Übernahme von Religions-Vorstellungen der drei Weltreligionen (Judentum, Christentum, Islam) aus der pharaonischen Religion

Inhaltsverzeichnis

8. Aufsatz (29.05.2019) Die männliche Bescheidung (Zirkumzision)

7. Aufsatz (05.05.2019 Der Bischofsstab / Krummstab

6. Aufsatz (07.04.2019) Der Ursprung der christlichen zehn Gebote

5. Aufsatz  (05.04.2019) Der Heiligenschein (Nimbus, lateinisch Wolke)

4. Aufsatz  (04.04.2019) Das Christentum am Nil, von Alexandria bis Äthiopien

3. Aufsatz  (03.04.2019) Die Entstehung des Kreuzzeichens als christliches Symbol

2. Aufsatz  (03.04.2019) Die Entstehung des Kruzifix (Kreuzigung Jesus)

1. Aufsatz  (24.03.2019) Der Nasen- und Mundkuss

8. Aufsatz (29.05.2019) Die männliche Bescheidung (Zirkumzision)

An zahlreichen Stellen hat der Wind in der Wüste versteinerte Stämme freigelegt. Diese findet man entlang des Nils bis in den Sudan hinein. Um ca. 8000 v. Chr. begann das Klima sich zu verändern. Durch die Trockenheit gab es immer weniger Bäume und in der Folge breitete sich in der heutigen Sahara eine Savanne aus. Ferner trockneten die Seen aus und die Bewohner waren gezwungen, in Richtung Niltal zu ziehen. Der Straussen Jagd-fächer von Tutanchamun (1347 v. Chr.) verdeutlicht, wie die damalige Wüste um Sakkara aussah. Die Vorderseite zeigt den Pharao bei der Straussen Jagd in der Nähe von Memphis (Sakkara). Die großen Wälder waren zwar verschwunden, aber um Sakkara war zu jener Zeit, wie der Straussen Jagd-Fächer zeigt, eine fruchtbare Savanne mit Straussen, Giraffen und Löwen. In Assuan, am Kalabscha Tempel, sind heute noch zahlreiche Fels-Reliefs mit Elefanten zu sehen. Es besteht die Möglichkeit, dass die Beschneidung durch die Wasserknappheit entstanden ist. Die älteste Beschneidungsszene ist im Grab des Mereruka in Sakkara-Nord (2300 v. Chr.) zu sehen. Hier wird der Sohn des Grabbesitzers beschnitten. Die Beschneidung erfolgte im Alter von 14 Jahren.

Links: Versteinerte Bäume in der libyschen Wüste, die bis zum Sudan gefunden werden. Rechts: Relief im Grab des Mereruka, Hirten mit Ziegenherde.

Ägyptisches Museum Kairo: Links, Fächer mit Tutanchamun bei der Straussen Jagd. Rechts, Tutanchamun beim Abtransport der Beute.

Assuan, Kalabscha Tempel: Dort sind heute noch zahlreiche Fels-Reliefs mit Elefanten zu sehen.

7. Aufsatz (05.05.2019 Der Bischofsstab / Krummstab

Woher kommt die Form des Bischofsstabs, auch Krummstab und Hirtenstab genannt? Die Herrschaftssymbole der Pharaonen waren der Krummstab und der Wedel. Der Krummstab steht für das Göttliche bzw. Unendliche und der Wedel ist ein Symbol der Gerichtsbarkeit. Die christlichen Bischöfe (Alexandriner, Patriarchen) übernahmen diesen Krummstab sehr früh als Symbol ihrer Macht. Es wird bereits kurz nach der Machtergreifung von Konstantin dem Großen der Bischofsstab erwähnt (350). Zuerst war der Krummstab wie bei den Ägyptern schlicht und einfach gehalten. Im frühen Mittelalter setzten sich in der römischen Kirche dann die prunkhaften Goldschmiedearbeiten durch. Zur gleichen Zeit ersetzte der Papst den Krummstab durch ein Stab-Kreuz als Kruzifix ausgebildet, die sogenannte Ferula.

1. Abbildung links: Der erste gezeigte Sarkophag von Tut Anch Amun lag in einem dreifach geschichteten Sarkophag. Hier zu sehen ist der erste Sarkophag aus purem Gold mit den Herrscher-Symbolen Wedel und Krummstab, die an allen drei Sarkophagen angebracht sind.

2. Abbildung Mitte: Bereits Djoser hatte den Krummstab als Machtsymbol in der Hand. Im Neuen Reich kam der Wedel hinzu. Richtigerweise muss der Wedel als Peitsche benannt werden. Die Peitsche war das Symbol der Gerichtsbarkeit. Das Auspeitschen wurde in Form von Reliefs in vielen Gräbern dargestellt.           

3. Abbildung rechts: Statue einer weiblichen Pharaon-in (wahrscheinlich Nofretete) aus dem Grab von Tutanchamun mit dem Krummstab, den die koptischen Bischöfe als Machtsymbol übernommen haben und später die übrige christliche Welt.                        


Sakkara-Nord: Das Auspeitschen (Stock schlagen) im Mastaba des Mereruka (2345 v. Chr.)

