Unsere experimentellen Versuche & Vermessungen

Inhaltsverzeichnis

11. Bericht (01.8.2019) Arbeitsorganisationen

10. Bericht (01.8.2019) Arbeitszeiten und Bauzeiten

9. Bericht (01.8.2019) Die Steinbearbeitung an den Pyramiden von Gisa

8. Bericht (01.8.2019) Steinbrüche

7. Bericht (01.8.2019) Der Steintransport an den Pyramiden von Gisa

6. Bericht (30.3.2019) Djoser-Pyramide: Süd-Gang zum Grabschacht (Sakkara-Nord)

5. Bericht (16.3.2019) Vermessung der Cheops-Pyramide mit Maßangaben (Gisa)

4. Bericht (15.3.2019) Sprengversuch Steinquaders mit Holzkeilen

3. Bericht (1.3.2019) Blaue Farbe aus den ägyptischen Königsgräbern im Tal der Könige und im Tal der Königinnen (Luxor)

2. Bericht (18.2.2019) Seltsame Steinansammlung auf dem Gisa-Plateau

1. Bericht (15.2.2019) Vermessung der Königinnen-Pyramide an der Cheops-Pyramide (Gisa)

11. Bericht (01.8.2019) Arbeitsorganisationen

Arbeit: Im Alten Reich wird das Wort „Arbeit“ durch die Hieroglyphe eines sitzenden Mannes ausgedrückt, der ein Gefäß auf dem Kopf trägt. Dies zeigt, dass im Schwerpunkt die manuelle Arbeit mittels Tragen auf dem Kopf durchgeführt wurde. Darüber hinaus bezeichnet das Wort „Arbeit“ jede manuelle und geistige Tätigkeit. Erst im Mittleren Reich wird der Unterschied zwischen geistiger Arbeit und der Tätigkeit des „Dieners und Fronens“ betont; unterschieden wurde nur zwischen einzelnen Tätigkeiten. Besonders der Beruf des Schreibers wurde hervorgehoben. Sicherlich kam diesem schon im Alten Reich eine besondere Stellung zu, was auch die aus dieser Zeit stammenden, betont ausdrucksstarken Statuen belegen. Es fehlen jedoch schriftliche Zeugnisse aus dieser Zeit, die diesen Beleg untermauern würde. Das Arbeiten war für jeden eine Lebensnotwendigkeit. Es gibt keine Hinweise auf eine Sehnsucht nach Müßiggang. Dafür aber gibt es ein schönes Beispiel, das zeigt, dass die Menschen nicht anders waren wie in der heutigen Zeit; so schreibt ein Grundbesitzer frei übersetzt an seinem Verwalter: „Ich weiß, dass du faul bist und wenn ich vorbeikomme, werde ich dir die Ohren langziehen.“ In schriftlichen Zeugnissen wird die Notwendigkeit aufgeführt, für eine Arbeit einen entsprechenden Lohn zu verlangen. Für das Jenseits wünschte man sich dagegen, nicht zur Arbeit eingezogen zu werden. Um zu verhindern, dass der Verstorbene arbeiten musste, gab man diesem im Mittleren Reich Ersatzarbeiter (Uschebtis in Statuenform) als Grabbeigabe mit. Dabei kannten die Ägypter den hier verwendeten Begriff „Arbeiter“ nicht. Manuell Arbeitende, die wir als „Arbeiter“ bezeichnen, wurden im Alten Reich von der gesamten Bevölkerung ausgeführt. Ausnahmen bildeten nur ausdrücklich durch königliches Dekret davon Befreite. Ihnen wurden andere Aufgaben zugewiesen, zum Beispiel der Opferdienst als Priester. Die Arbeiter wurden im Arbeitshaus eingeteilt, ihr Haupteinsatz war die Feldarbeit. Als Unterstützung konnten sie auf königliche Anordnung hin zu Bauarbeiten, Feldzügen etc. herangezogen werden. Wenn man als Krieger oder Bauarbeiter eingezogen wurde, übte man diesen Beruf bis zum Tode aus. Dies zeigt, dass die Anzahl der Arbeiter auf den königlichen Bauplätzen gemessen an der Gesamtbevölkerung nur gering war. Und diese lag um 2500 v. Chr., also während der Zeit des imposantesten Pyramidenbaus, bei ca. 1,0-1,5 Mio. Menschen; also bei 50 Menschen/ km². Im Vergleich dazu: Heute leben im Niltal umgerechnet 2250 Menschen/km².
Arbeitsabteilungen

Die für Bau- und Transportabteilungen verpflichtete Bevölkerung sowie die dauerhaft beschäftigten Arbeiter in bestimmten Arbeitsbereichen waren straff organisiert. Die Organisation wurde angelehnt an die einer Schiffsbesatzung: Eine Abteilung entsprach einer Schiffseinheit. Sie teilte sich in fünf Phylen (Bordwachen) und diese wiederum teilte sich in zwei Gruppen. Die Phylen einer Abteilung konnten aber auch verdoppelt, verdreifacht oder vervierfacht werden. Dabei trugen die Abteilungen Namen, die Eigenschaften über den König preisgaben wie freundlich, beliebt, mächtig, heilig und groß. Erste Aufzeichnungen diesbezüglich fanden sich auf Steinblöcken der Snofru-Pyramide in Maidum. Bis zu jener Zeit erscheinen nur die Zeichen oder Standarten der Gruppen auf den Steinblöcken. Seit Djedefre Deckenblöcke bei der Bestattung des Bootes für seinen Vater Cheops anbringen ließ, standen Abteilungsnamen und Zeichen der Gruppen nebeneinander. Unter Mykerinos dokumentierten die Steinmetze auf den Gesteinsblöcken auch, zu welcher Phyle sie gehörten. Diese hier dokumentierte Leistung zeigt auch den Stolz und die Verantwortung, an einem solch großen Bauvorhaben gewesen und beteiligt zu sein.
Arbeitersiedlung – Pyramidenstadt

In den Siedlungen lebten die vor Ort tätigen Handwerker. Diese Wohn- und Arbeitsstätten, die im Alten Reich insbesondere für die Pyramidenerbauern entstanden, lagen in der Wüste und wurden nach Fertigstellung des Bauwerks eingeebnet. Sie sind nicht zu verwechseln mit der Pyramidenstadt, die an der Pyramiden-Nekropole gegründet wurde. Hier wohnte die gehobene Bevölkerung und auch die Vorarbeiter sowie die Mehrzahl der Priesterschaft mit ihren Hilfskräften. Das Wohnrecht in einer Pyramidenstadt brachte Vergünstigungen und Steuerfreiheit mit sich. Wobei den Bewohner der Arbeiterstadt die gleichen Vergünstigungen zugesprochen wurden. Darüber hinaus waren diese Städte wohl auch königliche Residenz während des Baus der Pyramide. Dies erscheint sinnvoll, da die täglich zu treffenden Entscheidungen den Bau der königlichen Grabanlage betreffend sicherlich nicht aus der Ferne getätigt werden konnten. Die älteste bekannte Pyramidenstadt ist die des Pharao Snofru in Maidum. Seine Pyramidenstadt „Erscheinung des Snofru“ in Dahschur ist noch in der 6. Dynastie eine blühende Metropole. Bei der Verlegung einer Residenz verloren die Pyramidenstädte oft an Bedeutung und die Einwohnerzahl sank, deren Mittelpunkt dann der Opfertempel mit dem Kult für die ewige Ernährung des verstorbenen Pharao bildete. Oft war eine Stadt nicht lebensfähig, hing deren Ernährung doch vom Herrscher ab. Stellte der Pharao die Opfergaben an die Priester seines Vorgängers ein, musste dieser Kult ebenfalls eingestellt werden. Eine Ausnahme bildet die Pyramidenstadt von Gisa, die sehr lange als Residenzstadt existierte, so dass einflussreiche Familien ihre Wohnstätten und Familiengräber beibehielten, wie unzählige Gräber zeigen. In den Wirren im Anschluss an das Alte Reich wurden die meisten Pyramidenstädte aus Mangel an staatlichen Zuschüssen und ohne die Erneuerung ihrer Privilegien aufgegeben. Versorgung der Arbeiter und Entlohnung Dauerangestellte, wie Handwerker und zur Arbeit verpflichtete, wurden vom Staat während ihrer Tätigkeit auf dem Pyramidenbauplatz versorgt. Zahlen die Verpflegung betreffend sind aus dem Alten Reich keine überliefert. Im Mittleren Reich erhielten die Männer während einer Expedition zu den fernen Steinbrüchen eine tägliche Brot- und Bierration. Im Wadi Hammamat nennt eine Inschrift aus der Zeit Sesostris I. die tägliche Lieferung von zehn Broten und einem Drittel Krug Bier an die Arbeiter sowie von 20 Broten sowie einem halben Krug Bier an die jeweiligen Fachkräfte. Eine andere Inschrift gibt 20 Brote als tägliche Ration an. In beiden Texten werden Wassersack, Tragstange und zwei Wasserkrüge vom Schatzhaus gestellt; Sandalen für die Arbeiter werden auf Eseln mitgeführt. Das Schatzhaus, dessen Existenz bis in die erste Hälfte des Alten Reiches nachgewiesen werden kann, hatte die Aufgabe, die vielfältige Produkte und Einkünfte des Landes, die als Steuern und Abgaben an die Landesverwaltung geliefert werden mussten, zu sammeln, zu verwalten und zu verteilen. Neben dem Schatzhaus war die Scheune eine weitere Institution der Landesverwaltung zur Versorgung der Bevölkerung und der Mannschaften auf den Pyramidenfeldern. Sie verwaltete die Speicheranlagen für das Getreide und die sonstigen landwirtschaftlichen Produkte. Weitere Überlieferungen zur Entlohnung sind vor allem aus dem Neuen Reich bekannt. Aus diesen Texten geht ebenfalls eine Verteilung von Nahrungsmittel entsprechend dem Rang des Arbeiters hervor. Die Handwerker wurden in Vorarbeiter, Schreiber und Arbeiter unterteilt. Die Entlohnung für den Arzt rangierte noch hinter der für Diener und Pförtner. Neben der Verteilung von Nahrungsmitteln wurden auch Kleider und Sandalen ausgegeben, wie eine Inschrift Ramses II. aus dem Neuen Reich zeigt, die Steinmetzen ausdrücklich eine ihrer schweren Arbeit adäquate Bezahlung zusichert.
Arbeits- und Steuerbefreiung
Das gesamte Volk war zur Arbeit für den Pharao verpflichtet. Nur er konnte zur Arbeit Verpflichtete für andere Aufgaben abtreten. Zu diesen gehörte im Alten Reich der Opferkult für die verstorbenen Könige und die Kulthandlung im Verehrungstempel der Götter. Erst im Laufe des Alten Reiches wurden auch Opferpriester in der Provinz und Diener von Angehörigen der königlichen Familie per königliches Dekret von der Arbeitsverpflichtung freigestellt. Die Stele des Pharao Apries (26. Dyn.) in Memphis spricht sogar von einer Dienst- und Steuerbefreiung für diejenigen, die an seinem Tempelbau mitwirkten.
Arbeitshaus

