet III. – Hauwara

Bei seiner zweiten Pyramide, errichtete  Amenemhet III. ein kompliziertes Gangsystem. Zum ersten Mal setzt sich der Gang oberhalb der Vorkammerdecke fort und wird mit einem an der Decke angeordneten Querverriegelungsblock versperrt. Der wie bei der Pyramide in Dahschur viermal seine Richtung ändernde Gang wird zusätzlich durch Querverriegelungsblöcke gesperrt. Eine weitere Neuerung ist die Errichtung eines Blindschachtes. Es ist bis heute nicht erforscht, ob es sich hier um eine Konstruktionsänderung oder um einen irreführenden Gang handelt.

Abbildung 1: Der Pyramideneingang auf der Südseite, Abbildung 2: Reste der 8000 Säulen des sogenannten Labyrinth

Amenemhet IV. – Masguna (1798 v. Chr.)

Amenemhet IV. errichtete seine Grabkammer und das Gangsystem nach dem Vorbild der Hauwara Pyramide seines Vaters Amenemhet III. Mit zweimaligen Deckenblockierungen, Richtungsänderungen des Gangsystems in allen Richtungen und einem Querverriegelungsblock vor der Grabkammer dachte Amenemhet IV. der Beraubung zu entgehen.

Königin Nofrusobek – Masguna (1790 v. Chr.)

Die Königin Nofrusobek errichtete annährend das gleiche Gangsystem wie das ihres Bruders Amenemhet IV. Durch zwei Deckenblockierungen und Richtungsänderungen des Gangsystems sollten die Grabräuber abgehalten werden. Nur der Verriegelungsblock der Grabkammer wurde nicht eingebaut.

2. Zwischenzeit, 1785 – 1551 v. Chr.

Aus der ständigen Aufeinanderfolge von Umstürzen, aus der Zersplitterung des Landes in zahlreiche kleine Fürstentümer sowie aus der Anzahl der regierenden Pharaonen (über 200) lässt sich die unruhige politische Lage der 2. Zwischenzeit erahnen.

Unbekannter Pharao – Sakkara-Süd (ca. 1780 v. Chr.)

Das imposanteste Kammersystem einer Pyramide mit dem Verriegelungssystem wurde in Sakkara-Süd von einem unbekannten Pharao errichtet. Über Richtungsänderungen des Gangsystems und Scheinkammern sowie drei Deckenblockierungen erreicht man zwei Grabkammern. Die größere Grabkammer wird mit einem Deckenblock zusätzlich verschlossen. Dieses Verschlusssystem funktioniert mit mittels Sandhydraulik. Die seitlich angeordnete kleinere Grabkammer wird durch einen Querverriegelungsblock versperrt.

Chendjer – Sakkara-Süd (13. Dyn. 1750 v. Chr.)

Die letzte Pyramide, erbaute der Pharao Chendjer in Sakkara-Süd. Hier wird im kleineren Maßstab das gleiche System angewandt wie bei der unbekannten Pyramide angewandt wurde. Richtungsänderung des Ganges, drei Deckenblockierungen und die Absenkung der Sarkophagdecke mit der Technik der Sandhydraulik sollten die Ruhe des Pharaos gewährleisten.

Resümee: Geheime Kammern und Gänge

Nach genauerer Betrachtung der geheimen Kammern und Gangsysteme ist bei vielen Betrachtern eine Enttäuschung über die einfache und manchmal simple Anordnung festzustellen. Die Richtungsänderung des Ganges, als Irreführung konzipiert, ist für manche Menschen heute irrational und wird daher mit phantasievollen Thesen erklärt. Je intensiver wir die Erforschung dieser Kultur betreiben, umso mehr wächst bei uns die Erkenntnis, wie schlicht und einfach diese Menschen gedacht haben. Wir sehen in diesen einfachen Baukonzeptionen einen Beweis für diese Denkweise und das es sich hier um einfache Menschen der Steinzeit handelt und die gigantischen Bauwerke wurden nur mit Steinwerkzeuge errichtet und natürlich für den Transport die Seile aus Palmfasern nicht zu vergessen.