6. Aufsatz (07.04.2019) Der Ursprung der christlichen zehn Gebote

Der ägyptische Glaube

Die alljährliche wiederkehrende Nilschwemme und die täglich wiederkehrende Sonne waren Naturereignisse, die den Glauben der Ägypter an ein Weiterleben nach dem Tode prägten. Wie nach der zurückgehenden Flut das Land und wie am frühen Morgen die Sonne wiederkehrt, so wird der Mensch nach dem Tod zu neuem Leben erweckt. Das Ritual der Wiedererweckung wurde von der Priesterschaft mit der Zeremonie der Mundöffnung an der Mumie vollzogen, wodurch dem Toten die Möglichkeit zum Sprechen eröffnet werden sollte. Seit dem Alten Reich (2500 v. Chr.) bestand die Vorstellung, dass der Verstorbene sich vor einem Gericht im Jenseits verantworten musste. Sein Verhalten im Diesseits wurde nach 42 Geboten beurteilt. Sein Bekenntnis lautet (Auszug aus dem Totenbuch, Spruch 125, Neues Reich um 1500 v. Chr.):

• Habe nicht getötet und es nicht befohlen

• Habe Vater und Mutter geliebt und geehrt

 Habe gegen niemanden etwas Nachteiliges gesagt

• Habe niemandem Schmerz zugefügt

 Habe meine Pflicht treu erfüllt

• Habe Gier und Habsucht vermieden und war bescheiden

• Habe Recht geredet und geübt

 Habe gegen Geschwister und Nächste liebenswert gehandelt

• Habe mich in meinem Amt des Schwächeren angenommen

• Habe mein Amt nicht missbraucht

 Habe die Hungrigen gespeist und die Nackten gekleidet

 Habe mich Witwen und Waisen angenommen

 Habe Untergebene vornehm behandelt

• Habe niemanden weinen gemacht

• Habe den Überfallenen aus dem Arm des Starken gerettet

 Habe das Vieh des Nachbarn nicht von meiner Weide vertrieben

Beim Totengericht, in vielen Gräbern des neuen Reiches als Gemälde und Relief dargestellt, legt der Tote sein Herz auf eine Waagschale. Auf der Gegenseite sitzt die Gerechtigkeits-Göttin Maat, dargestellt als Feder. Der schreibende Gott Thoth listet alle Sünden auf, die der Tote in seinem Sündenbekenntnis dargelegt hat. Je nach Schwere des Vergehens schlägt die Zunge an der Waage aus, was vom Ibis-köpfigen Menschen oder Pavian geprüft wird. Bei einer negativen Beurteilung durch das Jenseitsgericht wurde dem Toten ein neues Leben nach dem Tode verwehrt, was ein nochmaliges Sterben zur Folge hatte. Die ewige Vernichtung erfolgte durch Dämonen. Seit dem Neuen Reich geschah die ewige Vernichtung durch die Fresserin, ein Mischwesen aus Löwenkörper mit Nilpferd-hinterteil und Krokodilsrachen

Römisch-katholischer und lutherischer Glaube

Die Auflistung der Zehn Gebote nach Martin Luther, die auch von der römisch-katholischen Kirche übernommen wurden.

1. Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

2. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.

3. Du sollst den Feiertag heiligen.

4. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.

5. Du sollst nicht töten.

6. Du sollst nicht ehebrechen.

7. Du sollst nicht stehlen.

8. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.

Bei der Aufzählung der Zehn Gebote gibt es in der anglikanischen Kirche und beim orthodoxen Judentum im Gegensatz zu den christlichen Kirchen andere Aufzählungen. Die einen fügen das Bildverbot („Du sollst dir kein Bildnis machen“, so wie es später auch im Islam übernommen wurde) hinzu, die andern fassen das 9. und 10. Gebot zu einem Gebot zusammen.

Resümee

Die Erforschung der Entstehung der Zehn Gebote und was die drei Religionen übernommen haben, ist noch lange nicht abgeschlossen. Sagen kann man, dass alle drei Religionen einiges vom ägyptischen Glauben  übernommen haben, so wie etwa das fünfte Gebot, das entsprechend der damaligen Verhältnisse angepasst wurde. Denn um den Machterhalt zu gewährleisten, mussten auch die Machthaber den Befehl zu töten geben. Das ägyptische Gebot sagte aber: „Ich habe nicht getötet und es nicht befohlen!“ An anderer Stelle heißt es „Ich habe die Kriegerwitwen mit ihren Kindern aufgenommen“. Das bedeutet, dass diese von der Bevölkerung ernährt wurden. Spätere Generationen haben das Wort „angenommen“ durch das Wort „Heirat“ ersetzt. Danach ist es im Islam erlaubt, bis zu vier Frauen zu heiraten.