Im Arbeitshaus werden sei dem Alten Reich sämtliche Arbeiter erfasst und organisiert. Der Begriff steht für die Wirtschaftsbetriebe des Pharao, wie der Tempel und die Magazine in Grabanlagen sowie die königlichen Felder. Im Alten Reich werden die Angehörigen des Arbeitshauses neben den Landarbeitern, Tempelangestellten (Polizisten, Wächter) und den Bauarbeitern aufgeführt.
Arbeitslieder

Die zur Arbeit gesungenen Lieder hatten in erster Linie die Aufgabe, den sich durch Geräusche bei der Arbeitden ergebenden Rhythmus zu verstärken oder ihn gleichmäßig zu erhalten. Bei Arbeiten, die keinen Taktschall erzeugen, wird dieser mittels Lieder künstlich erzeugt. Damit wird die Gleichmäßigkeit von Muskelbewegung gewährleistet. Das kann durch Zurufen erfolgen oder auch durch ein Instrument, oft unterstützt durch Sänger und Klatscher. Kein einziges Lied ist auf Papyrus erhalten geblieben, vielmehr stehen die einschlägigen Texte nur als Beischrift zu den die entsprechende Arbeit zeigenden Grabreliefs. Dabei ist jedoch selten das vollständige Lied festgehalten worden, sondern aus Platzmangel nur der Anfang oder eine Strophe. Ganz oder teilweise erhalten sind zehn Lieder vom Alten bis Neuen Reich, so beispielsweise das Fischerlied, das in vier Varianten in Reliefs des Alten Reiches überliefert ist. Das Lied mag mit seinem Rhythmus das gleichmäßige, ruckartige Ziehen des schweren Netzes erleichtert haben. In dieser Funktion ist es auch für das ruckartige Ziehen von Steinblöcken denkbar.
Arbeitskleidung

Da keinerlei Kleidungreste der Arbeiter erhalten geblieben sind, lässt sich diese allein anhand von Darstellungen bildlicher Zeugnisse rekonstruieren. Dabei können die Darstellung auf den Gemälden in den Grabanlagen allerdings nicht als repräsentativ für Arbeitskleidung angenommen werden, da diese durch religiöse Vorstellungen mitbestimmt waren. Ferner konnte nur die Oberschicht sich solche Gräber leisten. Bei der Schwerstarbeit in den Steinbrüchen und an den Pyramiden, für die einfache Arbeiter eingesetzt wurden, waren die Männer mit Ausnahme von Sandalen nackt. Zuweilen trugen diese auch einen kleinen, vorne offenen Schurz oder einen Gürtel, an dem ein oder mehrere herunterhängende Streifen angebracht waren. Diese waren aber nur zum Schutz vor lästigen Fliegen gedacht. Die Arbeit mit entblößtem Körper wird bei den einfachen Arbeitern auch dann noch beibehalten, als sie für die Angehörigen der gehobenen Stände undenkbar geworden ist.

Memphis: Apries (26. Dyn.) Steuerbefreiungs-Stele und Statue von Ramses II. (19. Dyn.)

10. Bericht (01.8.2019) Arbeitszeiten und Bauzeiten

Die Anzahl der für den Bau der Cheops-Pyramide notwendigen Arbeiter wurde mit Hilfe eines mathematischen Modellansatzes geschätzt. Es wurde dabei von einer komplett aus Muschelkalkgestein und ohne Kammern erbauten Pyramide ausgegangen. Der Berechnungsansatz erfasst lediglich die Anzahl der Arbeiter für die Steinbrucharbeiten und den Transport der Gesteinsblöcke. Nicht in die Berechnung mit eingeflossen sind die für Steinmetz- und Handwerksarbeiten sowie für das Beschaffen von Nahrungsmitteln und Wasser benötigten Arbeiter. Die so geschätzten Zahlen geben dabei die Obergrenzen für die jeweils benötige Anzahl der Arbeiter an. Darüber hinaus wird die menschliche Leistung beim Pyramidenbau mit dem Bau des ersten Assuan-Staudammes um 1900 verglichen. Die Umwandlung von chemischer Energie in Kraft und Wärme begegnet uns heute in vielen Lebensbereichen, insbesondere der Technik. Aber auch Lebewesen funktionieren nach diesem Grundprinzip, dabei sind die Quellen chemischer Energie gewöhnlich Kohlenhydrate (verschiedene Kohlenwasserstoffmoleküle). Werden diese abgebaut, so wird Energie freigesetzt: pro Gramm Kohlenhydrate 20.000 J. Fast die doppelte Energiemenge ist in 1g Fett enthalten. Wenn Kohlenhydrate in Muskelzellen „verbrannt“ werden, kann etwa 25 % der freigesetzten Energie als mechanische Kraft verwendet werden. Ein Pferd nimmt im Mittel etwa 2000 W auf; daher kann es über längere Zeit etwa 500 W in Form mechanischer Arbeit abgeben. Ein Mensch kann dagegen höchstens 100 W an mechanischer Arbeit pro Zeiteinheit aufbringen. Die restliche chemische Energie wird in Wärme umgesetzt. Der Energiebedarf eines Schwerstarbeiters, wie eines Steinbrucharbeiters, über einen längeren Zeitraum beträgt 230 W. Bei einem Wirkungsgrad von 25 % ergibt dies eine mechanische Leistung von ca. 60 W. Da für das Alte Reich allerdings von einer wesentlich geringeren Menge an zur Verfügung stehender kohlenhydrathaltiger Nahrung – im Wesentlichen bestand diese aus Wasser, Brot und Bier – auszugehen ist, dürfte die mechanische Dauerleistung bei rund 30 W gelegen haben. Steinabbau: Der Steinabbau zur Gewinnung von Steinmaterial für das Kernmauerwerk einer Pyramide erfolgte vorrangig in offenen Steinbrüchen, die in unmittelbarer Nähe der Pyramide angelegt waren, wie geologisch-petrographische Untersuchungen in Gisa gezeigt haben. Die Entfernung zwischen Bauplatz und den umliegenden Steinbrüchen betrug dort etwa 300-400 m; diese Entfernung wird in der nachfolgenden Berechnung als maximale Transportstrecke in der horizontalen Ebene für die Fortbewegung der Kernmauerwerksteine angesetzt. Das Abbauverfahren in diesen örtlichen Steinbrüchen ist heutzutage an den vorhandenen Felsrinnen, die sich vor der nördlichen Seite der Chephren-Pyramide befinden, noch sichtbar. Dieses Gitternetz wird von Felsrinnen gebildet, die sich rechtwinklig schneiden. Sie waren mit 55-65 cm ausreichend breit, dass ein Arbeiter darin sitzend arbeiten konnte. Mit einem einfachen Werkzeug, das im Allgemeinen aus einer Art Diorit-Faustkeil bestand, an dem ein Stock als Stiel angebunden war, schlug der Steinmetz in den Felsen. Es wurden gleichzeitig Hunderte von Felsblöcken für das Kernmauerwerk an vier Seiten freigelegt. Die Dicke der Gesteinsblöcke und damit die Tiefe der waagerecht liegenden Gräben war durch Mergelschichten begrenzt, die heute noch an der Sphinx sichtbar sind. Dadurch konnte in den Steinbrüchen mit Mergelschichten auf die mühsame Untergrabung der Gesteinsblöcke verzichtet werden, und die freigelegten Blöcke konnten im entscheidenden Moment ausgehebelt werden.
Resümee

Mit den damals zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln kann pro Tag und Mann ein Aushub im Kalkgestein von maximal 0,06-0,07 m³ angesetzt werden. Bei einer Grabenbreite von 60 cm würde demnach ein Mann unter der Voraussetzung einer vorhandenen Mergelschicht 24 Tage für den Abbau von 1 m³ benötigen. Dies ergibt spezifische Arbeiterleistung für den Steinabbau von 24 Manntagen/m³.

Links, Kairo/Gisa: Südwand des Mykerinos-Steinbruchs, gut erkennbar die Mergelschichten. Rechts, Kairo/Gisa: Die Mergelschichten an der Sphinx.

Der waagerechte Steintransport anhand historischer Quellen

Der Steintransport im Pyramidenbereich erfolgte größtenteils durch Menschenhand auf präparierten Wegen, bei schweren Blöcken und Statuen mit Hilfe von Holzschlitten. In den zerklüfteten Steinbrüchen im Umkreis der Pyramiden können Zugtiere als Transporthilfe ausscheiden. Quellenmaterialien aus dem Alten Reich bezüglich ,des Transportes von Gesteinsmaterial im Rahmen des Pyramidenbaus mit Angaben dazu, wie viele Arbeiter dort beschäftigt waren, liegen uns nicht vor. Daher wird im Folgenden auf Quellen aus dem Mittleren und Neuen Reich zurückgegriffen.
A) Grab des Djehuti-Hetep, Inschrift (12. Dyn.)

Aus dem Calcit-Alabastersteinbruch von Hatnub ist uns durch eine Inschrift aus dem Grab des Djehuti-Hetep der Transport einer Kolossalstatue überliefert. Diese 9 Ellen lange und 14 Ellen hohe Statue wurde demnach mit Seilen auf einem Holzschlitten befestigt und von 172 Mann gezogen. Ein Mann auf der Vorderkante der Statue gießt Wasser zur Verringerung der Reibung auf die Bahn. Das Gewicht der Statue kann infolge unserer Berechnungen mit 58 t veranschlagt werden. Die Muskelkraft eines Arbeiters kann maximal 18 kg betragen haben. Größere Muskelkräfte würden bereits nach längerer Zeit zu schweren Rückenschäden führen. Aus diesen Angaben lässt sich, resultierend aus dem Kräftegleichgewichtsansatz, mit Hilfe der ersten Formel ein Gleitreibungskoeffizient von 0,05 μ bestimmen.