2. Aufsatz  (10.03.2019) EINSTURZURSACHE IM VORRAUM DER SAHURE-PYRAMIDE

Im Haupt-Mauerwerk wurden große Hohlräume freigelassen für den Bau der Grabkammer. Nach Fertigstellung der Grabkammer wurde der Bereich zwischen Haupt-Mauerwerk und Wänden der Grabkammer mit kleinen Rest-steinen ausgefüllt. Da der Vorraum bei der Freilegung mit Geröll gefüllt war, lag zunächst die Vermutung nahe, dass der Druck der kleinen Steine die Decke zum Einsturz brachte. Nachdem in dem kleinen Hohlraum ein Teil des Gerölls entfernt wurde, konnten wir erkennen, dass es sich hierbei um Schäden handelt, die durch Stein-räuber verursacht worden waren. Sie hatten die Wände der Kammern von innen her abgebaut. Die Deckenbalken der Kammer sind dreifach übereinander geschichtet. Die unterste Schicht der Deckenbalken ist komplett, die zweite Abdeckung teilweise eingebrochen. Die dritten und obersten Deckenbalken sind komplett erhalten. Folglich konnten die kleinen Ausfüll-steine, die oberhalb der Deckenbalken liegen, die Decke der Vorkammer nicht eingedrückt haben. Beim Beseitigen vom Innenschutt sahen wir, dass ein Teil der Seitenwände fehlen.

Sahure Vorkammer, heutiger Zustand, Ost-West-Schnitt
1) Von den Steinräubern entfernte Seitenwand 2) Abgebrochene Deckenbalken 3) Unversehrte Deckenbalken
4) Unversehrte Seitenwand 5) Deckenbruchstücke 6) Bodenplatten
7) Hauptmauerwerk 8) Füllsteine

Links: Sahure-Pyramide mit Opfertempel – Rechts: Sahure-Pyramide, Sahure-Kartusche

Links: Nord-Eingang – Mitte: Gang zur Vorkammer – Rechts: Abgebrochene Deckenblöcke

Links: Fehlende Westwand der Vorkammer- Rechts: Pyramide mit Mauerwerk und Füllsteine