5. Aufsatz  (05.04.2019) Der Heiligenschein (Nimbus, lateinisch Wolke)

Der Name Heiligenschein entstand erst im Mittelalter als die Verehrung der Heiligen und Märtyrer ihren Höhepunkt erreichte. So konnten die Maler die besonderen Personen hervorheben. Um zu erkennen, welcher Heilige oder Märtyrer es war, bekam dieser noch ein Attribut beigefügt. Das Gleiche wurde auch bei Statuen angewandt, wobei der Ursprung bei den alten Ägyptern liegt. Zur Erkennung, stellten sie ihre Götterwelt immer mit Attribute auf dem Kopf dar. Um die besondere Person Jesus dazustellen, bekam dieser noch ein Anch-Kreuz im Heiligenschein. Der Ursprung dieser Darstellung liegt bei den ersten Christen am Nil. Die ersten Kapellen der Kopten erhielten Wandgemälde, auf denen die Bischöfe mit diesem Heiligenschein hervorgehoben wurden. Sogar die Stellvertreter der Bischöfe erhielten einen Heiligenschein, der jedoch in quadratischer Form dargestellt wurde. Hier erfand man bei den Wandmalereien auch die besondere Person Jesus hervorzuheben, indem man ein Anch-Kreuz im Heiligenschein einfügte. Die bekannteste Darstellung aus Deutschland, den Heiligenschein bei Jesus mit dem Anch-Symbol zu versehen, ist wohl die Christus-Darstellung in der Kuppel der Abtei Maria Laach (1093-1216) und in Italien in der Kuppel im Dom von Pisa (1148-1348). Ebenso wird in der Kuppel der Griechisch-Orthodoxen Kirche St. Georg in Kairo (10. Jahrhundert) eine berühmte Darstellung von Jesus gezeigt. Zusätzlich zum Heiligenschein wird um den thronenden Jesus die drei Engelhierarchien gezeigt, die in bewachen. Ferner wurden auf Goldmünzen der römischen Kaiserzeit, Kaiser mit dem Anch-Symbol am Hinterkopf dargestellt (Justinian II., 700). Es ist nicht verbürgt ob die Christen am Nil den Heiligenschein von den Römern übernommen haben. Im Helios- und Mithraskult wurde das Göttliche und besondere bereits vor den Christen mit den Sonnenstrahlen des Sonnengottes am Hinterkopf dargestellt. Früh wurden auch auf Münzen oströmischer Kaiser und auf Statuen das Leben spendende Licht am Hinterkopf als Strahlenkranz dargestellt. Die Darstellung des Strahlenkranzes, insbesondere bei der Jungfrau Maria, findet sich auch heute noch, etwa an Denkmälern und auf Standsäulen vieler bayrischer Dörfer. Die berühmtesten Darstellungen von Maria im Strahlenkranz sind von Tilman Riemenschneider geschnitzt worden (1500).  Eine der bekanntesten Strahlen-Madonnen Riemenschneiders steht in Volkach am Main, in der Wallfahrtskirche „Maria im Weingarten“. Die berühmteste antike Statue mit einem Strahlenkranz ist der Koloss von Rhodos. Zwar gibt es keine antike Darstellung und Beschreibung dieser Statue und es wird vermutet, dass der Gott Helios dargestellt wurde. Aus zahlreichen anderen Darstellungen des Gottes Helios, weiß man, dass er am Hinterkopf einen Strahlenkranz trägt.

Links: Der Pariarch mit Jesus (Ägypten). Rechts: Die Patriarchen (links im Bild mit runden Heiligenschein) und dessen Stellvertreter (quadratischer Heiligenschein, siehe rechts im Bild) im Gräberfeld von Assuan (800)

4. Aufsatz  (04.04.2019) Das Christentum am Nil, von Alexandria bis Äthiopien

In den ersten zwei Jahrhunderten der neuen Zeitrechnung war das Christentum in Alexandria und Ägypten und auch im Mittelmeerraum zahlenmäßig nur wenig vertreten und wurden außerdem noch verfolgt. Im vorderen Orient war es eine Sekte im Judentum. Das änderte sich, als im 4. Jahrhundert Konstantin der Große in Rom an die Macht kam. Um das Jahr 350, als es zwischen Christen und anders Gläubige in Alexandria der Machtkampf seinen Höhepunkt erreichte, wurde das Serapeum geplündert und alle Götterstatuen in der Stadt zerstört. Kurz darauf traten viele Andersgläubige zum Christentum über bzw. wurden gezwungen über zu treten. Ein blutiger Machtkampf zwischen Juden und Christen folgte. Wohnquartiere der Juden und Synagogen wurden geplündert, worauf ein Großteil der jüdischen Gemeinde die Stadt verließ. In Alexandria nannten die Kopten (Christen) ab 400 ihre Bischöfe Patriarchen. Die Überlieferungen belegen zahlreiche Grausamkeiten bei der Machtergreifung der Kopten und berichten von der Ermordung der Hypatia im Jahr 415.  Hypatia war eine Astronomin und Mathematikerin in Alexandria und wurde, während sie ihre Studenten unterrichtete, von einer aufgebrachten Gruppe von Kopten gefasst und in ihre Kirche verschleppt, wo sie getötet und ihr Leichnam zerstückelt wurde.

Bereits unter dem äthiopischen König Ezana (350), Herrscher von Aksum (Äthiopien), wurde das Christentum zur Staatsreligion ausgerufen (351), wie auch Münzfunde belegen. Das antike Reich von Aksum umfasste Teile des heutigen Äthiopiens und des heutigen Jemen. Somit sind Äthiopien und der Jemen die ersten Länder, die den christlichen Glauben im gesamten Reich einführten. Die Bekehrung des Königs erfolgte durch die syrischen Brüder Frumentius und Aidesion, die von Piraten an den Königshof von Aksum verkauft wurden. Die beiden Brüder unterrichteten die Kinder des Herrschers und Frumentius wurde der erste äthiopische Bischof, der vom Patriarchen Athanasius aus Alexandria geweiht wurde. 50 Jahre später wurde im Sudan ebenfalls das Christentum als Staatsreligion eingeführt. Somit sind das heutige Äthiopien, der Jemen und der Sudan die ersten Länder in der eine christliche Staatsreligion (351 bzw. 400) eingeführt wurde.

Ab dem Jahr 350 schossen die Neugründungen von Klöstern und die Errichtung von Kirchen in Ägypten wie Pilze aus dem Boden und setzen sich den Nil aufwärts, über den Sudan, bis nach Äthiopien fort. Bis 1250 entstanden am Nil hunderte von Klöster und Kirchen. Während zwischen 400 und 500 dort bereits eine große Anzahl an Klöster gab, gab es in Europa und in der übrigen Welt noch kein einziges Kloster. Die Abtei Montecassino in Italien war 529 die erste Klostergründung außerhalb Ägyptens. Die aus einem Fels in Kreuzform gehauene Kirche aus Bet Giyorgis in Äthiopien, ist die bekannteste Kirche des Landes. Keines der zahlreichen von Christen in Ägypten erstellten Gemälde zeigt Kreuzigungsszenen. Erst nach dem 1200-1300 Jahrhundert entwickelte sich an nährend eine einheitliche Glaubenslehre. Dies belegt auch ein Streit zweier Patriarchen (Bischöfe) aus Alexandria in der Zeit um 600. So vertrat ein Bischof die These, dass Jesus der einzige Gott sei, während der zweite Bischof die These der Wesenseinheit Gottes in drei Personen vertrat. In der Zeit vom ersten Konzil von Nicäa (325) bis zur Synode von Toledo (675) stritt man um die Wesensähnlichkeit zwischen Gott Vater und Sohn. Mit der Dreifaltigkeit setzte sich dann später die Alexandrinische Schule (800-1000) durch. Die ägyptischen Christen kannten sich mit der Dreifaltigkeit (Thebanische Triade) gut aus. Bei den Pharaonen im neuen Reich gab es bereits die Dreifaltigkeit, Amun (Gott Vater), Chons (Gottes Sohn) und die Himmelsgöttin Nut (Gottes Mutter und bei den Christen der Heiliger Geist).