Deir el-Berscha: Kolossalstatue, Transport mit Transportschlitten, Grab Djehuti-Hetep, 5 km nördlich von Tell el-Amarna entfernt.

B) Der Steintransport aus dem Wadi Hammamat
Von einer Expedition zur Beschaffung von Bausteinen aus dem Wadi Hammamat ist überliefert, dass dort für den Transport von zehn Sitzstatuen von je 5 Ellen Länge 2000 Mann eingesetzt wurden. Überträgt man dies auf die Sitzstatue im Grab des Djehuti-Hetep, so erhält man für eine Sitzstatue ein Gewicht von rund 38 t. Das Gesamtgewicht aller Statuen betrug damit 380 t. Formel 1 liefert für dieses Transportproblem einen Gleitreibungskoeffizienten von ca. 0,1 My. Die meisten und aussagekräftigsten Inschriften stammen aus dem Mittleren Reich (11. Dyn.) die Aussagen wieviel Arbeiten eine schwere Statue gezogen haben.
Resümee:

Der Gleitreibungskoeffizient lag für den geschilderten Transport zwischen 0,05-0,1 My. Der untere Grenzwert von 0,05 My entspricht dem Fall „Holz auf feuchter Lehmziegelschicht“. Wege dieser Art sind nur für kurze Strecken denkbar. Die Anzahl der Arbeiter pro gezogene Tonne Gewicht bzw. pro Kubikmeter transportiertem Volumen liegt aufgrund der geringen Gleitreibung in diesem Fall bei 3-5 Mann/t bzw. 8 Mann/m³. Transporte aus den Steinbrüchen des Wadi Hammamat zum Niltal erfolgten in der Regel auf sorgfältig angelegten Wegen, wobei Rinnen in den Geländekanten mit Schotter oder Lehm ausgefüttert waren. Transportwege aus Nilschlammziegeln können aufgrund der langen Wegstrecke von 95 km ausgeschieden werden. Somit ist der Gleitreibungskoeffizient von 0,1 My als realistisch zu betrachten. Er steht für den Fall „Gleitreibung zwischen Stein und sandiger Steinplatte. Darüber hinaus liefert die zweite Quelle ein Verhältnis von 5 Mann/Tonne, bzw. 13 Mann pro Kubikmeter zu transportiertem Gewicht. C) Der Steintransport aus dem Wadi Hammamat
Eine weitere Quelle aus dem Wadi Hammamat spricht von einem Transport von 80 Steinen, die in 14 Tagen zum Nil transportiert wurden. Hierbei kamen 4500 Arbeiter zum Einsatz. Geht man nun von 13 Mann pro transportiertem Kubikmeter Gestein aus, so wird das Gesamtvolumen der Steine in diesem Fall ca. 350 m³ betragen haben. Der Transportweg aus dem Wadi Hammamat zum Niltal betrug rund 95 km. Die Transportgeschwindigkeit lag damit bei 6,8 km/Tag.
Resümee

Die dritte Quelle liefert somit „Leistung = Kraft x Transportgeschwindigkeit“ die Arbeitsstunden pro Tag (vgl. dazu Tab. 1). Es wird ein realistischer Arbeitstag von elf Stunden ermittelt.

Tabelle 1: Arbeitsleistung pro Tag in Abhängigkeit vom Reibungskoeffizienten

Darüber hinaus liefert die Quelle drei eine spezifische Arbeitsleistung für den Transport in der Ebene von etwa 180 Manntagen/m³ bei einer Wegstrecke von 95 km. Diese Korrelation zwischen spezifischer Arbeitsleistung und Wegstrecke wird im Weiteren für den Steintransport beim Pyramidenbau zugrundegelegt. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Expeditionen zu den Steinbrüchen Oberägyptens ähnlich organisiert waren wie die Steintransporte beim Pyramidenbau. Bei einer mittleren Transportstrecke von 350 m im Fall der Cheops-Pyramide ergibt dies eine spezifische Arbeitsleistung für den Transport in der horizontalen Ebene von 0,7 Manntagen/m³. Bei einem Arbeitstag von elf Stunden benötigte demnach eine Gruppe von 13 Mann für einen Kubikmeter Gestein etwa 40 Minuten für eine Strecke von 359 m auf der horizontalen Ebene. Steintransport auf der schiefen Ebene
Die Arbeiterzahl pro Tonne für den Transport der Gesteinsblöcke auf einer schiefen Ebene kann mit dem Neigungswinkel „a“ und dem Gleitreibungskoeffizienten „μ“ berechnet werden (siehe dazu Tab. 2).

Es werden Bestimmung der spezifischen Arbeitsleistung und der Arbeitsanzahl für den Transport von Gesteinsblöcken in der schiefen Ebene zwei Teilstrecken untersucht:
Fallbeispiel 1: Wegstrecke vom Steinbruch zur Pyramide (Mittel-350 m, Steigung: 10°, μ: 0,1) Hierbei wird von einem Steigungswinkel von max. 10° (= 18 % Steigung) und einer Transportlänge von 350 m ausgegangen. Mit der oben aufgeführten Formel 2 erhält man 15 Mann/t zu ziehendem Gewicht (a = 10°, FA = 18 kg) und damit die Dreifache Anzahl an Arbeitern im Vergleich zu einer waagerechten Strecke. Daraus ergeben sich 2,5 Manntage/m³.
Fallbeispiel 2: Die Wegstrecke über die Kantenlänge zum Pyramidenplateau (Mittel-65 m, Steigung: 52°, μ: 0,1) Diese Teilstrecke besteht aus „Treppenrampen“ mit einem Winkel von 52° und entsprechend damit dem Basiswinkel der Cheops-Pyramide. In diesem Fall ziehen die Arbeiter die Steine über die grob behauende Außenverkleidung. An jeder Pyramidenschicht wird ein Balken unter den Stein gelegt, damit die Seilmannschaft die nächste Pyramidenschicht empor steigen kann. Der mittlere Gleitweg beträgt unter diesen Bedingungen etwa 65 m. Nach Gleichung 2 ergibt dies 47 Mann/t zu ziehendes Gewicht (a = 52°, FA = 18 kg). Somit wird in der schiefen Ebene (a = 52°) das Zehnfache an Arbeitern gegenüber der waagerechten Ebene benötigt. Für den Transport werden demnach bei einer Streckenlänge von 350 m 7 Manntage/m³ benötigt. Aufgrund einer verkürzten Wegstrecke im Mittel von 65 m ergibt sich daraus eine spezifische Arbeitsleistung von 1,5 Manntagen/m³.
Resümee: Steinabbau und -transport
Die spezifische Arbeitsleistung für den Transport eines Gesteinsblockes vom Steinbruch bis zum Pyramidenplateau ergibt sich aus der Addition des 1. und 2. Falles mit 4 Manntagen/m³. Dieses Ergebnis stellt den Idealfall dar, in mdem an der Schnittstelle „Pyramidenunterkante“ die Transportmannschaft von 15 Mann auf 47 Mann/t erhöht wurde. Realistisch ist der Fall, dass eine Mannschaft von 47 Mann/t den Gesteinsblock vom Steinbruch bis zum Pyramidenplateau transportiert hat.
Die spezifische Arbeitsleistung beim Steinabbau beträgt 24 Manntage/m³, während sie für den Transport vom Steinbruch zum Pyramidenplateau 6 Manntage pro m³ ist. Der Vergleich der Leistung zeigt uns, dass im Steinbruch vier Mal so viel Arbeiter beschäftigt waren, als man für den Transport benötigte. Spezialisten, die die
Blöcke bearbeiteten und verlegten, sind in dieser Berechnung noch nicht berücksichtigt worden. Ausgrabungen durch Prof. Dr. Rainer Stadelmann an der Roten Pyramide in Dahschur haben gezeigt, dass in zwei bis drei Jahren die Pyramide bereits um gut 11-12 m gewachsen war. Damit waren in dieser Zeit bereits ein Fünftel der Grundmasse verlegt. Unter der Voraussetzung einer ganzjährigen Arbeitsphase ergibt dies ein mittleres Transportvolumen von ca. 500 m³/Tag. Diese immense Tagesleistung ist mit Sicherheit über die gesamte Pyramide nicht zu gewesen aufgrund des wachsenden Transportproblems mit steigender Höhe und der immer schlechter werdenden Abbausituation im Steinbruch. Die Gesamtarbeiteranzahl berechnet sich nach Formel 3; nicht enthalten sind Spezialisten, die für die Verlegung der Gänge und den Kammerbau benötigt wurden.

Anzahl der Arbeiter
Damit ergibt sich eine Arbeiteranzahl für Transport und Steinabbau von ca. 15.000 Mann. Dabei entfallen 12.000 Arbeiter auf den Steintransport und 3000 Arbeiter auf den Transport. Die Gesamtzahl der Arbeiter im Pyramidenbereich wird etwa bei 20.000 gelegen haben (je 1000 Mann für die Versorgung mit Bekleidung und Nahrungsmittel, für Steinmetzarbeiten an den zu bearbeitenden Böcken sowie für Werkzeuge und sonstige Aufgaben und 2000 Mann für den Transport der Steinblöcke zum Pyramidenplateau). Kleidung trugen die Arbeiter dabei bis auf Sandalen keine. Nicht außer Acht gelassen werden darf die Arbeitsleistung der Frauen, die kochten, sowie die jüngeren Kinder, die im Fruchtland Wasser holten und ihren Vätern, Onkeln, und Brüdern die Verpflegung brachten.
Bauzeit
Die Annahme eines Pyramidenwachstums von 500 m³/Tag ergibt für die Cheops-Pyramide mit 330 Arbeitstagen (die Woche hatte zehn Tage) eine Bauzeit von 16 Jahren. Nicht berücksichtigt bei dieser Bauzeit ist allerdings die arbeits- und zeitintensive Errichtung der Rosengranitkammern und des Gangsystems sowie anfallende Zusatzarbeiten wie Nivellierung, Ausrichten und Glätten der Außenverkleidung. Für diese Arbeiten können nochmals 50 % der errechneten Bauzeit veranschlagt werden. Damit ergibt sich allein für die Pyramide eine Bauzeit von ca. 24 Jahren. Darüber hinaus mussten der Tal- und Opfertempel, die Umfassungsmauer, die Mastabas und Pyramiden der Angehörigen errichtet werden. Hierfür können weitere mindestens 5-6 Jahre veranschlagt werden. Dies ergibt eine Bauzeit für den Pyramidenkomplex des Cheops von ca. 30-31 Jahren. Dies korreliert mit der Regierungszeit des Cheops, die ca. 35 Jahre betrug. Daraus lässt sich schließen, dass der Pyramidenbezirk des Cheops der einzige war der in dieser Zeit komplett fertig erstellt wurde.
Bau des Assuan-Staudamms