1. Aufsatz  (16.02.2019) PYRAMIDE AN DER OSTSEITE DER CHEOPS-PYRAMIDE ENTDECKT

Bei der Überprüfung von Fotos, die von der Cheops-Pyramide herab in Richtung Ostennekropole gemacht wurden, war die Überraschung groß, als wir in einem erst kurz zuvor von Schutt befreitem Gebiet, eine dabei freigelegte, bisher nicht bekannte Pyramide (Abb. 1, schwarzes Quadrat) entdeckte. Bei einer Überschreitung dieser Stelle sind die weißen Pyramiden-Fundamente nicht als solche erkennbar. Auch ließen sich die bereits freigelegten Blöcke von unten nicht als Pyramide deuten. Erst auf dem Luftbild des Plateaus der Cheops-Pyramide zeichnete sich das quadratische weiße Fundament der Pyramide deutlich ab. Der Grundriss einer Pyramide ist immer quadratisch (vgl. Abb. 1, schwarzes Quadrat), während jener einer Mastaba ist immer rechteckig. Deshalb ließ sich mit Gewissheit sagen, dass es sich bei hierbei um eine Pyramide handelt. Dies bestätigten auch die anschließenden Ausgrabungen, bei denen eine Pyramide mit Grabkammer und Pyramidion freigelegt wurde (Abb. 2-4). Vermutet wird, dass es sich hierbei um das Südgrab von Cheops handelt. Die Bedeutung des Südgrabes, auch Kenotaph genannt, ist bis heute nicht einwandfrei geklärt. Es kann jedoch angenommen werden, dass es sich hierbei um das Verwaltungshaus oder den Palast des Südens (Oberägypten) handelt. Wie im Diesseits, so beabsichtigte der Pharao auch im Jenseits, über Ober- und Unterägypten zu herrschen und ließ deshalb die gleichen Verwaltungsgebäude für den Süden (Oberägypten) und Norden(Unterägypten) errichten. Die ersten Pharaonen der 1. und 2. Dynastie errichteten noch getrennte Süd- (Abydos) und Nordgräber (Sakkara-Nord). Djoser war der erste Pharao, der die Gebäude von Süd- und Nordverwaltung gemeinsam in seiner Nekropole in Sakkara-Nord errichtete; und zwar außerhalb der Pyramide, aber innerhalb
der Umfassungsmauer. Das in der Cheops-Nekropole errichtete Südgrab konnte jedoch bis heute nicht lokalisiert werden. Dies stützt die These, dass es sich bei der ausgegrabenen Pyramide um das Südgrab des Cheops handeln könnte.
Gegen eine Funktion der Pyramide als Südgrab spricht, dass
• es bei keiner königlichen Pyramide-Nekropole eine vergleichbare Platzierung außerhalb einer Umfassungsmauer gibt, so wie es beim Südgrab der Fall ist;
• bei keiner Pharaonen-Pyramide eine Anordnung des Südgrabes an der Ostseite erfolgte;
• diese zwischen der Umfassungsmauer und den Königinnen-Pyramiden „eingepfercht“ ist, obwohl sich an der Südseite in der 4. Dynastie kein Bauwerk befand;
• die der Pyramide durch ihre Lage zuzuordnende Bootsgrube die Identifizierung als Südgrab unmöglich macht, da sich Sarkophag und Bootsgruben immer nur im Jenseits-Palast des Nordens befanden;
• die Form der Bootsgrube mit jenen der Bootsgruben des Cheops nicht übereinstimmt;
• das heute noch sichtbar Grundmauerwerk größtenteils aus Tura-Kalkgesteinsblöcken besteht. Bei keiner Gisa-Pyramide der 4. Dynastie wurden, wohl wegen des langen Transportweges Tura-Blöcke für das Grundmauerwerk verwendet. Das lässt den Schluss zu, dass die Blöcke von den Königinnen-Pyramiden usurpiert wurden. Dafür spricht auch der mit diesen übereinstimmende Pyramiden-Winkel. Diese Form des mit Tura-Blöcke verstärkten Grundmauerwerks wurde erst unter Pepi I. in der 6. Dynastie angewandt.
• eine in den Fels gehauene Grabkammer mit schrägen Wänden ist ein Baukonzept, die in dieser Art bei keiner anderen königlichen Grabkammer, im Alten Reiches zu finden ist.
Für eine Funktion der Pyramide als Südgrab spricht, dass
• der Pyramiden-Winkel von 52° annähernd jenen der Cheops-Pyramide und den Königinnen-Pyramiden entspricht;
• das Gebäude den gleichen Gangquerschnitt wie bei jenem der Cheops-Pyramide aufweist und wie im Gangmodell (B: 1,05 m, H: 1,2 m);
• der zur Grabkammer führende Gang einen Neigungswinkel von 30° hat und damit annähernd jenem in der Cheops-Pyramide und im Gangmodell entspricht;
• die T-Anordnung des Gang- und Kammersystems mit den anderen Südgräbern übereinstimmt.

Ostseite der Cheops-Pyramide: Gang- und Kammermodell (Pfeil)

Ostseite der Cheops-Pyramide: Entdeckte Pyramide noch mit Schutt überdeckt (schwarzes Quadrat)

Ostseite der Cheops-Pyramide: Die vom Schutt befreite Pyramide und das vorgefundene Pyramidion

Ostseite der Cheops-Pyramide: Grabkammer mit Nord-Eingang und Zeichnung (Nord-Süd Schnitt)

0. Zeittafel ägyptischer Geschichte