Links: Das Simeons Kloster 7-8 Jh. in Assuan, (auf der anderen Nilseite) ist eines der besterhaltenen und größten koptischen Klöster Ägyptens. Wegen Schwierigkeiten der Wasserversorgung wurde das Kloster im 13. Jh. aufgegeben. Rechts: Ruine einer koptischen Kirche in den Felsgräbern von Assuan (auf der anderen Nilseite) im 8-9 Jh. errichtet.

Links: Ruine einer Kloster-Kirche in Ain el-Ris aus dem 7./8. Jahrhundert. Sie liegt zwischen der Oase Baharija und der Oase Farafra in der Libyschen Wüste. In der Nähe befindet sich noch palastartiges Gebäude. Rechts: Ruine einer Kloster-Kirche in der Oase Karga / el-Bagawat aus dem 5 Jh. einer der ältesten Kirchen in Ägypten. Um diese Kirche befinden sich 263 kleine Grabbauten mit herrlichen Fresken aus dem alten Testament. Hier entstand aus dem pharaonischen Henkel Kreuz das christliche Kreuz.

Links: Das Katharinenkloster auf dem Sinai erhebt den Anspruch, das älteste christliche Gotteshaus zu sein. Anfang des 4. Jh. wird das Kloster schriftlich erwähnt und seit eineinhalb Jahrtausenden, wird hier ununterbrochen die Liturgie gelesen und gesungen. Rechts: Eine von hundert Kirchen-Ruinen im Sudan, am 3. Katarakt, errichtet.

3. Aufsatz  (03.04.2019) Die Entstehung des Kreuzzeichens als christliches Symbol

Das christliche Symbol in Europa und im vorderen Orient: Die ersten christlichen Symbole wie Fisch, Palmzweig und Taube fand man in den christlichen  Katakomben in Rom. Ab dem 4. Jh. n. Chr. kam das Christusmonogramm PX dazu, abgeleitet vom Anfangsbuchstaben Christis, dem griechischen Xpiotos. In den Katakomben Roms, die bis etwa 350  entstanden sind, findet sich weder das Kreuzsymbol noch eine Kreuzigung Darstellung. In der Schlacht an der Milvischen Brücke (Rom) besiegte Konstantin der Große seinen Konkurrenten Maxentius und kam 312 an die Macht und zog von Trier nach Rom um. Nach einer Legende soll Konstantin das Christen-Symbol XP (die Römer nannten es Labarum) auf den Schildern seiner Soldaten angebracht haben. Es erscheint allerdings eher unwahrscheinlich, dass ein heidnischer Herrscher, der vor jeder Entscheidung seinen Wahrsager befragte, samt heidnischem Heer in jener Zeit im Namen des Christentums kämpfte, zumal es in Europa und im vorderen Orient zu dieser Zeit kaum Christen gab. Die Christen im vorderen Orient war eine Sekte im Judentum, deren Mitglieder noch verfolgt wurden. Kurze Zeit nach seiner Machtergreifung prägte Konstantin bereits Münzen die ihn mit dem PX-Christogramm im Haar zeigen. Die Macht musste er sich noch mit Licinius teilen, der über das oströmische Reich herrschte. Im Mailänder Toleranz-abkommen wurde zwischen beiden die Gleichstellung von allen Glaubensvorstellungen festgelegt. Damit konnte der Siegeszug des Christentums beginnen. Im Jahr 324 besiegte Konstantin Licinius und wurde alleiniger Herrscher des römischen Imperiums und verlegte seine Residenz nach Konstantin Stadt (Konstantinopel). Bereits ein Jahr später (325) berief er das erste Konzil in Nicäa (in der Nähe von Konstantinopel) um inner-christliche Streitigkeiten zu schlichten. Zu dieser Zeit kannte die westliche- und östliche Welt nur das PX-Christogramm als christliches Symbol. Die Unterstützung des Christentums war ein reines Machtkalkül von Konstantin um den inneren Frieden zu wahren, weil er außenpolitisch in Bedrängnis war. Die Stabilisierung und Sicherung der Außen-grenzen gelang ihm in sehr kurzer Zeit, nachdem er nach Konstantin Stadt (Konstantinopel) umgezogen war. 

Koptisches Grabtuch mit dem PX-Christogramm aus Alexandria (800)