Der Pyramidenbau wird oft mit dem Bau des ersten Assuan-Staudammes gegen Ende des letzten Jahrhunderts verglichen. Hierbei wurde, wie vor 4500 Jahren, fast ausschließlich Menschenkraft für den Steinabbau und den Transport eingesetzt. Bei der Verlegung jedoch kamen Kräne zum Einsatz, mit deren Hilfe man die Steine an in die jeweils vorgesehene Position hebeln konnte. Die hierfür erforderliche spezifische Arbeitsleistung müsste demnach geringer als 30 Manntage/ m³ gewesen sein. Der Bau des Staudamms erfolgte ab Mitte 1898 bis zum November 1902, also 4,5 Jahre bei etwa 280 Arbeitstagen/Jahr. Zum Einsatz kamen dabei 25.000 Arbeiter. Das Volumen des Staudammes beträgt 1,2 Millionen m³. Dies ergibt eine spezifische Arbeitsleistung von 26 Manntagen/m³. Damit ist die Arbeitsleistung an der Cheops-Pyramide (30 Manntage/m³) mit der beim Bau des ersten Assuan-Staudammes in etwa gleichzusetzen. Diese Leistung der Menschen vor 4500 Jahren, die trotz fehlender Hebekräne und Stahlmeißel fast die gleiche Arbeitsleistung erbrachten, ist allein dem Glauben zuzuschreiben, und es ist zutreffend zu sagen: „Glaube versetzt Berge“

9. Bericht (01.8.2019) Die Steinbearbeitung an den Pyramiden von Gisa

Die Ägypter hatten mit der Steinmetzkunst bereits lange vor dem Pyramidenbau Erfahrung. Zu Beginn der frühdynastischen Zeit wurden kleinere Gegenstände aus Granit und Basalt massenweise hergestellt. Man besaß bereits Bohrwerkzeuge zum Aushöhlen von Gesteinskörpern und für die Steinbearbeitung Hämmer und Poliersteine, um die Oberfläche durch Klopfen und Reiben zu formen und zu glätten. Wie die Bohrspitzen, so waren auch die Werkzeuge ausschließlich Dolerit und Quarzit, also aus Hartgestein gefertigt. Gestaltung und Anwendung veränderten sich in der gesamten Pyramidenzeit nicht. Eines der wichtigsten und am häufigsten vorkommenden Werkzeuge war der Dolerithammer, mit dem die Pyramidenerbauer durch Hacken von Gräben die Steinblöcke für ihre Bauwerke aus dem Kalkstein herausschlugen. Außerdem war der scharfkantig brechende Dolerit, ein basaltisches Gestein aus Assuan, wegen seiner harten Struktur zur Bearbeitung von Hartgestein wie etwa von Rosengranit bestens geeignet. In den Stein verarbeitenden Gebieten Ägyptens finden sich massenhaft abgenutzte und unbrauchbare Steinhämmer. Nicht selten zerbrachen die Steinhämmer auch beim anfänglichen Gebrauch in zwei Hälften; die dabei entstandenen Stücke fanden dann als Poliersteine eine weitere Verwendung. Mit den scharfen Kanten der Steinhämmer bearbeitete man die Oberfläche des Werkstückes oder der Gräben durch Abklopfen von feinen Splittern. Dieser Splitt wurde für die Mörtelherstellung benötigt, der an den Pyramiden in großen Mengen verwendet, insbesondere an der Cheops-Pyramide.

Links: Herstellung der Felsenrinnen, die gestrichelte Linie markiert das Abbauvolumen. Rechts: Schnitt durch die Felsenrinnen

Die heute noch vorhandenen Felsrinnen in den örtlichen Steinbrüchen vor der Nordseite der Chephren-Pyramide (Abbildung 1, 2) geben Aufschluss über das Abbauvolumen. Von dort bezog man wahrscheinlich die gewaltigen Gesteinsblöcke, die zum Bau des Opfertempels des Chephren dienten. Dieses Gitternetz wird von Felsrinnen gebildet, die sich rechtwinklig schneiden. Sie sind mit 55-65 cm so breit, dass die Arbeiter darin sitzend arbeiten konnten. Die Dicke der Gesteinsblöcke und damit die Tiefe der waagerecht liegenden Gräben war begrenzt durch Mergelschichten, die im Steinbruch auf dem Gisa-Plateau noch heute sichtbar sind. Trotz großer Verfügbarkeit auf dem Gisa-Plateau gingen die Baumeister äußert sparsam mit den Baumaterialien um. Sie zogen es vor, in langwieriger Arbeit komplizierte schräge Flächen anzupassen, anstatt überstehendes Gesteins zu Quaderform abzuarbeiten. Jede Verkleidungsblock wurde individuell für eine für diesen im Verband vorgesehene Stelle zugehauen. Besonderer Sorgfalt bedurfte die Verlegung der Eckblöcke, von denen aus die übrigen Außenblöcke gemessen wurden. Zunächst wurden die beiden Seiten bearbeitet, die mit dem vorhandenen Mauerwerk in Berührung kamen. Die zweite Seitenfläche wurde dann beim Anpassen des nächsten Seitenblockes bearbeitet. An der Oberseite geschah dies erst bei der Verlegung der oberen Steinlage. Hingegen blieb die Rückseite unbearbeitet, wobei die Vorderseite erst nach Fertigstellung der Pyramide von der Spitze nach unten geglättet wurde. Eine dünne Kalkschicht zwischen den Fugen sollte vermutlich für eine bessere Gleitfähigkeit sorgen. Das grobe Kernmauerwerk wurde verwendet, so wie es im Steinbruch hergestellt wurde, und nur die Höhe der Steine wurde an die Schichthöhe der Pyramide angepasst. In Mittelägypten, in der Nähe von Minia, befindet sich der Steinbruch von Tehna. Hier liegen im Steinbruch noch komplett fertig aus dem Fels herausgeschlagene riesengroße Blöcke (Abbildung 3). Warum der Abtransport nicht erfolgte, ist unbekannt. Die untere Felsenkammer in der Cheops-Pyramide ist komplett aus dem Felsmassiv geschlagen worden und liegt 30 m unter dem Pyramidenniveau. Die unfertige Felsenkammer hat eine Grundfläche von 120 m². Decke und Seitenwände sind fertig und auf dem Kammerboden befinden sich große, noch nicht abgetragene Felsstücke (Abbildung 4, 5). Der 114 m lange, abwärts führende Gang mündet an der Nordseite in die Felsenkammer (Abbildung 6). Die Abbautechnik ist identisch mit jener der Steinblöcke, zunächst wurden Rinnen geschlagen und anschließend folgt der Abbruch. Der unfertige Obelisk im südlichen Steinbruch von Assuan (Abbildung 7) wiegt ca. 1000 t. Im Steinbruch von Saujet el-Meitin liegt eine unfertige Kolossalstatue mit einem Gewicht von 4000 t (Abbildung 8)

7. Bericht (01.8.2019) Steinbrüche

In vor dynastischer Zeit bis zur 2. Dynastie waren Steinbrüche unbekannt. Bei den ersten Großbauten in Abydos wurden als Baumaterial ausschließlich Lehm und Holz verwendet. Als der Regierungssitz von Oberägypten nach Memphis verlegt wurde und die Könige ihre Mastabas am westlichen Wüstenrand errichteten, war Lehm der vorrangig genutzte Baustoff. Nur vereinzelt wurde auch Stein in den Lehmziegel-Mastabas verwendet, etwa bei Fallsteinen. Das änderte sich, als Djoser in der 3. Dynastie Pharao wurde. Unter ihn kam es zu einem Quantensprung in der Pyramidenbautechnik. Unserer Meinung nach gab es hierfür nur eine Möglichkeit. Die Oberägypter waren Jäger und der Kornanbau war ihnen unbekannt. Doch brachten die Ägypter aus dem Nildelta, das Saatgut aus dem vorderen Orient mit, und früh entwickelte sich eine Bauernkultur im Nildelta. Als Djoser einen Großteil des Nildeltas eroberte, waren die dort zu zahlenden Abgaben so groß, dass er davon eine hauptberufliche Handwerksgilde unterhalten konnte. Dazu kamen die Eroberung des Sinai und die dazugehörigen Kupferminen hinzu.

Steinbruch Assuan Ost: Nördlich der Stadt, am Ostufer, liegt der Granitsteinbruch mit dem bekannten, 1.168 t schweren Obelisken. Bekannt geworden sind die Assuan-Steinbrüche aufgrund des dort befindlichen Hartgesteins, dem Rosengranit. In der Abbildung links sieht man den Graben, der mit Diorithämmern ausgeschlagen wurde. An der Spitze des Obelisken werden die wellartigen Spuren der Diorithämmer sichtbar und ein langer Riss durch den Obelisken. Ebenso spektakulär ist die rechte Abbildung. Hier ist zu sehen, dass ein Obelisk bereits abtransportiert wurde und man kann die Spuren sehen, die Diorithämmer unter einem Obelisken erzeugen. Gleich vor Ort wurden Obelisken, Statuen und Sarkophage im Rohzustand bearbeitet; die endgültige Fertigstellung erfolgte vermutlich erst am Aufstellungsort. Südlich des Obelisken befinden sich noch weitere, nicht fertiggestellte Objekte wie etwa eine große Statue, Sarkophage, eine Kolossalfigur und eine 6 m hohe Osiris-Figur.

Steinbruch Assuan Ost: Links, Der im Steinbruch noch vorhandene 1.168 t schwere Obelisk. Rechts, Die Spuren eines bereits abtransportierten Obelisken

Steinbruch Assuan West: Der Steinbruch liegt hinter dem Gräberberg und nördlich des Simeonsklosters. Das Einmalige an diesem Steinbruch: Hier sind noch 2000 Jahre alte, sehr gut erhaltene Transportstraßen zu sehen; der gute Erhaltungszustand erzeugt den Eindruck, diese seien erst gestern verlassen worden. Ebenfalls sind hier ein unfertiger Obelisk zu sehen und eine abgebrochene Obelisken-spitze. An einigen Stellen können noch die Graffitis der Arbeiter betrachtet werden.