Das Kreuzzeichen am Nil: Das Symbol der Glaubensgemeinschaft der Kopten/Christen im 3. Jahrhundert war das PX-Christogramm. Gut erkennbar ist dies auf den ersten Grabtüchern, die in den Gräbern der Kopten in Alexandria gefunden wurden. Zur gleichen Zeit entwickelte sich, in Ober-Ägypten, aus dem Anch, dem Lebenszeichen aus der pharaonischen Zeit, das Kreuzzeichen. Das Anch-Symbol ist in der alten ägyptischen Hieroglyphenschrift das Zeichen für das ewige Leben. Die Römer nannten es Henkel-Kreuz, so wie es auch noch heute genannt wird. Das Henkel-Kreuz ist in der ägyptischen Mythologie ein Attribut der Götter; diese hielten es dem Pharao an den Mund und gaben ihm das ewige Leben ein. Diese Darstellung darf in keinem Tempel oder Königsgrab der Pharaonen fehlen. Die christlichen Nachkommen der Pharaonen, die Kopten, übernahmen das Henkel Kreuz als Symbol für das ewige Leben. Das Henkel Kreuz hat verbreiternde Enden und oben einen Handgriff. Zuerst wurde das Henkel-Kreuz in Form des ägyptischen Anch-Symbols (schräge Seiten und oben mit Ring) in vielerlei Darstellungen in Gräbern eingearbeitet. 250 km westlich von Luxor liegt in der Wüste die Oase Kharga. 1 km entfernt vom Stadtkern el- Kharga liegt die wohl einmalige christliche Nekropole el-Bagawat. Auf einen Höhenzug befinden sich 263 aus Lehm errichtete Grabkapellen mit einer Kirche. Errichtet wurde diese Nekropole im 2. Jh. n. Chr. von verfolgten Christen, die aus Alexandria geflohen waren. Die mit Kuppeln gedeckten Gräbern beherbergen gut erhaltene Malereien, darunter der Auszug aus Ägypten, Abraham der Isaak opfert, Daniel in der Löwengrube, Adam und Eva, Flucht nach Ägypten, die Arche Noah und Jonas der vom Walfisch ausgespuckt wird. In einer der Kapellen ist an den Wandseiten das Anch-Kreuzzeichen (schräge Seiten oben ein Ring) zu sehen. Von dem angebrachten Anch-Kreuzzeichen wurde die Hälfte des Henkels entfernt, indem der Lehm-putz abkratzt wurde. Darüber malte man später zwei neue Kreuze mit vier Schenkeln. Hier ist die einmalige Darstellung wie das Kreuzzeichen, zuerst eins zu eins (mit Henkel) von den Kopten übernommen wurde und dann um 300 zum Kreuz mit vier schrägen Schenkeln wurde. Für die christlichen Kult-bauten übernahmen die Kopten die bereits erstellten Tempel der alten Ägypter. In Dendara und Assuan wurden die Tempel zur Kirche umgebaut und als Christen-Symbol wurde das Anch-Symbol (ohne Henkel) am Eingang des Gotteshauses eingeschlagen. Das Kreuz hat verbreiternde Enden wie beim pharaonischen Anch-Symbol aber mit gleichlangen Schenkeln. Auf der Insel Agilkia steht der Philae Isis-Tempel mit einer wohl einzigartigen Darstellung des Christen-Symbols. Zwar wurde das gleiche Kreuzsymbol wie in den anderen Tempeln eingemeißelt, aber gekippt wie ein X in Form einer römischen Zehn. Es besteht auch die Möglichkeit, dass es vom griechischen Buchstabe Chi (X) kommt, als Symbol für Christus. Das erste Kreuz, in Form des ägyptischen Anch-Zeichens, erscheint auf einer Münze des Nachfolgers von Ezana, Mehadeyis, Herrscher von Aksum  im heutigen Äthiopien (360). Die erste Darstellung eines Kreuzes mit einem geraden Schenkel findet sich auf einer Münze aus der Zeit des äthiopischen Herrschers Armah (614).  Die bekannteste Kreuz-Darstellung aus Deutschland mit dem gleichschenkligen Anch-Symbol wurde um 800 im Aachener Dom, in den Marmor-Verkleidungen eingearbeitet. Das byzantinische Kreuz, dass ebenfalls aus dem ägyptischen Anch entwickelt wurde,  hat den längeren Schenkel, wie beim originalen Anch-Symbol, übernommen. Das Kreuz der byzantinischen Kirche wurde auch von der griechisch-orthodoxen Kirche übernommen und über Griechenland, Rom kam es nach Europa. Mit den späteren Darstellungen der Kreuzigung Jesus, hat sich das Kreuz mit dem längeren Schenkel durchgesetzt und die schrägen Seiten wurden gerade. Heute tragen noch der Papst und die Bischöfe Talare mit einem gleichschenkligen Anch-Symbol, wenn sie zum Konzil in den Petersdom schreiten. Bei der Ordens-Gestaltung wurden das Malteserkreuz und das Eiserne Kreuz von dieser gleichschenkligen Anch-Form mit schrägen Seiten übernommen.

Links: Das pharaonische Anch-Symbol, das von den Kopten in Oberägypten übernommen wurde. Aus diesem entstand in Oberägypten das gleichschenklige Kreuz. Mitte: Das gleichschenklige Kreuz in einer christlichen Kapelle im pharaonischen Hathor Tempel in Dendara. Rechts: Das byzantinische Kreuz

Im Aachener Dom (800) ist das Lebenszeichen der Kopten (Anch), das von den alten Ägyptern übernommen wurde, in Marmor ausgeführt. In der Kuppel des Aachener Domes thront Jesus wie ein römischer Herrscher mit seiner Heerschar, seine Engel, wie es in zahlreichen Kirchen zu dieser Zeit üblich war ihn darzustellen. Um 800 war die Glaubensvorstellung, dass Jesus am Kreuz hingerichtet wurde, noch nicht entwickelt. Dies geschah erst 100 Jahre später in Bayern (siehe Bericht Kruzifix)


Oase Karga / el-Bagawat (350 Km westlich von Luxor): Links, Grabkapelle mit Darstellungen aus dem alten Testament. Rechts, die Entstehung aus dem pharaonischen Henkel Kreuz zum christlichen Kreuz. Wandgemälde aus einer Grabkapelle um 400 nach Christus.