Steinbruch Assuan West: Die nach 2000 Jahren noch sichtbaren Transportwege

Steinbruch Tura (Kairo): Angrenzend an das kleine Dorf Tura auf der Ostseite des Nils liegt ein riesiges Korallenriff. Hier holten sich die Pharaonen ihre schneeweißen Verkleidungssteine für die Pyramiden, Statuen, Scheintüren usw. Noch heute wird der Tura-Kalkstein abgebaut. Das Dorf Tura jedoch sucht man heute vergebens, es ist von der Stadt Kairo überbaut worden.

Steinbruch Tura (Kairo): Die heutigen Steinbrüchen, aus denen die Verkleidungssteine der Pyramiden stammen, sind noch in Betrieb.

Steinbrüche Dschabal as-Silsila: 60 km nördlich von Assuan liegen auf dem West- und Ostufer die Sandsteinbrüche von Dschabal as-Silsila. Vor Jahrmillionen bildete sich hier ein gewaltiger Sandsteinberg, der vom Nil in zwei Hälften geteilt wurde.

Steinbruch Ost: Diese Seite besticht durch ihre gewaltigen Kammern, die durch den Abbau des Gesteins Untertage entstanden sind. Über den gesamten Steinbruch verteilt finden sich zahlreiche unfertige Statuen. Einmalig in ganz Ägypten ist wohl das noch gut erhaltene Hafenbecken, das nur bei Flut befahrbar war und vor 1000 Jahren verlassen wurde.

Dschabal as-Silsila: Steinbruch Ost. Links, Eingang zu einem gewaltigen Tunnelsystem (Höhe bis zu 8 m). Rechts, gut erhaltener Trockenhafen, der nur bei Flut befahrbar war.

Steinbruch West: Der Felsentempel von Ramses II. ist für einen Steinbruch sehr beeindruckend. Verehrt wurden hier die Götter Amun, Mut und Chons. Ferner sind 28 herrlich bemahlte Felsenkapellen am Nilufer errichtet.

Steinbruch West: Der Felsentempel von Ramses II.

Steinbruch West: Der Felsentempel von Ramses II und eine Felsenkapelle im Steinbruch.

Alabaster-Steinbruch El-Qawatir: In Mittelägypten, östlich von Minia liegen die größten ägyptischen Alabastervorkommen. Im Gelände befinden schmale Erdspalten, aus denen die Arbeiter den Calcit-Alabaster herausholten.

Alabaster-Steinbruch El-Qawatir: Leere Alabaster-Erdspalten; Gefäße aus Alabaster befinden heute in vielen Museum.

Die folgenden Steinbrüche liegen am Ostufer des Nils in Höhe der Stadt Minia. Sie erstrecken sich über eine Länge von 30 km entlang des Nils. Die Steinbrüche sind in Reihenfolge ihrer Lage aufgeführt, beginnend mit dem am nördlichsten gelegenen Steinbruch.

Steinbruch El-Mihashan: Das Volumen der Steinblöcke, die in diesem eindrucksvollen Steinbruch im Laufe der Zeit (NR 1551-1075 v. Chr.) abgebaut wurden, ist gewaltig. Den Spuren am Boden nach muss der Berg bis zu einer Tiefe von 500-600 m und einer Länge von 400 m abgebaut worden sein.

El-Mihashan: Die Breitseite des Steinbruchs von 400 m, parallel zum Nil gelegen

Steinbruch El-Saweita: Nur noch eine Felsnase ragt aus dem imposantesten Steinbruch Ägyptens hervor. Hier wurde eine Fläche von ca. einem Quadratkilometer mit einer Höhe von 10-20 m abgebaut. In der stehenden Felsnase errichteten Arbeiter eine Felsenkapelle.

El-Saweita: Im Steinbruch stehengebliebener Felsen und die Kapelle die in der Felsnase eingebaut wurde.

Steinbruch Deir el-Adra: Vor dem Kloster el-Adra liegt ein schneeweißer Steinbruch wie in Tura. Es handelt sich hier aber nicht um ein Korallenriff, sondern um Muschelkalk. Im Kloster liegt die Grotte, in die die heilige Familie geflüchtet sein soll. Über diese Grotte ist eine gewaltige Kathedrale gebaut worden, zu der jeden Juli bis zu zwei Millionen Christen und Muslime pilgern.

Deir el-Adra: Steinbruch aus Muschelkalk und die in der Nähe liegende Kathedrale von el-Adra.

Steinbruch Acoris: Südlich der antiken Stadt Acoris liegt ein Steinbruch der besonderen Art. In diesem Steinbruch liegen Blöcke, Säulenfundamente und Kapitelle, allesamt für den Abtransport bereit. Noch sehr schön erkennbar ist die Abbaumethode. Wahrscheinlich waren diese Baumaterialien für die antike Stadt Acoris bestimmt.

Steinbruch Acoris: Links, hier liegen Blöcke, Säulenfundamente und Kapitelle, allesamt für den Abtransport bereit. Rechts, Blick vom Steinbruch in nördliche Richtung, hinter dem Tafelberg liegt die antike Stadt Acoris

Steinbruch Saujet el-Meitin/Sawada: Die Besichtigung von Saujet el-Meitin mit Pyramide, Tempel und Gräbern ist archäologisch sehr interessant. Vor allem da 3 km nördlich beim Dorf Sawada sich in einem Steinbruch eine Sensation befindet: Ein komplett freigelegter, 4000 t schwerer Steinblock für eine Kolossalstatue. 100 m weiter liegt ein ähnlicher, 2000 t schwerer Block.

Saujet el-Meitin: 4000 t schwerer Steinblock für eine Kolossalstatue. (Zeichnung nach Rosemarie Klemm, München)

Steinbruch Gisa-Plateau

Steinbruch Gisa-Plateau: Als Cheops nach dem Tod seines Vaters Snofru Pharao wurde, wählte er unmittelbar nach seinem Regierungsantritt das Hochplateau von Gisa für den Bau seines Jenseitspalastes aus. Hier gab es einen idealen Baugrund aus Muschelkalkgestein und genügend Steinmaterial für sein Bauwerk. Die günstige Wahl des Standortes mit dem in unmittelbarer Nähe liegenden und gut abbaubaren Kalkstein bildete die Basis für die gigantischen Leistungen der damaligen Bauhandwerker.
Steinbrüche Cheops – Steinbruch I (ca. 120.000 m²)

Der erste Steinbruch für die Cheops-Pyramide lag um die Pyramide herum bzw. es handelte sich um den späteren Standort der Pyramide. Unter der Pyramide wurde ein Felskern belassen, der vermutlich abgestuft wurde. Der Transport der von Steinblöcken, die von außerhalb herangeschafft werden mussten, (Tura-Gestein / Rosengranit) erfolgte über die Rampe am Nordhang. Möglich wäre, dass das heute noch sichtbare Fundament des Aufweges zuerst als Transportrampe für die Steinblöcke benutzt wurde. Untersuchungen haben gezeigt, dass der an der Rampe liegende Steinbruch für den Pyramidenbau benutzt wurde.
Steinbrüche Cheops – Steinbruch II (ca. 280.000 m²)
Der zweite Steinbruch umschließt die Pyramide von allen Seiten. Mit Ausnahme der Nordseite ist es annähernd die Fläche, auf der später die Mastabas und die Königinnen-Pyramiden errichtet wurden. Verständlicherweise wurden die Nord- und Nordostseite nicht bebaut, da der Transport der Steine über diese Seite erfolgte. Einen Teil des früheren Geländeverlaufs kann man zwischen der Cheops- und Chephren-Pyramide heute noch erkennen. Ausgehend von einer durchschnittlichen Abbauhöhe von 3 m in den Steinbrüchen I und II hätte man mit der damit zur Verfügung stehenden Steinmenge eine ca. 28 m hohe Pyramide errichten können. Das würde bedeuten, dass etwa die Hälfte des Pyramidenvolumens (1,2 Mio. m³) aus den Steinbrüchen I und II stammt.
Steinbrüche Cheops – Steinbruch III (ca. 240.000 m²) Cheops ließ die Abbrucharbeiten in südlicher Richtung fortsetzen. An der Ostseite des Steinbruchs III senkten die Baumeister das Gelände tiefer ab als im westlichen Teil, da sich die Mergelschichten bis zum Niltal senken. Die noch benötigten Gesteinsblöcke von 1,2 Mio. m³ für die Pyramide, sowie weitere ca. 1 Mio. m³ für die anderen Bauten, wurden dem Steinbruch III entnommen. Nach unseren Berechnungen ist das entnommene Gesteinsvolumen ca. 2,2 Mio. m³ und hat somit das Gelände im Bereich der Sphinx um ca. 10 m gesenkt. Nach unseren Berechnungen müsste jedoch die tiefste Stelle des Steinbruchs III oberhalb der Sphinx gelegen haben. Und danach kann Cheops nicht der Schöpfer der Sphinx sein. Außerdem ist der Gesteinsblock der Sphinx so aus dem Felsen geschlagen, dass das daneben liegende Fundament des Chephren-Aufweges berücksichtigt wurde. Diese Gesteinsarbeiten konnte nur jemand veranlassen, der die Konzeption des Aufweges kannte. Nach Lage, Ausrichtung und Gesteinsformation der Sphinx zu urteilen war mit größter Wahrscheinlichkeit Chephren der Erbauer.
Steinbrüche Chephren – Steinbruch I (ca. 150.000 m²)
Chephren errichtete wie auch sein Vater Cheops seinen ersten Steinbruch im Bereich der Pyramide. Wie bei der Cheops-Pyramide ließ man einen Felskern stehen, der an der südwestlichen Pyramidenecke noch sichtbar ist. Wie hoch man den Felskern in Inneren der Pyramide stehen ließ, ist bisher nicht bekannt. Der Steinbruch im Pyramidenbereich wurde in südlicher Richtung erweitert.
Steinbrüche Chephren – Steinbruch II (ca. 240.000 m²)
In diesem bereits von Cheops verwendeten Steinbruch förderte Chephren seinen Hauptanteil an Gesteinsblöcken für das Kernmauerwerk der Pyramide. In Gisa verwendete Chephren zum ersten Mal für die unteren Schichten der Verkleidungsblöcke Rosengranit. Die Frage, auf welchem Transportweg die Blöcke von anderen Steinbrüchen angeliefert wurden, ist schwieriger zu beantworten als bei Cheops. Es besteht die Möglichkeit, dass dieser hinter dem Cheops-Bezirk (damals waren noch keine Mastabas vorhanden) am heutigen Mena House vorbeiführte. Dies spricht dafür, dass der Baumeister von Cheops, Hem Iunu, 100 m von der Pyramide entfernt sein Mastaba errichtete.
Steinbrüche von Mykerinos – Steinbruch I (ca. 150.000 m²)
Wie für die vorherigen Herrscher war auch für Mykerinos die Egalisierung des Geländes im Pyramidenbereich wahrscheinlich der erste Bauschritt. Durch die starke Versandung in der Umgebung der Mykarinos-Pyramide lassen sich heute nur noch wenige Bearbeitungsspuren am Gelände festzustellen. Das Fundament des Aufweges, das zum Teil aus dem Felsen geschlagen wurde, lässt die Überlegung zu, dass die Steinbrüche in östlicher Richtung neben dem Aufweg lagen. Ferner kann man annehmen, dass Mykerinos den Steinbruch seines Vorgängers Chephren weiterhin benutzte.
Resümee

Die versetzte Anordnung der Pyramiden war eine Notwendigkeit. So errichteten die Nachfolger ihre Bauten so nah wie möglich an der Westseite des Steinbruchs des jeweiligen Vorgängers, um die Wege so kurz wie möglich zu halten. Die Vermutung, dies könne mit einer Sternenausrichtung zusammenhängen, erscheint damit haltlos.