2. Aufsatz  (03.04.2019) Die Entstehung des Kruzifix (Kreuzigung Jesus)

Eine historische Vorbetrachtung, warum es keine Kreuzigungen für Verurteilte um die Zeitenwende geben konnte:

Holz:

Ägypter, Griechen, Perser, Seevölker, Römer, und die Phönizier – all diese Völker haben die für ihre Flotten benötigten Holzstämme aus dem Mittelmeerraum bezogen. Und da Holz zur Römer-zeit ein sehr rarer Rohstoff war, wurden Holzstämme in der Zeit um Christi Geburt über 100-200 km über Land bis zum Mittelmeer transportiert und von dort verschifft. Die Küste des Mittelmeerraumes war zu dieser Zeit bereits bis zu 100-200 km landeinwärts abgeholzt. Zum Beispiel, die persische Flotte hatte bis zu 5.000 Schiffe im Mittelmeer und ein Schiff waren fast so groß wie ein Fußballplatz. Das römische Palästina war die Provinz mit den meisten Aufständen und infolgedessen mit den meisten Hinrichtungen im römischen Weltreich. Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Römer das teure Holz für Kreuze hergaben, da sie es für den Flottenbau und Kriegsgeräte-bau so nötig brauchten. Nachweislich aus alten überlieferten Schriften fanden die Hinrichtungen und die Beerdigungen auf einem bis heute nicht identifizierten Hügels außerhalb Jerusalems mit dem Namen „Ort des Schädels“ statt. Zur Hinrichtung wurden die Verurteilten an Bäumen angebunden. In diesem Zusammenhang ist auch der in der Bibel erwähnte Lanzenstich zu nennen. Die römischen Wachmannschaften mussten so lange Wache halten, bis der Verurteilte verstorben war und dies wurde durch einen Lanzenstich überprüft. Die Christen nannten diesen Ort später „Golgatha“. Eine normale Bestattung fand von Griechenland bis Ägypten in offenen Gruben statt und die in damaliger Zeit zu Millionen dort lebenden Geier brachte den Toten ins Jenseits, bis nur noch der Schädel übrig blieb, daher die Namensgebung „Ort der Schädel“. Insbesondere der Bartgeier, dessen Nahrung aus 80 % Knochen besteht. Um an das Knochenmark zu kommen, verschluckt er komplette Knochen, oder er lässt sie aus großer Höhe herunter fallen, um sie zu verkleinern. Deshalb durfte auch in keinem ägyptischen Tempel am Deckenbalken die Geiergöttin fehlen, die den Normalsterblichen ins Jenseits brachte. Bei den Etrusker, Germanen, Römer und Griechen waren bereits früh die Brand- und auch die Körperbestattung in Gräbern entstanden. So sind die Geier in Italien und Griechenland um die Zeitenwende bereits ausgestorben. Später starben die Geier auch im vorderen Orient und in Nordafrika aus, als Christen, Juden und Muslime allgemein die Erdbestattung durchführten.

Tempel von Kom Ombo: Die Darstellung der Himmelsgöttin Nechbet (Darstellung als Bartgeier), durfte ab dem neuen Reich an keiner Tempel-Decke fehlen.

Handwerker:

Selbst wenn ausreichend Holz zur Verfügung gestanden hätte, wäre der Kostenaufwand für die Herstellung eines Kreuzes zu groß gewesen. Zwei Handwerker hätten mit den damals bekannten Werkzeugen sehr viel Zeit benötigt, um ein Kreuz herzustellen. Vor allem waren solche Handwerker jedoch Spezialisten und wurden für viel wichtigere Arbeiten wie etwa den Bau von Galeeren benötigt.

Nägel:

Die Metallverarbeitung war äußerst aufwendig und die Gewinnung von Metallen sehr teuer. Man braucht für die Metall-Herstellung, Holzkohle, also Bäume. Deshalb kann man annehmen, dass geschmiedete Nägel bei Hinrichtungen keine Verwendung fanden und für den Galeeren-Bau eingesetzt wurden. Zudem ist es nicht möglich, dass das Gewicht eines menschlichen Körpers an einem Kreuz mit nur zwei Nägeln in den Händen getragen werden kann. Wie aus Schriften bekundet, wurden die Verurteilten an den Bäumen mit Seile angebunden


Antikes Werkzeug

Kruzifix: Vor dem 12. Jahrhundert findet sich das Kruzifix, die Darstellung der Hinrichtung von Jesus am Kreuz, selten. Das bisher älteste gefundene Kruzifix stammt aus dem Jahr 890-900 aus einer kleinen Kirche in Enghausen. Hergestellt wurde es in der Nähe liegende Benediktinerkloster in Moosburg, 100 km nördlich von München gelegen. Das Enghausener Kruzifix ist wohl die älteste Kreuzigungs- Darstellung und wurde in der späten Karolingerzeit um 900 geschaffen. Das Enghausener Kruzifix zeigt keinen leidenden Jesus und in der Haltung ist nicht erkennbar, dass es sich um einen Sterbenden handelt. Scheinbar mitleidig scheint er auf die Trauergäste herabzuschauen. In späterer Zeit wurde der Gekreuzigte mit geschlossenen Augen und leidend dargestellt oder als Toter sowie mit einer Dornenkrone. Eine wissenschaftliche Untersuchung hat ergeben, dass Beine und Füße des Enghausener Exemplars in späterer Zeit geändert wurden. Ebenso wurden die Wundmale und das Annageln später ergänzt. Der Schöpfer, der die Nägel in Händen und Füßen hinzufügte, erkannte zu Recht, dass die Nägel im Fleisch keinen Menschen am Kreuz halten können und fügte aus diesem Grund zusätzlich eine Fußstütze hinzu. Diese ist als Ungeheuer (das Böse) ausgestaltet, das die Zunge herausstreckt. Wie die Abbildung zeigt, wurden die Beine getrennt angenagelt, so wie 76 Jahre später auch beim Kölner Kreuz erfolgte, jedoch bei diesem Kreuz bereits bei der Anfertigung (976). Das Schild mit den Initialen I.N.R.I. (Jesus von Nazaret, König der Juden) wurde ebenfalls erst in späterer Zeit hinzugefügt. Johannes berichtet, dass die Römer ein Schild mit der Aufschrift „Jesus von Nazaret, König der Juden“ in drei Sprachen (Hebräisch, Griechisch, Latein) angebracht hätten. Es ist schwer vorstellbar, dass die Römer sich solch eine Arbeit bei den Verurteilten gemacht haben und diesen dann auch noch als König betiteln. Auch ist zu beachten, dass zu dieser Zeit sicherlich hunderte Rebellen und Aufwiegler im Jahr hingerichtet wurden. Belegt ist, dass die Bekanntmachung der Schuld eines Verurteilten öffentlich erfolgte. So wurde, wie es heute noch üblich ist, vor der Urteilsverstreckung das Urteil verlesen. Der Grund der Verurteilung von Jesus ist bis heute nicht bekannt. Dass er sich, so wie es Aufzeichnungen auf späterer Zeit belegen, Jesus König der Juden nannten, wäre einem Todesurteil gleichgekommen. Sich einen Königstitel anzueignen, darauf stand die Todesstrafe. Das spätkarolingische Kruzifix aus Enghausen, ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich der Glaube und somit die sakrale Kunst mit der Zeit veränderte. Als sich der Glaube änderte (Darstellung als leidender oder Toter) veränderten sich damit die Kruzifix Darstellung. Bei dem Enhausener Kreuz wurde wissenschaftlich bewiesen, dass die Ergänzung der Annagelung und das Schild mit der I.N.R.I.-Inschrift in später ergänzt wurden. Ferner wurden die Wunden ebenfalls später erstellt. Die neue Glaubensvorstellung, Jesus als Leidenden mit Dornenkrone oder sogar als Toten darzustellen, konnten an diesem Kruzifix nicht mehr umgesetzt werden. Somit war das Kruzifix für die Glaubenslehre nicht mehr brauchbar und wurde in einer kleinen Kirche in dem Dorf Enghausen, das nur aus fünf Häusern besteht, entsorgt. Der Erzbischof Gero von Köln ließ 976 ein Kruzifix herstellen, das bereits einen leidenden Jesus mit angenagelten Füßen zeigt, wobei die Dornenkrone und die Wundmerkmale fehlen. Trotzdem hängt es noch heute im Kölner Dom und der Grund warum dieses Kreuz nicht entsorgt wurde, weil an diesem Kreuz, Jesus als leidender dargestellt wurde. Nur bei einer Hinrichtungsart, der Pfählung wurde Holz verwendet, und zwar mit einem schmalen Holzstock. Diese Hinrichtungsart wurde von den antiken Ägypter und Perser durchgeführt (auch im Islam gabt es Pfählungen).

Der rumänische Fürst Vlad III. Draculea führte im 15. Jahrhundert einen Krieg gegen das osmanische Reich, weil die Forderungen der Abgaben immer größer wurden. Die osmanischen Unterhändler die das Geld abholen sollten, ließ er pfählen. Die Pfählung war in Rumänien zu dieser Zeit üblich und vor jeder Stadt wurden gepfählte Diebe und Mörder zur Warnung aufgestellt. So geschah es auch mit der Vorhut des osmanischen Heeres. Er erfand eine neue Kriegstechnik, die erst hunderte Jahre später wieder angewandt wurde, der Partisanen Krieg. Er ließ nicht nur eigenen Städten niederbrennen, er vergiftete auch Brunnen an dem das osmanische Heer vorbeiziehen musste. Weiterhin überfiel er nachts die Lager der Osmanen und zerstörte Deiche und setzte große Landstriche unter Wasser. Nach der Überlieferung ließ er 20.000-30.000 osmanische Gefangene und bulgarischen Muslimen pfählen und auf dem Weg die das osmanische Hauptheer nehmen musste, aufstellen. Unter diesen hingerichteten war auch der Pascha Hamza. Als der Sultan diese Grausamkeit sah, befahl er den Rückzug. Aus dieser Geschichte, um den Fürsten Vlad III. Draculea, ist später die Geschichte von dem blutsaugenden Vampir Dracula entstanden.

Das Enghausener Kruzifix

Links: Jesus nicht als Leidenden darzustellen, war nach der Glaubensvorstellung nach 900 unvorstellbar. In der nachfolgenden Zeit wird keine Darstellung als nicht leidender mehr gefertigt. Dieses Kruzifix ist nicht nur die erste Darstellung, sondern auch die wohl einmalige Darstellung der Kreuzigung. Nach der Änderung vom Anbinden am Kreuz  zum viermaligen annageln, hat der Künstler in späterer Zeit die Fußstütze, Wundmale und das Schild INRI angebracht. Die Änderung der unteren Beine ist deutlich zu sehen. Rechts: Die Fußstütze. Unten: Nach der Änderung vom Anbinden zum Annageln hat der Künstler in späterer Zeit die Fußstütze, Wundmale, und das Schild INRI angebracht.


In der kleinen Kirche von Enghausen, das nur aus fünf Häusern besteht, steht das älteste Kruzifix (900) der Geschichte. Gefertigt wurde es mit größter Wahrscheinlichkeit in das, in der Nähe liegende Benediktiner Kloster in Moosbach. 772 erstmals bezeugte Kloster, liegt 100 km nördlich von München und galt als königliche Abtei.