Aussehen des Gisa-Plateaus als die Cheops-Pyramide begonnen wurde.

Die Gisa Steinbrüche und der Steinabbau. 7. Bericht (01.8.2019) Der Steintransport an den Pyramiden von Gisa Der Steintransport im Bereich der Gisa-Pyramiden

7. Bericht (01.8.2019) Der Steintransport an den Pyramiden von Gisa

Die Steinblöcke aus schneeweißem Tura-Kalkstein für die Pyramidenverkleidung sowie für die Gang- und Kammersysteme wurden aus den Steinbrüchen auf der anderen Nilseite herausgeschlagen. Ein Graffiti aus den Steinbrüchen zeigt, wie Männer mit vor einen Schlitten gespannten Rindern einen großen Block aus dem Steinbruch ziehen. Diese Transportmöglichkeit ist sowohl für die großräumigen Tura-Steinbrüche als auch für den langen Transportweg zum Nil gut vorstellbar im Gegensatz zu den engen zerklüfteten Steinbrüchen um den Pyramidenbereich. Die Steinblöcke wurden nach unserem Erachten ausschließlich durch Menschenhand zur Pyramide bewegt. Vom anderen Nilufer beförderte man die Blöcke mit Booten. Das gleiche Transportverfahren wurde auch bei den Rosengranitblöcken aus den Steinbrüchen bei Assuan sowie bei jenen in geringerem Umfang gelieferten Blöcken aus Mittelägypten angewandt. Der Steintransport vom Pyramidenbezirk hoch zu den einzelnen Gesteinsschichten beschäftigte von jeher Forscher und Wissenschaftler. Die genauen Arbeitsvorgänge sind bis heute nicht bekannt, da bisher noch keine entsprechenden bildlichen und schriftlichen Zeugnisse bzw. archäologischen Beweise entdeckt wurden. Vor dem Hintergrund, dass innerhalb eines so kurzen Zeitraums ein solch Steintransport in einer solchen Größenordnung erfolgte, lässt jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit vermuten, dass
• der Transport ohne die Errichtung zusätzlicher Bauwerke (mit Ausnahme von Lehmziegelstraßen und kurzen Lehmziegelrampen an den Pyramiden [vgl. dazu auch Modellbau]) erfolgte;
• die Transportseile, betrachtet man die Fertigungstechnik jener Zeit, nur kurz gewesen sein können und nicht, wie so häufig zu lesen ist, über die gesamte Länge der Pyramidenschräge reichten (vgl. etwa die Länge von 186 m bei der Cheops-Pyramide);
• der Transport über alle vier Pyramidenseiten erfolgte, wobei die Transportkolonnen dicht nebeneinander hochgingen. Ansonsten wäre der Transport von durchschnittlich 270 Steinblöcken am Tag in so kurzer Zeit nicht zu bewältigen gewesen;
• die Außenfläche der Verkleidungsblöcke von außen unbearbeitet verlegt und später erst von oben herab geglättet wurden. Diese Art Treppe diente den Arbeitern als Aufweg zum Pyramiden-Plateau und als Transportrampe; nur im unteren Bereich der Pyramide gab es zahlreiche 10-15 m hohe Rampen. Drei solcher Rampen wurden an der Südostecke der Cheops-Pyramide freigelegt

Luxor Karnak-Tempel: Links, Kapelle Sesostris I. (12. Dyn.) mit Treppenrampe. Rechts, Saujet el-Arjan: Treppenrampe im Grabschacht des Pharao Baka (4. Dyn).

Auf Grundlage der vorgenannten Aspekte besteht die Möglichkeit, dass der Transport mit Hilfe von Treppenrampen erfolgte. Solche sind bereits in den Mastabas der 1. Dynastie bekannt und wurden bis zur Spätzeit in Pharaonengräbern, Tempeln, Palästen und Kultanlagen verwendet. In der Pyramide des Snofru führt eine 63° steile, 18,5 m hohe Treppe von der Vorkammer in die Grabkammer der Knickpyramide. Bei den seitlichen Treppenrampen lag die Treppe in der Mitte bzw. in diesem Fall waren zwei seitliche Treppen angebracht. Nachweislich wurden die Treppenrampen in den Tempeln als Transportwege für Barken und in den Gräbern zum Transport der Sarkophage benutzt. Die einzige Treppenrampe, die nachweislich für den Pyramidenbau gefertigt wurde, konnte bei Ausgrabungen im Grabschacht der unfertigen Baka-Pyramide in Saujet el-Arjan freigelegt werden. Pro Tonne Gestein kann auf ebener (und im Idealfall relativ glatter) Fläche eine Zugkraft von drei bis fünf Mann angenommen werden, wie auch archäologische Experimente zeigen. Bei längeren Transportwegen oder beim Hochziehen der Blöcke auf das Pyramiden-Plateau kann diese Anzahl auf das Zehnfache ansteigen. Bei einer Bauzeit von 24 Jahren allein für die Cheops-Pyramide wären dies ca.
270 Steinblöcke pro Tag. Hinzu kommen die umliegenden Bauwerke, Königinnen-Pyramiden, Mastabas, Opfertempel, Taltempel, der Aufweg und die Umfassungsmauer, die mit ca. 1 Mio. m³ Baumaterial anzusetzen sind. Somit kann zusätzlich zu den 24 Jahren Bauzeit für die Pyramide nochmals eine Bauzeit von zehn Jahren für die weiteren Bauwerke angenommen werden. Ein Großteil dieser Bauwerke enthält Beimauerungen aus Abfallstücken der Pyramide, die bei der Glättung der Außenfläche anfielen. So hielten die Baumeister den Steinabfall sehr gering, wie auch die relativ kleine Abfallhalde der Cheops- Pyramide an der Nordseite zeigt. Zudem wurde der Abfall wiederverwendet, da die Steine unter großem Aufwand herangeschafft werden mussten. Es ist anzunehmen, dass mit dem Bau der umliegenden Bauwerke begonnen wurden, als die Pyramidenglättung erfolgte bzw. die Blockschichtung kurz vor der Vollendung war und somit die für die weiteren Arbeiten benötigten Arbeitskräfte von der Pyramide abgezogen werden konnten. Des Weiteren konnten die Bauwerke um die Pyramide nun errichtet werden, ohne dass die Transportwege gleichzeitig für das für die Pyramide benötigte Steinmaterial genutzt wurden.

Die Treppenrampen müssen an allen Pyramiden, für den Transport zum Pyramiden-Plateau vorhanden gewesen sein. Ebenso müssen sie an allen vier Seiten zum Transport gedient haben, sonst kann die enorme Anzahl der verbauten Blöcke nicht erfolgt sein. Nach Fertigstellung der Pyramide wurde von oben herab geglättet. So kann behauptet werden, wenn die unteren Verkleidungsblöcke geglättet sind, ist die Pyramide fertig erstellt worden.

An den nubischen Pyramiden im Sudan, ist an einigen Pyramiden zu sehen, wie von oben geglättet wurde und mittendrin aufgehört wurde. Wahrscheinlich ist der Pharao verstorben und die Nachkommen haben die Pyramide nicht weiter bearbeitet. Eine Besonderheit an den nubischen Pyramiden ist an den Ecken der Rundstab. Diese Ausbildung der Ecken (Ägyptischer Rundstab) wurde von den Ägyptern übernommen, aber die kannten diese Bauform nur an den Tempeln.

Rampen
Nachfolgend einige Anmerkungen zu den verschiedenen in der Literatur die Rampen betreffenden vertretenen Theorien :
• Lehmrampen in dieser Größenordnung sind aus statischen Gründen stark anzuzweifeln.
• Die Baumeister ließen in den Umfassungsmauern der Pyramiden Regenlöcher für die zwar seltenen, aber gewaltigen und blitzartig auftretenden Regenschauern erstellen. Rampen aus Lehmziegeln hätten diesen Naturgewalten wohl kaum standhalten können.
• Berücksichtigt man den Abbau und Abtransport des Materials, so erforderte die Baukonstruktion der Rampen einen größeren Arbeitsaufwand als die Pyramide selbst, da deren doppelt so groß war wie jenes der Pyramide. • Wo findet man die Schutthalden? Die Schutthalde der Cheops-Pyramide am nördlichen Steilhang ist im Verhältnis sehr gering und besteht nur aus Kalkstein.
• Im Bereich der Rampen (Rampe 1) konnten andere Bauwerke wie Opfertempel, Aufweg, Königinnen-Pyramiden und Mastabas erst nach Fertigstellung der Pyramide bzw. dem Abbau der Rampe errichtet werden.
• Bei der Rampenkonstruktion vom Fruchtland her (Rampe 2) müssten die Blöcke vom Plateau herunter transportiert worden sein, um dann anschließend wieder zur Pyramide hochgebracht worden zu sein. Die Pyramide besteht zu 90 % aus diesen Blöcken! Das Volumen diese Rampe übertrifft jenes der Cheops-Pyramide um mehr als das Dreifache. Ein unfassbarer Arbeitsaufwand: Herstellung, Transport, Aufbau, Abbau, Abtransport (8,5 Mio. m³) und zusätzlich noch die Behinderung beim Transport aus der anderen Richtung
• Bei der Rampe, die ins Pyramideninnere führt (Rampe 3), stellt sich die Frage: Was machten die Transporteure des Grundmauerwerks, wenn die Rampe für den riesigen oberen Grabkammerbau der Cheops-Pyramide (Bauzeit ca. drei Jahre) blockiert wurde? Und müsste bei dieser Bauart nicht auch die spätere Beimauerung im Grundmauerwerk zu sehen sein?
• Bei jener Rampe, die die Pyramide umschließt (Rampe 4), wäre es nicht möglich gewesen, die Kanten der Pyramide allein mit den Augen auszurichten.