1. Aufsatz  (24.03.2019) Der Nasen- und Mundkuss

Einer der ältesten Darstellungen von einem Kuss wird auf einen Hausaltar im ägyptischen Museum in Kairo gezeigt. Das Relief zeigt Echnaton (Amenophis IV., 1364 v. Chr.) im Kreis seiner Familie. Seine Frau Nofretete hat zwei Töchter auf den Schoss und Echnaton hebt eine Tochter hoch und berührt ihre Lippen. Hier kann man diesen Kuss wohl als Freundschaft-Kuss deuten. Diese Darstellung ist in der Ägyptologie einmalig. Üblicherweise zeigen in den antiken Gräbern die Reliefs und Gemälde, die vor 4000 Jahren entstanden sind, wie sich Menschen mit der Nase berühren. Beim Nasen-Kuss oder auch Schnüffel Kuss genannt, kommen sich die Nasen der Partner sehr nahe. Wissenschaftler sind der Meinung, dass es ein erschnüffeln des anderen ist um die Pheromone (Ausdünstungen) zu erschnüffeln die noch aus den Anfängen der Menschheitsgeschichte zurückzuführen ist. In der Natur ist das beschnüffeln bei den Tieren noch zu sehen. Weit verbreitet ist in Asien und in der Arktis der Nasen-Kuss wobei die Stirn des Paares sich ebenfalls berühren. Die gleiche Begrüßung erfolgt im Oman, Katar, Saudi-Arabien und bei den Maori in Neuseeland heute noch. In Europa war der Nasen-Kuss, Schnüffel Kuss um 1900 mehr verbreitet als der Mund-Kuss. Es ist stark anzunehmen, dass aus der Geste des Nasen-Kuss / Schnüffel Kuss, der Mund-Kuss entstanden ist.

Seit 500 v. Chr. erscheint auf den Darstellungen der Töpferwaren bei den Griechen der Mundkuss (Lippenberührung) zwischen Mann und Frau. Durch die dargestellte innige Umarmung oder liegend auf einem Bett lässt sich hier deuten, dass es sich hier um die Darstellung eines Liebespaares handelt.

In der Bibel wird der Kuss zahlreich erwähnt und als heiliger Kuss erwähnt. Die Bedeutung dieser Geste war Ehrerbietung, Verbundenheit, Wunsch nach Friede und Nächstenliebe. Ferner sollte er den Zusammenhalt in der Gemeinschaft gewährleisten. Ebenso wurde somit der Standesunterschied in der Gemeinschaft aufgehoben. Der Mundkuss oder auch Bruderkuss genannt muss man sich als Begrüßung-Bussi vorstellen, so wie es in Köln zur Karnevalszeit heute noch üblich ist. Hier liegt für die heutige Gesellschaft das Problem, wenn andere Kulturkreise einwandern, in der das zur eindeutigen Bewilligung zum Sex auffordert.

Einen Unterschied gab es, wenn ein Herrscher begrüßt wurde, wie uns zahlreiche Reliefs aus den antiken Städten aufzeigen. Dieser Begrüßungskuss erfolgte, indem man den Boden vor seinem Thron küsste oder seine Füße mit den Lippen berührte. Hier hat es mit Sicherheit nichts mit dem Bruderkuss zu tun, sondern es ist eindeutig eine Hingabe und Unterwerfung darstellt. Dieser Kuss wird in der Bibel erwähnt als eine Frau, die Füße Jesus küsste. Ferner wurde im Mittelalter diese Geste übernommen, indem der Untergebene dem Herrscher das Schwert oder den Ring küsste. Das machen die Gläubigen beim Papst heute noch.

Die Bibel fordert immer wieder auf: „Begrüßt euch, mit dem heiligen Mundkuss“. Es wird auch erwähnt, dass Jesus sich bei einem Pharisäer beschwerte, als er bei der Begrüßung keinen Mundkuss erhalten hat. Die berühmteste Mundkuss-Aufzeichnung in der Bibel ist der Judaskuss. In der Darstellungskunst (Gemälde, Skulpturen) ist ab dem Mittelalter schön zu sehen, wie der Bruderkuss als sexuelle Handlung angesehen wurde und Judas Jesus statt auf dem Mund, auf die Wange küsste. So gab es im Mittelalter und in der Renaissance nur wenige Künstler, die sich wagten, die historische Darstellung des Mundkusses wiederzugeben. Diese Wandlung ist heute noch im Internet zu sehen, als David Beckham bei Instagram ein Bild postet, wie er seiner Tochter Harper vor einem Tannenbaum ein Bussi gab. 52 Millionen sahen das Bild und über zwei Millionen Likes waren empört und stellten die Frage „darf man das?“. Die Vorstellung, die im Mittelalter entstanden ist, dass ein Mundkuss nur mit sexuellen Handlungen erfolgt, ist heute noch sehr verbreitet.  In der europäischen Welt war es vor 100 Jahren noch üblich, in einigen ländlichen christlichen Gemeinden, dass sich die Männer zur Begrüßung auf dem Mund küssten. Diese Geste der Verbundenheit gibt es in ländlichen Regionen, im östlichen Europa heute noch.

Eigene Erfahrung: In den 70 er Jahren führte uns ein Montage-Auftrag, in die damalige Tschechoslowakei. Unsere Unterkunft war ein großer Gasthof, an dem ein großer Festsaal angebaut war. Hochzeiten und andere Festlichkeiten fanden hier statt und nach kurzer Zeit wurden wir bereits zu einer Hochzeit eingeladen. Wir wurden vom Bräutigam begrüßt und auf dem Mund geküsst. Unsere Verwunderung wurde sofort bemerkt und die Erklärung folgte prompt „bis zum Ural begrüßen sich viele Christen heute noch mit dem Bruderkuss“ insbesondere in ländlichen Gegenden. Als sozialistischer Bruderkuss wurde der von den Führern der Ostblockstaaten, zu Zeiten der Sowjetunion, von den Christen übernommen. Dieser gelangte zur Berühmtheit als sich Erich Honecker und Leonid Breschnew auf dem Mund küssten.