• Für eine Gruppe, die einen Block mit Seilen zieht, ist eine Richtungsänderung von 90° (Rampe 1 + 4) nicht möglich.
• Außerdem ist es nicht möglich, bei diesen schmalen Transportwegen durchschnittlich 270 Blöcke pro Tag auf das Pyramiden-Plateau zu transportieren. Dies wäre vergleichbar mit einem Treppenhaus, in dem 500 Paketzusteller mit einem Paket die Treppe nach oben und gleichzeitig ebenso viele Zusteller die Treppe nach unten gehen würden.
• Die Lehmrampen müssten mit fast senkrechten Wänden errichtet worden sein, damit auf diesem Weg die Blöcke bis zu 30 Tonnen transportiert werden könnten. Aus statischen Gründen wäre dies allerdings nur mit Modernem Stahlbeton möglich.

Resümee
Glauben versetzt Berge, das haben uns die Menschen der damaligen Zeit bewiesen, jedoch utopische Statiken und Arbeitsleistungen kann auch der größte Glaube nicht bewältigen. Unsere Versuche mit tonnenschweren Blöcken haben gezeigt, dass in einem unebenen Gelände der Transport mit Rollen unmöglich ist. Zudem stand den Ägyptern kein Holz zur Herstellung von Rollen zu Verfügung.

6. Bericht (30.3.2019) Djoser-Pyramide: Süd-Gang zum Grabschacht

1993 wurde der Eingang zu einem der merkwürdigsten und geheimnisvollsten Gänge unterhalb der Djoser-Pyramide freigelegt. Mit der Genehmigung der Behörde durften wir 1998 den Gang vermessen und eine Bauaufnahme vornehmen. Der Gang verbindet den Südhof mit dem Djoser-Grabschacht in einer Tiefe von 4,8 m und ist durchschnittlich 2,9 m breit und 1,85 m hoch. Der in den Fels geschlagene Gang mündet mit einigen Richtungsänderungen an der Südwestecke in den Djoser- Grabschacht. Die ungenaue Bearbeitung des Ganges und die langen Meißel-spuren lassen die Vermutung zu, dass der Gang nicht im Alten Reich, sondern erst im Mittleren Reich oder gar erst im Neuen Reich geschaffen wurde. Dass der Gang von Grabräubern angelegt wurde, kann wohl ausgeschlossen werden, da er für diesen Zweck viel zu groß und aufwendig angelegt ist; auch die eckige Form des Ganges spricht gegen diese Vermuten, sind doch von Grabräubern angelegte Gänge üblicherweise rund und klein. Ferner ist anzunehmen, dass bei der Erstellung des Südzuganges die außermittige Anordnung des Grabschachtes nicht bekannt war. So wurde der Eingang des Südzugangs auf der Mitte der Pyramidenachse angelegt, genauso wie auch der zweite Eingang auf der Nordseite. Wie aus der Zeichnung ersichtlich, erfolgte im hinteren Teil des Ganges eine größere Richtungskorrektur, so dass dieser noch an der äußeren Ecke in den Grabschacht mündete. Bis heute bleibt die Frage offen, welchen Sinn und Zweck dieser Gang hatte. Ist er ein Kult-gang, oder sollte hier eine weitere Bestattung erfolgen? Weiterhin ergeben sich Fragen im Zusammenhang mit den im Gang angeordneten Säulen und Pfeilern. Drei Pfeilern und 20 Säulen, welche mit Steinwerkzeugen grob bearbeitet wurden, sind ungefähr in der Gangmitte und mit unterschiedlichen Abständen aufgestellt. Bis auf einige Ausnahmen besitzen sie einen quadratischen Abakus und ein Fundament gleicher Form. Bei den meisten Stützen besteht der Schaft aus mehreren Teilen. Der Spalt zwischen Decke und Abakus ist mit Kalkmörtel ausgefüllt, wobei eingeschlagene Holzkeile für die nötige Stabilität sorgen. Eine Erklärung wäre, dass die Stützen errichtet wurden, nachdem man in der Felsen-decke die noch heute sichtbaren Risse bemerkte, welche durch das Gewicht der oberhalb liegenden Steinmassen der Pyramide verursacht wurden. Im hinteren Gang-bereich in der Nähe des Grabschachtes stehen zwei Säulen, an denen man zwei geformte Becken im oberen Bereich der Säulen anbrachte. Die mit Fett und Öl gefüllten Becken enthielten einen Docht, der als Lichtquelle diente. Nach unserem Wissen ist die Anbringung einer Lichtquelle mittels eines öl gefüllten Becken an einem Säulenschaft (aus einem Stück) einmalig in der ägyptischen Baugeschichte. Eine weitere Entdeckung machten wir im Gang an einer der vorderen Säulen im Eingangsbereich. Hier enthält ein gerippter Säulenschaft eine Kartusche, deren Pharaonen-Name leider nicht mehr lesbar ist.

Links: Eingang des Südganges unter der Pyramide Rechts: Blick in den Südgang Richtung Ausgang (Süden)

Links: Grabschacht mit den Abdeckblöcken, oberhalb des Mastabas. Die mit Balken errichtete Schachtabdeckung ist zum Teil noch erhalten. Rechts: Aus einem Stück behauene Säule mit Becken für die Lichtquelle.

Links: Gerippte Säule mit Kartusche Rechts: Grabschacht, schön zu sehen, der von Norden schräg einmündender riesengroße Erdschacht der dann ausgemauert wurde (oben eingestürzte Ausmauerung). Unten sieht man den kleinen Gang der zur Grabkammer führte die zerstört und abgetragen ist und nur der Sarkophag steht noch auf dem Schacht-Boden (siehe Zeichnung).

Schnitte und Ansichten Djoser-Pyramide

Schnitte und Ansichten Djoser-Pyramide

Schnitte Djoser-Pyramide

5. Bericht (16.3.2019) Maßangaben von der Cheops-Pyramide

Die Steinschichten der Cheops-Pyramide

Einzelne Schichten der Cheops-Pyramide wurden von uns an den Blöcken der Südostecke gemessen. Die Blöcke werden nach oben hin kleiner (Tabelle siehe unten). Es ist verständlich, dass die Schicht-höhen zur Pyramiden-spitze abnehmen, da der Weg des Hochziehend immer länger und schwieriger wurde. Seltsamerweise wird dieses Prinzip bei 22 Höhenschichten jedoch nicht durchgehalten, da die Schichten an diesen Stellen einen enormen Höhen-zuwachs aufweisen, um dann mit fortschreitender Lage wieder abzunehmen. Die Blöcke des Grundmauerwerks wurden zum größten Teil aus dem Muschel-kalkgestein um die Pyramide gewonnen. Mit Dolerit-hämmern schlug man von oben Rinnen in das Gestein, bis man auf eine horizontale geschichtete Mergel-schicht stieß. Diese Schichten bzw. Risse können heute noch in den Tura-Steinbrüchen besichtigt werden. Am deutlichsten sind die Mergel-schichten an dem Sphinx von Gisa zu beobachten. Die Höhenlage dieser losen Schicht ergab die Gesteins-höhe und somit die Schicht-höhe. Diese Erklärung ist zwar für einige Schichten nicht zutreffend, jedoch ein Beleg dafür, dass es noch andere auswärtige Steinbrüche gegeben haben muss.

Maße von der Cheops-Pyramide

4. Bericht (15.3.2019) SPRENGVERSUCH EINES STEINQUADERS MIT HOLZKEILEN

In unserem ersten Band „Ägyptische Pyramiden“ wird die These aufgestellt, dass Gesteinsblöcke mit angefeuchteten Holzkeilen aus dem Fels gesprengt wurden. Diese in der Literatur häufig vertretene These muss stark angezweifelt werden und wurde anhand eines Versuches überprüft. Aus einem Steinbruch der Nordeifel nahe Aachen entstammt der für diesen Versuch ausgesuchte, 450 kg schwere Kalksteinblock. Die Ritzprobe mit einem Tropfen verdünnter Salzsäure, die beim Auftragen auf den Gesteinsblock mit der Bildung heftigsprudelnder Bläschen reagierte, bestätigte uns, dass es sich um einen Gesteinsblock aus Kalk (Calcit) handelt. Mittels Bohrgerät und Stahlmeißel wurden innerhalb von zwölf Stunden vier Keillöcher in den Versuchsblock eingearbeitet. Die entsprechend der Lochform gefertigten Holzkeile wurden mit einem schweren Vorschlaghammer in die Keillöcher getrieben und mit einer Wasser-Berieselungsanlage hundert Stunden befeuchtet. Drei Sprengversuche mit Holzkeilen verschiedener Art (Zedern, Eichen und Buchenholz) wurden durchgeführt. Zur Anwendung kamen nur trockene Holzkeile, denen zur Optimierung im Ofen bei 100 °C die Restfeuchte entzogen worden war.
Ergebnis:
Trotz eines geringeren Abstandes sowie einer tieferen Einkerbung der Keillöcher gegenüber den üblichen Maßen in den ägyptischen Steinbrüchen kam es nicht zu einer Spaltung des Blockes. Durch diesen Versuch kamen wir zusätzlich zur Erkenntnis, dass die Pyramidenerbauer mit ihren Steinbeilen, auch unter Berücksichtigung des enormen Zeitaufwandes, niemals die exakten Keillöcher hätten herstellen können. Mit einem nachgegossenen Bronzemeißel wurde ein Bearbeitungsversuch durchgeführt, der nach 30 Minuten abgebrochen wurde, da der Meißel, ohne eine gravierende Bearbeitungsspur am Stein zu hinterlassen, abstumpfte. Wie die Versuchsbeschreibung zeigt, muss die Auffassung, nach der die Pyramidenerbauer die Keiltechnik zum Sprengen
der Blöcke gekannt hätten, widerlegt gelten. Bei unseren Nachforschungen haben wir bei keinem einzigen Pyramidenblock Arbeitsspuren von halbfertigen Keillöchern entdecken können, die an den unbearbeiteten Blöcken jedoch vorhanden sein müssten. Die Spuren von Keillöchern an den losen Blöcken, die um die Gisa-Pyramiden herum liegen, haben mittelalterliche Steinräuber hinterlassen bzw. stammen aus jüngster Zeit, als die Pyramiden als Steinbruch für die Errichtung von Bauten in Kairo benutzt wurden.

Die Keil-löcher zum Absprengen der Gesteinsblöcke sind zum ersten Mal aus der spät-ptolemäischen Zeit in den Steinbrüchen Ägyptens entstanden (ca. 200-100 v. Chr.) und wahrscheinlich aus Griechenland eingeführt worden. Die bekannten und heute noch sichtbaren Keil-Lochreihen, vor allem in den Granitsteinbrüchen von Assuan, aber auch im Sandstein von Silsileh, sind in der römischen Epoche entstanden. Gerade diese Keil-löcher, in die aber keine Holzkeile, sondern Eisenkeile eingeführt worden sind, haben zu der falschen Schlussfolgerung geführt, dass mittels feuchten Holzkeilen der Gesteinsblock aus dem Felsen herausgesprengt wurde. Die Steinblöcke wurden mit Eisenkeilen und nicht mit Holzkeilen aus dem Felsen gesprengt. Die Absprengung der Gesteinsblöcke wurde mit Hilfe von Keil-löchern auf zweierlei Weise ausgeführt. Zum einen gab es die Keiltechnik, bei der nur die Löcher nebeneinander angelegt wurden. Zum anderen hat man die Schlitzkeiltechnik angewandt, wobei ein Schlitz über der gesamten geplanten Sprenglinie ausgekerbt wurde und in den Boden dieser Einkerbung wurden die Keil-löcher angebracht. Die Eisenkeile wurden mit schweren Vorschlaghammern in die Keil-löcher hinein getrieben, um den Steinblock an dieser Stelle zu sprengen. Die Pyramiden-Erbauer konnten diese Technik nicht erfunden haben, weil sie keinen schweren Vorschlaghammer aus Eisen kannten. Sie kannten nur den Holzschlegel, der aus einem Stück einschließlich Griff geschnitzt wurde. Einen Holzhammer, in den ein Stiel eingelassen wurde, haben sie nicht gekannt. Zu diesem Thema sei auf die ausführliche Publikationen „Die Steine der Pharaonen“ und „Steinbrüche im Alten Ägypten“ von Rosemarie Klemm und Dietrich D. Klemm verwiesen. (s. Literaturhinweis).

3. Bericht (1.3.2019) BLAUE FARBE AUS DEN ÄGYPTISCHEN KÖNIGSGRÄBERN

Die Vermutung, dass die blaue Farbe in den ägyptischen Königsgräbern in Luxor mit Lapislazuli (an derTutanchamun-Maske) aus Afghanistan gefertigt worden ist, wurde von uns stets angezweifelt. Bei den daraufhin von uns durchgeführten Versuchen haben wir mit Öl vermischtes Lapislazuli-Pulver auf Kalkstein aufgebracht. Das Ergebnis war eine helle und schlecht streichbare Farbe in einem Farbton, der in den Gräbern nicht vorkommt. Außerdem war Lapislazuli teurer als Gold und man hätte mehrere Tonnen davon benötigt; sind doch in vielen Gräbern die kompletten Wände mit dunkelblauer Farbe grundiert (z. B. Haremhab). Seit mittlerweile 35 Jahren suchen wir in Ägypten nach den in den Gräbern verwendeten Naturfarben. Bis auf die erwähnte blaue Farbe konnten wir alle in der Natur, in Ägypten, finden. Vor einiger Zeit habe wir im Gebirge westlich von Luxor (Gebirge am El-Korn) einen 20 cm großen Stein mit einem Drusen-ähnlichen Hohlraum gefunden. Dieser war ringsherum innen mit einer 2 cm starken blauen Schicht bedeckt. Versuche ergaben, dass die Farbe mit der in den Gräbern verwendeten Farbe übereinstimmt und sich gut streichen lässt.

2. Bericht (18.2.2019) SELTSAME STEINANSAMMLUNG AUF DEM GISA-PLATEAU

Bei den Ausgrabungsarbeiten an der Mykerinos-Pyramide unter Leitung von Dr. Zahi Hawass wurden zwischen der Mykerinos-Pyramide und den Königinnen-Pyramiden fein säuberlich in das Gelände eingesetzte Felsblöcke freigelegt. Die erste Vermutung war, dass es sich dabei um die Abdeckung einer Bootsgrube handeln könnte. Unseres Erachtens jedoch wurde das schräge Gelände für die Königinnen Pyramiden um einen Meter abgesenkt, um so eine waagerechte Grundfläche zu schaffen. An der Felskante sollte die Umfassungsmauer der Mykerinos-Pyramide errichtet werden. An diesem Standort war das natürliche Gelände jedoch noch zu schräg, so dass das Gelände mittels einsetzen von Felsblöcken begradigte wurde. Eine treppenartige Abdeckung hätten die Baumeister niemals zugelassen.
Bei dieser Gelegenheit konnten wir auch das gerade freigelegte Gelände einer gründlichen Untersuchung unterziehen. Der Felsenvorsprung war mit einem Besen gesäubert worden. Uns fiel sofort auf, dass sich in den Mulden und Spalten eine dunkelbraune Masse farblich von dem Felsgestein abhob. Nach näherer Untersuchung stellte sich heraus, dass es sich dabei um Nil-schlamm handelt. Am unteren Teil der Mykerinos-Pyramide befand sich noch von der Pyramiden-Verkleidung der Schutt, den die Stein-räuber hinterlassen haben. Beim Graben bemerkten wir unter dem Pyramidenschutt eine 12 cm hohe Nil-schlamm-Schicht. Im Abraum fanden wir zudem große Brocken aus Nil-schlamm. Dies war für uns der Beweis, dass wir hier die Reste einer Transportstraße für die Pyramidenblöcke in Händen hielten, die nun unwiederbringlich zerstört ist.

1. Bericht (15.2.2019) Königinnen-Pyramide an der Cheops-Pyramide

Als die Grabkammern und das Umfeld der Königinnen-Pyramiden, unter Leitung von Dr. Zahi Hawass, vom Schutt befreit wurden, bekamen wir die Erlaubnis eine Vermessung vom Areal und den Grabkammern durch zu führen. Unten folgt das Ergebnis:

Links GIa Hetepheres I.?, Mitte GIb Meritetis. Rechts GIc Henutsen

Königin Hetepheres I.-Pyramide? (Ia)

Die Pyramide wird der Königin Hetepheres I., Mutter von Cheops, zugeschrieben. Warum vorher eine Schachtgrab (siehe G7000x) errichtet wurde, ist nicht bekannt. Hier befand sich zwar ein versiegelter, jedoch leerer Sarkophag. Ob eine Bestattung in dieser Pyramide erfolgte, ist bis heute nicht bekannt. Mit Gewissheit kann man sagen, dass hier eine hohe Persönlichkeit bestattet werden sollte. Dies bezeugt die südlich an der Pyramide gelegene Bootsgrube, die hier zum ersten Mal für eine Königin angelegt wurde. Dabei ist das Wort Bootsgrube im Grunde nicht die richtige Bezeichnung, da hier doch, so die Vorstellung der Ägypter, eigentlich ein echtes Boot bestattet bzw. angefertigt wurde, damit dieses auch im Jenseits benutzt werden konnte. Anders beim Cheops-Boot; hier wurde in einer rechteckigen Bootsgrube ein Boot bestattet. Bei dem Königinnen-Boot wurde nicht nur die Bootsform aus dem Felsen geschlagen, sondern auch die Rudergänge, auf dem die Ruderer standen und die Ruder bewegten. Ferner wurde in der Steinplatte am Heck ein kreisrundes Loch für den Drehkranz des Steuerruders geschlagen. Wie in jeder Pyramide des Alten Reiches erfolgte der Pyramideneingang an der Nordseite und führte bis zur Gangkammer und dann rechts Richtung Westen in die Grabkammer. Die Grabkammer ist aus dem Felsen geschlagen und mit Steinmaterial vermauert worden. Die Decke wurde mit Steinbalken abgedeckt, jedoch fehlen die Steine größtenteils, wahrscheinlich wurden diese entwendet, um sie anderweitig zu nutzen. Gut zu sehen sind die senkrechten und waagerechten Striche, die mit roter Farbe auf die an den Wänden gezeichnet wurden, und die als Orientierung beim Setzen der Mauer dienten.

Hetepheres I.-Pyramide ? (Ia): Das Boot an der Südseite. Irrtümlich wird hierzu Bootsgrube gesagt. Die Grube, ist das Jenseits-Boot der Königin, mit Ruder-Gänge der Mannschaft und hinten das Loch für das Steuerruder (siehe schwarzer Pfeil)

Königin Meritetis-Pyramide (Ib)

Sie war wahrscheinlich die Ehefrau vom Pharao Cheops und hatte mit ihm zwei Kinder, Hethepheres II. sowie Chephren, den späteren König. Durch die Baufehler, die bei der Erbauung der ersten Pyramide gemacht wurden (Ia), wurde eine größere Grabkammer aus dem Felsen geschlagen. Die Vermauerung war einfacher, aber das Wichtigste war, dass für die Deckenbalken mehr Platz zur Verfügung stand. Die inneren Maße blieben nahezu gleich. Die Grabkammer ist in späterer Zeit usurpiert worden. Es wurden drei Sarkophage in den Felsboden geschlagen, in denen sich jedoch keine Mumien befanden. An der Ostseite wurde ein Opfertempel mit zwei Scheintüren angebaut.

Königin Henutsen-Pyramide (Ic)

Sie war wahrscheinlich eine Ehefrau des Pharao Cheops und Mutter von Chephren und Chaefchufu. Wie bei der Vorgängerpyramide wurde die Felskammer größer aus dem Felsen gemeißelt. Da man für die Montage der Deckenbalken nur im oberen Bereich mehr Platz benötigte, ließ man unten am Boden einen Felsvorsprung stehen.
Später wurde die Grabkammer usurpiert und vier Sarkophage in den Fußboden gemeißelt. Die Gangkammer wurde ebenfalls usurpiert, wie die drei Bodenvertiefungen aufzeigen. An der Ostseite wurde ein Opfertempel angebaut, der mehrmals erweitert wurde.